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11 Freunde sollt ihr sein
11 Freunde sollt ihr sein
von Hubert Möller

Einband: Paperback
Inhalt: 327 Seiten
Verlag: Dr. Bussert & Stadeler
Erscheinungsjahr: 2005
ISBN-10: 3-93290650-0
Preis: 14,90€
Kauftip:
Nicht empfehlenswert. Nur für Statistiker.Nicht empfehlenswert. Nur für Statistiker.Nicht empfehlenswert. Nur für Statistiker.Nicht empfehlenswert. Nur für Statistiker.

CFC-Bezug:
Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.
Rezension von Peter Rohleder (17.08.2005)

"Die linken sechs Zehen des Ernst Willimowski"

Zu Beginn des Jahres 2005 erschien im Verlag Bussert & Stadeler der erste Band einer Statistikreihe, welche die Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft ausführlich in Zahlen und Namen behandelt. Beginnend vom ersten offiziellen Länderspiel im Jahre 1908 wertet der Autor Hubert Möller das Geschehen rund um den Platz ausführlich aus und bietet dem Leser interessante Einblicke in eine Zeit, als der Fußball noch in den Kinderschuhen steckte. Trotz der Nüchternheit der Darstellung von Ergebnissen und Mannschaftsaufstellungen erfährt man zahlreiche interessante Details aus der Länderspielgeschichte, die in dieser Gesamtheit und Faktenfülle nur selten anderswo behandelt wird.
Genau 198 Länderspiele fanden bis 1942 statt. Mit dem 5:2 gegen die Slowakei in Pressburg am 22. November jenen Jahres endete dann die Vorkriegsära der Kicker von Sepp Herberger. Mangels passender Gegner, aber auch eigener Nationalspieler, die in großer Zahl (46) auf den Schlachtfeldern Europas ihr Leben verloren, wurde der Spielbetrieb bis 1950 eingestellt.

Eine Fülle von Kuriositäten begleitete die Anfangsjahre der deutschen Auswahl. So fanden z.B. am 4.4.1909 gleichzeitig in Budapest und Karlsruhe parallel laufende Länderspiele zweier Nationalmannschaften Deutschlands statt. Eine Nordauswahl spielte in Ungarn 3:3, eine Südauswahl besiegte die Schweiz mit 1:0. Bemerkenswert ist dabei auch, daß beide Teams ohne Trainer antraten, und die Spieler sich offenbar selbst zum Spiel verabredeten. Erst zum 59. Länderspiel im Jahre 1926 betreute ein DFB-Trainer, der Doktor der Medizin Otto Nerz, die auserwählten Kicker. Auch später noch fanden ein weitere Doppelländerspiele statt. Am 5. Oktober 1941 verlor eine deutsche Elf in Schweden (2:4), während ein zweites Team in Finnland 6:0 gewann. Kein Wunder, möchte man meinen, denn in dieser Elf standen zwei Spieler aus Chemnitzer Vereinen auf dem Platz. Während Lothar Richter vom Chemnitzer BC sein dort einziges Länderspiel für Deutschland absolvierte, bestritt der aus der Nationalmannschaft Polens (23x) kommende Ernst Willimowski vier Länderspiele für den PSV, sowie später vier weitere für 1860 München.

Mit Ernst Willimowski (auch: Ernest Wilimowski oder "Ezi") spielte von 1940 bis 1942 der absolut beste Spieler Vorkriegspolens in den Reihen des PSV Chemnitz. In die sächsische Industriestadt gelangte er auf Vermittlung von Erwin Helmchen, wo er auch eine Anstellung im Polizeipräsidium fand. Nach Ansicht des Buchautors spielte er zur Bewährung beim Gauligisten und "nur unter Aufsicht, weil man einem Polen nicht traute". Kann sein, kann nicht sein, denn Hubert Möller kann diese Aussage nicht belegen. Tatsache bleibt allerdings, daß trotz des neuen Mittelstürmers die "SG Ordnungspolizei" 1942 aus der Gauliga abstieg und Willimowski es nach München zu den Löwen zog. 1945 kehrte der Linksbeiner noch einmal nach Chemnitz zurück, wo er bis 1947 für Chemnitz West aktiv war. Die neue polnische Regierung unter Jozef Cyrankiewic erklärte in dafür zur persona non grata und verbot ihm den Besuch seiner alten Heimat Katowice. In Kaiserslautern war dagegen Fritz Walter voll des Lobes und nannte ihn als das "größte Wunder im Ausnutzen von Torchancen". Sein Torgeheimnis sei sein linker Fuß, erklärte Ernst Willimowski später, denn da "habe ich sechs Zehen". 1997 verstarb einer der besten Fußballer Polens und Deutschland 81jährig in seiner Wahlheimat Karlsruhe.
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