Kommentar

17.01.2006
Trostloses Ende einer Hinrunde, in der (mal wieder) alles besser werden sollte ...
... mit einer Vorführung in spielerischer und größtenteils auch kämpferischer Hinsicht in der Hauptstadt und der fast schon alljährlichen Demission des Übungsleiters. Der wohlgemerkt mittlerweile 8. innerhalb von knapp 5 Jahren. Dabei war der Optimismus vor dieser Spielzeit wesentlich größer als in den letzten Jahren mit eher durchschnittlichen Neuzugängen und einer Reihe von Spielern, die mehr oder weniger "mitgeschleppt" wurden. Diesmal wurde fleißig ausgemustert, bis auf Nico Kanitz für die Fans und die Öffentlichkeit auch verständlich. Die Neuverpflichtungen trotz eines eher bescheidenen und schwer erkämpften Etats deutlich unterhalb der Haushalte anderer Regionalligisten ließen erst aufhorchen und dann einiges an Zuversicht verursachen. Namen wie Görke, Tomoski oder Frank Mayer waren noch in den letzten 3 Jahren beim CFC so nicht vorstellbar. Alles mehr oder weniger gute und gestandene Regionalliga-Aktive, welche die Substanz endlich einmal aufmöbeln sollten.

Die ersten Tiefschläge setzte es dann vor dem 1. Spieltag. Hoffnungsträger Borislav Tomoski wurde für einige Monate außer Gefecht gesetzt, mit Semir Devoli dann auch einer der wenigen halbwegs überzeugenden Balltreter der letzten Saison mit dem einen oder anderen wichtigen Treffer. Dennoch präsentierte sich der Club in den Vorbereitungsspielen zur Abwechslung mal ganz solide, trotzte z. B. in Auerbach im Rahmen der "Vogtlandtournee" dem ewigen Rivalen aus dem Lößnitzal ein 0:0 ab, wenn auch nur "nach der halben Spielzeit".

Der Auftakt am Fuße der Leverkusener BayArena bestätigte denn auch die guten Prognosen. Übersehen würde dabei wohl, dass eine junge und in Liga 3 noch gänzlich unerfahrene Mannschaft und ein Abstiegskandidat besiegt wurde. Schon 4 Tage später die erste kalte Dusche, "Rolles" 1:0 gegen Herthas U23 an der Gellertstraße versetzte die anwesenden Fußballfreunde in Verzückung, bevor mit Yakubu Adamus Ausfall die Abwehr wie ein Kartenhaus gegen spielerisch überlegene Berliner zusammenbrach, zumal Matthias Anklam aus Hamburg mal wieder demonstrierte, dass er keine Lust hat, jedes Jahr nach Chemnitz zu reisen. Premiere 4 Tage später in Münster, nach insgesamt 447 min. traf der CFC beim SC Preußen erstmals ins Tor, was ein schwacher Trost angesichts der 4. Niederlage im 5. Gastspiel an der Hammer Straße gegen einen vermutlich direkten Konkurrenten im noch nicht realen Abstiegskampf war. Dass der CFC eben dort wohl wieder landen würde war nach der peinlichen Vorführung im Ost-Derby gegen in jeder Hinsicht bessere Jenenser Aufsteiger nur unschwer vorauszusagen. Wieder mal wurde die Chance vertan, vor einer ordentlichen Kulisse an der Gellertstraße etwas für das Image und die kommenden Spiele zu tun, Verletzungsprobleme hin oder her. Das man 1 Woche später für eine deutliche Steigerung bei einem der Topfavoriten dieser Staffel nicht belohnt wurde war wieder mal eigenen Undiszipliniertheiten zuzuschreiben. Tobias Becker verschaffte dem drückenden Gastgeber den numerischen Vorteil und Minuten später auch die Auswirkungen im Resultat. 4 Pleiten in Folge, der Club wieder ganz unten drin im Tabellenkeller. Wenigstens die Sachsenpokal-Pflichtaufgabe beim Landesliga-Schlusslicht in Dresden wurde erfüllt, wenn auch ohne großen Glanz.

