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Die rot-weißen Haldenkicker und ihr Wiedersehen mit der Gellertstraße...
von Timo Görner (31.08.2002)


... denn der "historisch geschulte" CFC-Fußballfreund wird sich noch mehr oder weniger gerne an den 08.05.1999 erinnern und damit an den letzten Auftritt des FSV Zwickau auf der Chemnitzer Fischerwiese. Es war der vorletzte Spieltag der Aufstiegssaison 1998/1999 unseres Vereins, der CFC machte mit dem 4:0 letztendlich den Staffelsieg endgültig perfekt, man erreichte die "Schallmauer" von 1.000 Minuten ohne Gegentor und verwies den Verein aus der ehemaligen Trabanten-Stadt auf den für die dortigen Fans nach dem sang- und klanglosen Zweitliga-Abstieg 1998 eher enttäuschenden 4. Tabellenplatz, für den man sich nun wirklich nichts kaufen konnte. Der CFC für den Regionalliga-Nordost-Titel im Grunde ja damals auch nichts, das wurde mit dem Relegations-Sieg gegen den VfL Osnabrück veredelt.

Zeitlich gesehen ist das nun etwas mehr als 3 Jahre her, aber für die Zwickauer Fußballfreunde dürften diese Erinnerungen angesichts der Realität beim FSV jetzt trotz der damaligen Pleite ein wenig nostalgisches Lächeln hervorzaubern. Wenigstens drittklassig konnte man sich damals noch schimpfen, nun krabbelt man nach nur 2 Spielzeiten in der Regionalliga Nordost in der viertklassigen Oberliga Nordost Süd gemeinsam mit den anderen Traditionsvereinen aus Leipzig, Halle, Magdeburg und Jena herum und lebt nach überstandenem Insolvenzverfahren im Spätherbst 1999 von der Hand in den Mund.
Hans-Jürgen Dörner wurde nach wenigen Spieltagen in der für den FSV überlebenswichtigen Relegationssaison zur neuen dritten Liga mit Schimpf und Schande davon gejagt und machte alsbald Platz für seinen Nachfolger Hans-Uwe Pilz, der die Mannschaft schon in den "letzten Zügen" der Abstiegssaison aus der 2. Liga 1998 betreut hatte. Das damalige FSV-Team in der Führungsspitze mit der durch den Hauptsponsor Sachsenring AG eingesetzten Chefin Ingeborg Neumann wirtschaftete den Verein trotz ehemals immenser Ambitionen und schweren Vorwürfen an die "dilletantischen Vorgänger" sportlich wie wirtschaftlich eher in den Abgrund. Und so stand der FSV Mitte/Ende der Hinrunde der für die Zukunft des Vereins entscheidenden Spielzeit auf dem Rasen (nach 17 Spieltagen nur 18. mit schon 11 Zählern auf den 7. Platz) und auch außerhalb vor dem unrühmlichen Ende.
Es folgte das Übliche, die Spieler gingen in Scharen zu anderen Vereinen mit mehr oder weniger pünktlicher Gehaltszahlung und es begann die zwangsläufige "Leichenfledderei" beim Rot-Weißen Club. Ablösefrei durch die bekannten Regularien des DFB, zumal der FSV diese Kicker wirtschaftlich überhaupt nicht mehr binden konnte. Ein trauriges Ende eines einstigen Kultvereins bahnte sich an, der im damaligen "Georgi-Dimitroff-Stadion" im Jahre 1976 erst im Halbfinale des EC der Pokalsieger am späteren Cupsieger RSC Anderlecht scheiterte und zum Zwickauer Spiel heute unvorstellbare 45.000 Zuschauer begrüßen konnte. Ja ja, die guten alten Zeiten.

Vom Kader der Saison 1998/1999 ist nichts mehr übrig geblieben, der FSV hat in vielerlei Hinsicht ein neues Gesicht erhalten, von der Sachsenring AG als damaliges Vorzeigeunternehmen der Region ist bezeichnenderweise momentan auch eher von Insolvenz denn großer Blüte die Rede, Spieler von damals sucht man heute vergeblich im Aufgebot und die Trainer hat man auch weiter gewechselt.
Das Bemerkenswerteste ist aber der Abschied des Vereins vom "bezahlten Fußball" und die Neuausrichtung des FSV auf die Amateurbasis aufgrund des knallharten Überlebenskampfes der Zwickauer durch die Einbrüche bei Sponsoren, quasi nicht mehr vorhandenen TV-Geldern nach dem Regionalliga-Abschied 2000 und, was zuletzt am schmerzlichsten gewesen sein dürfte, die kalte Schulter vieler (ehemaliger?) Zwickauer Fußballfreunde. Der Schnitt bewegte sich in den letzten Heimspielen der vergangenen Spielzeit schon unter die magische 1.000er-Grenze. Kaum vorstellbar dass im Abstiegskampf der 2. Bundesliga 1997 z. B. gegen den 1. FC Kaiserslautern knapp 14.000 Leute für eine feine Fußballstimmung sorgten. Für das Heimspiel gegen den VfB Chemnitz am 2. Spieltag beim 2:1 begeisterten sich 1.003 Freunde des FSV inkl. der Gästefans (bei "Heckert" immer schwierig), gegen den FC Anhalt Dessau in der 4. Runde verloren sich 739 zahlende Besucher.
Die Ursachen z. B. dabei in der Hochwasserkatastrophe zu suchen ist zum einen geographisch nicht unbedingt denkbar, zum anderen kamen z. B. gegen den OFC Neugersdorf am 32. Spieltag der letzten Oberligasaison eher beschämende 387 ins "Westsachsen-Stadion". Also wohl nur die engsten Verwandten der Spieler und Betreuer. Auch beim Derby gegen den VFC Plauen 3 Wochen zuvor waren nur 1.900 anwesend und da die Plauener Fan-Horde mittlerweile bei näheren Entfernungen auch durchaus reichlich anrückt, kann man sich die Begeisterung für den FSV ausmalen.

