Saison 2019/2020
CFC / 3. Liga



 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC3:2FC Carl Zeiss Jena
FC Carl Zeiss Jena
9. Spieltag - 3. Liga - Saison 2019/2020
Samstag, 21. September 2019, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 5.343
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Chemnitzer FCTorfolgeFC Carl Zeiss Jena
T Jakubov
A Milde
A Hoheneder
A Sarmov (77. Awuku)
A ReddemannGelbe Karte
A Doyle
M Tuma (62. Bonga)
M LangerGelbe Karte
M T. Müller
M Garcia (90. Campulka)
S Hosiner

Trainer: Ristic
0:1 Obermair (25.)
1:1 Hosiner (42./Foulelfer)
1:2 Jahn (53.)
2:2 Awuku (80.)
3:2 Hosiner (88.)

Besondere Vorkommnisse:
Gelb-Rote Karte für Zejnullahu (90.)

T CoppensGelbe Karte
A Maranda
A Volkmer
A Hammann
M Kircher
M ZejnullahuGelbrote Karte
M Schau
M ObermairGelbe Karte (74. Schorr)
M Jahn
M Günther-Schmidt (66. Gabriele)
S Rohr (87. Pagliuca)

Trainer: Kwasniok
Spielbericht

Gegen Jena reichen 10 gute Minuten

Von jb

Schon eine Stunde vor Anpfiff war klar, dass heute etwas anders ist als bei den letzten Spielen. Ein vertrauter Klang aus den Boxen unterm Dach, und laute Rufe aus der Südkurve als Reaktion. Die "Olaf Kadner" Rufe machten den Eindruck, als würde die Saison jetzt erst losgehen. Was für etliche der Beteiligten ja auch stimmt. Schön, dass Olaf und Karsten wieder am Mikro stehen.

Sreto Ristic nahm bei seinem (vorerst) letzten Spiel als verantwortlicher Trainer im Vergleich zum Spiel in Unterhaching eine Veränderung in der Startelf vor, brachte Tuma für Bonga. Taktisch jedoch ohne Veränderung. Dazu überraschend befand sich Bozic nicht mal im Kader, dafür unser letzter Neuzugang Awuku auf der Bank.
Im Stadion war auch wieder Fußballprominenz zugegen. Michael Ballack, daneben Patrick Glöckner (unser jetzt offiziell neuer Cheftrainer) sowie Bernd Schneider saßen auf der Tribüne, und auf dem Rasen leitete Ex-FIFA Schiedsrichter Manuel Gräfe die Partie. Ob das eine Ehre für uns oder eine Strafe für ihn war, konnte leider nicht geklärt werden.
Vor der Südkurve hing ein großes "Verein(t) leben!" Plakat, und auch der Gästeblock war gut gefüllt und geschmückt (unter anderem mit einer Luftballonchoreo in den drei Vereinsfarben).

Die Himmelblauen mit dem Anstoß und dem Versuch, gleich die Kontrolle zu übernehmen. Dies gelang in den ersten fünf Minuten auch ganz gut, Jena kam kaum aus der eigenen Hälfte. Chancen gab es jedoch keine, lediglich zwei schöne aber ergebnislose Dribblings von Tuma. Auf der Gegenseite gab Jena den ersten Torschuss ab, Günther-Schmidt zog aus der Distanz ab und zielte glücklicherweise zu hoch.
Eine Erkenntnis aus den ersten 10 Minuten: der Herr Gräfe lässt ganz schön viel laufen. Sehr gut! Auch wenn einige Zuschauer schon meckerten, er müsste öfter pfeifen. Da ahnte noch keiner, dass dies dem CFC zum Spielende hin einen großen Nutzen bringen würde.
In der 15. Minute die nächste Chance, wiederum für die Gäste. Einen Freistoß aus halblinker Position bringt Hammann aufs Tor, Jakubov faustet zur Ecke. Diese bringt gleich wieder Gefahr, den Kopfball des freien Obermair aus etwa acht Metern kratzt Jakubov gerade so von der Linie, eine bärenstarke Reaktion.

