Saison 2017/2018
CFC / 3. Liga



 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC0:5FC Bayern München
FC Bayern München
1. Runde - DFB-Pokal - Saison 2017/2018
Samstag, 12. August 2017, 15:30 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 15.015
Schiedsrichter: Steinhaus (Langenhagen)
Chemnitzer FCTorfolgeFC Bayern München
T Kunz
A Leutenecker
A Scheffel
A EndresGelbe Karte
A Trapp
A Koch
M Reinhardt
M Grote (28. Trinks)
M Aydin (70. Mlynikowski)
S Hansch
S Frahn (81. Slavov)

Trainer: Steffen
0:1 Lewandowski (21.)
0:2 Coman (51.)
0:3 Lewandowski (60.)
0:4 Ribery (79.)
0:5 Hummels (89.)

T Ulreich
A Kimmich
A Hummels
A Süle
M Rafinha (64. Alaba)
M RudyGelbe Karte (70. Vidal)
M Tolisso
M Coman
M Ribery
S Müller
S Lewandowski (64. Robben)

Trainer: Ancelotti
Spielbericht

Ohne Chance gegen den Rekordmeister

Von Pierre Schönfeld

Es ist für die allermeisten Vereine das Traumlos schlechthin - der FC Bayern. Wem der Rekordmeister im DFB-Pokal zugelost wird, der darf sich über ein volles Stadion und maximale mediale Aufmerksamkeit freuen. Diesmal erwischte es den CFC, der dank Sebastian Kehls Händchen am 11. Juni das große Los zog.

CFC - FC Bayern München 0:5Wobei sportlich gesehen ein Los wie der große FCB eher in die Kategorie Niete einzuordnen ist. Denn realistische Chancen gegen die mit Nationalspielern und Weltstars nur so gespickte Elf des Italieners Carlos Ancelotti gibt es selbst bei optimisfördernder Unterstützung von viel Alkohol - keine. Vor allem nicht, wenn man gerade wie der CFC ein finanziell angeschlagener Drittligist in der sportlichen Findungsphase ist.

Wie will man so ein Spiel angehen, um nicht schon nach ner Viertelstunde von den Herren Lewandowski, Ribery und Müller den Hintern versohlt zu bekommen (Remember Aalen)? Für Chefcoach Steffens lag die Lösung in guten alten Betonmischer-Methode. Vor Kevin Kunz platzierte der Coach zwei Ketten, eine Fünfer-Abwehrkette und eine Viererkette im Mittelfeld. Erstmalig durfte dabei der von den Fans enthusiastisch begrüßte Tom Scheffel wieder in einem Pflichtspiel von Beginn an ran. Vor der Doppelmauer sollte dann der liebe Gott, in Form von Daniel Frahn, es richten. Doch DF11, der im Falle eines Sieges nackt durch das Stadion rennen wollte, war im Grunde die ärmste Sau. Gegen die Innenverteidigung der Münchner, Hummels und Türsteher Süle sah Frahn keinerlei Stich.

CFC - FC Bayern München 0:5 Und die Münchner? Die nahmen das Spiel nach eigener Aussage sehr ernst. Von den Neuzugängen standen neben den Ex-Hoppenheimern Süle und Rudy noch Corentino Tolisso in der Startelf. Letzterer war im Sommer für läppische 41 Mio. aus Lyon an die Isar gewechselt. Im Weltfussball ist das in neymarschen Zeiten ein mittlerweile eher kleiner Betrag. Wenn man aber bedenkt, dass der CFC mit diesem Geld locker 6 Jahre dritte Liga finanzieren könnte, wird einem schon ein wenig schwindelig.
Mit Nationaltorhüter Manuel Neuer und Neuzugang Rodriguez fehlten den Münchnern zwei Weltstars. Ansonsten waren es durchweg prominenten Namen, die auf der Fischerwiese einliefen.

Es war angerichtet vor erstmalig nach dem Neubau ausverkauftem Haus. Exakt 15.015 Zuschauern sahen das bekannte Ritual vor dem Spiel, den Fahnenlauf von Gerd’L und die Schalparade zur Hymne. Zum Einlauf der Mannschaften zog die Süd ihre Choreo hoch: „1000 Fahnen nur für Dich, denn unmöglich gibt es nicht“. Dazu ein Fahnenmeer aus himmelblau-weißen Fahnen. Im Münchner Block hingegen gab es eine kleine Pyroshow.