So richtig "der Bär" ging in den letzten beiden Jahren nur beim schon obligatorischen Sachsen-Pokal-Finale zwischen dem FSV und dem Erzfeind aus der "verbotenen Stadt" ab. 2001 lockte das ewig brisante und junge Derby immerhin 6.691 Fans in die Halden-Arena, welche ein 3:1 der ungeliebten Auer Gäste sahen. 2002, exakt am 31.05., versprühten knapp 7.500 Fanatiker des runden Leders und beider Seiten so was wie Fußball-Stimmung, wieder reichte es allerdings nicht für den FSV, der diesmal im Elfmeterschießen mit 5:6 scheiterte, weil ausgerechnet der später mit einigem Hickhack zum FC Erzgebirge gewechselte Shubiditze den entscheidenden Elfer vergeigte. Schade für die Zwickauer, die in ihrer finanziellen Engpasslage zweimal in Folge nur knapp an den "kleinen Fleischtöpfen" des DFB-Pokals vorbeischrammten. Den letzten Auftritt hatte man dort vor etwas mehr als 4.000 Zuschauern in der 1. Hauptrunde 1998/1999 exakt am 30.08.1998 gegen den VfL Bochum, dem man mit 2:5 unterlag. Ein Jahr zuvor am 14.08.1997 sorgte der FC Schalke 04 bei seinem eher lustlosen 1:0 im "Westsachsen-Stadion" vor 9.000 Anwesenden noch mal für ein Erlebnis der Rot-Weißen Fußballfreunde. Seitdem wird über den Sachsen-Pokal immer wieder der Sprung ins DFB-Pokal-Geschäft versucht und mittlerweile konnte der FSV bereits zweimal in Folge das Finale zeitigen. Spötter meinen zudem, nur im Sachsen-Pokal würde die Truppe so richtig aufblühen.

Die Regionalliga ist auch in dieser Saison eher Wunschdenken, die Topfavoriten in dieser Staffel kommen eher aus Leipzig, Jena und Plauen. Nach dem eher enttäuschenden 6. Platz in der vergangenen Saison mit 31 Punkten Rückstand auf Aufsteiger Dynamo Dresden musste mal wieder der Trainer gehen. Angekreidet wurden vor allem diverse eher mittelprächtige Vorstellungen in der Rückrunde mit Heimpleiten wie gegen Dynamo Dresden beim 0:4 oder den VFC Plauen beim 2:4, die andeuteten, dass die Zwickauer im Niemandsland der Oberliga abgetaucht waren. Als neuer Mann am Trainer-Ruder wurde zur Überraschung nicht weniger Fans vor Saisonbeginn Robby Doege präsentiert, aktiv als Coach zuvor beim SV Vielau. Besser sehen die Perspektiven für den FSV damit natürlich dennoch nicht aus und vom Aufstieg ist eher weniger die Rede, wie man aus dem Statement des Neu-Trainers erlesen kann.
Mit dem Georgier Khvicha Shubitidze hat einer der wenigen herausragenden Akteure des letzten Jahres den Verein nach einigen Querelen bezüglich der Gültigkeit seines noch bis 2003 laufenden Kontraktes verlassen. Ob es nun gratis war, wie es die Auer Nachbarn unbedingt aufgrund der finanziellen Umstände (fehlende Gehaltszahlungen über mehrere Monate) wollten, oder ob nun doch ein paar Euro geflossen sind (im Gespräch waren rund 50.000) entzieht sich jetzt meiner Kenntnis. Ex-Kapitän Uwe Kramer und Andreas Grumprecht als Stammspieler des allerdings "mengenmäßig beschränkten Kaders" gingen auch wegen dieser Geschichten frustriert zum Dresdner SC, David Wagner (beim CFC in der Saison 1994/1995 aktiv) ging zum ambitionierten Landesligisten VfB Auerbach. Dafür wurde Personal aus Leipzig (Kay Metzner, Mario Weiß vom VfB) und Chemnitz (Stefan Chudzik vom CFC, Patrick Papp vom VfB, Jens Haprich vom BSC Rapid aus der Landesliga) geholt, der FSV-Kader umfasst offiziell 2 Keeper und 18 Feldspieler. Ein Wiedersehen gibt es dabei am Samstag mit "Ampelkarten"-Jörg Schmidt, Tino Findeisen, Stefan Chudzik.

Die Stärke des FSV in dieser Saison nach den ersten Spielen einzuschätzen bleibt schwierig. Zwar wurden alle 3 Begegnungen gewonnen, allerdings schwer erkämpft mit dem 1:0 bei Aufsteiger Laubegast 06 am 1. Spieltag, dem "Last-Minute-Sieg" gegen den VfB Chemnitz (2:1) in der 2. Runde und dem 5:3 gegen den FC Anhalt Dessau in der 4. Runde. Den ersten Prüfstein für die Doege-Truppe gibt es wohl erst am nächsten Freitag mit dem Auswärtsspiel beim Angstgegner VFC Plauen.

In diesem Sinne dem Interessierten Freund der CFC-Amateure einen netten Nachmittag an der Gellertstraße bei 50 Tonnen Rauch und einer gigantischen Bengaloshow durch unseren Forumsfreund vom Fanclub "Rote Rübe oder Traktor" oder was weis ich. ;-)


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