Für das nächste Heimspiel reiste der "alte Bekannte" aus Osnabrück an, seit fast 1 Jahr auswärts ungeschlagen, noch unbesiegter Zweiter der Tabelle gespickt mit Aktiven, die schon in oberen Regionen gegen den Ball getreten hatten und seit dem legendären Relegationsmatch 1999 vom CFC an seiner Heimstätte nicht mehr bezwungen. Es sollte der "Frank-Mayer-Tag" werden und für den ambitionierten VfL ein solcher Schock, dass fortan alle Auswärtsspiele dieser Staffel verloren wurden. Für die Fans mal eine angenehme Überraschung, der favorisierte Gast wurde dank harter Arbeit und zur Abwechslung auch mal durch einen vermeintlichen "Heimschiri" bezwungen. Dass der Dreier dringend notwendig war zeigte sich angesichts der anderen Resultate, denn der Sprung aus der Abstiegsregion war dennoch nicht gelungen.

Die erhoffte Wende nach diesem Coup sollte ausbleiben, in den folgenden 5 Spielen blieb ausser 2 Zählern nichts auf der Habenseite. Wenig Licht, wie das couragierte Spiel einer jungen Mannschaft gegen einen der Spitzenteams aus Hamburgs Amüsierviertel und viel Schatten blieb in Erinnerung. Die HSV-Am. verdienten sich endgültig das Attribut "Angstgegner" und zu aller Frustration wurde man auch noch von einem ehemaligen Spieler abgeschossen, der aus dem Grinsen im TV-Interview danach gar nicht mehr herauskam und im Rest der Herbstrunde auch nur noch einen Treffer zustande bekam. Bei den FC-Amateuren in Köln wiederum reichte es erneut nur zu einer überzeugenden Halbzeit. So blieb gegen Werders Jungprofis ein weiteres Mal der Charakter eines "Schicksalsspiels". Spielerisch eine Offenbarung, wurde der Sieg am Ende eher "erkrampft" denn wirklich herausgespielt. Die Derby-Negativ-Bilanz der Himmelblauen erfuhr Tage später in Erfurt mit dem Auslassen bester Torchancen eine unrühmliche Fortsetzung, zumal man erneut nicht mit 11 Mann vom Platz ging. Dass man am rettenden Ufer dennoch dran bleiben konnte war zum Einen der Schwäche der anderen Kellerkinder geschuldet. Premiere gegen Ostfrieslands Nr. 1 ohne ein Wiedersehen mit Falk Schindler, der es mit der Haarpflege nach Ansicht des DFB übertrieben hatte und Heimsieg Nr. 2 in Folge, für die Stammzuschauer an der Fischerwiese ein lange nicht mehr so gekanntes Glücksgefühl.

Was sich diesem in den folgenden Wochen anschließen sollte war der "Abgang auf Raten" des Übungsleiters. Zwei schmerzhafte Schläge in die Magengegend, als man beim VfB Lübeck im hohen Norden eigentlich 3 Punkte achtlos in die Ecke warf und gegen die vor allem auswärts aufstrebende Fortuna aus Düsseldorf mit einem "8-Mann-Angriff" in das berühmte "offene Messer lief". Wieder mal abgeschossen von einem ehemaligen Sportfreund und mittlerweile fast schon wieder ganz unten in der Rangliste angelangt. Zwischen beiden Abfuhren wurde sich im Sachsenpokal wieder vorgearbeitet, mehr nicht. Grimma bleibt ein gutes Pflaster. Demuth schulte nach den Geschenken an die Partnerstadt sein Sturm- und Drangkollektiv für das Match in Oberhausen vorsichtshalber zur Maurerbrigade um und so wurde dort wenigstens das Minimalziel erreicht.

