Saison 1998/1999
CFC / Regionalliga



 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC2:0VfL Osnabrück
VfL Osnabrück
Finale - Aufstiegsrelegation - Saison 1998/1999
Sonntag, 06. Juni 1999, 14:15 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 12.500 (Ausverkauft!)
Schiedsrichter: Wack (Biberach)
Chemnitzer FCTorfolgeVfL Osnabrück
T Ananiev
A Laudeley
A Bittermann
A Mehlhorn
M Jan Schmidt
M König
M Köhler (89. Wienhold)
M Liebers
M TetznerGelbe Karte
S Jörg SchmidtGelbe Karte (54. Kujat)
S KunzeGelbe Karte (84. Jendrossek)

Trainer: Franke
1:0 Kunze (56.)
2:0 Kujat (73.)

T Brunn
A Wenschlag
A RoseGelbe Karte
A Schiersand
M F. Claaßen
M Schütte (35. Schwager)
M Przondziono
M EnochsGelbe Karte
M Bury (75. Janiak)
S C. Claaßen
S ThiouneGelbe Karte (87. Lines)

Trainer: Schock
Spielbericht

Kujat der Held - Chemnitz in der zweiten Liga

Von Pierre Schönfeld

Dieser Tag wird den Anhängern der Himmelblauen noch lange im Gedächtnis bleiben. Fast exakt drei Jahre nach dem so bitteren Abstieg ist der CFC wieder zurück in der 2. Liga. In einem denkwürdigen Spiel besiegte der CFC den Nordmeister Osnabrück mit 2:0 und machte so die 0:1-Hinspielniederlage wieder weg. Held des Spiels war einer, welcher im Hinspiel noch die ganze Grausamkeit eines Fußballspiels zu spüren bekam, als er mit seinem Handspiel die 0:1-Niederlage verschuldete. Doch wie Phönix aus der Asche kam Ronny Kujat zurück, schoß das entscheidende 2:0 und damit Chemnitz in die 2. Liga.

Trainer Franke hatte gegenüber dem Hinspiel umgestellt. Tetzner durfte wieder auf seine Lieblingsposition hinter die Spitzen, statt Wienhold, Jendrossek und Kujat spielten Jan Schmidt, Liebers und Kunze von Beginn an. Und der CFC machte von Anfang an Druck. Jan Schmidt gab nach zwei Minuten den ersten Warnschuß in Richtung Osnabrücker Tor ab. Auf der Gegenseite versucht es Thioune aus spitzen Winkel, aber kein Problem für Ananiev. Kurz darauf rettet Laudeley im letzten Moment gegen Christian Claaßen. Doch fortan bestimmten die Himmelblauen die Szenerie und Osnabrücks Keeper Brunn sollte in den Mittelpunkt des Geschehens rücken. Dieser mußte bereits nach 14 Minuten das erste Mal das Leder aus dem Netz holen. Mehlhorn hatte von links geflankt, Bittermann köpfte zu Tetzner, welcher aus Nahdistanz vollendete. Doch Schiri Wack entschied: Kein Tor! Bitti hatte sich beim Kopfball aufgestützt. Nur drei Minuten später: Kunze setzt sich im Strafraum durch, zieht ab, doch Brunn reagiert großartig. Raunen im weiten Rund. Dann die 23. Minute. Mehlhorn setzt sich auf links durch, flankt, Kunze erhechtet mit dem Kopf den Ball - doch Brunn macht sich ganz lang und erwischt den Ball noch mit den Fingerspitzen. Die Kugel klatscht vor Jan Schmidt, welcher den Ball aber am Tor vorbeischießt. Was für eine Chance. Dann kam die Zeit der Fernschüsse von Jörg Schmidt. Gleich dreimal (28., 35., 40.) nahm der CFC-Mittelfeldmotor Maß, doch genausooft konnte der beste Osnabrücker Uwe Brunn die Knaller entschärfen. Dagegen gelang Osnabrück vor der Pause keine einzige nennenswerte Angriffsaktion mehr, sicherlich auch zur großen Enttäuschung des nur spärlich mitgereisten VfL-Anhangs (ca. 300 Fans). Torlos ging es in die Pause - noch lag Osnabrück in der Gesamtabrechnung vorn.

