Kommentar

18.06.1997
Aufbruch zu neuen Ufern
Die Himmelblauen haben einen neuen Präsidenten. Lutz Waszik heißt er und ist Chemnitzer Bauunternehmer. Mit seinem Amtsantritt endet das wochenlange Hickhack um die Nachfolge des nicht mehr kandidierenden Winfried Maier. Waszik tritt ein schweres Erbe an. Ca. 3,5 Mio. DM Verbindlichkeiten drücken den Club. Schulden, die quasi aus dem Nichts entstanden sein müssen, zumindest, wenn man Ex-Präsident Maier Glauben schenken will. Dieser behauptete vor einigen Wochen noch, daß es beim CFC keine wirtschaftlichen Probleme gäbe. Eine fatale Fehleinschätzung, welche für den Club Ende Mai auch die Zwangsvollstreckung hätte bedeuten können.

Noch ein Wort zu Maiers Amtszeit. Sie war eine der dunkelsten Kapitel in der CFC-Vereinsgeschichte. Spielte der Club bei seinem Amtsantritt 1994 noch eine gute Rolle in der 2. Bundesliga, so ist der CFC nach dem Abstieg 1996 in die Regionalliga derzeit auf dem besten Wege, in die Bedeutungslosigkeit abzusinken. Ein Umstand an dem auch der Präsident seinen Anteil hat. Denn bei all seinem lobenswerten Engagement bewies er in manchen Situationen eklatante Führungsschwäche (u.a. beim Hickhack um Ex-Trainer Häfner) und erschreckende Unkenntnis der Sachlage. Seine Aussage, die Mannschaft für den Wiederaufstieg verstärken zu wollen, klingt nach den Abgängen von U21-Nationalspieler Michael Ballack, Top-Torjäger Ilja Aracic und Mittelfeldtalent Matthias Großmann, denen kein einziger Neuzugang gegenübersteht, wie blanker Hohn. Was er sich aber am meisten vorwerfen lassen muß ist, aus seinen Fehlern nicht gelernt zu haben. Anstatt nach der Katastrophe des Abstiegs die Gründe dafür zu suchen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen (z.B. eine kompetente Person für die sportliche Abteilung in den Vorstand zu holen), wurde weitergewurstelt wie bisher. Über die Entlassung des damaligen Club-Managers Stephan Dürrschmidt kann ich auch heute noch nur verständnislos den Kopf schütteln. Die Entscheidung gerade den Managerposten einzusparen, zeugte nicht gerade von großem Sachverstand. Die Mitglieder des Vorstands um Peter Fittig hingegen klebten weiterhin an ihren Stühlen, bis sie vor kurzem das (scheinbar) sinkende Schiff verließen.

In der Hoffnung auf bessere Zeiten richten sich die Augen der CFC-Anhänger jetzt auf die neue Vereinsführung. Die Männer um Karl-Heinz Schüngel, Vorsitzender des Mitte Mai gewählten Verwaltungsrates, und der neue Präsident Waszik sind die Hoffnungsträger aller Chemnitzer Fußballfans. Angetreten sind sie mit dem Ziel, den Club mittelfristig wieder in den bezahlten Fußball zu führen. Wünschen wir ihnen viel Erfolg und auch das notwendige Quentchen Glück bei ihrer Arbeit.

Die ersten Amtshandlungen von Lutz Waszik hören sich vielversprechend an. Der Managerposten soll wieder eingeführt und das Vollprofitum abgeschafft werden (die Spieler sollen 2-3 h am Tag im Betrieb, wo sie angestellt sind, arbeiten). Außerdem will der Club noch 4 neue Spieler verpflichten, was auch dringend nötig ist, denn mit dem jetzigen Kader können die Himmelblauen vom Aufstieg nur träumen. Vor allem der Verlust von Matthias Großmann an Regionalligakonkurrent Dynamo Dresden wiegt schwer. In den letzten Spielen der abgelaufenen Saison hatte der Techniker angedeutet, wie wertvoll er für den Club sein kann, sogar als Nachfolger für Michael Ballack war er im Gespräch. Bleibt nur positiv zu vermerken, daß Thomas Laudeley den Lockrufen aus Dresden widerstand und beim Club verlängerte.

Aber jetzt ist erstmal Sommerpause und ich hoffe, daß sie im positiven Sinne ereignisreich für den Club sein wird.
Übrigens, am 19. Juli gibt's ein Wiedersehen mit zwei alten Bekannten. Dann kommt unser Ex-Coach "Hansi" Meyer mit seinem derzeitigen Club Twente Enschede (welcher in der abgelaufenen Saison übrigens Dritter der holländischen Ehrendivision wurde) zum Freundschaftsspiel auf die Fischerwiese. Dabeisein wird auch Rico Steinmann, der erst kürzlich vom 1. FC Köln zu Twente wechselte.

Man sieht sich im Stadion.

Euer Pierre Schönfeld (Charlie S.)

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