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Kabinengeflüster - Geschichten aus 40 Jahren DDR-Elf
Kabinengeflüster - Geschichten aus 40 Jahren DDR-Elf
von Uwe Karte, Jörg Röhrig

Einband: Broschur
Inhalt: 223 Seiten
Verlag: Agon Sportverlag, Kassel
Erscheinungsjahr: 1997
ISBN-10: 3-89609-124-7
Preis: 15,24€
Kauftip:
Absolute Empfehlung. Absolute Empfehlung. Absolute Empfehlung. Absolute Empfehlung.

CFC-Bezug:
Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.
Rezension von Peter Rohleder (28.09.2001)

"Episoden und Anekdoten um die Nationalelf der DDR."

Zum letzten Spiel wollte keiner mehr hin. Wenige Tage vor der Wiedervereinigung zeigte sich kaum ein DDR-Auswahlspieler motiviert für ein Land zu spielen, das es in wenigen Tagen nicht mehr geben sollte. 500, 501, Aus! titelte die Presse nach jenem historischen Spiel gegen Belgien am 12.9.1990, das schließlich noch eine Rumpfmannschaft unter Ede Geyer überraschend mit 2:0 gewinnen konnte. So kam auch der Chemnitzer Tormann Jens Schmidt zu seinem Länderspiel-Debüt, hielt seinen Kasten sauber und ging in die Statistik als Keeper ohne Gegentore ein.

Das war das Ende der DDR-Nationalmannschaft. Viele Kicker von damals verdienen heute gutbezahlt in der Bundesliga ihr Geld. Den meisten ostdeutschen Spielern war jedoch der Schritt auf die internationale Bühne verschlossen. Aus Überzeugung und um des sportlichen Erfolgs willen jagten sie in den Auswahlfarben dem Ball hinterher. Nicht immer lief es dabei so glatt, wie die DDR-Presse gern berichtete. Wie es wirklich war, was hinter den Kulissen passiert und was es für hässliche oder liebenswerte Geschichten um die DDR-Mannschaft gab, das kann man im 1997 erschienenen Buch "Kabinengeflüster" nachlesen oder neu erfahren.

Während sich der Kotte/Müller/Weber-Skandal auch Dank einer FuWo-Notiz bald überall herumsprach, blieben viele Vorkommnisse oft im Verborgenen. Nicht immer passten sich die Auswahlspieler den sozialistischen Sportlernormen an und wurden bei Verstößen hart bestraft. So traf es z.B. 1968 den Karl-Marx-Städter Dieter Erler, der während einer Chile-Reise mit den Schuhen seiner Mitstreiter in der Hotelhalle Fußball spielte und dafür der Nationalmannschaft Lebewohl sagen musste. Auch die Leipziger Kreer und Müller galten nicht gerade als Musterknaben. Mehrere lustige Anekdoten wie die Späßchen um den Bauch von Nationaltrainer Manfred Zapf ("Sie haben wohl einen Fußball verschluckt?") bereichern dieses äußerst spannend geschriebene und lesenswerte Buch, das so früher wohl hätte nie erscheinen dürfen. Ein würdiger Abgesang auf ein Kapitel DDR-Geschichte.
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