Saison 2016/2017
CFC / 3. Liga



 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC1:11. FC Magdeburg
1. FC Magdeburg
31. Spieltag - 3. Liga - Saison 2016/2017
Dienstag, 04. April 2017, 20:30 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 8.392
Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
Chemnitzer FCTorfolge1. FC Magdeburg
T Kunz
A Bittroff
A Dabanli
A Conrad
A Cincotta (79. Baumgart)
M Danneberg
M JopekGelbe Karte
M Türpitz (65. Grote)
M Fink
M Mast
S Frahn (65. Hansch)

Trainer: Köhler
0:1 Sowislo (69.)
1:1 Dabanli (88.)

T Zingerle
A Handke
A PuttkammerGelbe Karte
A Hammann
M LöhmannsröbenGelbe Karte
M Sowislo
M Butzen
M SchwedeGelbe Karte (70. Niemeyer)
M ChahedGelbe Karte
M Düker (68. Beck)
S Cwielong (60. Farrona Pulido)

Trainer: Härtel
Spielbericht

Wenn man schon kein Glück hat…

Von jb

Flutlichtspiel unter der Woche, gutes Wetter (Trocken!), Ostklassiker und auch so eine Art Spitzenspiel, schließlich war der Tabellenzweit zu Gast, und bei einem Heimsieg durchaus wieder in Reichweite der Himmelblauen. Also alles angerichtet für einen netten Abend. Lediglich die Kulisse passte nicht ganz, während der Gästeblock mit 1500 voll war, waren auf Heimseite kaum mehr als bei den letzten Heimspielen. Trotz der zuletzt durchwachsenen Leistungen hätte man durchaus mehr erwarten können.

CFC - 1. FC Magdeburg 1:1Beim CFC kam nach seiner Rotsperre Mast zurück in die Startaufstellung, Grote musste dafür auf die Bank. Bei den Gästen durfte sich überraschenderweise Torjäger Beck den Anpfiff von der Bank aus ansehen. Eine große Abtastphase gab es nicht, beide Mannschaften suchten gleich die Offensive. Dies allerdings ohne wirkliche Toraktionen. Bei den Himmelblauen machte Daniel Frahn (nicht nur in der Anfangsphase) eine unglückliche Figur, wirkte wie ein Fremdkörper. Wenn schnelles Spiel gefragt war nahm er Tempo aus dem Angriff, wenn er es schnell machen wollte landete der Ball beim Gegner, und zumindest Letzteres traf auch in vielen Situationen auf Anton Fink zu.
Bis zum ersten Torschuss dauerte es ganze 11 Minuten, der insgesamt sehr auffällige Hammann schoss einen Freistoß von der linken Strafraumgrenze ans Außennetz, Kunz wäre auch in der richtigen Ecke gewesen. In der 13. Minute dann ein doppelter Angriffsversuch für den CFC. Türpitz zieht von der rechten Seite in den Strafraum, sein Pass wird von der Gästeabwehr geblockt und in die Gegenrichtung befördert. Der CFC eroberte den Ball jedoch schnell zurück, dieses Mal wurde Frahn schön von Jopek über die rechte Seite geschickt und konnte Flanken, wieder war leider ein Abwehrspieler etwas schneller am Ball als der mitgelaufene Mast. Kurz darauf gab es eine Ecke für die Gäste, Kapitän Sowislo kommt am kurzen Pfosten relativ unbedrängt zum Ball, setzt die Kugel glücklicherweise über die Latte.

