Kommentar

25.10.1999
Pfiffe gegen Dummheit und Intoleranz
Die Himmelblauen sind auf dem besten Wege, sich in der 2. Bundesliga zu etablieren. Dem begeisternd herausgespielten ersten Auswärtssieg in Cottbus folgte in der Pokalniederlage gegen die Wölfe zwar ein Dämpfer, doch im Kampf um den Klassenerhalt konnte der CFC in den darauffolgenden zwei Spielen sechs hochwichtige Punkte einfahren. Bemerkenswert dabei ist die Fähigkeit der Himmelblauen im Schlußspurt immer noch zusetzen zu können. Sepp Herbergers legendären Ausspruch, "Ein Spiel dauert neunzig Minuten", scheinen die Mannen von Christoph Franke verinnerlicht zu haben. Gegen Hannover war es die 90. Minute, beim KSC die 85. Minute als der alles entscheidende Siegtreffer gelang. Und das obwohl der Gegner, welchem in beiden Spielen kurz zuvor der Ausgleich gelang, psychologisch im Vorteil war. Auch gegen Wolfsburg war man in den Schlußminuten ganz dicht am Ausgleich dran. Natürlich läuft im Spiel des CFC noch nicht alles rund aber eines zeichnet sich schon ab: diese Mannschaft hat das Zeug die Klasse zu halten. Umso mehr, da Christoph Franke mit der Neuverpflichtung von Nebosja Krupnikovic wieder mal ein glückliches Händchen hatte. Der Serbe überzeugte in den bisherigen Spielen als Gestalter im offensiven Mittelfeld und dem Auge für den "tödlichen" Paß. Ein anderer ist mittlerweile kaum noch aus der Stammelf wegzudenken. Die Rede ist von Ervin Skela. Zu Beginn der Saison noch traurig die Ersatzbank drückend, gelang ihm im Spiel gegen Mainz der Durchbruch. Mit seinen tollen Dribblings spielt der Albaner jede gegnerische Abwehr schwindlig. Bei Erzgebirge Aue war Skela in die zweite Mannschaft verbannt worden. Ein Glücksfall für den CFC, welcher dadurch erst die Möglichkeit bekam, Skela nach Chemnitz zu holen.

Bei den Himmelblauen wird nicht nur in sportlicher Hinsicht geklotzt. Daß die Fischerwiese nun bald dank nagelneuer Flutlichtmasten auch in den Abendstunden hell erleuchtet sein wird, ist ein kleiner Meilenstein in der Geschichte des Vereins. Wer hätte das noch vor einem Jahr für möglich gehalten - die Fischerwiese mit Flutlicht. Bereits am 22.11. soll dieser Traum Wirklichkeit werden. Zur Premiere wird dann der 1. FC Köln an der Gellertstraße auflaufen, live zu sehen im DSF. Doch wer etwas auf sich hält ist logischerweise beim Beginn der Fischerwiese-Flutlichtära im Stadion. Ein Fest kann es werden, denn die wiedererstarkten Kölner sind ein Top-Favorit für den Aufstieg. Leider besteht aber auch die Gefahr, daß diese Begegnung zur peinlichen Blamage vor Millionenpublikum für den Chemnitzer FC und seine Fans wird. Denn Köln hat mit Pascal Ojigwe einen dunkelhäutigen Spieler in seinen Reihen. Und einige Chemnitzer Zuschauer haben damit, wie in den letzten Spielen offenkundig wurde, ein Problem. In einer Art geistiger Umnachtung geben sie Urwaldgeräusche von sich, sobald ein schwarzer Spieler am Ball ist. Daß sie sich dabei selber zum "Affen machen" bemerken sie nicht. Mag man von einigen "erlebnisorientierten" Besuchern der Fischerwiese nichts anderes erwarten, so ist es doch traurig zu nennen, daß es auch einige "normale" Fans gibt, die in den dumpfen Chor mit einstimmen. Auch ein Appell des überaus beliebten und anerkannten Stadionsprechers Olaf Kadner vor dem Hannover-Spiel konnte die diskriminierenden Rufe gegen Hannovers schwarzen Spieler Darlington Omodiagbe nicht verhindern. Sollten die Dschungelrufe wie leider zu befürchten ist, auch gegen Köln auftreten, würde ich mir eins wünschen: daß die Zuschauer vom DSF nicht nur ein "UUh Uuh" sondern auch ein gellendes Pfeifkonzert hören. Angestimmt von den CFC-Fans, für die Fair Play und Toleranz noch kein Fremdwort ist.

Man sieht sich im Stadion.

Euer Pierre Schönfeld (Charlie S.)

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