Saison 2019/2020
CFC / 3. Liga



 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC7:8 n.E.Hamburger SV
Hamburger SV
1. Runde - DFB-Pokal - Saison 2019/2020
Sonntag, 11. August 2019, 18:30 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 13.130
Schiedsrichter: Dr. Kampka (Mainz)
Chemnitzer FCTorfolgeHamburger SV
T Jakubov
A ItterGelbe Karte
A Schoppenhauer
A Reddemann
A Milde (116. Blumberg)
M Langer (84. Bohl)
M Sarmov
M T. Müller
M Garcia (112. Tallig)
M Bonga
S Bozic (74. Sturm)

Trainer: Bergner
1:0 Bozic (57./Handelfer)
1:1 Hinterseer (62.)
2:1 Langer (68.)
2:2 Kittel (75.)

Elfmeterschießen:
3:2 T. Müller
3:3 Kittel
4:3 Sarmov
4:4 Hinterseer
5:4 Bonga
--- Narey (gehalten)
--- Schoppenhauer (gehalten)
5:5 Wintzheimer
6:5 Tallig
6:6 Jairo
7:6 Itter
7:7 van Drongelen
--- Reddemann (verschossen)
7:8 Fein

T Heuer Fernandes
A GyamerahGelbe Karte (106. Wintzheimer)
A Jung
A van DrongelenGelbe Karte
A LeiboldGelbe Karte
M Dudziak (83. Jairo)
M FeinGelbe Karte
M Kinsombi (100. Amaechi)
S Jatta (72. Narey)
S Hinterseer
S Kittel

Trainer: Hecking
Spielbericht

Ein Tag voller Emotionen

Von Pierre Schönfeld

Was war das nur für eine Woche?! Eine Hiobsbotschaft jagte die nächste. Ein Insolvenzverwalter der in einem Maße agiert, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Mit aller Macht bekämpft Klaus Siemon den gerichtlich bestellten Notvorstand, versucht die rechtmäßige Mitgliederversammlung zu verhindern und verklagte sogar den Freistaat Sachsen auf Schadensersatz. Himmel hilf! Noch dazu gab es Anfang der Woche die Hiobsbotschaft der fristlosen Kündigung für Kapitän Daniel Frahn. Aus Sicht des sogenannten "Bollwerks gegen Rechtsradikalismus" wäre Frahn, der in Halle im Gästeblock stand, mit den falschen Leuten nach Halle gefahren. Die Gesellschafterin Frau Romy Polster garnierte den offiziellen Arschtritt gegen Frahn per Pressemitteilung mit dem Satz "Daniel Frahn, für Sie ist beim Chemnitzer FC kein Platz mehr.".

All das muss man wissen, um die Geschehnisse an diesem Tag, an dem die Himmelblauen in der ersten Runde den ehemaligen Bundesliga-Dino Hamburger SV erwarteten, richtig einzuordnen. Eigentlich ein Feiertag. Aber eben nur eigentlich.

Der Tag begann mit einem Fanmarsch vom Nischel zum Stadion. Über 1.200 Fans demonstrierten lautstark und friedlich für den Verein und das Nachwuchsleistungszentrum und gegen Siemon, Sobotzik oder Polster. Im Stadion ging der Protest weiter. Die Protestschilder zierten die Südkurve und Gerd'l lief mit einem Frahn-Trikot seine Stadionrunde. Als Frau Huhn die Mannschaftsaufstellung durchgab, intonierte das gesamte Stadion bei jedem Spieler den Nachnamen "Frahn - Fussballgott". Gänsehaut. Zum Einlauf der Mannschaften gab es dann noch ein optisches Zeichen - die "11" wurde von tausenden Fans hochgehalten. Was für ein Statement für den ehemaligen Kapitän.

Es ist natürlich bezeichnend, dass einige Medien aufgrund der Protestaktion die schlagzeilenträchtige Klaviatur vom Chemnitzer Nazipublikum spielen. Dazu an dieser Stelle ein paar sachliche Anmerkungen.