CFC - 1. FC Magdeburg 1:1Dann passierte erst mal lange nichts Erwähnenswertes, bis nach einer knappen halben Stunde der CFC zu seinem vielleicht besten Spielzug der Partie ansetzte. Ein Konter über Mast, Jopek und Frahn wurde schnell und präzise vorgetragen, Fink zog aus vollem Lauf von gut 25 m ab – einige Meter neben das Tor, ein Pass auf den freien Türpitz wäre vielleicht die bessere Option gewesen. Damit zog das Tempo im Spiel für etwa 10 Minuten deutlich an. Die Gäste hatten dann ihren einzigen echten und zugleich harmlosen Torschuss im ersten Durchgang, Kunz hatte gegen Düker (der mit etlichen Schwalben und Jammereinlagen auffiel) jedoch keinerlei Probleme. Vorausgegangen war ein krasses Fehlabspiel von Dabanli, aus 3 Metern in die Füße eines Gegenspielers. Dann probierte es der CFC wieder über die rechte Seite, der eingerückte Mast schickt den heute in der Offensive auffälligen Bittroff steil, aber wie schon in zwei ähnlichen Szenen davor endet alles mit einem Fehlpass, oder wahlweise schlechten Laufwegen der zentral in den Strafraum laufenden Spielern. Wenige Minuten später schon wieder eine ähnliche Situation, Jopek erkämpft den Ball im Mittelfeld, Danneberg schickt Bittroff steil auf der rechten Außenbahn, die Flanke findet dieses Mal einen Abnehmer in Frahn. CFC - 1. FC Magdeburg 1:1Dieser wird jedoch stark bedrängt, seine Direktabnahme daher nicht sonderlich gefährlich, und im Nachsetzen wegen vermeintlicher Torwartbehinderung abgepfiffen. Offenbar hatte der CFC nun die linke Abwehrseite der Gäste als Schwachpunk ausgemacht, Türpitz wird von Fink steil geschickt und geht mit dem Ball am Fuß auf der Grundlinie bis zum Fünfmeterraum, legt (leider etwas unpräzise) zurück auf Mast, der von der Strafraumkante abzieht. Der Ball wird von Handke kurz vor der Linie geblockt, prallt an Torwart Zingerles Kopf und von dort wieder an den Fuß von Handke – wenn der Ball in einem leicht anderen Winkel abprallt, wackelt es im Tornetz. Ob es einfach mal wieder die falsche Entscheidung beim letzten Pass war? Denn Türpitz hätte 2 Sekunden eher auch auf den ziemlich freien Frahn flanken können.
Den Schlusspunkt vor der Pause setze wiederum Türpitz, ein Schlenzer von der Strafraumgrenze geht aber weit über das Tor.

In der ersten Halbzeit der CFC die deutlich aktivere Mannschaft, und mit zumindest einer Großchance. Bei anderen Gelegenheiten kam der letzte Pass zu ungenau. Von den Gästen bislang wenig in der Offensive zu sehen. Auf den Rängen bisher ebenfalls Unentschieden, beide Seite mit durchgängig gutem Support und stellenweise schön laut.

Nach Wiederanpfiff ging es gleich munter weiter. Doch während die ersten 1-2 Aktionen noch dem CFC gehörten (Mast verfehlte einen hohen Ball im 16er knapp, Türpitz wieder mit einem überhasteten Abschluss übers Tor) kamen dann die Gäste stark auf. Der aufgerückte Sowislo mit einem Kopfball knapp über das Tor, und dann wird Kunz zu einer starken Rettungstat gegen den heraneilenden Chahed (nach üblem Rückpass von Cincotta) gezwungen. Nach 50 Minuten gab es im Mittelkreis ein Kopfballduell Frahn gegen Löhmansröben, bei dem beide zu Boden gingen. Frahn zog sich dabei eine Platzwunde zu und kam nach kurzer Behandlung mit einem dicken Kopfverband zurück ins Spiel.
CFC - 1. FC Magdeburg 1:1Magdeburg davon unbeeindruckt, machte weiter Druck. Bittroff mit schlechtem Stellungsspiel gegen Schwede, der unbedrängt von der Grundlinie passen kann, wieder trifft Sowislo glücklicherweise den Ball nicht richtig. Direkt danach geht es wieder über die rechte CFC-Abwehrseite, Dabanli verliert das Kopfballduell gegen Sowislo, Bittroff kann die anschließende Flanke nicht verhindern und Conrad irritiert durch ein leichtes Abfälschen des Balles gerade noch den heraneilenden Chahed, der so frei vorm Tor nicht mehr an den Ball kommt. Kurz darauf hatte Chahed dann die nächste Chance, sein Schuss aus der Drehung ging drüber.
Gerade mal 12 Minuten waren da in HZ 2 vorbei, und der CFC konnte endlich wieder einen Akzent setzen. Fink schickt wieder Türpitz, der von der strafraumgrenze direkt abzieht, dieses Mal kommt der Ball sogar gut. Zingerle kann ihn bloß in die Mitte abklatschen lassen, aber Mast war etwas zu weit weg und die sonstigen CFC-Offensivspieler einfach gedanklich viel zu langsam, um vielleicht mal einen zweiten Ball nutzen zu können. Und wenn man vorne die Chancen versiebt, wird es hinten wieder gefährlich: Türpitz kann einen Pass der Gäste gut abfangen, spielt dann aber einen völlig -entschuldigung- bescheuerten Rückpass aus 35 Metern, mitten in eine große Lücke zwischen Bittroff und Dabanli, und viel zu kurz für Kunz. Chahed sprintet dazwischen, und Kunz kann nur mit gestreckten Beinen klären. Zum Glück war er wirklich einen Bruchteil vorm Gegner am Ball, ansonsten hätte es hier Rot und Elfmeter gegeben.
Damit kehrte nun für einige Minuten mal so etwas wie eine Verschnaufpause ein.

