Saison 2000/2001
CFC / 2. Bundesliga



 
MSV Duisburg
MSV Duisburg1:1Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
32. Spieltag - 2. Bundesliga - Saison 2000/2001
Freitag, 04. Mai 2001, 19:00 Uhr
Wedaustadion, Duisburg
Zuschauer: 5.030
Schiedsrichter: Keßler (Höhenkirchen)
MSV DuisburgTorfolgeChemnitzer FC
T Bobel
A Schyrba
A Drsek
A Kovacevic
M Wolters
M Steffen
M Zeyer
M Grujev (77. Hoersen)
M Liebers
S Güvenisik
S Ebbers (87. Seidel)

Trainer: Eichkorn
1:0 Wolters (29.)
1:1 Podszus (87.)

T Ananiev
A Holetschek
A Bittermann
A Mehlhorn
M Renn
M Kluge
M Sobiech
M Göhlert (58. Oswald)
M JendrossekGelbe Karte
S Tetzner (56. Podszus)
S Kujat (87. Schmidt)

Trainer: Karkuth
Spielbericht

Ein wichtiger Auswärtspunkt für die Moral

Von Frank Neubert

Nach den zwei letzten Schlappen war für den CFC in Duisburg nicht viel Gutes zu erwarten. Sowohl in Reutlingen, als auch insbesondere daheim gegen die Kickers hatte man förmlich um Medienschelte gebeten. Lust- und planlos, so der Eindruck der Fans und der medialen Zunft. Alle Befragten waren sich einig, das man mit einer Standard-1:3-Niederlage zufrieden sein müsse. Aber wie so oft sollte es anders kommen.

Der CFC bot erstaunlicherweise den am Wochenanfang für seine Vereinsschelte schon halb suspendierten Jendrossek anstatt Oswald auf, und Mehlhorn durfte anstelle von Schmidt die Abwehr verstärken. Auch Podzus, der im letzten Heimspiel eine 1000-Prozentige versiebte, mußte seinen Platz zunächst für Tetzner freimachen.
Von Beginn an zeigten sich beide Teams wenig bemüht, konstruktiven Fussball zu spielen. Die 5000 Zuschauer im Wedaustadion mussten ähnliche Härte mitbringen, wie die abgestumpften Heimfans der Himmelblauen. Aber die Hausherren versuchten es wenigstens, und der CFC mühte sich, die Abwehr dicht zu halten. Dies gelang für eine halbe Stunde auch ganz ordentlich. Dann trat der ehemalige Chemnitzer Liebers, der über die Station Leverkusen/Ama. nach Duisburg gewechselt war, als Flankengeber in Erscheinung - und prompt stand Wolters goldrichtig und hatte keine Mühe, die Kugel aus 8m im himmelblauen Kasten zu versenken. Die 1:0-Führung der Zebras war aufgrund der höheren Spielanteile durchaus verdient.
Nun gab der CFC seine reservierte Haltung auf und schickte einige Akteure zur näheren Erkundung des Duisburger Strafraumes aus. Dies gelang ganz ansehnlich und so kam man durch Göhlert per sehenswerten Drehschuss sogar zur Ausgleichschance vor der Halbzeit.
Dann pfiff der Referee zum Pausentee und die Zebrafans machten ihrer letztjährigen Erstligatruppe durch viele Pfiffe klar, das hier einfach mehr erwartet wird.

