Saison 2007/2008
CFC / NOFV-Oberliga



 
VfB 1906 Sangerhausen
VfB 1906 Sangerhausen1:0Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
23. Spieltag - Oberliga Nordost-Süd - Saison 2007/2008
Sonntag, 20. April 2008, 13:30 Uhr
Friesenstadion, Sangerhausen
Zuschauer: 875
Schiedsrichter: Weber (Eisenach)
VfB 1906 SangerhausenTorfolgeChemnitzer FC
T Hartleib
A Krüger
A Bäcker
A Trautmann
A Meyer
M SchneiderGelbe Karte
M Gängel
M Glage (68. SchmidtGelbe Karte)
M Kalbus (84. Quidzinski)
S Ivanov
S GroßeGelbe Karte

Trainer: Nemetschek
1:0 Gängel (54.)

T Klömich
A BaumannGelbe Karte
A Sieber (65. TroschkeGelbe Karte)
A Kunert
A Adamu
M Großmann (82. Thönelt)
M Bachmann
M Boltze
M Schlosser
S Schimmel (56. Schumann)
S Sonnenberg

Trainer: Vogel
Spielbericht

Der Club und der Tabellenletzte...

Von Frank Neubert

Die Älteren und Weitgefahrenen hatten es bereits geahnt. Der Club beim Tabellenletzten? Das kann nicht gutgehen! Bereits Tage vor der Partie plagten sich die Altvorderen mit bösen Alpträumen von uralten Spielen wie z.B. dem 1:2 in Zwickau (1988), dem 2:3 (1991) in Erfurt oder dem garstigen 2:3 in Verl (2002) herum. Schweißgebadet wachte man mitten in der Nacht auf, und sah die Ansetzung mit glühenden Kohlen im hochwertigen Läufer aus dem Schnäppchen-Baumarkt vor dem heimischen Bett eingebrannt: VfB Sangerhausen - Chemnitzer FC! Am 20.04.2008 ab 13.30 Uhr im Friesenstadion! Der Club beim Tabellenletzten? Das kann nicht gutgehen! Es sollte ein historischer Tag werden - und die Alten sollten recht behalten. Denn mit diesem Datum gibt es ab sofort eine Gratisverlängerung für alle himmelblauen Alpträume.

Da auch der Schreiber dieses Berichtes ein flaues Magendrücken wegen der Ansetzung verspürte, wurde dessen Autobesatzung vor dem Spiel zum Kyffhäuser-Denkmal in der Nähe von Sangerhausen kutschiert, um am roten Barte des Kaisers Barbarossa Gnade und Recht für die himmelblaue Sache zu erflehen. Der Club beim Tabellenletzten? Das konnte doch nicht gutgehen! Leider hatte der letzte Kaiser des Staufer-Reiches und die deswegen vielbesungene Sagengestalt aber entweder nicht richtig zugehört oder gerade wichtigere Dinge in Berlin bei Frau Merkel im Kanzleramt zu erledigen.

Der CFC zu Gast beim TabellenletzenIn Sangerhausen angekommen, wurde das eh schon schlechte Gefühl noch durch die Hiobsbotschaft, daß Torjäger Steffen Kellig mit Infekt zuhause in Frankenberg das Krankenbett hütet, verstärkt. Tolle Wurst - nach Beckers Gelbsperre war nun auch Kellig nicht am Start. Dies fiel aber erst einmal nicht sonderlich auf, da die ersten zehn Spielminuten klar an den Club gingen. Der Aufsteiger durfte bis an die Mittellinie, aber dort war Sense. Kopfschüttelnd registrierten die ca. 200 mitgereisten Fans aber bereits in dieser Phase, daß der CFC trotz Feldüberlegenheit keinerlei Gefahr vor dem Kasten des Gastgebers versprühte. Nach einer Viertelstunde befreite sich der Tabellenletzte von der Umklammerung und nahm in zunehmenden Maße am Spiel teil. Das Ganze gipfelte nach einer halben Stunde in vier Ecken in Folge (!) für den VfB, was im Gästeblock zu ersten heftigen Schweißperlen auf der Stirn und zu dicken Hälsen führte. Der Club beim Tabellenletzten? Das kann überhaupt nicht gutgehen! Nur kurze Zeit später mußte Klömich sogar Kopf und Kragen riskieren, um den durchgebrochenen Glage vom Ball zu trennen. Das 1:0 lag in der Luft, aber es fiel nicht. Kurz vor der Pause dann doch ein klein wenig Törchengefahr im VfB-Strafraum. Boltze zimmert einen Freistoß knapp über die Querlatte, und Schimmel köpft am kurzen Pfosten eine Flanke von Schlosser um wenige Zentimeter am Gehäuse vorbei. Ohne Tore und einem ganz komischen Gefühl im Bauch ging es in die Pause. Der Tabellenletzte und der Club? Hah!