In der 65. Minute gab es dann Freistoß für den CFC vor der Bank von Sven Köhler. Jopek tritt den Freistoß hoch in den Strafraum, der abgewehrte Ball kommt wieder zu ihm zurück und die Flanke vom Strafraumeck findet den bandagierten Kopf von Frahn am langen Pfosten – Tor! Alles rastet aus, und während schon die Tormusik läuft kommt das Entsetzen ein die Gesichter der Himmelblauen – Abseits, das (für ihn persönlich wohl auch erlösende) Tor zählt nicht. Im Fernsehen klar zu erkennen eine Fehlentscheidung. Genau im Moment der Ballabgabe eine entgegengesetzte Laufrichtung von Frahn und dem 1 m dahinter stehenden Abwehrspieler, wenn der Assistent dann auch nur einen Sekundenbruchteil zu spät hinsieht, sind die Positionen eben anders und die Fahne geht nach oben.
Jetzt ist der zweite Teil der Überschrift endgültig fällig: …kommt auch noch Pech dazu!

CFC - 1. FC Magdeburg 1:1Direkt im Anschluss Doppelwechsel, Grote und Hansch für Türpitz und den angeschlagenen Frahn, Mast wechselt jetzt auf die rechte Seite. In Minute 69 kam dann bei den Gästen Christian Beck. Vielleicht hat das die Defensive des CFC irritiert, vielleicht wollten sie sich zu sehr auf ihn konzentrieren. Jedenfalls wurde Sowislo nicht gut genug gedeckt (Dabanli sah da mal wieder nicht gut im Kopfballduell aus), und erzielt aus 5 Metern die Gästeführung. Es war übrigens eine scheinbar gut einstudierte Variante, Sowislo steht erst an der Strafraumgrenze weiter entfernt, läuft dann schnell in einem Bogen an den Fünfmeterraum zum kurzen Pfosten, narrt so seine Gegenspieler.
Die Gäste hatten dann noch eine Großchance, der eingewechselte Farrona-Pulido zog von Links in den Strafraum und wollte wohl zaubern, von der Grundlinie versuchte er zwischen Pfosten und Kunz ins Tor zu schießen. Das klappte fast, allerdings lief der Ball dann quer die Torlinie entlang und am langen Pfosten vorbei.

Die Partie beruhigte sich dann, der CFC versuchte zwar sich Chancen zu erarbeiten, Gefahr für das Gästetor entstand aber kaum. Dann wechselte Sven Köhler noch Baumgart für Cincotta ein (79.), stellte somit wieder auf Dreierkette und volle Offensive um. Damit hat er heute das umgesetzt, was ja immer mal wieder gefordert wurde. Zeitiger wechseln. Gebracht hat es wenig, Grote kam nur zu wenigen Flanken und versuchte sich mehr als zentraler Spielgestalter, und Hansch konnte sich gegen die routinierten Abwehrspieler nicht durchsetzen, obwohl er rannte wie immer, aber Fußball ist eben doch noch einiges mehr. Baumgart immerhin mit 2-3 guten Spielzügen.