Nach Wiederanpfiff ein ähnliches Spiel. Der MSV feldüberlegen, aber ohne echte Ideen, das CFC-Abwehrbollwerk knacken zu können. Im Gegenteil, die Himmelblauen versuchten sich mit ihren bescheidenen Mitteln selbst etwas in Szene zu setzen, was hin und wieder auch gelang. Das Spiel wurde dadurch zwar immer noch nicht ansehnlich, aber zumindest etwas besser als in Halbzeit eins. Und die mitgereisten 42 CFC-Fans konnten sich außer an ihrem eigenen Enthusiasmus auch an CFC-Aktionen erfreuen. Aber erstmal war wieder der MSV am Drücker. Freistoss an der Strafraumgrenze, Grujev führt aus und schlenzt den Ball an den Pfosten. Der heranfliegende Ananiew hätte keine Chance gehabt. Vom Pfosten spingt der Ball zu Ebbers, der aber seiner Überraschung nicht Herr wird und das Spielgerät mit dem Oberschenkel aus 3m Entfernung über das Tor hebelt. Glück gehabt, CFC.
Nun erfolgte aber auch eine echte himmelblaue Antwort: Mehlhorn tritt einen Freistoss aus 25m, der Schuss wird leicht abgefälscht und kann nur mit letzter Mühe von Bobel aus der "falschen" Ecke gefischt werden. Dann nimmt der eingewechselte Oswald das Leder im Mittelfeld auf und kurvt wie in seinen besten Zeiten vor dem Strafraum und darin 4 staunende Duisburger Statisten aus. Aus 12m schiesst er auf das Tor, leider aber genau in die Arme des MSV-Keepers. Die Handvoll CFC-Fans war nun gut drauf und führte mit einen größeren himmelblauen Fahnentuch einen hübschen Volkstanz auf.
Aber die Duisburger sollten noch zwei richtige Riesen haben - erst taucht nach Fehlern von Mehlhorn und Holetschek der MSV-Stürmer Ebbers freistehend vor Ananiew auf und nagelt das Leder aus 5m an die Latte, und kurz drauf kommt Güvenisik von rechts in den Strafraum gestürmt - doch sein Schuss bleibt zum Glück in den Armen des herauseilenden Ananiews hängen.
Tja, und wie das im Fussball so ist - wer seine Chancen nicht nutzt, wird zumeist bestraft - wenn es sein muß, auch durch einen Tabellenletzten. Fünf Minuten vor Schluß ein CFC-Angriff über links, Holetschek flankt nach schönen Zusammenspiel mit Jendrossek nach innen und der schon als Fehleinkauf titulierte Podzus markiert per Kopf sein erstes Pflichtspiel-Tor im himmelblauen Dress. Ein wunderschönes Kopfballtor aus gut und gerne 10m Entfernung über den Keeper hinweg in die lange Ecke - wow !! Angesichts des seltenen Ereignisses eines CFC-Tores wurde natürlich unter den Spielern, den Fans, und auf der Bank natürlich ausgelassen gejubelt.
Die letzten Minuten passierte nix mehr, ausser das nun sogar aus dem MSV-Block ein paar "Karl-Marx-Stadt"-Rufe kamen. Ein Dankeschön der Zebrafans an die tolle Spielweise der eigenen Lieblinge. Dann war Schluss und der CFC hatte seinen siebten Auswärtspunkt sicher, welcher das Gesamtkonto auf nunmehr 13 Punkte anwachsen lässt. Allen Himmelblauen war nach dem Spiel anzumerken, das dieser Punkt zurecht wie ein kleiner Sieg gefeiert wurde.

Fazit: Ein Punkt zur rechten Zeit!! Nach den letzten Auftritten hatte der CFC seine Linie vom ehrenvollen Abschied weitestgehend verlassen. Mit diesem Punkt kann man Fans, Sponsoren und vor allen den Medien wieder glaubhaft machen, das der CFC nicht vor einem großen Scherbenhaufen steht. Auch die Makelbilanz der 12 Jammerpunkte des FSV Frankfurt (94/95) hat man nun endlich hinter sich gebracht. Bliebe die längste Serie im deutschen Profifussball ohne Sieg - aber vielleicht gelingt den Himmelblauen ja nun gegen Bielefeld wieder ein unerwartetes Fussballwunder. Zu wünschen wäre es den treuen Fans zum letzten Buli2-Heimspiel allemal.

Wertung: 3,0

Beste Himmelblaue: Ananiev, Podszus, Oswald, Holetschek

Pressestimmen

Freie Presse
Podszus sorgt für Glücksgefühl [..] Negativrekord im Duisburger Wedau-Stadion: Ganze 5000 Zuschauer wollten Freitag Abend die Zweitliga-Begegnung ihres MSV gegen das Schlusslicht Chemnitzer FC noch sehen. Und sie wurden für ihren „Mut“ nicht unbedingt belohnt. Denn sie sahen ein äußerst schwaches Spiel, in dem die leid geplagten Gäste beim 1:1 (1:0) zumindest einen Achtungserfolg feiern konnten. [..] Fünf Minuten vor dem Schlusspfiff sorgte Podszus für selten gewordene himmelblaue Glücksgefühle, als er eine Flanke von Jendrossek direkt aufnahm und mit einem schönen Volleyschuss ins lange Eck den 1:1-Endstand erzielte.

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