Saison 2001/2002
CFC / Regionalliga



 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC1:01. FC Magdeburg
1. FC Magdeburg
14. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2001/2002
Samstag, 27. Oktober 2001, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 6.200
Schiedsrichter: Gärtner (Dortmund)
Chemnitzer FCTorfolge1. FC Magdeburg
T Hiemann
A Göhlert
A BittermannGelbe Karte
A Schmidt
M Podszus
M Ratkowski
M FröhlichGelbe Karte
M TchipevGelbe Karte
M Mehlhorn (68. Walther)
S Krieg (81. Rolleder)
S Meissner

Trainer: Schulz
1:0 Krieg (44.)

T Dreszer
A Prest
A Golombek (25. Strauß)
A KallnikGelbrote Karte
A DietrichGelbe Karte
M LückeGelbe Karte
M Mba (68. Uzuma)
M HannemannGelbe Karte
M Zani
S Rasche (46. Papic)
S Dobry

Trainer: Vogel
Spielbericht

Rainer Krieg sorgte für das Salz in der Maggi-Suppe

Von Frank Neubert

Nach den bereits absolvierten Duellen gegen den DSC und gegen Aue stand nun das dritte Ostderby gegen den Aufsteiger aus Magdeburg auf dem CFC-Programm. Die Sachsen-Anhaltiner hatten dabei einen alten himmelblauen Bekannten im Gepäck, denn mit Trainer Eberhard Vogel kehrte einer der berühmtesten Spieler aus der Elf des guten alten FC Karl-Marx-Stadt an die Gellertstrasse zurück, die 1967 den DDR-Meistertitel erringen konnte. Beim CFC waren bis auf den erneut pausierenden Hauptmann und die Langzeitverletzten Ahlf und Renn alle Mann an Bord, so daß Trainer Schulz endlich einmal eine echte Reservebank besaß. Düstere Aussichten dagegen beim FCM, der zusätzlich zur schlechten Tabellenposition sieben verletzte Spieler zu beklagen hatte. Mit Christian Prest wurde zudem ein neuer Libero ins Feuer geworfen.
Insgesamt verliefen sich bei besten herbstlichen Fußballwetter stattliche 6200 Zuschauer auf die Fischerwiese. Ca. 450 davon waren Fans der Elbestädter, welche sich auf dem Bahnhof daneben benahmen und dafür eine feine grüne Eskorte bekamen. Wegen des schlechten Rufes der Gästefans hatte der DFB das Spiel als Problemspiel eingestuft, weshalb z.B. an den Buden im Stadion kein Bier erhältlich war. Vielleicht auch besser so, den im Block der Magdeburger tummelte sich eine gewisse Anzahl von Jungs mit dunklen Jacken und ohne Fanutensilien. Beim Einlaufen der Mannschaften gab es dann die Heimpremiere der großen Chemnitzer Blockfahne der Ultras zu sehen, garniert mit Dutzenden von fliegenden Kassenrollen, die einen Hauch italienisches Flair über die Fischerwiese ziehen ließen.