CFC - FC Bayern München 0:5Gleich zu Beginn des Spiels spürte man bei den diesmal im extra angefertigten weißen Pokaltrikot spielenden „Himmelblauen“, dass sie mit guten Vorsätzen in das Spiel gehen wollten. So gab es einige gelungene Offensivaktionen bei denen nur die letzte Genauigkeit fehlte. Die beste Aktion hatte dabei Okan Aydin, der einen Angriff über die linke Seite startete doch seine Hereingabe in Strafraumhöhe an Freund und Feind vorbeischnickte (4.).

Doch dann begannen die Münchner ihr Spiel aufzuziehen und verlagerten das Spielgeschehen zusehends in die Chemnitzer Hälfte. Kevin Kunz geriet zunehmend in den Focus. Bei den Bayern waren es in erster Linie die Außen Ribery und Coman, die das Spiel antrieben und der Chemnitzer Doppelkette Knoten in die Beine spielten. Nach sieben Minuten hatten die Bayern über Coman und Müller eine Doppelchance, doch da zeigte Kunz, dass er ein Guter ist. Nach einer Viertelstunde stand es noch 0:0 und alle Chemnitzer, die auch gegen Aalen dabei waren, zeigte sich erleichtert. CFC - FC Bayern München 0:5Doch nach 20 Minuten klingelte es dann doch im Chemnitzer Kasten. Lewandowski war an der Strafraumgrenze gefoult wurden und Schirifrau Bibiana Steinhaus gab Freistoß. Diese Chance ließ sich der Pole, allerdings unter gütiger Mithilfe von Grote, der den Ball abfälscht und Frahn, der - warum auch immer - aus der Mauer Richtung Keeper läuft und den irritiert und zudem den Ball ebenfalls abfälscht - nicht entgehen. Grote muss dann nach einer halben Stunde verletzt raus, für ihn kam Trinks. Die Bayern zogen dann ihr bekanntes Passspiel auf und schnürten den CFC in seiner Hälfte ein. Doch echte Chancen blieben Mangelware, bis Ribery kurz vor dem Pausenpfiff einen Ball aus ca. 20 Metern direkt nimmt, doch Kunz mit einer Wahnsinnsreaktion die Fackel entschärft. Beim Kabinengang gab’s dafür vom Franzosen einen anerkennenden Schulterklopfer für die Nummer 1 des CFC.

Was passiert, wenn man den Betonmischer gegen die Bayern mal kurz ausstellt um selber die Initiative nach vorn zu suchen, zeigte sich leidvoll in der 47. Minute. Trinks hatte den Ball gegen Ribery verloren, der flankte nach innen auf Coman, der Kunz per Flachschuss keine Chance liess. 0:2. Und der CFC? Der versuchte es nochmal und hatte mit einem Konter über Aylin, Frahn und Trinks die beste Gelegenheit. Der Schuß von Trinks traf dabei Hummels am Boden liegend am Arm, doch die Pfeife von Bibi blieb stumm.

CFC - FC Bayern München 0:5Die Bayern zogen nun nochmal an und nach 60 Minuten klingelte es zum dritten mal im Kasten von Kunz. Eine scharfe Hereingabe von Tolisso verwandelte Lewandowski ohne Mühe. Bayern wechselte, brachte noch Robben und Alaba. Dann gab es wieder eine Freistoßsituation für die Bayern. Der gut aufgelegte Ribery ärgerte erst die Schiedsrichterin, indem er ihre Schnürsenkel öffnete und dann Kevin Kunz, dem er das Leder geradewegs in die Maschen setzte. Den Schlusspunkt schliesslich setzte Himmels nach einer Ecke von Robben, in dem er diese per Kopf verwandelte. So gewann der Rekordpokalsieger von der Isar am Ende standesgemäß gegen den Rekord-Sachsenpokalsieger von der Chemnitz mit 5:0.

Was bleibt von so einem Spiel? Sicherlich mal das schöne Erlebnis, einen Ribery, Robben oder Hummels gegen den eigenen Club live spielen zu sehen. Für die leeren himmelblauen Kassen wird es sicherlich dank gesalzener Eintrittspreise und vollem Haus, sowie diverser Merchandise-Artikel im Verkauf auch ein Erfolg gewesen sein.