Sangerhausen kam eher auf den Platz zurück. Der Aufsteiger hatte Lunte gerochen. Und erneut versuchte es der Club mit Druck. Aber Sieber verliert den Ball im Vorwärtsgang an Kalbus. Der prescht nach vorn und bedient Gängel mit klugem Paß. Und genau jener Torschütze, der mit seinem Tor gegen den FSV Zwickau bisher für den einzigen VfB-Sieg sorgte, trifft auch gegen den CFC zum 1:0! Hölle! Hölle! Hölle! Maßloses Entsetzen im CFC-Block. Tabellenletzter? Club! Die neue Fratze für die himmelblaue Geisterbahn war gemalt. Acht Punkte hatte der VfB bis dato geholt. Der CFC insgesamt 40. Unter'm Strich fünfmal mehr. Aber die Führung war verdient. Und die Himmelblauen hechelten jetzt mit Nervenflattern und Stift in der Hose dem Spielstand hinterher. Nun erwachte auch das Sangerhäuser "Fachpublikum". Jeder dahinsterbende VfB-Schwan wurde mit den an die CFC-Spieler gerichteten Worten "Könnt ihr Assis nicht mal ins Aus spielen! So eine unfaire Bande!" und ähnlich netten Sprüchen kommentiert. Nicht, daß man dies nicht gewohnt wäre oder sowieso darüber stehen würde. Erstaunlich war aber die Vielzahl der Pöbler, die in diesen Chor einstimmten. Als aus dem CFC-Block deutlich vernehmbare "Vogel raus!"-Rufe kamen, wurde das hinter der Trainerbank stehende Publikum nicht müde, dies extra noch einmal zu wiederholen. Der ruhmreiche FCK zu Gast bei Bauern.

Der VfB massierte seine Deckung und verlegte sich aufs Kontern. Damit lag er nicht falsch, denn diesem CFC konnte man getrost das Spielfeld überlassen. Keine Torgefahr, keine Ideen, keine Durchschlagskraft. Und dies trotz nach wie vor höherer Spielanteile der Himmelblauen. Der Club spielte auf wie ein Indianderstamm, der eine Wagenburg von Siedlern im wilden Westen belagern will, dabei aber vergessen hat, die Pferde sowie Pfeil und Bogen mitzunehmen. Sinnloses Gerenne um die Wagenburg der Vfb'ler herum, mit viel Hektik und Geschrei, aber ohne jede Effizienz. Harmlos, sinnlos, CFC. Drei neue Spieler brachte der konsterniert wirkende Tino Vogel auf das Feld, aber es nützte alles nichts. Der VfB war durch seine Konter dem 2:0 sogar näher als der Club dem Ausgleich. Der CFC zu Gast beim Tabellenletzten? Aber sicher doch! Alles wie immer. Der VfB zog die Balljungen zurück. Ersatzkeeper Sommerfeldt und Physiotherapeut Lange stellten sich daraufhin hinter das VfB-Tor, wurden aber kurze Zeit später von Schieri Weber wieder auf die Bank beordert. Und die Zeit rannte davon. Beim Tabellenletzten! Bachmann schnappte sich das Leder und stürmte an 4 Gegnern vorbei in den Strafraum - doch sein Flachschuß wird durch VfB-Keeper Hartleib gehalten. Baumann kommt in der 91. Minute zum Kopfball, doch auch hier kriegt Hartleib die Fingerspitzen an den Ball. Kurz darauf pfeift Weber die Partie ab und leitet somit beim VfB Freudentänze und Uffta vor der Heimtribüne ein und beim CFC meterlange Flüche im Gästeblock. Immerhin besaßen Sonnenberg und Troschke den Mut, sich am Zaun den zu Recht aufgebrachten CFC-Fans zu stellen.

Fazit: Tino Vogel ist am Montag nach dieser Partie als Cheftrainer des CFC beurlaubt worden. Zu Recht! Warum? Weil die junge Truppe zum wiederholten Male nicht in der Lage war, ihr vorhandenes Potential abzurufen. Ausrutscher wie in Gera können passieren. Aber der rote Faden der Ideen- und Erfolglosigkeit zieht sich bereits seit dem Herbst 2007 dahin. In den letzten 12 Spielen holte der Club lediglich 4 Siege - viel zu wenig für die eigenen Ansprüche! Tino Vogel hat es nicht geschafft, die Mannschaft zu einer Einheit zu formen, die ihren eigenen Stärken und Möglichkeiten vertraut. Im Gegenteil, die jungen Kicker scheiterten in Sangerhausen ebenso wie bereits in Eilenburg, Dresden-Nord und Auerbach an einer frappierenden Ideen- und Einfallslosigkeit, die diese Mannschaft überhaupt nicht nötig hätte. Das Potential ist, wie gegen Plauen und Dresden gesehen, ist auf jeden Fall vorhanden. Es bleibt die grundlegende Hoffnung, daß nun mit dem neuen Coach Christoph Franke der himmelblaue Bock umgestoßen wird und der CFC zurück in die Erfolgsspur findet.

Wertung: 5

Bester Himmelblauer: Schlosser

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