Kommentar

26.11.2012
Zu Besuch beim Chinesischen FC
Nehmen wir mal an, es gäbe einen jungen Mann aus dem fernen China, der nach Deutschland gekommen ist und hier das Hobby "Fussball" für sich entdeckt hat. Die Jagd nach dem runden Leder übte auf ihn in Bälde eine derartige Faszination aus, dass er anfing, Bilder und Berichte über dieses Hobby auf einer eigenen Seite im Internet zu präsentieren. Aber nicht nur der deutsche Fussball interessierte den jungen Mann, sondern auch die Ballkünste in den anderen europäischen Ligen, so dass er sich dorthin auf die Reise begab und anfing, über diese Touren in einem eigenen Fanzine zu berichten. Nennen wir diesen jungen Mann aus China der Einfachheit halber Len Ny.

Was für eine Freude für Len Ny, als er in Deutschland den Chinesischen FC entdeckte, dem er sofort sein Herz schenkte und für den er bis heute den Großteil seiner Freizeit opfert. Dieser kleine, knuffige Verein - wo noch jeder jeden kennt - hat schwere Zeiten hinter sich und gilt seit jeher durch die ihn umgebende große Mauer nicht gerade als Kommunikationswunder. Aber in den letzten 5 Jahren ging es bergauf. Sowohl sportlich als auch beim gemeinsamen Tun zwischen Verein und Fans. Len Ny freute sich darüber, hatte er doch vom Chinesischen FC das Zugeständnis bekommen, mit seiner Kamera Aufnahmen aus dem Stadion-Innenraum schiessen zu können, quasi direkt vom Platz des himmlichen Friedens.

Doch dieser schöne Frieden bekam einen Riss, als der Chinesische FC im Pokalwettbewerb antreten musste und es zu unschönen Szenen auf den Rängen kam. Der Verein bestrafte seine Anhänger, so wie dass in der heutigen Zeit üblich ist. Der daraus resultierende Gesprächsbedarf zwischen Fans und Verein prallte bisher leider an der Großen Mauer ab, worauf es im Fußvolk zu rumoren begann. Transparente, T-Shirts und Parolen gegen den Kleinen Vorsitzenden des Chinesischen FC kamen auf, der erst vor gut einem Jahr vom Großen Vorsitzenden in sein Amt befohlen wurde. Len Ny hielt diese Bekundungen mit seiner Kamera fest und stellte diese in seinen Blog.

Das gefiel dem Chinesischen FC natürlich nicht, worauf ein altgedienter Samurai in Zivil unseren Blogger Len Ny darüber belehrte, dass die Veröffentlichung solcher Fotos (und gleicher Wortlaute im Inet) Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Zum Beispiel den Entzug der Erlaubnis, den Platz des himmlischen Friedens betreten zu dürfen. Auch andere Daumenschrauben der Neuzeit wären denkbar. Aber Len Ny ließ sich nicht beeindrucken und stellte weitere Fotos vom Protest gegen den Kleinen Vorsitzenden ins Netz. Als Len Ny nun am Freitag im fernen Unterhaching in den Innenraum wollte, wurde ihm das verwehrt. Der Samurai in Zivil nannte ihn auch den Grund: Er wäre ein "unberechenbarer Sicherheitsfaktor".

Fotos wurden in Unterhaching trotzdem geschossen - nun eben direkt aus dem Gästeblock. Somit bleibt es spannend, wie die Geschichte mit unserem fussballbegeisterten Len Ny weitergehen wird und ob wir ihn in Babelsberg oder daheim gegen Münster im Innenbereich sehen werden. Natürlich kann der Chinesische FC sein Hausrecht durchsetzen und die Große Mauer noch ein bißchen breiter und höher bauen. Dies steht ihm jederzeit zu. Ob damit allerdings wieder Ruhe auf dem Platz des himmlischen Friedens einkehrt, darf ernsthaft bezweifelt werden.

Euer O.C. & Charlie S.

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