Daniel Frahn hat sich trotz der Skepsis, die ihm aufgrund seiner RB-Vergangenheit nach seiner Verpflichtung im Januar 2016 in Chemnitz entgegenschlug, durch seine offene und ehrliche Art aber auch seinen unermüdlichen Einsatz auf dem Platz den Respekt der Chemnitzer Fans erarbeitet. Nach dem bitteren Abstieg war er neben Dennis Grote der einzige, der in Chemnitz blieb, dabei finanzielle Abstriche in Kauf nahm und unbedingt mithelfen wollte, den Verein wieder nach oben zu bringen. Das gelang ihm auf eindrucksvolle Art und Weise. Als Torschützenkönig war er maßgeblich am Wiederaufstieg beteiligt. Wie hoch sein Ansehen in der Mannschaft und in der sportlichen Leitung ist, sieht man u.a. daran, dass er von Bergner vor der Saison zum Kapitän ernannt wurde.
Ob Frahn wirklich mit den "falschen Leuten" unterwegs war, wie es die GmbH per Pressestatement verlauten lässt, kann der Autor nicht bewerten. Wovon man aber mit Sicherheit ++ bei der derzeitigen Faktenlage ++ ausgehen kann, ist, dass Daniel Frahn weder ein Rassist noch Nazi ist. Unter der Woche haben das auch seine ehemaligen Mitspieler Emmanuel Mbende und Matti Steinmann bestätigt.
Wenn man diese Hintergründe weiss, dann sollte man auch verstehen, warum die Chemnitzer Fans sich für ihren Kapitän stark machen.

Doch zum Sportlichen. Coach Bergner musste kurzfristig die Abwehr umbauen, da Neu-Kapitän Hoheneder sich verletzt hatte. So spielten die Neuzugänge Schoppenhauer und Reddemann in der Innenverteidigung. Dazwischen spielte Sarmov eine Art Libero. Bei den Hamburgern stand Jatta, der unter der Woche für Schlagzeilen gesorgt hatte, in der Startelf.
Die Himmelblauen, die im Keller der 3. Liga residieren, agierten aus einer sehr defensiven Grundhaltung und liessen in der ersten Halbzeit kaum was zu. Die einzige richtige Chance für die Hamburger hatte Dudziak. Sein Schuss klatschte an den Außenpfosten (38.). So gab es keine Tore zur Pause.

Die zweite Halbzeit hatte dann wesentlich mehr zu bieten. Der CFC ging überraschend in Führung. Bonga hatte im Strafraum van Drongelen angeschossen und Schiri Kampka zeigte auf den Punkt. Dejan Bozic, um den sich hartnäckige Wechselgerüchte halten, verwandelte souverän (57.). Nur fünf Minuten später schlug der HSV in Form von Hinterseer zurück. Mit einem schönen Seitfallzieher liess er Jakubov keine Chance. Ganze sechs Minuten später zeigte Matti Langer seine Kopfballqualitäten. Eine Ecke von Milde köpfte er an den Innenpfosten und ins Tor. Doch auch die erneute Führung sollte nicht lange halten. Einen Freistoß von der Strafraumgrenze verwandelte Kittel ins linke obere Ecke. Das Spiel hatte sich mittlerweile zum echten Pokalfight entwickelt, welcher die 13.130 Zuschauer auf der nicht ganz ausverkauften Fischerwiese immer wieder von den Sitzen riss.

So hiess es Verlängerung in der beide Mannschaften noch Möglichkeiten hatten, doch schliesslich keine Tore mehr fielen. Elfmeterschiessen also. Auf die Südkurve. Hier war der Club zunächst im Vorteil als Jakubov den Strafstoß von Narey hielt. Dann verschoss Schoppenhauer - es war wieder Einstand. Dann war schliesslich Reddeman an der Reihe und der Neuzugang, der ein super Spiel gemacht hatte, jagte das Leder in die Wolken. Fein verwandelte für Hamburg schliesslich zum 8:7. Der HSV in der zweiten Runde, die Himmelblauen waren nach grossem Kampf ausgeschieden.

Fazit: Ein tolles Pokalspiel in einer bewegten Zeit. Doch im Grunde ist es in diesen Zeiten nur eine Randnotiz. Denn der eigentliche Kampf wird neben dem Platz geführt. Der Kampf um unseren Chemnitzer FC e.V..

Wertung: 2,0. Toller Pokalabend.

Beste Himmelblaue: Jakubov, Reddeman

Pressestimmen

kicker.de

Chemnitz scheitert zweimal vom Punkt - und der HSV dankt Fein

Der Chemnitzer FC hat sich als Drittligist mehr als beachtlich in der 1. Runde des DFB-Pokals verkauft - und am Ende doch gegen den Hamburger SV den Kürzeren gezogen. Am Ende sank die Waage aufgrund der etwas höheren individuellen Qualität und den besseren Nerven im Elfmeterschießen auf die Seite der Norddeutschen. [..] Was Hecking nicht gefallen haben dürfte, waren die ersten 45 Minuten im Sachsenland. Denn der HSV dominierte zwar in Sachen Ballbesitz und Passspiel, im vorderen Spieldrittel fehlte es Kittel, Jatta, Dudziak & Co. aber komplett an Ideen. Eine massierte Hintermannschaft der Himmelblauen mit konsequenter Zweikampfführung kaufte außerdem dem komplett in der Luft hängenden Hinterseer den Schneid ab und ließ keinerlei Lücken aufreißen. [..]

