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Das grosse Buch der deutschen Fussball-Stadien
Das grosse Buch der deutschen Fussball-Stadien
von Werner Skrentny

Einband: Gebundene Ausgabe
Inhalt: 400 Seiten
Verlag: Die Werkstatt Göttingen
Erscheinungsjahr: 2001
ISBN-10: 3-89533-306-9
Preis: 39,90€
Kauftip:
Absolute Empfehlung. Absolute Empfehlung. Absolute Empfehlung. Absolute Empfehlung.

CFC-Bezug:
Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.
Rezension von Peter Rohleder (24.04.2002)

"Unzählige Stadiongeschichten zwischen Kiel und Chemnitz"

Bereits in seiner 2. Auflage liegt nun "Das grosse Buch der deutschen Fussball-Stadien" in den Läden, ein Zeichen dafür, dass die großformatige Lektüre (A4, 1,9 kg) eine breite Leserschaft gefunden hat. Fast 350 deutsche große und kleinere Stadien sind aufgeführt, beschrieben und mit vielen meist historischen Abbildungen ummalt. Das, was den Titel vor allem lesenswert macht, sind zuallererst die unzähligen, teils rührigen Geschichten rund um die Stadien zwischen Kiel und Freiburg. Es sind die, welche das Leben schreibt, und welche von fleißigen Chronisten festgehalten wurden. Vor allem die kleineren Arenen sind umschmückt mit Story und Episoden, die heute in der Zeit der absoluten Kommerzialisierung des Ballsports geradezu abenteuerlich erscheinen.

Auch in der näheren Umgebung passierte einiges rund ums Oval. So erfährt man von einem sowjetischen General Malzew, der 1950 den Bau des heutigen Erzgebirgsstadions anordnete und dafür auch die Lößnitz umleiten ließ. Im Dresdner Ostragehege fand Ende 1949 das erste Flutlichtspiel in Deutschland statt, wo 12 Lichtmasten, 30.000 Haushaltskerzen und der Vollmond vor 25.000 Zuschauern den 2:0-Sieg der SG Friedrichstadt über eine DDR-Auswahl ausleuchteten. Erzählt wird auch vom Dresdner Rudolf Harbig, der immer noch Vereinsmitglied von Eintracht Braunschweig ist. Wieso das? Als Fallschirmjäger-Offizier diente er Anfang der 1940er Jahre in der Löwenstadt und stellte dort mit der 4x800-m-Staffel einen neuen Weltrekord auf. Ebenfalls erwähnt wird das Fallschirmspringer-Unglück in Halle/S. 1997 oder die Abzockversuche eines Böhlener Ortschronisten 1991, der mit überzogenen Honorarwünschen eine Aufnahme der Jahnbaude in dieses Buch verhindern konnte.

Natürlich sind auch einige Seiten den beiden Chemnitzer Stadien gewidmet. Erzählt wird u. a. vom Kopierdreher Leo Bachmann, der in den 1960er Jahren regelmäßig vor dem Anpfiff mit einer FCK-Fahne eine Stadionrunde lief. Und dass 1970 beim Pokalhalbfinale gegen Vorwärts Berlin (1:2) ein Linienrichter mit seiner eigenen Fahne verdroschen wurde, nachdem zuvor Rudi Glöckner offenbar falsche Entscheidungen traf. Durch das ausgesprochene Stadionverbot wich man u. a. nach Halle/S. aus, wo nachgereiste Wismut-Aue-Fans einen Sarg mit der Aufschrift "Tod dem FCK" ins Kurt- Wabbel-Stadion trugen. Und als 1938 das heutige Sportforum mit dem Länderspiel gegen Polen (4:1) eingeweiht wurde, spielte auf Gästeseite ein Ernst Willimowski mit, damals noch aktiv bei Ruch Wielki Hajduki.

Man neigt dazu, sich fest zulesen, egal welche Seite, welche Stadt und welches Stadion man aufschlägt. Der Hamburger Fussball-Autor Werner Skrentny hat es der Anhängerschaft wirklich nicht einfach gemacht, auf dieses Buch zu verzichten. Zumindest aber einen Blick sollte man da hineinwerfen, und vielleicht sind dann 39,90 Euro doch nicht zu teuer.
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