Der mittlerweile bemerkenswerten Zahl von Angstgegnern dürfte nach dem 26.11.2005 endgültig der Wuppertaler SV angehören, der mal wieder an der Gellertstraße ohne große Überzeugung und Ausstrahlung alle 3 Zähler einsackte, wobei da eigentlich nur eine halbe Torchance gegen stupide anrennende und spielende 10 Einzelspieler auf dem Platz genügte. Und das in einem trostlosen Spiel zweier potentieller Absteiger. Die nicht zu vergraulenden Besucher unterhalb der "gesetzmäßigen 2.000" fielen dann schon nach nicht mal 15 min. gegen Bayers II. halb ihn Ohnmacht, als ein neuerliches Düsseldorfer Debakel drohte. Am Ende sollte es noch zu einem 3:3 reichen, was nach dem Verlauf der 1. Halbzeit kaum einer für möglich gehalten hätte. Dietmar Demuth durfte sich das Leiden noch 1 Woche länger antun, ohne ernsthafte Perspektive auf die Zukunft. Der "Gnadenschuss" folgte bei den Hertha Reservisten, welches Mex treffenderweise unter dem Motto "Die Tracht Prügel auf dem Gabentisch" zusammenfasste, denn so und nicht anders sah es für die überforderten himmelblauen Spieler auf dem Rasen am Fuße des Olympiastadions in der Hauptstadt aus. Vorboten der mittlerweile 8. Demission des jeweiligen sportlichen Vorturners seit Sommer 2000. Dietmar Demuth durfte sich noch 5 Tage "Cheftrainer des Chemnitzer FC" nennen, bevor man sich dann mit seinem Nachfolger einig war. Dieser wiederum ist ein eher unverhoffter Rückkehrer, ob es ohne dessen umstrittene Entlassung nach der Saison 2002/2003 anders, sprich besser gelaufen wäre ,gibt Raum für Spekulation.

Fakt ist, die Mannschaft ist besser als der momentane Tabellenstand, hat dies auch personell geschwächt "in Ansätzen" wie gegen Osnabrück, St. Pauli oder Leverkusen bewiesen. Mehr aber auch nicht. Die Defizite im Spiel nach vorn waren zuweilen erschreckend und wie schon in den letzten Jahren die Fragen stellend, was denn unter der Woche im Training eigentlich so gearbeitet wird. Bis auf Thorsten Görke gelang es keinem der Neuzugänge, durchgängig zu überzeugen. Zu oft schlug man über die Stränge der Disziplin, vergab dadurch wertvolle, am Ende möglicherweise fehlende Punkte oder sorgte für Spielsperren. Die Durchschlagskraft im Angriff ist wie schon in den letzten Jahren ungenügend, was nicht mal vornehmlich am Sturm selber festzumachen ist. Schlimmer aber, dass die himmelblaue Defensive sich in vielen Begegnungen als Torso präsentierte und der CFC schon nach 21 Spielen mit 37 fast so viele Gegentreffer kassierte wie in der gesamten Saison 2004/2005 mit 38. Sowohl Heim- als auch Auswärtsbilanzen sind jeweils abstiegsreif. Kritisch wird es für die himmelblauen Fans auf den Rängen vor allem ab Minute 60.

Was Hoffnung macht für die Frühjahrsrunde ist der Trainer, mit Semir Devoli ein halbwegs viel versprechender "Neuzugang" für die restlichen 17 Spiele, das war's vermutlich. Großartige Neuverpflichtungen sind nicht drin, würden vermutlich aber auch nicht die Lösung sein. Schon der Auftakt gegen die Münsteraner Preußenadler wird "Endspielcharakter" besitzen. Ein Verein, mit dem uns verbindet, dass nach 1 Jahr Schnuppern am Aufstieg in Liga 2 der sportliche wie wirtschaftliche Überlebenskampf regiert und das seit Jahren. Und dass man dem Tod immer kurz vor dem Eintreffen noch von der Schippe springen konnte. Bislang hat es bei Beiden immer geklappt.

Euer Timo Görner (Gotano)

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