mdr.de

Aufopferungsvolle Chemnitzer ziehen im Elfmeterschießen den Kürzeren

[..] Umso turbulenter sollte es mit Wiederanpfiff werden. Aus dem buchstäblichen Nichts ließ Dejan Bozic souverän vom Elfmeterpunkt das Stadion beben Schiri Robert Kampka hatte zuvor die Abwehraktion von Rick van Drongelen im Strafraum gegen Tarsis Bongas 18-Meter-Abschluss als Handspiel gewertet (57.). [..] Die bis dato statisch aufspielenden Gäste antworteten umgehend. Lukas Hinterseer verarbeitete Feins Heberzuspiel sehenswert per Brust und anschließendem Volley-Aufsetzer ins linke Eck (62.). Mehr und mehr bot sich dem immer enthusiastischeren Publikum ein offener Schlagabtausch auf Augenhöhe, bei dem Chemnitz das nächst dicke Ausrufezeichen setzte. Matti Langer köpfte mit Wucht einen Eckball von der linken Seite perfekt links ins Netz (68.). Jedoch hatten die Elbestädter eine weitere Reaktion in petto. Sonny Kittel bewies ein ganz feines Füßchen und schlenzte einen direkten Freistoß aus 18 Metern halblinks unter die Latte - der stark aufgelegte CFC-Schlussmann Jakub Jakubov kam nicht mehr entscheidend heran (75.). [..]

blick.de

CFC: Eine Niederlage zum Verlieben

Die Spieler des Chemnitzer FC haben es am Sonntag leider nicht geschafft in der ersten Runde des DFB-Pokals für eine Überraschung zu sorgen. Das Team von Cheftrainer David Bergner unterlag auf heimischen Rasen dem ambitionierten Zweitligisten Hamburger SV 7:8 (2:2, 2:2, 0:0) nach Elfmeterschießen. Trotz der Niederlage zeigte der CFC eine Leistung, die Mut für kommende Aufgaben machen sollte. [..] Die Hamburger Fans demonstrierten hin und wieder anschaulich, dass sie im Besitz funktionierender pyrotechnischer Erzeugnisse waren. Die Chemnitzer Anhängerschaft machte mit Sprechchören deutlich, dass sie sich mit der Entlassung von Stürmer Daniel Frahn wegen seiner angeblichen Nähe zur rechten Szene nicht identifizieren können. Davon abgesehen erlebten die reichlich 13.000 Zuschauer das erhoffte Fußballfest, dass erst vom Elfmeterpunkt entschieden wurde. [..]

freiepresse.de

HSV rettet sich nach Pokal-Krimi gegen CFC in zweite Runde

[..] Angetrieben von den Fans, von denen mehrere hundert vor der Partie vom Karl-Marx-Monument zum Stadion marschiert waren, wuchs mit jeder Minute der Glaube an die Sensation für den CFC, der seit Monaten finanziell schwer angeschlagen ist und zuletzt vor allem durch die Trennung von Kapitän Daniel Frahn für Schlagzeilen gesorgt hatte. Dem 32-Jährigen wurde Nähe zu rechtsradikalen Fans vorgeworfen. Die Fans antworteten darauf mit Schildern mit der Rückennummer 11 von Frahn vor der Partie. Ein Hamburger SV, der lange Zeit die Partie einfach nur ganz cool abwickeln wollte, baute die Gastgeber auf. Obwohl sie einen enormen kämpferisch Aufwand schon bis dahin geleistet hatten, steckten die Chemnitzer auch in der Verlängerung nicht auf. Die Entscheidung musste vom Elfmeterpunkt fallen, und der HSV setzte sich durch. [..]

tag24.de

Pokal-Drama in Chemnitz: CFC verliert bei Elfer-Krimi gegen HSV die Nerven

Drama-Queen" Chemnitzer FC! Wenn es zuletzt etwas über die Himmelblauen zu berichten gab, ging es zur Sache. Die DFB-Pokal-Partie gegen den Hamburger SV stand dem in Nichts nach. Vor 13130 Zuschauern lieferte sich der Club zuhause mit dem früheren "Bundesligadino" einen packenden Fußballkrimi, der erst im Elfmeterschießen entschieden wurde. Dort behielt Adrian Fein die Nerven und schoss den HSV mit 8:7 n.E. (0:0,2:2,0:0) in die nächste Runde. [..] Jetzt wurde es ein echter Pokalkrimi, der erst im Elfmeterschießen vor der "Süd" entschieden wurde. Dort versagten den CFC-Schützen Clemens Schoppenhauer sowie Sören Reddemann (CFC) die Nerven und Fein schoss den HSV weiter. [..]

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