Kommentar

23.08.2012
Nachlese: 0:3 gegen den gesunden Menschenverstand
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Eigentlich hatte man ja gedacht, daß die Affenlaute gegenüber dunkelhäutigen Spielern in Chemnitz vor mehr als zehn Jahren endgültig ausgestorben sind. Irgendwann nach dem Wiederaufstieg in die 2. Liga muss es das letzte Mal gewesen sein, daß Olaf Kadner diesbezüglich eine Ansage machen musste. Umso peinlicher und unverständlicher ist es, daß dieser Schwachsinn am Montag plötzlich wieder Einzug gehalten hat.

Wann begreift endlich der Letzte, dass Rassismus kein Fangesang ist, um einen Slogan des Gegners vom Montag zu zitieren? Dass es auf der Fischerwiese um Fußball geht und nicht darum, auf geistigem Tieffliegerniveau dumpfe Scheißhausparolen oder Affenlaute von sich zu geben? Dass diese Aktion gegenüber dem Menschen Mickaël Poté eine primitive Sauerei ist - ganz egal, ob da nun 10, 20 oder 50 Mann von 14.500 Leutchen diese Laute von sich gegeben haben? Und dass nicht zuletzt mit solchen Schwachsinn unserem Verein in extremer Weise geschadet wird?

Da sinnfreie Gezündel...Wo sich vor 12 Jahren der DFB noch mit Ansagen des Stadionsprechers zufrieden gegeben hat, hagelt es heute schwerste Strafen vom DFB. Das sollte langsam auch der Letzte einmal begriffen haben! Zudem ist es verwunderlich, weil das Spiel gegen Newcastle - wo auch viele dunkelhäutige Spieler im Aufgebot standen - völlig normal und anständig über die Bühne gegangen ist. Die Affenlaute gegen Poté haben in der deutschen Medienlandschaft einen wahren Sturm entfacht, von ARD bis Sky, von Bild bis Spiegel wurde der Name unseres Vereins mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Verbindung gebracht. Ist es das wirklich wert?
Sechs Jahre mühseligen Aufbaus von der Oberliga bis zurück in den Profifußball kann man so an einem Tag in die Tonne kloppen. Jeder, der sich daran beteiligt hat, sollte sich abgrundtief schämen und bei Mickael Poté, Dr. Hänel und den ganzen Helfern der letzten sechs Jahre um Verzeihung bitten! Wut kommt auch darüber auf, daß man der versammelten Pressemeute - Stichwort Ostduell und Dynamo-Sanktionen - einen herrlichen Spielball für die Titelseiten geliefert hat. Das rund um das brisante sächsische Derby letztlich nur ein einziger Zwischenfall vom Thomas-Mann-Platz zu vermelden war und die Polizeidirektion Chemnitz von einen insgesamt ruhigen Abend sprach, ist somit hinfällig. Man hat mit den Affenrufen der Presse die Schlagzeilen geliefert, die diese suchten und letztlich auch bekamen.


