Kommentar

30.12.2007
Kurs liegt trotz schwerer See und Schlingerfahrt an
Schwere wirtschaftliche See musste das himmelblaue Schiff auf seiner Fahrt durch das Jahr 2007 meistern. Es bekam einen neuen Kapitän, der zwar den Zielhafen knapp verfehlte aber mittlerweile wieder einen recht guten Kurs angelegt hat.

Michael Ballack im Trikot des CFC
Im Januar kann der klamme CFC mit Unterstützung von Michael Ballack Masseur Burkhard Wind wiedereinstellen.

Die Fahrt des CFC-Dampfers war bisweilen ein Schlingerkurs. Bestens lief er ins 8. Jahr des 21. Jahrhunderts aus. Die Oberligamannschaft flog ins Trainingslager nach Antalya (Türkei), holte sich noch mit den Schweizer Patrick De Napoli an Bord und kehrte nach 10 Tagen mit prächtiger Stimmung sowie gestärkten Ambitionen auf Platz 1 der Oberliga nach Chemnitz zurück.
Dann aber kam der 28. Februar 2007, der Tag der Einreichung der Lizenzunterlagen beim DFB für die Regionalliga. Um ein Haar wären es die letzten Stunden des CFC geworden. Denn die chronische Finanzschwäche der Himmelblauen hatte an diesem Tag ihren Höhepunkt erreicht. Eine halbe Million Euro fehlten dem Chemnitzer FC, um die laufende Saison bestreiten zu können. Eigentlich war es der sichere Tod des Vereins. Doch in einem unglaublichen Kraftakt wurde aus allen Ecken die letzten Cent zusammengekratzt, Sponsoren stockten ihre Unterstützung auf und einige Vorstände sicherten sogar mit persönlichen Bürgschaften neue Geldquelle ab. Fast unbemerkt von der (Fan-)Öffentlichkeit war das himmelblaue Schiff nahezu gesunken und wieder seetüchtig gemacht worden.

War der CFC-Dampfer wirtschaftlich nun wieder einigermaßen auf Kurs, so verlor Kapitän Joachim Müller so langsam die Kontrolle über Schiff, Mannschaft und Kurs. Nach 4 Remis in Folge ging die Partie bei Kellerkind Dresden-Nord auch noch verloren. Und als dann bei der abstiegsbedrohten Reserve Jenas wieder nur die Punkte geteilt wurden, sah sich die Reederei (in persona des CFC-Vorstandes) gezwungen den Kapitän auszutauschen.

Das FanMobil des Fanprojektes
Im Sommer kommt das neue Chemnitzer Fanprojekt mit seinem FanMobil ins Rollen.

Tino Vogel, ein Mann, den die Oberligagewässer bestens aus seiner Zeit in Pößneck und Plauen vertraut sind, wurde neuer Chef auf der Brücke. Im Nachhinein betrachtet, erfolgte der Wechsel zu spät. Denn der neue Kapitän hatte eigentlich kaum noch eine Chance den Zielhafen Regionalliga zu erreichen. Da half auch eine eigentlich gute Bilanz von 5 Siegen in 7 Spielen vor dem letzten Spieltag nicht viel. Schon das torlose Remis in Plauen 4 Spieltage vor Ultimo ließ die Chancen auf einen direkten Wiederaufstieg in den Promille-Bereich sinken. Und so blieb am letzten Spieltag nur noch die Hoffnung, auf das eigentlich Unmögliche:
Tabellenführer Cottbus musste in Pößneck verlieren, der CFC-Sieg in Halberstadt wurde vorausgesetzt. Wie erwartet konnten die Ostthüringer keine Schützenhilfe leisten. Auch eine zusätzliche Motivation nützte nichts; die „Ultras Chemnitz“ hatten für einen Sieg eine Abschlussparty für den VfB ausgelobt. Das 1:1 auf der „Warte“ reichte den Energie-Bubis zum Aufstieg. Dass der CFC sein Spiel in Halberstadt mit knapp 2.000 CFC-Fans im Rücken vergeigte, fiel da kaum noch ins Gewicht.
Also noch ein Jahr Oberliga. Hmm...na ja...nicht schön, aber was soll’s. Immerhin gibt es da auch feine Duelle mit Leipzig, Zwickau und Halle, dachten sich viel der etwas ernüchterten himmelblauen Anhänger und fuhren wie die Mannschaft in den Urlaub.

Einsiedler CFC-Plakat
Eine Stadt in himmelblau - das Einsiedler Brauhaus tapezierte Chemnitz mit CFC-Plakaten.