Und die Himmelblauen? Waren komplett abgetaucht, überließen den Gästen ohne große Gegenwehr das Spiel. Unsere (ohne Bozic und Bonga übrigens erstaunlich kleine) Offensivreihe mit Hosiner, Tuma und Garcia bot sich zwar immer wieder an, aber die fehlende Ordnung und Passgenauigkeit vom zentralen Mittelfeld und der Defensive versorgte sie kaum mit Bällen. Den ersten Torschuss (neben den Kasten) gab es erst in der 20. Minute, Hosiner wurde von Garcia auf die Konterreise geschickt, schlenzte den Ball aus 20 Metern knapp neben den Pfosten.
Und dann kam Minute 25, wieder eine Ecke für Jena. Von Hammann auf den kurzen Pfosten gebracht, die Verlängerung in die Mitte bringt die CFC-Defensive völlig aus der Fassung, und Obermair zieht aus dem Rückraum ab - 0:1. Fassungslosigkeit auf den Rängen und scheinbar auch auf dem Rasen. Ein völlig missglückter Freistoß von Milde auf der anderen Seite machte den Eindruck nicht besser, Jena blieb spielbestimmend.
Einer CFC-Torchance am nächsten kam dann ein Fernschuss von Müller, der nach einer guten halben Stunde am Tor vorbeiging. Die Aktionen der Gäste wirkten da deutlich zielstrebiger. Im Prinzip den ersten richtigen Angriff des CFC sah man in der 36. Minute, als Milde aus vollem Lauf in den Strafraum flankte, und Hosiner den Ball mit Kopf in die Arme des Gästetorwarts beförderte.
Als man sich schon gedanklich mit dem Halbzeitrückstand "anfreundete", ging es auf einmal ganz schnell, im wahrsten Sinne des Wortes. Ballverlust Jena am CFC-Strafraum, der Ball landet über Reddemann und Langer bei Müller, der ihn schnell und flach in den Lauf des schnellen Tuma steckt. Gästetorwart Coppens will klären, räumt aber nur Tuma ab. Gelb und Elfmeter, Hosiner läuft an und verwandelt sicher zum Ausgleich - 1:1 (42.). Direkt im Anschluss eine ähnliche Situation, doch dieses Mal war Coppens schneller am Ball als Tuma. Kurz darauf war Pause, mit einem für den CFC eher glücklichen Spielstand. Eckenverhältnis zur Halbzeit übrigens 0:5.

Unverändert gingen beide Mannschaften in den zweiten Durchgang, der CFC nun Richtung der ordentlich gefüllten Südkurve unterwegs. Bereits nach wenigen Sekunden war es aber schon wieder vorbei, nach einem unglücklichen Zusammenprall bleibt der Jenaer Schau liegen, knapp zwei Minuten dauert die Behandlungspause, dann konnte er weitermachen.
Psychologischer Vorteil für den CFC durch den Ausgleich vor der Pause? Denkste! Die Gäste begannen wieder deutlich aktiver, kamen aber erst durch die großzügige Mithilfe durch die CFC-Defensive zu ihrer ersten Chance. Einen flachen Ball in die Spitze kann Sarmov blocken und könnte den Ball wegschlagen. Macht er aber nicht, stattdessen dreht er am eigenen Strafraum eine Pirouette, ein Jenaer lässt sich nicht vernaschen und spitzelt ihm den Ball weg auf den frei durchlaufenden Jahn, der trocken zum 1:2 einschiebt (53.).
Nur zwei Minuten später leitete Sarmov unbedrängt mit einem Fehlpass den nächsten FCC-Angriff ein, Milde und Hoheneder übersehen Jahn auf der rechten Abwehrseite komplett, lassen ihm viele Meter Raum und er schiebt den Ball wieder ins Tor - zum Glück hob der Schiedsrichterassisten aber die Fahne, Abseits.

Nach einer guten Stunde der erste Torschuss des CFC in Halbzeit 2, Langer mit einem Fernschuss knapp über die Latte. Danach gab es auch den ersten Wechsel, Bonga kam für den scheinbar platten Tuma. Kurz darauf Glück für den CFC, nachdem Hoheneder im Strafraum einen Gegenspieler unsanft zu Fall brachte und die Pfeife von Gräfe stumm blieb. Kann man so beurteilen, aber der ein oder andere Schiri hätte vermutlich auf den Punkt gezeigt.
In der 70. Minute gab es nach schönem Einsatz von Bonga übrigens die erste (!) Ecke für den CFC am heutigen Tag, bei Jena standen da schon neun zu Buche. Im Gegenzug die Gäste mit einer Großchance, ein Pass geht quer durch den Fünfmeterraum und wird von zwei Jenaern verpasst, wieder Glück für den CFC.
In der 77. Minute dann die nächste Premiere beim CFC, Noah Awuku kam für Georgie Sarmov. Der hatte heute einen gebrauchten Tag, nicht nur wegen des Fehlers vorm 1:2, sondern auch wegen seiner Geschwindigkeitsnachteile, die im Abwehrzentrum natürlich nicht auszubügeln sind. Es ist einfach nicht die richtige Position für ihn, zumal auch Hoheneder daneben nun nicht gerade ein Sprintertyp ist. Taktisch der CFC nun offensiver, mit Awuku als zweiter Spitze. Und das machte sich schnell bezahlt, Jena konnte sich darauf nicht einstellen. Schöner Spielzug über Hoheneder und Müller, der legt den Ball auf die rechte Seite zu Milde. Dieser flankt direkt mit dem ersten Ballkontakt auf den langen Pfosten, wo Awuku angerannt kommt und den Ball über den Torwart Richtung Kasten köpft. Ein Jenaer noch dran, aber der Ball zappelte im Netz. Und in dieser Szene kam wieder die sehr großzügige Linie von Schiri Gräfe dem CFC gelegen, denn Awukus Gegenspieler ging kurz vorm Kopfball zu Boden, wobei Awuku etwas nachgeholfen haben dürfte. Auch hier hätten andere sicher gepfiffen.