Ansonsten hat uns nun - und das ist nach dem ganzen Hype auch eine gute Nachricht - der Alltag wieder. Am Wochenende ist Osnabrück zu Gast, die haben übrigens den HSV aus dem Pokal gekickt, und das wird schwer genug. Da gilt es dann Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln und für Trainer und Mannschaft die Aufgabe sich so auf- und einzustellen, dass man in dieser Liga bestehen kann.

Wertung: 3,0

Bester Himmelblauer: Kunz

Pressestimmen

Chemnitzer Morgenpost

CFC-Torjäger Frahn bleibt das Nacktlaufen erspart

Daniel Frahn pustete kräftig durch. Der CFC-Torjäger wollte bei einem Sieg gegen die Bayern nackt durch das Stadion laufen. Das blieb ihm erspart. „Vor allem meine Ehefrau ist darüber froh. Sie hatte mir angedroht: Wenn es soweit kommen sollte, dann stehen deine Koffer vor der Tür! Und mit der Pokalprämie hätte ich die Scheidung nicht bezahlen können“, schmunzelte Frahn. Er bekam am Sonnabend in der 1. Runde des DFB-Pokals nicht die Möglichkeit zum Torabschluss. „Vielleicht hätten wir beim Stand von 0:2 einen Handelfmeter bekommen oder in der Anfangsphase, wenn Okan Aydin etwas ruhiger ist, ein Tor machen können. Aber sonst haben uns die Münchner keinen Raum gelassen“, wertete Frahn, der sich gegen Mats Hummels und Niklas Süle kaum durchsetzen konnte. „Die beiden sind wie zwei Kühlschränke. Die müssen gar nicht hoch springen, sondern stellen kurz den Arm beiseite, und dann bist du mehr oder weniger chancenlos. Das hat nicht wirklich viel Spaß gemacht.“ [..]

Freie Presse

Der Meister erteilt eine Lehrstunde

[..] Kevin Kunz hätte Robert Lewandowskis Freistoß wohl parieren können, doch der aus der Mauer nach hinten geeilte Daniel Frahn fälschte den Ball für seinen Torwart unhaltbar ab. Mit der Hand. "Ein dummes Ding", erklärte der CFC-Stürmer selbst dazu, "wäre der Ball nicht ins Tor gegangen, hätte es wohl Elfmeter für die Bayern und für mich eine Rote Karte gegeben." [..] "Ich bin noch nie soviel umsonst gerannt", erklärte Stürmer Florian Hansch. So etwas wie Torgefahr strahlte der Gastgeber nur in zwei Szenen aus. Gleich zu Beginn, als Okan Aydin nach Tom Scheffels Ballgewinn und Grotes Zuspiel ein wenig das Herz in die Hose rutschte. Ein mutiger Torabschluss wäre wohl die bessere Idee gewesen als der für die Kollegen unerreichbare Rückpass (4.). In der zweiten Hälfte forderte der himmelblaue Fanblock lautstark einen Elfmeter, als Trinks Torschuss vom auf den Boden aufgestützten Unterarm von Mats Hummels gestoppt wurde (55.). Den kann man wohl geben. "Den muss man geben", sagte Horst Steffen. Es wäre vielleicht das 1:2 gewesen. Am Ausgang geändert hätte es nichts. [..]

Süddeutsche Zeitung

"Das hat Spaß gemacht"

Auf der rechten Seite war auf einmal Coman völlig unbewacht, er legte sich den Ball zurecht, schoss, zum 2:0 für die Gäste. Anschließend zerfaserte das Spiel der Gäste kurzzeitig, Abwehrchef Mats Hummels ruderte minutenlang mit den Armen durch die Luft, "da hatten wir zu oft einen Ballverlust, einen Konter, einen Ballverlust, einen Konter", tadelte er später. Die kurze Chemnitzer Drangphase endete mit einem weiteren schnellen Angriff der Münchner, an dessen Ende Lewandowski den Ball nur noch aus einem Meter ins leere Tor schieben musste (60.). Der Chemnitzer Widerstand war endgültig gebrochen, locker erspielte sich der FC Bayern noch ein paar Torchancen, Ribéry mit einem direkt verwandelten Freistoß (79.) und Hummels mit einem Kopfball (89.) erzielten die weiteren Tore. "Das hat Spaß gemacht", sagte Joshua Kimmich, der rechts verteidigen durfte. [..]