Vom Anstoß weg zeigte sich, daß man gewillt war, das Spiel an sich zu reißen und mit kompromißlosen Einsatz den Ball zu erkämpfen gedachte. Schon ab der Mittellinie wurde der ballführende Spieler attackiert und der Gegner beim Spielaufbau gestört. Hatte man das Leder endlich in den eigenen Reihen, schickte man sich sofort an, konsequent nach vorne zu spielen und Torgefahr zu erzeugen.
Klingt gut, nicht !? Nur zu dumm aus Sicht der Himmelblauen, daß diese Beschreibung auf die Gäste aus der Börde zutraf. Der Gastgeber viel zu harmlos in der Zweikampfführung und viel zu ungenau beim Paßspiel in der Magdeburger Hälfte. Ab der Mittellinie gab es nur selten einen gewonnen Zweikampf und das Leder ging regelmäßig verloren. Zum Glück erwischte die CFC-Abwehr einen besseren Tag und bot dem Gegner mit Göhlert und Ratkowski erfolgreich die Stirn.
Die ersten Chancen des Spieles, wen wundert's, gab es natürlich vor Hiemanns Kasten. Einen Freistoß von links hämmert der Kapitän der Magdeburger, Dirk Hannemann, flach in die Arme des CFC-Keepers. Ein paar Minuten später kreuzten die Gäste schon wieder vor dem himmelblauen Gehäuse auf. Mba spielt mit dem in der Mitte platzierten Zani einen feinen Doppelpass und Mba schießt verdeckt auf den kurzen Pfosten - zum Glück zeigt sich Hiemann als souveräner Rückhalt.
Irgendwie waren die Chemnitzer Fußhelden zwar auch auf dem Platz, mittlerweile hatte man auch ein paar Lücken im Magdeburger Abwehrbollwerk erspäht, aber mehr als zwei Minichancen sprangen nicht heraus. Zuerst tastet sich Krieg mit einem Abseits-Kopfball nach Tchipev-Flanke ans Tor heran und etwas später bolzt der Goalgetter einen direkt angenommenen Ball von Meissner weit über das Gästegehäuse. Naja - immerhin zeigte Krieg damit an, daß wenigstens er wußte, wo das Eckige ungefähr zu vermuten war. Der gesamte CFC machte eher den Eindruck, als daß man sich dieses Spiel gegen den Tabellenvorletzten nach den letzten fetten Heimsiegen doch etwas leichter vorgestellt hatte.
Anders dagegen die Gäste - die suchten ihr Heil einfach in dem alten Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" und sahen damit unverschämt gut aus. Der Aufsteiger spielte keineswegs wie ein Abstiegskandidat und kam nach knapp 30 Minuten zu seiner dicksten Chance. Dobry stürmt links an 3 (!!) himmelblauen Statisten vorbei, gibt eine scharfe Flanke nach innen - großes Gewusel im CFC-Strafraum - der Ball entwischt nach vorn, wo er prompt dem Magdeburger Mba vor die Füße kullert. Und dieser hebt den Ball aus 5 Metern ans Chemnitzer Lattenkreuz - puhh, war das knapp! Den Nachschuß von Zani kann Hiemann endlich zur Ecke klären. Na Hilfe, niemand hätte sich beschweren können, wenn hier die Gäste in Führung gegangen wären. Die bisher verhaltene Gästekurve meldete sich nun auch zu Wort und übte sich im "Auswärtssieg"-Sprücheklopfen.
Aber CFC schien nun wachgerüttelt - zudem vernachlässigten die Magdeburger nun ihr Pressing ab der Mittellinie etwas, so daß sich vor allem Fröhlich und Meissner etwas besser entfalten konnten. Auch das Publikum raffte sich nun zu "Chemnitz-Chemnitz"-Rufen auf und sollte mit der ersten richtigen CFC-Chance belohnt werden. Bittermann wirft ein, der Ball wird abgewehrt, Tchipev dazwischen - der Bulgare flankt sofort nach innen - im Strafraum steigt der kleine Fröhlich am höchsten und köpft aufs Tor, doch Dreszer im FCM-Kasten kann das Leder sicher fangen. Doch der CFC war nun auf den Appetit gekommen, nach drei Ecken in Folge kommt Kopfballungeheuer Jan Schmidt angesegelt und verfehlt das Tor nur um Haaresbreite. Es wurde immer knapper - die Himmelblauen schossen sich ein! Sollte vielleicht doch vor Pause - nach diesem Gurkenspiel ??? Es sollte !!! In der 44. Minute fängt Fröhlich einen Angriff der Domstädter ab und schickt gedankenschnell einen steilen Pass auf Meissner. Der saust auf der linken Seite auf und davon, seine Flanke nach innen landet genau bei "Apparat" Rainer Krieg, der nun die Gelegenheit bekommt, den zwei neben ihm ehrfürchtig zusehenden Magdeburgern Hannemann und Kallnik seine Schußtechnik zu demonstrieren - locker mit der Hüfte gestoppt und vorgelegt, zwei Schritte gegangen, und unhaltbar ins lange Eck vollendet. Ein geiles Tor der Badener Bundesliga-Ikone! Geiler Jubel auch auf den Rängen, erste Chance, erstes Tor, wieder Rainer Krieg, und dies alles kurz vor der Pause. Gut gemacht, CFC.
Kurz darauf war Pause und der Beifall kündete von einem zumindest vom Ergebnis her zufriedenen Heimpublikum.

