Kommentar

24.03.1997
Blick nach vorn
Jens Wahl ist schon weg, Michael Ballack zieht's zum Saisonende nach Kaiserslautern, Torjäger Ilja Aracic zögert noch mit der Vertragsverlängerung. Mit dem diesjährigen Aufstieg wird's wohl nichts mehr, zu souverän zieht Spitzenreiter Cottbus seine Kreise und zu unkonstant spielt auch der CFC. Also düstere Aussichten für die Himmelblauen?

Fakt ist, daß der Weggang der beiden Leistungsträger Wahl und Ballack einen riesigen sportlichen Verlust darstellt. Fakt ist aber auch, daß es mit den finanziellen Möglichkeiten in der Regionalliga für jeden Verein schwer ist, seine Topspieler zu halten. Und wie schnell man sich finanziell übernehmen kann, zeigen als warnende Beispiele Dynamo, Union und zuletzt auch Erfurt. Davon mal abgesehen ist das Bleiben von Michael Ballack ja nicht unbedingt am Geld gescheitert. Er hat die einmalige Chance, ab der nächsten Saison mit dem 1.FCK in der 1. Bundesliga zu spielen. Obwohl wir Dich nur ungern ziehen lassen wünschen Dir viel Glück Mischa !

Aber noch ist die Saison nicht zu Ende. Momentan liegen die Himmelblauen auf Platz 4, wobei Cottbus realistisch gesehen nicht mehr zu packen ist, der 2. Platz aber noch drin ist und dieser sollte auch das unbedingte Ziel der Himmelblauen sein. Dabei hätte man es sicherlich einfacher, wenn der Club seine Torchancen nicht immer so kläglich vergeben würde. Würde man eine Tabelle nach Anzahl der versiebten Chancen aufstellen, wären die Himmelblauen sicherlich uneinholbarer Spitzenreiter. Glücklicherweise schießt man meist wenigstens ein Tor, aber das das nicht immer reichen muß, zeigten die Auswärtspartien in Spandau und Eisenhüttenstadt, wo es eigentlich nur einen Sieger hätte geben dürfen. Eigentlich ...

Ein heißes Eisen haben die Himmelblauen aber noch im Feuer. Am 7. Mai besteht die Riesenchance sich mit einem Sieg über den DSC im Finale des Sachsenpokals für den DFB-Pokal zu qualifizieren. Da dieses Spiel auf der heimischen Fischerwiese stattfindet, könnte man den Fans so auch einen halbwegs versöhnlichen Saisonabschluß bieten. Apropos Fischerwiese. Es ist eindeutig das Stadion in dem die Fans ihre Himmelblauen auch in Zukunft spielen sehen wollen, was auch die Zuschauerzahlen eindrucksvoll belegen. Darum sollte man, sobald die sportliche Aussicht für eine Rückkehr in die 2.Liga und auch die finanziellen Möglichkeiten gegeben sind, an einen Ausbau, wobei damit in erster Linie das Flutlicht gemeint ist, denken. Das dieses auch für einen Regionalligisten möglich ist zeigt das Beispiel Energie Cottbus.

Aber noch einmal zurück zur Mannschaft. Sie hat mehrfach bewiesen, daß sie mit der Spitze der Regionalliga mithalten kann. Doch um nächste Saison den Aufstieg anpeilen zu können, muß das Team verstärkt werden. Der erste Schritt in diese Richtung wurde mit der Verpflichtung von Ivica Gvozden getan. Der Kroate bewies in seinen ersten Spielen mit starken Leistungen wie wichtig er für die Himmelblauen werden kann. Was ich allerdings nicht verstehe ist, daß mit aktuellen Leistungsträgern, wie u.a. Lutz Wienhold, Thomas Laudeley oder Torsten Bittermann, deren Verträge allesamt zum Saisonende auslaufen noch nicht einmal über eine Vertragsverlängerung gesprochen wurde. Wenn da von der Vereinsführung nicht bald gehandelt wird könnte es am Ende ein böses Erwachen geben.

Zum Schluß möchte ich noch an einen erinnern, der vor nicht allzulanger Zeit fast unbemerkt von der Öffentlichkeit seine aktive Laufbahn beendet hat. Die Rede ist von Jens Schmidt. Der ehemalige Torhüter der Himmelblauen laborierte seit langem an einer Knieverletzung, die ihn Anfang dieses Jahres zur endgültigen Aufgabe zwang. Viele CFC-Fans hatten lange Zeit auf ein Comeback von Schmidt'l, der 1988 von Wismut Aue zu den Himmelblauen gekommen war, gehofft. Leider hat es nicht sollen sein. Höhepunkte seiner Karriere waren sicherlich die Vizemeisterschaft 1990 und das Erreichen der 3. Runde im Uefa-Cup 1990/91. Am 12. September 1990 stand Jens Schmidt in Brüssel bei ihrem letzten Auftritt im Tor der DDR-Nationalmannschaft.
Viel Glück und alles Gute auf Deinem weiteren Weg Jens ! Du hast ein großes Stück Chemnitzer Fußballgeschichte mitgeschrieben.

Man sieht sich im Stadion.

Euer Pierre Schönfeld (Charlie S.)

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