Kicker-Online

Lewandowski knackt das Chemnitzer Bollwerk

[..] Die Münchner nahmen das Heft des Handels mit bis zu 80 Prozent Ballbesitz sofort in die Hand. In der 4-2-3-1-Grundordnung mussten die beiden Außenverteidiger Kimmich (rechts) und Rafinha (links) viel Unterstützungsarbeit leisten und schoben immer wieder sehr offensiv mit an. Grund dafür war das himmelblau-weiße Bollwerk des Drittligisten, der gegen den Ball in einem 5-4-1-System operierte und die gegnerischen Angriffe kompakt in der eigenen Hälfte stehend abwartete. Nach der Balleroberung versuchten die Sachsen dann blitzschnell umzuschalten und die Kugel im 3-4-3 rasch in die Spitze zu befördern, was allerdings nur selten gelang. [..] Die Bayern spielten in der ersten Hälfte mehr als viermal so viel Pässe wie die Chemnitzer und brachten 94 Prozent der Zuspiele auch zum Mann - bei den Hausherren waren es gerade einmal 63 Prozent. Allerdings verpassten es die Gäste, den zweiten Treffer nachzulegen. Die größte Möglichkeit dafür hatte Ribery, dessen satte Direktabnahme aber von Keeper Kunz spektakulär aus dem Eck gekratzt wurde (45.+2). [..]

Spielerstimmen

Robert Lewandowski (FCB) bei www.tz.de:
"Ich freue mich sehr, dass wir die erste Runde geschafft haben. Es ist immer wichtig, das erste Tor zu schießen und zu versuchen, gut zu spielen. Das ist nicht immer leicht, denn wenn du kein Tor machst, musst du aufpassen. Der Gegner hat sehr defensiv gespielt, wir hatten wenig Räume. Für uns war am wichtigsten, die nächste Runde zu erreichen."

Kevin Kunz (CFC) bei www.tz.de:
"Ich bin zwiegespalten. Ein Auge lacht, ein Auge weint. Ich hätte mir ein Gegentor weniger gewünscht, fünf Tore tun schon etwas weh. Trotzdem wissen wir, wer unser Gegner war. Dass die Konzentration und die Kraft am Ende nachlässt, ist klar. Bayern hat eine Qualität, die in Deutschland ihresgleichen sucht."

Daniel Frahn (CFC) bei www.tag.de:
"Der HSV hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass man gegen den FC Bayern auch höher verlieren kann. Es ist ganz gut, dass dieses Duell jetzt vorbei ist und wir uns wieder auf die Liga konzentrieren können. Am Sonnabend gegen Osnabrück werden wir uns ganz sicher nicht mit zehn Mann hinter die Mittellinie stellen und verteidigen. Da wollen wir wieder anderen Fußball zeigen."

Tom Scheffel (CFC) in der Freien Presse:
"Natürlich hätte ich mir ein besseres Ergebnis gewünscht, zumal wir in der ersten Halbzeit kaum etwas zugelassen haben. Am Ende sind es dann vielleicht ein, zwei Gegentore zu viel geworden. Aber der Gegner war ja auch eine Klasse für sich. Ende der beiden Halbzeiten gab es ein paar Minuten, die ganz schön geschlaucht haben."

Trainerstimmen

Carlo Ancelotti (FCB) bei mdr.de:
"Ich habe ein sehr gutes Spiel meiner Mannschaft gesehen, die mit dem richtigen Spirit und der richtigen Einstellung hier agiert hat. In der ersten Halbzeit hat es uns der Gegner schwer gemacht, weil er sehr gut in der Abwehr stand. In der zweiten Halbzeit haben wir mehr Chancen kreiert, aus denen wir die Tore erzielt haben."

Horst Steffen (CFC) bei mdr.de:
"Wir haben in der ersten Halbzeit gut verteidigt, dem Gegner wenig Räume gegeben, aber auch wenig Entlastung nach vorn geschaffen. In der einen Szene zu Spielbeginn hätte ich mir von Okan Aydin einen energischeren Torabschluss gewünscht. In der zweiten Halbzeit zog der Gegner das Tempo an, spielte genauer und für uns wurde es mit jedem Gegentor schwerer. Ich hätte mir gern einen Elfmeter oder ein Tor gewünscht. Das hätte unsere Fans happy gemacht. Sie haben uns toll unterstützt."

<< 4. Spieltag