Saison 1973/1974
FCK / DDR-Oberliga



 
FC Karl-Marx-Stadt
FC Karl-Marx-Stadt4:4SG Dynamo Dresden
SG Dynamo Dresden
4. Spieltag - DDR-Oberliga - Saison 1973/1974
Samstag, 01. September 1973, 15:00 Uhr
Dr.-Kurt-Fischer-Stadion, Karl-Marx-Stadt
Zuschauer: 25.000
Schiedsrichter: Männig (Böhlen)
FC Karl-Marx-StadtTorfolgeSG Dynamo Dresden
T Kunze
A Schuster
A P. Müller
A Sorge
A Franke
M GöckeGelbe Karte
M K. Lienemann (72. Bartsch)
M Wolf
S Bähringer
S J. Müller (72. Förster)
S Neubert

Trainer: Hofmann
0:1 K. Müller (3.)
0:2 Sachse (43.)
0:3 Sachse (48.)
1:3 Bähringer (49.)
1:4 Sachse (58./Elfer)
2:4 Wolf (74./Elfer)
3:4 Wolf (85./Elfer)
4:4 Bähringer (87.)

Besondere Vorkommnisse:
Wolf vollendet den Elfmeter (85.) erst im Nachschuß

T Boden
A Ganzera
A Helm
A Wätzlich
A Sammer
M Rau (78. Weber)
M SchadeGelbe Karte
M Schmuck
S Riedel
S K. Müller (78. Donix)
S Sachse

Trainer: Fritzsch
Pressestimmen

Fuwo

Drei Tore Vorsprung reichten dem Meister nicht – Sieg wurde noch aus der Hand gegeben

Entgegen seiner Gewohnheit brauchte Dynamos Cheftrainer Walter Fritzsch einige Zeit, um den Weg aus der Kabine zu den Kollegen von Presse und Funk zu finden. Sein erster Satz: „Das ist mir einfach unbegreiflich!“ Worauf er anspielte, war jedem verständlich: Seine noch nach 73 Minuten mit drei Toren Differenz in Front liegenden Schützlinge mußten sich am Ende mit einer Punkteteilung abfinden, die manches auf den Kopf stellte und für ihn unerklärlich machte. [..] Zehn Meter weiter herrschte Begeisterung – wer konnte sie den Aktiven des FCK verübeln! Nur einer aus den Reihen der gastgebenden Mannschaft wirkte etwas deprimiert und verschwand relativ schnell aus dem Kabinengang: Torhüter Ralf Kunze. Sein Stellungsfehler beim 1:0 für den Meister [..] brachte den FCK gegen den schwungvoll und selbstbewußt startenden Gast in erhebliche Schwierigkeiten. [..] Vorwürfe trafen den FCK-Torhüter, der in drei Begegnungen zuvor Meisterhaftes geleistet hatte, allerdings nicht. Sorges Geste nach dem 0:1 besagte vielmehr alles: Nun erst recht! [..]

Der Titelverteidiger nahm dem FCK zunächst das Geschehen aus der Hand, wirkte stabiler, im Mittelfeld gegenüber den doch nicht genügend abgeklärt operierenden K. Lienemann und Göcke spritziger, entschlossener. „Dynamos Konterangriffe hatten es in sich“, meinte FCK-Verteidiger Franke später. [..] Was für den FCK spricht: Er bewies Moral, Steigerungsfähigkeit (Wolf) sowie Reaktionsvermögen, als es Blößen in der Deckung Dynamos zu bestrafen galt. Und die Elf trug auf diese Weise dazu bei, das Treffen gehaltvoll zu gestalten und ihm in der Schlußphase einen für viele nicht mehr für möglich gehaltenen dramatischen Zuschnitt zu geben!

(Dieter Buchspieß)


Sportecho

Der Umschwung ein Rätsel

Erstaunen und Bewunderung zugleich musste auslösen, wie souverän der ersatzgeschwächte Titelverteidiger in der ersten Phase seine Kreise zog, wie reibungslos die Kombinationen aus der umformierten Abwehr heraus liefen. Dynamo wirkte abgeklärter, beweglicher und bei den vor allem über Riedel und Sachse vorgetragenen schnellen Kontern kreuzgefährlich. [..] Entfaltungsmöglichkeiten boten sich für den FCK in den ersten 30 Minuten kaum. Nicht zuletzt war das ein Verdienst von Schade und Schmuck, die sich im Mittelfeld über weite Strecken nachhaltiger in Szene setzten als auf der Gegenseite K. Lienemann und Göcke. [..]

Die Frage, wie Dynamo nach Sachses Treffer zum 4:1 das Spiel noch aus der Hand geben konnte, wird in den Reihen der Schwarz-Gelben wahrscheinlich noch lange erörtert. Sicherlich, der Gastgeber bot nach dem Wechsel all seine Kräfte auf, schwang sich insbesondere durch den ständig kraftvoll nach vorn prellenden Wolf zu hohem Einsatz auf - doch bis zur 85. Minute gab es kaum Anzeichen dafür, den Meister auf diese Weise beeindrucken oder gar aus den Angeln heben zu können. Dann jedoch gab es in der Deckung, die sich zunächst keinerlei Blößen gegeben hatte [..], Leichtfertigkeiten, die sich bitter rächten.

"An der ausgezeichneten Moral und der ernormen Steigerung nach der Halbzeit sind keinerlei Abstriche vorzunehmen, doch andererseits muss ich unumwunden eingestehen, dass wir ohne Dynamos Hilfestellung wohl kaum noch zum Ausgleich gekommen wären", äußerte Ex-Nationalspieler Dieter Erler, der Trainerassistent des FCK.

(Dieter Buchspieß)

Spielerstimmen

Jürgen Bähringer (Fuwo)
"Unsere Verfassung zur Halbzeit kann man sich gut vorstellen. Doch gerade in dieser Situation gab es für uns nur eins: Wir mußten in der zweiten Spielhälfte lle Potenzen in die Waagschale werfen, um das Steuer noch herumzureißen. Vor allem Frank Sorge munterte uns immer wieder auf. Selbst Dresdens vierter Treffer warf uns nicht aus der Bahn, wie von den 25.000 wohl befürchtet wurde. Selten habe ich mich so über ein Tor gefreut wie das 4:4. Nachdem ein Schußversuch von Bartsch gescheitert war, spitzelte Sorge das Leder zu mir. Drehung und Schuß waren eins. Insgesamt war ich mit meiner Partie recht zufrieden."

Trainerstimmen

Gerhard Hofmann (Sportecho)
"Wir befanden uns in der wenig beneidenswerten Situation, schon nach 180 Sekunden einen durchaus vermeidbaren 0:1 Rückstand aufholen zu müssen. Daraus leitete sich zwangsläufig ab, dass meine Elf bei weitem nicht locker und ihrer spielerischen Mittel sicher wirkte. Zur Halbzeit gab es für mich nur eine Alternative, die ich den Spielern klarmachte: Beweist den 25.000, wozu ihr fähig seid! [..]"

Walter Fritzsch (Sportecho):
"Bis zur 85. Minute muss ich der Elf eine homogene, gutklassige Leistung frei von allen Verkrampfungen bescheinigen - für die entscheidenden letzten fünf Minuten trifft das allerdings in keinem Fall zu. Und dabei hatte ich noch darauf hingewiesen, bis zum Schlusspfiff höchste Konzentration zu wahren, den Gegner ungeachtet unseres klaren Vorsprungs niemals zu unterschätzen. [..]."

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