Kommentar

14.08.2006
Am falschen Ende gespart
Als Marcel Schlosser kurz nach halb Drei das sehenswerte 1:0 für den CFC gegen Meuselwitz erzielte, standen hunderte himmelblaue Anhänger noch vor dem Stadion und warteten im höchsten Maße frustriert an den sich kaum bewegenden Schlangen vor den Kassenhäuschen. Was war passiert? Die himmelblauen Organisatoren hatten ihre Sparmaßnahmen auf das Kassenhäuschenpersonal ausgedehnt und so waren statt insgesamt 14 Kassen nur noch derer 7 besetzt. Die Öffentlichkeit vergaß man allerdings über diesen Umstand informieren. Nun wäre das sicherlich kein Problem gewesen, wenn nur 1.500 wie beim letzten Regionalliga-Heimspiel gegen Oberhausen in die Gellertstraße gepilgert wären. Doch die junge Mannschaft machte viele Clubfans neugierig, zudem stand ein Sieg im ersten Saisonspiel zu Buche und das Wetter war auch ok, so dass am Ende über 3000 Fans gezählt wurden. Doch der überraschend gute Zuschauerzuspruch kann nur bedingt für die organisatorische Fehlleistung als Ausrede herhalten, hatte man beim Club nach offizieller Verlautbarung doch mit mindestens 2.500 Zuschauern gerechnet. Das Problem war ein anderes: die Organisatoren hatten schlicht am falschen Ende gespart. So waren am Block 3 und 4 gerade mal zwei der fünf Kassenhäuschen mit älteren, zunehmend überforderten, Herrschaften besetzt, der Kartenverkauf ging entsprechend langsam vonstatten, während die Schlange stetig wuchs und alsbald die Heinrich-Schütz-Straße erreichte. Da dieser Umstand bereits eine halbe Stunde vor Spielbeginn absehbar und dies nach verläßlicher Aussage auch an die Verantwortlichen beim Club gemeldet worden war, hätte man nun eine angemessene Reaktion des Vereins in Form der Öffnung zusätzlicher Kassen oder dem Einsatz fliegender Verkäufer, erwartet. Doch von Krisenmanagement - und das ist wirklich traurig - keine Spur! Man verschob zwar den Anpfiff um 15 Minuten, doch am eigentlichen Problem, den chronisch unterbesetzten Verkaufsstellen, denen zwischenzeitlich sogar die Karten ausgingen, änderte man nichts, die bemitleidenswerten Kassierer wurden alleingelassen.

Die Folge war Frust bei denen, die noch lange nach Spielbeginn in der Schlange ausharrten genauso wie bei jenen, die aufgrund der Situation entnervt die Heimreise antraten. Wie viele zu der letzteren Gruppe gehören, ist schwer zu sagen, doch es werden derer einige gewesen sein. Jedenfalls und das ist fakt, hat der CFC am Sonntag einiges mehr an Geld eingebüßt als er durch die fehlenden Kassierer eingespart hat. Und das in Zeiten, in denen der Verein, dem bekanntlich noch stattliche 300.000 Euro für den Saisonetat fehlen, über jeden zusätzlichen Euro froh sein sollte! Ganz abgesehen vom erlittenen Imageschaden und den enttäuschten Gelegenheitsbesuchern, die wohl nicht so schnell wieder zu einem CFC-Spiel kommen werden.

Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen beim Club aus dieser Pleite die richtigen Schlüsse ziehen und den mittlerweile angekündigten organisatorischen Veränderungen auch Taten folgen lassen. Denn auch wenn man von Vereinsseite gern möchte, dass sich die Fans ihre Karten im Vorverkauf holen oder lange vor Spielbeginn ins Stadion gehen so ist das in Zeiten in denen die Fischerwiese gerade mal zu einem Fünftel gefüllt ist und der Club in der Viertklassigkeit kickt, nur schwer vermittelbar.

Der Chemnitzer FC möchte seine Fans zurückgewinnen - so ein gern wiederholtes Statement der letzten Tage und Wochen. Die junge, hoch motivierte und leidenschaftlich spielende, Mannschaft ist auf dem besten Weg dahin. Die Verantwortlichen beim Club sollten hier schnellstmöglich nachziehen!

Euer Pierre Schönfeld (Charlie S.)

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