Ab diesem Moment der CFC mit Oberwasser, Jena mit einem psychischen Knacks. Die nächste Chance folgte, Freistoß Milde auf den einlaufenden Hosiner, der aus etwa sechse Metern volley leider nur den Torwart trifft. Auch Bonga und Awuku sorgten weiter für ordentlich Wirbel. Und plötzlich trat auch mal die linke Seite in Erscheinung. Eine Flanke von Doyle wird zum Einwurf geklärt, aus diesem entsteht ein Spielzug von Doyle auf Garcia, der in den Strafraum dribbelt, dort drei Gegenspieler aussteigen lässt und vorbei an drei anderen Jenaern quer durch den Fünfmeterraum passt. Un da steht Hosiner goldrichtig und hält den Fuß hin, 3:2! Riesenjubel in der 89. Spielminute. Übrigens war Hosiner zu diesem Zeitpunkt auch schon stehend K.O., das aber halt an der richtigen Stelle. Körperlich zwar ein ganz anderer Typ als unsere beiden letztjährigen Torjäger, aber scheinbar mit dem gleichen Instinkt.
Mit Beginn der Nachspielzeit kam Campulka für Garcia, um den Sieg defensiv zu sichern. Fünf Minuten gab der Schiri obendrauf, was angesichts der langen Verletzungspause zu BEginn in Ordnung geht. Diese musste Jena mit einem Mann weniger absolvieren, da Zeynullahu nach einem Foul im Mittelfeld mit Gelb/Rot vom Platz musste. War's das? Noch nicht ganz, Jena wollte es doch noch wissen, schickte den Torwart mit nach vorn. Und in der sechsten (!) Nachspielminute segelt noch mal ein weiter Ball in den CFC-Strafraum, wo plötzlich der eingewechselte Gabriele völlig frei steht und per Seitfallzieher abzieht. Mit einem weiteren Superreflex befördert Jakubov den Ball gerade noch so über die Latte. Wahnsinn! Und dann war endlich Schluss, die Erleichterung in Himmelblau riesengroß.

Fazit: Das Niveau des Spiels passte zum Tabellenstand. Die Gäste in Summe sogar etwas besser, aber der CFC hatte in den letzten 10 Minuten mehr Biss und erzwang so den ersten Saisonsieg. Insgesamt bleibt für den neuen Trainer jedoch eine Menge Arbeit übrig, insbesondere in der Defensive, taktisch wie personell.

Wertung: 3

Beste Himmelblaue: Jakubov, Hosiner, Milde

Trainerstimmen

Lukas Kwasniok (Jena) bei mdr.de:
"Das Kernproblem war, dass wir das Spiel bis zur 75. Minute nicht entschieden haben. Du musst die Aktionen in der ersten Halbzeit viel besser ausspielen und mit einem 2:0 in die Pause gehen. Dann machst du das 2:1 und hast die Riesenchance zum 3:1. Dann fängst du ein 2:2, worüber man sich streiten kann. Du verteidigst danach nicht nur gegen Chemnitz, sondern auch gegen die Fankurve und gegen deinen eigenen Kopf. Dann wird es schwer."

Sreto Ristic (CFC) bei mdr.de:
"Wir haben ein Spiel gewonnen, bei dem wir nicht unbedingt die bessere Mannschaft waren. Wir haben alles probiert, was möglich ist. Es waren sehr viele Fehler im Spielaufbau und beim Passen. Letzter gegen Vorletzter war jetzt kein Leckerbissen. Natürlich sind wir glücklich. Ich denke, eine Mannschaft, die drei Tore macht und zweimal einen Rückstand aufholt, siegt nicht unverdient."

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