Bücherecke


Die großen Derbys
Die großen Derbys
von Erik Kiwitter (Text), Frank Kruczynski (Fotos)

Einband: Hardcover
Inhalt: 180 Seiten, Zahlr. tls. farb. Fotos u. Abb.
Verlag: Chemnitzer Verlag
Erscheinungsjahr: 2013
ISBN-13: 9783944509037
Preis: 19,95€
Kauftip:
Muß man haben! auf jeden Fall auf den WeihnachtstischMuß man haben! auf jeden Fall auf den WeihnachtstischMuß man haben! auf jeden Fall auf den WeihnachtstischMuß man haben! auf jeden Fall auf den Weihnachtstisch

CFC-Bezug:
100% Himmelblau!100% Himmelblau!100% Himmelblau!100% Himmelblau!
Rezension von Peter Rohleder (03.12.2013)

"Die großen Duelle …"

… zwischen Aue, Karl-Marx-Stadt und Zwickau

Was lange währt, wird endlich gut. Vierzehn Jahre nach der legendären 100-Jahre-Bibel legt der Chemnitzer Verlag wieder ein Buch über den regionalen Fußball vor, das nicht nur die himmelblauen Anhänger, sondern auch die der beiden Bezirksderby-Gegner aus dem Erzgebirge und der Trabantstadt nicht zu kurz kommen lässt.
Die ewigen Fehden wuchsen in DDR-Zeiten zu brisanten und rasanten Duellen heran. Während im Leistungszentrum Karl-Marx-Stadt sich über Jahre meist die spielstärksten Ballsportler des Bezirkes versammelten, sollten nach dem Willen der Oberen Wismut Aue und Sachsenring Zwickau eine gewisse Außenseiterrolle spielen. Das spiegelte sich jedoch selten auf dem Rasen wider. Fast alle Derbys hatten es in sich, und niemand wich nur einen Millimeter zurück. „Ja, die Fronten verliefen manchmal direkt durch die Klassenzimmer, aber auch durch die Werkhallen, Büros, manchmal sogar durch die eigenen Wohnzimmer“ heißt es dazu treffend in Vorwort von Erik Kiwitter.
Der Zwickauer Hobbyfotograf und Ingenieur Frank Kruczynski hielt diese Duelle im Bild fest. Sowohl im Dr.-Kurt-Fischer-Stadion, im Lößnitztal oder im heimischen Georgi-Dimitroff-Stadion lag er mit seinem Fotoapparat auf der Lauer und dokumentierte das Spielgeschehen für die Freie Presse und die FuWo.
Es entstanden wertvolle Zeitdokumente, welche die Entwicklung des Oberliga-Fußballs mit all seinen Spannungen und Schönheiten im Bezirk Karl-Marx-Stadt zeigen. Vielen alten Haudegen wie Henschel, Bähringer, Irmscher oder Erler ist hier ein Denkmal gesetzt worden. Bemerkenswert sind immer noch die gewaltigen Umfänge ihrer Oberschenkel, die zeigen, dass Fußball für sie wohl das Wichtigste im Leben war. Nicht wenige dieser Fotos sind untrennbar mit dem DDR-Fußball verbunden. Viele Aufnahmen verschwanden damals im Archiv und sind hier erstmalig zu sehen. Auch erste Farbfotos gibt es zu bestaunen, wobei diese aus Kostengründen zu jener Zeit kaum veröffentlicht wurden. So kann man auf den Seiten 92-93 erstmals eine farbige Fischerwiese mit den Protagonisten Ihle, Uhlig und dem Zwickauer Pilz, umrahmt von herbstlichen Pappeln des 22.11.1980 betrachten und in Erinnerungen schwelgen.
Insgesamt 106 rassige Sportfotos fanden Eingang in diesem Bildband, umrahmt von Devotionalien wie ehemaligen FCK-Dressen, Eintrittskarten oder Programmheften. 30mal davon betätigte Kruczynski seinen Auslöser in Karl-Marx-Stadt und erhielt für die Nachwelt so wundervolle Abbildungen von Bähringer, Wolf, Hambeck, Krahnke, Glowatzky, Richter und vielen anderen. Und wer erinnert sich nicht an den großen 2:1-Auswärtssieg des FC Karl-Marx-Stadt in Aue 1989 im Pokal? Ein tolles Farbfoto zeigt hier Sven Köhler und Ralph Vogel im verbissenen Kampf um den Ball. Ein Wehmutstropfen ist doch dabei. Nicht alle großen Duelle sind in diesem Buch dokumentiert, nur diese, wo der Zwickauer Fotograf auch vor Ort war. So fehlt z.B. der legendäre 4:2-Sieg des FCK 1980 im Lössnitztal, ebenfalls ein Spiel, von dem man noch lange sprach. Auch einige Sachfehler haben sich eingeschlichen. Klaus Kreul (FCK) wird im Vornamen mit „C“ geschrieben, Seite 102 zeigt den Zwickauer Steffen Lorenz und nicht Schellenberg und an einer weiteren Stelle ist der Satzbau nicht logisch. Auch die Texte von Erik Kiwitter beschreiben oft nur das, was die Bilder zeigen und liefern nur selten Hintergrundinformationen. Sei es drum, denn das Buch lebt vorwiegend von seinen großartigen Fotos.

Nach der Wende trennten sich die Wege der Oberligisten. Während der Chemnitzer FC in der Zweiten Liga Fuß fasste, krebsten Aue und Zwickau zunächst in den Niederungen herum, lernten Dorfplätze und leere Ränge kennen. Erst 1994 stiegen die Schwäne auf, duellierten sich mit unseren Häfner-Schützlingen und spielten zweimal unentschieden (0:0, 1:1). Sehr viel später schafften es auch die Erzgebirgler in die zweithöchste Spielklasse, spielen heute dort eine gute Rolle und lassen Gedanken an ein früheres Siechtum schnell vergessen. Inzwischen sind der CFC in der Dritten und Zwickau in der Vierten Liga angekommen.

Wer damals dabei war und sich noch einmal so richtig erinnern möchte, für den ist dieses Buch eine gute Empfehlung. Die „alten Zeiten“ der DDR-Oberliga sind hier wieder einmal unsterblich geworden.

An diesem Buch arbeiteten u.a. die ehemaligen FCK-Spieler Joachim Posselt, Fritz Feister, Joachim Müller, Hans Richter und Udo Fankhänel mit.
<< zurück