Kommentar

16.12.2000
"Lied aus" beim CFC, Ende mit Grauen oder Grauen ohne Ende?
Das Grauen hat für die CFC-Freunde momentan offensichtlich kein Ende. Das verdiente 0:3 gegen die Borussen aus Mönchengladbach am vergangenen Mittwoch war Fortsetzung einer bis auf wenige Lichtblicke durchweg katastrophale Saison mit einer Anzahl von Heimniederlagen, die man zuvor in mehreren Jahren zusammen nicht erreichte, an Vereinsschädigung grenzende Auftritte wie in Bielefeld und Stuttgart, Queleren im Vorstand, einem bis dahin nicht für möglich gehaltenen Wechselspiel im Trainerkarussell ohne effektive Ergebnisse und einer Region, die über die Talfahrt eines Ihrer bekanntesten Aushängeschilder und Werbeträger zu Recht verbittert und enttäuscht ist. Eine Mannschaft, welche diese Bezeichnung nicht verdient hat und mehr an eine "vertragsabsitzende haltlose Interessengemeinschaft" erinnert und die ihren Rückhalt und jeglichen Kredit bei ihren Fans mittlerweile ausgereizt, wenn nicht schon verspielt hat. Eine derart krasse sportliche Einfahrt in den Tabellenkeller ohne "Licht von oben zu sehen" hielt noch vor Saisonbeginn keiner für möglich, obwohl in den Testspielen bereits Kritikwürdigkeiten allenhalben zu beobachten waren. Niederlagen z. B. gegen einen aufgestiegenen Viertligisten aus Riesa mit erschreckenden Schwächen in der einstmals fast schon für den Gegner berüchtigten Defensivabteilung, kaum überzeugende Neuzugänge, die schon in den Vorbereitungsspielen teilweise nicht mal zur Stammelf gehörten (Ivankovic z. B.), kritikwürdige Abgänge bzw. Ausmusterungen von Spielern, welche "in der neuen Mannschaft keine Perspektive mehr hatten" wie Sebastian Hähnge, Jan Schmidt, Jörg Weber oder Tino Findeisen oder später die beiden Nigerianer Ayanwu und Innzuagha trotz teilweise überzeugender Auftritte in den Testspielen wie Hähnge und ein offensichtlich auf Wolke 7 schwebendes Trainerkollektiv mit grösstenteils völliger Fehleinschätzung der verpflichteten Spieler taten Ihr Übriges dazu, Skepsis und Zweifel vor der eh meistens schwierigeren zweiten Saison eines Neulings zu schüren. Das "Modell Cottbus" wollte man nachahmen, vergessen wurde dabei allerdings, dass eben die "Multi-Kulti"-Truppe aus der Lausitz noch in ihrer "ersten Saison" dicht vor dem Abstieg stand und es grosse Probleme auch in der Geschlossenheit gab und zudem die ausländischen Kicker in Cottbus wie Piplica, Miriuta, Labak u. a. ihre Zweitliga-und nun auch Erstligatauglichkeit unter Beweis gestellt haben. Tendenzen, von denen man beim CFC von den verpflichteten Spielern keinesfalls ausgehen kann. Spieler wie Skela, Krupnikovic, Ananiew oder aus meiner Sicht m. E. auch Podunavac haben ihre Fähigkeiten in der zweithöchsten deutschen Spielklasse bereits unter Beweis gestellt, warum das Team um Christoph Franke vor der Saison nun nach der erfolgreichen Einkaufspolitik der letzten 3 Jahre mit Volltreffern wie König, Ananiew oder Skela derartige Fehler beging, fände sicherlich das Interesse nicht weniger Fans, auch wenn es uns in der momentanen Situation kaum weiterhilft.

Ein Schnitt wurde in dieser Saison schon in mehrerer Hinsicht gemacht. Mit Dirk Karkuth sitzt mittlerweile quasi Trainer Nr. 4 auf der Bank, nachdem Franke, Kuze und auch Lienemann zuvor ihr Glück versuchten. Das angetretene Präsidium mit Claus-Peter Nofri an der Spitze existiert ebenfalls nicht mehr und ist wie kaum eine anderer Führungsmannschaft vor ihr sportlich gescheitert und stürzte den CFC zudem tagelang in eine Führungskrise, die erst mit der Rückkehr von Lutz Waszik als Präsident beendet werden konnte. Was nicht wenigen bei der Mitgliederversammlung aber bewusst war, wenn man es auch gerne verdrängte: Es war nicht mehr 5 vor 12, sondern eher schon 5 nach 12. Zu gross war der Scherbenhaufen, der hinterlassen worden war und der Abstand zum rettenden Ufer konnte auch in den nächsten Tagen nicht verkleinert werden, eher sind wir noch weiter entfernt und laufen Gefahr, bald auch im Gewässer der Regionalliga unterzugehen, wird nicht das angegangen, was Hans Meyer in der Pressekonferenz nach dem Gladbach-Spiel empfohlen hat. Mit der Verpflichtung eines Trainers, der auch in der Regionalliga weiter mitarbeiten will und eines regionalligaerfahrenen und anerkannten Co-Trainers setzt man erste Zeichen für einen auch bei Lutz Waszik vorhandenen Realismus. Lieber ein Ende mit Grauen als Grauen ohne Ende vermutlich dann dort, wo sich schon wesentlich potentere und erfolgreichere Vereine der Ex-DDR bewegt haben.

In der momentanen Verfassung hat diese Truppe jedenfalls keinerlei Berechtigung auf ein Dasein in der 2. Bundesliga. Man kann jeden Trainer der Welt verpflichten, man kann noch 10 mal den Fanblock boykottieren und und und. Was hier hilft ist nur knochenharte Arbeit mit der Bereitschaft jedes Einzelnen Spielers, sich selber und seine Leistung zu hinterfragen. Und das gilt in erster Linie für die "Alteingessenen". Dafür steht aus meiner Sicht auch das Trainerduo mit Dirk Karkuth und Matthias Schulz. Diese Verpflichtungen waren aus meiner Sicht auch ein erster löblicher Schritt zum Aufreissen schon verkrusteter Strukturen. Zuvieles und zu viele wurden und werden seit Jahren beim Club "durchgeschleppt". Wie schon gesagt, wir sind momentan absolut nicht zweitligatauglich.

In diesem Sinne bis nächstes Jahr bei kürzeren Entfernungen.

Man sieht sich im Stadion.

Euer Timo Görner (T-Mobile)

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