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Der Borussen-Park in Mönchengladbach
von Andreas Schreiter (02.12.2004)


Die leidige Suche nach Geschenken zum 50sten meines Dads machte es möglich, den neu erbauten Borussen-Park im Norden von Mönchengladbach einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Schließlich hat man ja in relativ jungen Jahren eine gewisse Fürsorgepflicht gegenüber älteren Mitbürgern, und lässt diese eine solche weite Reise nicht allein antreten.

Also ging es Samstag früh um acht guter Dinge auf die Autobahn Richtung Westen. Ohne Probleme und trotz fehlender Fanpage-Anfahrtsbeschreibung, wurde die neu geschaffene Abfahrt "Nordpark" gegen 13.30 Uhr erreicht. Von dort geht's gradewegs in Richtung der großen Anzahl Parkplätze in Stadionnähe. Dort gab es dann je eine positive und eine negative Erkenntnis. Fangen wir mit dem negativen an, der Preis für ein Parkticket lag bei ziemlich deftigen 4. Naja, 1.Liga ist halt kein Geschenk. Zum positiven: Man hat in Gladbach ein sehr gutes Konzept geschaffen, um die anreisenden Fans in ihren PKW auf den Parkplätzen unter zu bringen. So werden die drei Parkplätze der Reihe nach vom Stadion weg aufgefüllt, und auch innerhalb der einzelnen Parkplätze wird Reihe für Reihe geöffnet, und nach dem Befüllen der einzelnen Lücken sofort wieder geschlossen. Somit lief alles wunderbar reibungslos ab.

Der Wagen wurde also geparkt und es ging zu Fuß die letzten Meter Richtung neuer Schüssel. Da man relativ zeitig war, war der Andrang an den elektronischen Ticketlesern ziemlich gering und schon nach wenigen Minuten war man innerhalb des Zaunes und das Areal konnte in Augenschein genommen werden. Erfreulicherweise wirkte alles weniger steril, als befürchtet. Zum Beispiel wurden keine großartigen Kneipen oder Restaurants im Stadion eingelassen, sondern es gibt, zumindest hinter der Fankurve, die üblichen Imbissstände mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten. Die Stadionwurst wurde sogleich getestet und für ganz gut befunden, allerdings ließ der Geschmack des Bieres sehr zu wünschen übrig. Ebenfalls positiv zu erwähnen sei an dieser Stelle das Programmheft "FohlenEcho", welches mit einer Fülle an Informationen auf 70 Seiten aufwarten kann, und dabei zusätzlich mit einem Preis von lediglich 1 zu überzeugen weiß.

Nach den kulinarischen Genüssen ging's dann auf die erworbenen Plätze im Oberrang neben der Nordkurve, deren Unterrang wiederum als Fankurve fungiert, und komplett ohne lästige Sitzschalen gebaut wurde. Gleiches gilt für den Gästesektor, der sich diagonal gegenüber in der Ecke neben der Südkurve befindet. Etwa ein Stunde vor Anpfiff begann zusammen mit dem Stadionsprecher Matthias Opdenhövel (bekannt aus der Sat1-Quizshow) das Unterhaltungsprogramm, gemischt mit den heutzutage üblichen Versuchen, Stimmung zu erzeugen (so wurde z.B. eine Laola per ferngesteuertem Countdown gestartet), allerdings hielt sich das Ganze ebenfalls erfreulicherweise in Grenzen. Gänsehautstimmung kam allerdings bei der "Gladbacher Nationalhymne" ("Die Elf vom Niederrhein") auf, die bei geneigten Chemnitzer Gast Erinnerungen an den Abschied aus der 2. Liga hervorrief.

Letztendlich hatten sich zum Anpfiff reichlich 50.000 Zuschauer in der Arena versammelt, darunter ca. 5000 Fans aus dem hohen Norden, welche sich nicht nur im Gästesektor versammelten, sondern in einzelnen Grüppchen im ganzen Rund verteilten. Alles natürlich in einer friedlichen Atmosphäre, wobei zu erwähnen ist, dass kaum Ordner und noch weniger Polizei zu sehen war. Im Vergleich zu den Partien in der Regionalliga, wurde schon dadurch keinerlei unnötige Aggression provoziert.