Den Sommer dominierten dann wie gewohnt Personalwechsel und Testspielergebnisse das himmelblaue Themenprogramm. 4 Spieler gingen, dafür angelte sich Chemnitz auch 4 neue Akteure, wobei der aus Bautzen gekommene Marcus Dörry bereits im September die Segel strich und von Bord ging. Doch die anderen 3 sind echte Verstärkungen, allen voran Rückkehrer Matthias Großmann, der sofort zum himmelblauen Regisseur avancierte. Steven Sonnenberg wurde die ideale Ergänzung für Stürmer Steffen Kellig und beide zusammen der Schrecken der Oberligatorhüter. Anton Müller hatte ein paar Anlaufschwierigkeiten, aber spätestens zum „Hammer“-Spiel in Leipzig auch die volle Tourenzahl erreicht.
Anton Müller ist damit auch ein wenig Symbol der Hinrunde. Die durchwachsenen Testspielergebnisse ließen es ahnen, der CFC legte zum Saisonstart eine gehörige Bauchlandung hin. Und das möglicherweise auch, weil Stürmer Kellig sich in einem Testspiel einen groben Aussetzer geleistet hatte und deshalb zur Saisonpremiere gesperrt war. So verspielte die Vogel-Elf dann am 1. Spieltag in den letzten 5 Minuten ihre Führung und verlor wie schon reichlich 2 Monate zuvor gegen Halberstadt mit 1:2. Die Stimmung ging den Bach hinunter und für das kommende Gastspiel in Halle wurden düstere Prognosen aufgestellt. Doch wie gewandelt trat der CFC im Kurt-Wabbel-Stadion auf, siegte 2:0 und hatte damit wieder alle Sympathien zurück gewonnen. 3 Weitere Siege schlossen sich an, ehe es beim 1:2 in Plauen wieder einen Stimmungsdämpfer gab. Doch das 9:0 im Sachsenpokal gegen Landesligist Grimma versöhnte und 3 weitere Sieg, unter anderem das wohl beste Spiel seit Jahren (3:0 gegen Jena) folgten.

Buch-Cover: Bin beim Club
Norman Schirmers Buch "Bin beim Club" fehlt unter keinem himmelblauen Weihnachtsbaum.

Mittlerweile war es Herbst in Chemnitz geworden und bereits zum 2. Mal fiel eine Partie (Meuselwitz, zuvor Eilenburg) ins Wasser. Es war ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, denn eine Woche zuvor hatte die etwas angeknackst wirkende Chemnitzer Mannschaft beim 2:2 in Leipzig große Moral bewiesen. Unter der Bürde vieler seltsamer Schiedsrichterentscheidungen hatte der CFC in letzter Sekunde noch einen Punkt ergattert. Das gewonnenen Selbstvertrauen verpuffte nun angesichts der Absagen und die Hochstimmung trübte sich im Gleichgang des Wetters wieder ein wenig. Das 0:1 bei Tabellenführer Dresden-Nord konnte noch in die Kategorie „Kann-passieren“ eingeordnet werden. Als aber eine Woche später das Nachholespiel in Eilenburg in ähnlicher Weise (drückende Überlegenheit ohne Torchance) verloren wurde, regte sich leiser Unmut.

Doch nur leise, der Grundtenor im himmelblauen Umfeld bleibt freundlich und optimistisch. Denn was vielen Freude bereitet, ist das (notgedrungene) Setzen auf die eigene Jugend. Und diesem Weg wird der CFC zunächst auch im neuen Jahr folgen. Denn Geld für Verstärkungen ist nicht vorhanden. Somit wird die himmelblaue Elf erstmals seit vielen Jahren unverändert in die Rückrunde starten. Doch ein Nachteil muss das nicht sein. Schließlich ist die Mannschaft auch in ihrer aktuellen Zusammensetzung stark genug um die Saison als Meister abschließen zu können. Nur das kann auch das Ziel für diese Mannschaft und diese Spielzeit sein. Schließlich hat der Chemnitzer FC unbestritten das beste Team im Starterfeld der Oberliga. Und so sind die Ziele für das Jahr 2008 klar definiert: Meister werden, mindestens aber die Qualifikation für die neue Regionalliga schaffen.

Bleibt zu hoffen, dass das himmelblaue Schiff dieses Ziel erreicht und dabei möglichst in sportlich und wirtschaftlich ruhigen Wassern fährt. Denn alle, denen der CFC am Herzen liegt, wollen im Sommer 2008 zu einer großen Entdeckerfahrt durch die neue und allen völlig unbekannte Regionalligapassage aufbrechen - auf dem Weg in den Profifußballozean.

Euer Erik Büttner (Herb)

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