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Stolz war man bisher gewesen, wie gut die Südkurve - speziell die Ultras Chemnitz - zusammen mit dem Verein und der Stadt in der Lage waren, legale Pyro-Aktionen durchzuführen. Erinnert sei u.a. an den wunderbaren, glühenden FCK-Schriftzug gegen Sachsen Leipzig im Jahr 2006. Nicht umsonst sprach man sogar bundesweit achtungsvoll vom "Chemnitzer Weg", einem greifbaren Kompromiss für Alle. Ja, der DFB hat die Gespräche abgebrochen und zuletzt den Vereinen einen Wisch vorgesetzt, den diese unterschreiben mußten. Aber ist es denn eine Lösung, jetzt völlig unkontrolliert in den Blöcken zu zündeln? Diese "Antwort" ist pubertär und wenig durchdacht. Und sie verstößt gegen alle Regeln der Kampagne "Emotionen respektieren - Pyrotechnik legalisieren!". Wer in einem ausverkauften und voll besetzten Familienblock wie dem 3er Pyrotechnik zündelt, der muß - mit Verlaub - nicht ganz sauber sein. In der Kampagne hieß es einmal, Pyro sollte als Stilmittel dienen und das Spiel nicht gefährden. Gegen beide Prinzipien wurde bei der Zündelei am Montag verstoßen. Wie es geht, zeigten die Dresdner, die zu Spielbeginn ganz dezent Rauch aufsteigen ließen. Aber nicht nur für die Kampagne ist der Montag ein dicker Minuspunkt. Ob der CFC jemals wieder seine Unterschrift unter ein Schreiben an den DFB setzen wird, was Pyrotechnik im Stadion - der geschilderte Chemnitzer Weg - erlaubt, dürfte nach dem gesehenen Blödsinn mehr als zweifelhaft sein. Wir halten fest: Ein dickes, dummes Eigentor für den in Chemnitz bisher stets positiv angesehenen Einsatz von Pyrotechnik.
...dürfte noch teuer werden.Hinzu kommt und das macht es besonders bitter, dass die Pyro-Aktion mitten in eine Phase platzte, als die Himmelblauen mit Leidenschaft und einem enthusiastischen Publikum, wie man es selten erlebt hat, im Rücken, Dynamo stark unter Druck setzte und mit aller Macht auf das Anschlußtor drängte. Mit der Unterbrechung haben die Zündler diese starke Drangphase der eigenen Mannschaft regelrecht kaputt gemacht und den Dynamos in die Karten gespielt, wie auch deren Kapitän Koch leicht süffisant im TV-Interview bestätigte. Dass zudem einige Zündler nach lautstarken Protesten aus dem Block noch die handfeste Konfrontation suchten, setzt dem Ganzen die Krone auf. IHR macht mit solchen Schwachsinnsaktionen unseren Sport kaputt!!

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Was haben wir gezittert im letzten Jahr, als es im Chemnitzer Stadtrat um das "Ja" zu einem neuen Stadion für Chemnitz ging. Eines der Hauptargumente - neben der auslaufenden Ausnahmegenehmigung für die alte Fiwi - war der Imagegewinn für unsere Stadt. Keine Sportart generiert so viel Interesse, Begeisterung, Verbundenheit und Aufmerksamkeit wie der Fußball. Chemnitz braucht den Profifußball und das neue Stadion hieß es. Und das ist auch richtig. Allerdings zeigt sich nun die Kehrseite der Medaille. Da der Fußball eben so viel Aufmerksamkeit generiert, sind die Vorfälle vom Montag das genaue Gegenteil von dem, was der CFC für die Stadt eigentlich darstellen möchte. Bundesweite Negativ-Schlagzeilen braucht kein Mensch - schon gar nicht, wenn das neue Stadion noch nicht einmal steht. Monatelange, zäheste Arbeit des Vorstandes und das Vertrauen des Rathauses wird hier buchstäblich mit den Füßen getreten und die Zukunft des himmelblauen Fußballs aufs Spiel gesetzt.
Mit bösen Vorahnungen erwartet man nun das DFB-Urteil aus Frankfurt, wo der Verband erst vor 5 Wochen mit den Innenministern bezüglich Pyrotechnik eine Null-Toleranz-Strategie verkündet hat. Gut möglich, daß die Stadt Chemnitz dadurch erneut in ein sehr schlechtes Licht gestellt wird und die immer noch auf der Lauer liegenden Stadiongegner Wasser auf ihre Mühlen erhalten. Klitzekleine Anmerkung zum Schluss: Auch die Errichtung einer neuen Fanhalle hängt letztlich nur vom Wohlwollen des Vereins ab.

Was vom Sachsenderby zwischen Chemnitz und Dresden bleibt, ist schlicht nur Ärger, Wut und Hilflosigkeit. Was kommen wird, sind Sanktionen seitens des Verbandes. Empfindliche Geldbußen oder sogar ein Geisterspiel drohen.

Wann fangen manche endlich mit Nachdenken an und hören auf, unserem, ihrem (?) Verein, dem Chemnitzer FC, zu schaden?


Euer O.C. & Charlie S.

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