Leider wollte vor allem auf Seiten der Gladbacher Fans nicht so recht Stimmung aufkommen, was auf Grund der eigentlich doch komfortablen Fanblock-Größe doch sehr verwunderlich erschien. Der supportwillige Anteil der Fans beschränkte sich lediglich auf etwa 1/10 der Blockgröße, der dauerhaft versuchte, das Heimteam zu unterstützen.

Leider trug auch der Spielverlauf nicht wirklich zur Verbesserung der Stimmungslage bei. Denn sofort nach Anpfiff übernahm der HSV die Regie auf dem Platz, und die Gladbacher Fohlen fanden sich die meiste Zeit in der Verteidigung wieder. Schmerzlich vermisst wurde auf deren Seite wohl der Ex-Chemnitzer Peer Kluge, der seine Gelb-Sperre abbrummen musste. Hatte die Borussen anfangs noch Glück, dass der HSV seine Chancen ungenutzt ließ, und man selbst 1-2 Kontermöglichkeiten hatte, die allerdings mehr schlecht als recht genutzt wurden, so änderte sich der Zustand kurz vor der Pause, als Barbarez und Beinlich mit einem Doppelschlag, die nicht unverdiente Gästeführung erzielten.

Nach der Pause kamen die Gladbacher wie verwandelt aus der Kabine, und schon nach 30 Sekunden gelang den Fohlen, durch den eben eingewechselten van Hout der Anschlusstreffer. Man bekam das Spiel besser in die Hand, versäumte allerdings durch Ungeschick und auch Pech, die sich bietenden Chancen zum Ausgleich zu nutzen. In der Phase zeigte auch die Nordkurve, was sie stimmungsmäßig zu leisten in der Lage ist. Als Knackpunkt im Gladbacher Spiel erwies sich eine Gelb-Rote Karte für den HSV, als der Spieler nach einer berechtigten Verwarnung dem Schiri Beifall klatschte, und sofort zum Duschen geschickt wurde. Völlig unverständlich bekam danach der HSV das Spiel wieder in die Hand, und 10 Minuten vor Ende gelang wiederum Barbarez per Elfmeter der 3:1 Endstand für die Norddeutschen. In den Folgeminuten versuchten die Gladbacher nochmals das Ergebnis zu korrigieren, was auch auf Grund zweier Aluminiumtreffer nicht gelang.

Letztendlich ging der Erfolg der Hamburger in Ordnung, wenn er auch vielleicht um ein Tor zu hoch ausfiel. Auf Gladbacher Seite sollte man versuchen möglichst schnell die Kurve zu bekommen, damit nicht nächste Saison das böse Erwachen mit einem tollen Stadion in Liga 2 kommt. Anzumerken bleibt noch, dass es nicht nur in der Regionalliga merk- und diskussionswürdige Schiedsrichterentscheidungen zu bewundern gibt. Der junge Mann an diesem Tag definitiv nicht seine hellsten Momente.

Nachdem man dann die Gästefans einschließlich der Mannschaft beim Feiern bewundern durfte, und die Ergebnisse der anderen Spiele erfahren hatte, machte man sich auf den kurzen Fußmarsch zum Auto. Der Parkplatz begann sich zu leeren und man reihte sich in den großen Strom in Richtung Autobahn ein. Auch dies ging erfreulicherweise wieder sehr zügig und ohne Probleme über die Bühne, so dass man gegen 18 Uhr schon wieder auf dem Highway am heimwärts rollen war.

Fazit: Die Gladbacher haben sich eine würdige Nachfolgestätte für den ehrwürdigen Bökelberg geschaffen, die trotz vieler moderner, und heutzutage (leider) üblichen Neuerungen, dennoch einen gewissen Charme versprüht. Die Arena wird mit einem Schnitt von etwa 50.000 Zuschauern in der Hinrunde (das noch folgende, und wohl ausverkaufte Spiel gegen Leverkusen eingerechnet) sehr gut angenommen. Dies übertraf die Erwartungen deutlich, liegt aber sicher auch an der Neugier vieler Fans auf das neue Stadion. Allerdings ist die Stimmungslage deutlich verbesserungswürdig, wobei das ebenfalls sehr mäßige Spiel der Heimmannschaft sicher auch beigetragen hat. Kurz gesagt, wenn man vom Spielverlauf einmal absieht, war es ein gelungener Ausflug. Und sollte sich die Ansetzungskonstellation vielleicht einmal als günstig erweisen, ist es dem geneigten Interessenten durchaus zu empfehlen, in Verbindung mit einem CFC-Spiel dem Nordpark einen Vesuch abzustatten.


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