Es waren neun Minuten in der zweiten Halbzeit gespielt. Da erlöste Christoph Franke den auf der Bank regelrecht schmorenden Ronny Kujat. Er kam für den stark spielenden, aber nach einer gelben Karten in der ersten Halbzeit am Rande des Platzverweis wandelnden Jörg Schmidt. Es sollte der Beginn eines Fußballmärchens werden. Nur eine Minute später geschah die Szene, welche die Himmelblauen erlöste, aber auch zu erregten Diskussionen führen sollte. Ulf Mehlhorn hatte sich in den Angriff eingeschaltet, tankte sich durch die VfL-Abwehr durch. Brunn wirft sich auf den Ball, doch Mehlhorn setzt sich durch und die Kugel landet bei Kunze, welcher keine Mühe hat zu vollenden. Doch noch jubelt der Schütze nicht. Gibt der Schiri den Treffer? Dann die Erleichterung - er gibt ihn. Erregte Diskussionen bei den VfL-Spielern - sie reklamieren das harte Einsteigen von Mehlhorn gegen Brunn. Doch für den Schiri war der Ball im Sinne der Regel noch "frei" und Mehlos Attacke war außerhalb des Fünfmeterraums - der Treffer also korrekt. Riesenjubel bei den CFC-Fans: Endlich stand es 1:0. Der VfL wachte jetzt auf, tat etwas mehr für die Offensive. Doch mehr als ein Schiersand-Schuß (59.) und ein Claaßen-Freistoß (68.), die beide weit am Tor vorbeigingen, kamen nicht dabei heraus. Dann war die Zeit des Ronny Kujat gekommen. Auf der Spieluhr wurde die 73. Minute angezeigt, als König einen Freistoß von rechts trat, Kunze den Ball auf Kujat ablegte und dieser Brunn mit einem Schuß ins linke Eck überwandt. Ausgerechnet Kujat! Der im Hinspiel der große Verlierer war, weil er mit seinem Handspiel die Niederlage verschuldete. Der sich in der Woche nach dem Spiel so einiges anhören mußte, als "Handballer" gefrotzelt wurde. Der unbedingt alles wieder gut machen wollte, aber nicht von Anfang an spielen durfte. Dann reinkam und dieses so eminent wichtige Tor erzielte. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball...
Das Tor zur zweiten Bundesliga war geöffnet. Würden die Himmelblauen jetzt hindurchgehen? Noch 17 Minuten fehlten zur himmelblauen Glückseligkeit. Es wurden die längsten 17 Minuten, die ich je beim Fußball erlebt hatte. Denn ein 1:2 würde den Osnabrückern dank des erzielten Auswärtstores genügen. Und in der 89. Minute hatten sie die Riesenchance zum Anschlußtreffer. Doch Rose schießt aus aussichtsreicher Position am rechten Pfosten vorbei. Im Gegenzug fast das 3:0 durch den eingewechselten Wienhold. Einen Superpaß von Laudeley nimmt der CFC-Oldie auf, läuft allein auf Brunn zu, schießt den Ball aber am langen Pfosten vorbei. Dann nach exakt 93 Minuten pfeift Schiri Wack ab und das Stadion ertrinkt im himmelblauen Jubel. Unbeschreibliche Szenen spielen sich ab, wildfremde Menschen liegen sich in den Armen. Es ist geschafft - Chemnitz ist zurück in der zweiten Liga.

Ein Traum ist wahrgeworden: nicht mehr das Harbig-Stadion oder die Halde in Zwickau werden in der nächsten Saison die Reiseziele des CFC sein, sondern Bökelberg, Frankenstadion, Ruhrstadion und Köln-Müngersdorf. Zweite Liga - Chemnitz ist dabei.

Doch im Moment des Triumphes sollte man den Verlierer nicht vergessen. Der VfL Osnabrück hat sich in den Aufstiegsspielen als fairer Gegner und starke Mannschaft erwiesen. Die unselige Aufstiegsregelung läßt nur einen Direktaufsteiger zu. Darum wünschen wir dem Nordmeister viel Erfolg bei der Amateurmeisterschaft und daß man sich in der nächsten Saison in der zweiten Liga wiedersieht.


Spielnotizen

  • Jede Menge Prominenz war zum Saisonfinale auf die Fischerwiese gekommen. Neben OB Peter Seifert und Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (kam in der 34. Minute und wurde gleich mit CFC-Schal ausgestattet) drückten die Ex-CFCer Michael Ballack und Heiko Gerber dem Club die Daumen.
  • Sieben Schornsteinfeger hatten zum Spiel freien Eintritt. Nachdem sie ihren Job als Glücksbringer so hervorragend erfüllt haben, dürfen sie sicherlich wiederkommen.
  • Eine Riesenparty gab es nach dem Spiel vor dem Chemnitzer Rathaus. 7.000 Fans hatten sich dort versammelt und ließen ihre Himmelblauen wieder und wieder hochleben.

Wertung: Note 1,5 (Ein echter Fußballkrimi mit Happy End)

Beste Himmelblaue: Ulf Mehlhorn, Jörg Schmidt, Ronny Kujat

Pressestimmen

Kicker
CFC-Joker Kujat stach"
"Mehlhorn: Das war unser wahres Gesicht

Freie Presse
Himmelblaue nach großartigem 2:0-Sieg gegen Osnabrück im siebten Himmel"
"Der Chemnitzer Fußball-Krimi vom Aufstieg hat einen Namen: Ronny Kujat

Chemnitzer Morgenpost
Geschafft! Chemnitz im Fußballrausch"
"Kujat - der Handballer als Held!

BILD Chemnitz
Chemnitz, du blaues Wunder!"
"Jungs, ganz Chemnitz liegt Euch zu Füßen!

Stuttgarter Zeitung
Der Fußball-Osten hat eine neue Hoffnung im Profifußball.

Westfälische Nachrichten
VfL-Spieler 'flüchteten' vom Platz"
"Kein Dank an die wenigen mitgereisten Fans, keine Gratulation an den siegreichen Gegner. Die meisten Spieler des VfL Osnabrück verließen am Sonntag nachmittag fluchtartig den Platz im Stadion an der Gellertstraße.

Trainerstimmen

Gerd Volker Schock
Der CFC hat verdient gewonnen, weil wir es nicht verstanden haben - so wie ich es gefordert hatte - in Chemnitz selbst ein Tor zu erzielen

Christoph Franke
Im Vergleich zweier gleichwertiger Teams haben wir uns verdient durchgesetzt. Ich bin froh, den Aufsteig im ersten Anlauf geschafft zu haben. Die nächste Runde wäre verdammt hart geworden.

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