Der Versuch, den anstehenden Bierdurst mit Cola abzutöten, schlug erwartungsgemäß fehl. Daran konnte auch das graziöse Gehopse der Cheerleaders nix ändern. Einzig die durchgesagten Geburtstagsgrüße an eine junge Frau, die trotz eigenen Geburtstages mit den Kindern auf der Fischwerwiese weilte, konnten gefallen. Magdeburg wechselte und ließ unverständlicherweise den drahtigen Stürmer Rasche in der Kabine.
In der zweiten Halbzeit präsentierte sich der CFC aufgeweckter, aber immer noch nicht überzeugend. Die Gäste waren nunmehr bemüht, ihre Angriffe zu verstärken, was dem heimatlichen Konterspiel des CFC eigentlich immer behagt hatte. Die Partie wurde etwas ruppiger und der Schieri wirkte nicht immer glücklich bei seinen Entscheidungen, wer wann und warum das gelbe Kärtchen beschnuppern durfte. Aber dieses unparteiische Roulette betraf zum Glück beide Teams.
Die erste gefährliche Aktion hatten wieder die Gäste. Ein Freistoß von Hannemann wird abgeblockt, der Ball gefährlich in den Strafraum verlängert und in letzter Not kann Libero Göhlert zur Ecke klären. Dann aber auch Gefahr auf der anderen Seite: Podzus kommt auf der rechten Außenbahn angesaust und wird kurz vor dem Strafraum gefoult - im Straucheln rafft er sich wieder auf und schießt plaziert Richtung Tor, aber leider auch am langen Pfosten vorbei. Erinnerte aber irgendwie an die legendäre Szene mit Jörg Schmidt, der in der Saison 99' nach einem Foul wieder aufstand und die Kugel im Magdeburger Kasten versenkte. Aber *schnipp* und zurück zum Jetzt.
Das Spiel war nicht besser als in Halbzeit Eins, beide Seiten neutralisierten sich vornehmlich im Mittelfeld. Viele Ballverluste und bedingungsloser Kampf standen im Vordergrund. Der CFC zeigte sich bei den sich bietenden Kontermöglichkeiten einfach zu unkonzentriert, das vorentscheidende zweite Tor zu erzielen und die Magdeburger waren mit ihren Angriffslatein am himmelblauen Strafraum zu Ende. Mitte der zweiten Halbzeit reifte bei den mitgereisten Magdeburger Fans dann wohl die Erkenntnis, das ihre Jungs statt Zielwasser nur Elbwasser getrunken hatten und skandierten "Wir ham die Schnauze voll". Die CFC-Kurve reagierte gewitzt mit "Ihr habt die Schnauze voll" und später mit "Absteiger"-Gesängen.
Auf dem Rasen vergaben die Anhaltiner mit Papic die nächste ungenutzte Chance. Dann war Wechselzeit und beim CFC kam Kampfschwein Ingo Walther ins Spiel, die Magdeburger tauschten Farbe gegen Farbe und fortan durfte sich Uzuma mühen, den guten Mba zu ersetzen. Aber der CFC hatte den besseren Griff getan, denn mit Walther kam noch einmal Schwung ins himmelblaue Spiel. Auch die Südkurve schwang sich noch einmal zu Stimmung auf, als die eigentlich schon längst überfällige Uffta angestimmt wurde.
Der Schiedsrichter erzeugte nun mehrmals Unmut mit zweifelhaften Abseitsentscheidungen, unter denen vor allem Rainer Krieg mehrfach zu leiden hatte. In der 77. Minute startet erneut Krieg durch und stürmt mit dem Ball am Fuß am letzten Magdeburger Verteidiger vorbei. Das Schlitzohr kreuzt dessen Laufbahn und fädelt sich geschickt ein *pst*, der Schieri pfeift und versöhnt das Publikum mit einer durchaus berechtigten Gelb-Roten Karte für den Magdeburger Kallnik. Das Spiel war damit aber noch nicht gelaufen - beide Seiten mühten sich weiterhin um Resultatsverbesserung. Aber die Gäste blieben im Angriff einfach zu harmlos. Bezeichnend war eine Situation, wo der Ball in die Nähe des CFC-Strafraumes kommt, drei Magdeburger sinnentleert auf das Spielgerät stieren und Göhlert, der den weitesten Weg von allen hatte, souverän klären kann. So jedenfalls nicht, FCM. Die Magdeburger Fans entrollten nun auch ein Plakat gegen ihren Trainer, auf welchem "Ein Vogel ist zum Fliegen da" stand. Ziemlich geschmacklos das Ganze, denn erstens spielte der FCM heute ganz sicher an seiner oberen Leistungsgrenze und zweitens hatten ja wohl bloß die kühnsten Elb-Optimisten an Punkte in Chemnitz geglaubt. Das laue Bild vom launischen und spielerschlagenden (Lübeck!) FCM-Fan wurde also auch hier bestätigt.
Dann wurde der Ball noch einmal handballverdächtig um den Magdeburger Strafraum herumbugsiert. Meissner, Walther, Krieg, Podzus - jeder war mal am Ball und gab weiter - dann Fröhlich, welcher endlich das Leder in die Luft bringt - doch Meissner verfehlt freistehend äußerst knapp mit dem Kopf. Dann noch einmal die Gäste - der Kapitän der Domstädter tritt einen Freistoß knapp neben das himmelblaue Gehäuse. Die letzten Chancen des Spieles gehörten dem munter aufspielenden Walther, welcher mit dem eingewechselten Rolleder einen Doppelpass spielt, über links technisch gekonnt in den Strafraum eindringt und dann brachial über das Tor hämmert. Kurz darauf erneut Walther, der in der Mitte nach einem Abpraller frei zum Schuß kommt, aber leider nicht zum 2:0, sondern nur einen Gegenspieler trifft. In der Nachspielzeit stürmte dann sogar der FCM-Keeper Dreszer noch mit, aber schlußendlich blieb es beim 1:0-Arbeitssieg für die Himmelblauen. Der ersehnte Schlußpfiff des Schieris wurde von Spielern und Fans des CFC gebührend bejubelt, wärenddessen die Magdeburger deprimiert und enttäuscht auf den Rasen sanken.