CFC - 1. FC Magdeburg 1:1Eines der positiven Dinge an diesem Abend: die Mannschaft gab sich nicht auf. Auch wenn die Zeit davonlief, es wurden immer wieder Wege durch die nun dicht gestaffelte Gästeabwehr gesucht. Und so gab es dann in der 88. Minute die erste Ecke für den CFC, Mast brachte die gut in die Strafraummitte und Dabanli war mit dem Kopf zur Stelle, 1:1, der Ausgleich! Damit bügelte er seinen Fehler vom Rückstand wieder aus, war dabei aber noch viel freier als Sowislo vorhin. Der CFC wollte nun noch den Sieg erzwingen.
In der Nachspielzeit gab es zwei Chancen, erst beförderte Fink einen Freistoß aus aussichtsreicher Position in die Mauer, dann erkämpft sich Bittroff den Ball an der Mittellinie, läuft bis zum Strafraum, tankt sich stark gegen zwei Gegenspieler durch und kam zu Fall. Elfmeter? Denkste! Die Pfeife blieb stumm, der Schiedsrichter zeigte „Ball gespielt“. Ja, der eingewechselte Niemeyer trifft mit der Fußspitze den Ball. Allerdings kommt Bittroff nicht bei dieser Grätsche zu Fall, sondern erst bei der nachfolgenden Bewegung. Insofern hätten sich die Gäste über einen Pfiff auch nicht beschweren können.

Dann aber noch eine wahnsinnige Rettungstat von Grote. Denn während einige CFC-Kicker noch mit den Unparteiischen diskutierten rollte der letzte Konter. Chahed und Beck gegen Conrad und Grote. Chahed will es alleine machen, und Grote springt im Spagat dazwischen und blockiert so den Ball. Dann kam der Abpfiff, und es herrschte eine merkwürdige Stimmung. Einerseits erleichtert, dass man nicht verloren hat und die Leistung insgesamt OK war, andererseits wütend, weil man sich auch betrogen sah (in Zeiten von TV-Livespielen und modernen Kommunikationsmedien wussten ja längst alle Zuschauer, dass der Treffer von Frahn zu Unrecht aberkannt wurde).

Übrigens: die Selbswahrnehmung der Magdeburger (siehe Interview Härtel) kann ich nicht im Mindesten teilen. Guten Fußball gab es von den Gästen definitiv nicht zu sehen, 10 min starker Einsatz ja, stabile Defensive ja. Aber eben nicht mehr. Und ihren Treffer haben sie auch nur nach einem Standard erzielt, wie so oft.

Fazit: Der Einsatz hat über weite Strecken gestimmt, auch die Defensive war bis auf 3-4 Szenen sicher. Dafür haperte es an den Grundlagen Ballannahme und Passgenauigkeit (merkwürdigerweise sah das gegen Duisburg zumindest 60 min lang deutlich besser aus – es kann also nicht mangelndes Können sein). Und wenn dann noch eine spielentscheidende Fehlentscheidung hinzu kommt, gewinnt eben der BFC. Oder so ähnlich…

Besten Dank für die Bilder geht an Lenny von cfcfans.de.

Wertung: 2,5

Bester Himmelblauer: Kunz

Trainerstimmen

Jens Härtel (1. FCM) bei mdr.de:
"Aus unserer Sicht, wie es vor allem am Ende gelaufen ist, fühlt sich dieses Ergebnis sehr bitter an. Meine Mannschaft hat ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht und erst Ende der ersten Halbzeit war Chemnitz besser im Spiel. In der zweiten Halbzeit hatten wir super Chancen zur Führung und hatten Glück, dass das Chemnitzer Tor nicht gegeben wurde. Nach unserer Führung haben wir es verpasst, den Deckel draufzumachen. Chemnitz hatte eigentlich keine richtigen Torchancen und so war klar, wenn etwas passiert, dann nur über einen Standard. Wir haben einen Riesenaufwand betrieben. Ich denke, wir haben es allen gezeigt, dass wir nicht nur "rammeln" können, sondern auch guten Fußball spielen."

Sven Köhler (CFC) bei mdr.de:
"Wir haben gegen einen kampfstarken 1. FC Magdeburg gespielt, der in der ersten Halbzeit besser im Spiel war und wir erst in den letzten 15 Minuten mutiger gespielt haben. In einem nicht ganz einfachen Spiel ist es umso ägerlicher, wenn uns ein Tor nicht gegeben wird, wo kein Foul und kein Abseits zu erkennen war. Magdeburg hat aber prinzipiell den besseren Fußball am heutigen Abend gespielt. Dieses 1:1 haben wir uns in den letzten 15 Minuten verdient, als meine Mannschaft alles probiert hat und sich mit viel Mut und Aufwand schließlich belohnte."

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