Saison 2008/2009
CFC / Regionalliga



 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC1:2SV Babelsberg 03
SV Babelsberg 03
8. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2008/2009
Samstag, 18. Oktober 2008, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 3.107
Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
Chemnitzer FCTorfolgeSV Babelsberg 03
T Klömich
A Sieber (46. ReinhardtGelbe Karte)
A Emmerich (78. Förster)
A Baumann
A Wilke
M Liebers
M MüllerGelbe Karte
M SchlosserGelbe Karte
M Boltze (71. Bachmann)
S Kellig
S Sonnenberg

Trainer: Schädlich
0:1 Prochnow (21.)
1:1 Wilke (63.)
1:2 Ergirdi (68.)

T Unger
A Mauersberger (83. Müller)
A Laars
A Civa
A Prochnow
M Frahn
M HartwigGelbe Karte
M Lange (75. Moritz)
M Ergirdi
S Surma
S Weidlich (46. Oumari)

Trainer: Demuth
Spielbericht

Chemnitz nur Statist im falschen Film

Von Frank Neubert

Am Ende war es wie in jedem beliebigen Hollywood-Schinken: Die Akteure, welche im Abspann ganz oben stehen, heimsten die Preise - in diesem Fall: die Punkte - ein, und den Nebendarstellern und Stuntmännern, die sich mindestens ebenso engagiert in den Streifen einbrachten, bleibt außer der Nennung unter "ferner liefen" nicht viel übrig. Man wird im Abspann zwar höflich erwähnt, aber das war's dann auch schon. Und genau unter diese Rubrik fielen auch die nett-tröstenden, aber angesichts der Tabellensituation wenig hilfreichen Worte von Dietmar Demuth gegenüber dem MDR: "Diese Niederlage war sehr unglücklich für Chemnitz - ein Elfer verschossen, zwei Pfostenschüsse. Das hätte eigentlich langen müssen, um uns zu schlagen."

Die Schlüsselszene des Spiels?Tatsächlich hätte angesichts der besseren und klareren Chancen eigentlich die Elf in den himmelblauen Trikots als Sieger vom Platz gehen müssen. Aber diese sündigte frevlerisch mit ihren Chancen. Bereits in der vierten Minute verballerte Boltze einen Elfer, nachdem Baumann im Babelsberger Strafraum von hinten umgesenst wurde. Keeper Unger hatte keine Mühe, den schlecht platzierten Schuss zu parieren. Und weiter ging es mit den vertanen Möglichkeiten: Kellig köpfte eine Bogenlampe an den Pfosten (17.) und Sieber hämmerte nach einem feinen Schlenker den Ball aus Nahdistanz nochmals ans Aluminium (21.). Was allerdings auffiel - der CFC hatte viel Mühe, sich diese Chancen auch zu erarbeiten. Wie das große Räderwerk in Charlie Chaplins Meisterwerk "Moderne Zeiten" mahlte und ruckte die himmelblaue Maschinerie, bis man endlich vor dem SVB-Tor ankam.

Ganz anders der Tabellenführer aus Babelsberg: Leichtfüßig, behend, auf Konterchancen lauernd. Und eine solche bot sich in der 17. Minute, als jeweils Wilke, Sieber und Baumann nur als unbeteiligte Statisten in einer Actionszene auftraten, an deren Ende Hauptdarsteller Prochnow in seiner Rolle als Torschütze nur noch einzuschieben brauchte. Eine ganz bittere Pille für den Club, aber auch irgendwie Spiegelbild des Tabellenstandes beider Teams. In dieses kopfstehende Bild passte bestens auch das (knappe?/zweifelhafte?/auch vom MDR nicht aufzulösende!) Abseitstor von Kellig (23.) nach steilem Zuspiel von Schlosser. Der Fußballgott hielt es an diesem Tag mit dem Tabellenführer.

Chemnitz kam zuerst aus der Kabine, demonstrierte Entschlossenheit. Aber das Drehbuch blieb leider das Gleiche. Mit viel Kraft und Aufwand wurden sich gute Chancen erspielt, aber jedes Mal, wenn Nulldrei am Ball war, wurde kollektiv die Luft angehalten. Nach gut einer Stunde Spielzeit wurden die Mühen des Clubs doch belohnt: Wilke stieg nach einem Müller-Freistoß (63.) hoch und köpfte die Pille zum hochverdienten 1:1 in die Babelsberger Maschen. Wer nun allerdings gehofft hatte, dass es auf Seiten der Babelsberger einen Filmriss geben würde, wurde bereits beim nächsten Angriff des SVB eines Besseren belehrt. Mit letzter Mühe konnte der zurückgeeilte Wilke einen Torschuss gerade noch zur Ecke abwehren.

Fünf Minuten später wieder Action in und am himmelblauen Strafraum: Diesmal assistierten Baumann, Emmerich, Wilke, Liebers und Müller dem Hauptdarsteller Ergirdi, und der Tabellenführer lag mit 2:1 wieder in Front. Der Club bäumte sich nochmals auf, Schlosser wuchtete einen satten Jürgen-Bähringer-Gedächtnis-Freistoß auf das 03'er Tor (76., gehalten) und der glücklose Kellig köpfte knapp über das Gebälk (81.). Drei Minuten vor dem Filmende stürmten gleich drei himmelblaue Kicker auf des Gegners Kasten zu, aber der nicht immer sicher wirkende Linienrichter auf der Tribünenseite zeigte unter wütenden Protesten der Kinofreunde aus Block 7 eine Abseitsstellung an. Aber auch dies passte irgendwie zu dem falschen Film, der auf dem Rasen ablief.

Fazit: Was soll man dazu noch sagen? Der Club liefert das bisher beste Heimspiel der Saison ab, aber wird dafür nicht belohnt. Im Gegenteil, man rutscht noch weiter in den öden Tabellenkeller hinein. Fast noch schlimmer die Frage - Was tun!? Einige ganz Schlaue meinten, mit den drei "Schachtern" bereits das Übel ausgemacht zu haben. Diese Blitzableiterei war zu erwarten, ist aber absolut kurzsichtig und hilft überhaupt niemanden weiter. Ein Baumann, Kunert und Kellig laufen ihrer Form auch seit Wochen hinterher. Der Club kann es nur gemeinsam schaffen, dort unten herauszukommen. Und mit ähnlich couragierten Auftritten wie am Samstag sollte es auch bald Punkte auf der Habenseite geben. Im letzten Jahr fuhr man nach der Auftaktpleite gegen Halberstadt auch völlig emotionslos nach Halle und bereitete sich auf das Schlimmste vor. Aber es kam anders - der Club siegte souverän mit 2:0 und gewann vier Spiele in Folge. Vielleicht gelingt ja in diesem Jahr aufgrund der ähnlich geringen Aussichten ein erneutes Husarenstück. Zu wünschen wäre es, und zwar im Sinne ALLER Beteiligten!

Wertung: 2,5

Beste Himmelblaue: Müller, Bachmann

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