Nach Spielende gingen die himmelblauen Sieger wie immer zu ihren Fans auf Ehrenrunde und nahmen sich am Zaun Zeit für Autogramme und Smalltalk mit den feiernden Fans. Auf der Gästeseite bedankte sich das Gros der Spieler aus gebührender Entferung bei den Mitgereisten - wen wunderts.

Fazit: Ein Gurkenspiel wurde gewonnen und somit weiter fleißig am diesjährigen Heimnimbus gebastelt. Die Zeiten der Punkteverteilerei an der Fischerwiese scheinen endgültig ad acta gelegt zu sein. Glück hat nur der Tüchtige - oder anders: Wenn man oben steht, gewinnt man auch solche Dinger. Das Saisonziel Platz 6 aufwärts ist weiter untermauert worden - fein gemacht, CFC. Nun sollte auch genügend Schwung für die nächsten schweren Partien in Osnabrück, gegen Lübeck und in Uerdingen gesammelt worden sein. Sehr erfreulich ist auch die Tatsache, daß Krieg weiterhin trifft - dem CFC steht ein Knipser für "halbe Chancen" momentan ganz ausgezeichnet.

Wertung: 4

Beste Himmelblaue: Hiemann, Ratkowski, Meissner, Krieg

Pressestimmen

Freie Presse
CFC triumphiert über Magdeburg

Magdeburger Volksstimme
Gute Leistung in Chemnitz nicht belohnt [..] Doch weit gefehlt! Der Club (Magdeburg ist gemeint, d. Red.) war in den ersten 45 Minuten sogar die überlegene Elf, beherrschte weitgehend Spiel und Gegner. Selbst CFC-Coach Matthias Schulz gab zu: &

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