Saison 2004/2005
CFC / Regionalliga



 
KFC Uerdingen
KFC Uerdingen0:3Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
25. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2004/2005
Samstag, 12. März 2005, 14:00 Uhr
Grotenburgkampfbahn, Krefeld
Zuschauer: 2.058
Schiedsrichter: Metzger (Aachen)
KFC UerdingenTorfolgeChemnitzer FC
T Sokolov (8. Durdagi)
A PaßlackGelbe Karte (78. Kniat)
A EversGelbe Karte
A Eraslan
A Ehrhard
M Scherbe
M Baltes
M Anagnostou
M Gruev
S Hopp (46. Wersching)
S Heun

Trainer: Maes
0:1 Fillinger (5.)
0:2 Okeke (61.)
0:3 Lenk (88.)

T Klömich
A Stark
A Gillert
A Ahlf
A Kanitz
M Meyer
M Okeke
M MehlhornGelbe Karte
M Devoli (65. Schindler)
S Pinto (75. Lenk)
S Fillinger (87. Becker)

Trainer: Demuth
Spielbericht

Die Wahrheit liegt auf dem Platz.

Von Tino Kermer - Fotos: griesgram

Erfolg in 3 Etappen: Anpfiff, ... Die letzte Woche toppte wohl alles, was der gemeine CFC-Fan bislang erleben durfte. So wurde ein neuer Trainer aus dem Hut gezaubert und der alte ohne wirkliche Angabe von plausiblen Gründen zurück zum Platzwart degradiert. Der Co-Trainer durfte ebenfalls abtreten und verhalf mit seiner Verhaftung ein paar Tage später dem Verein und dessen Brustsponsor zu noch nie da gewesener Publicity.
Im Grunde also perfekte Aussichten auf eine Klatsche beim Tabellenfünften Uerdingen. Doch zumindest einige Fans haben ihren Sinn für Humor noch nicht verloren und sorgten für bleiche Gesichter bei mindestens 4 Personen im Krefelder McDonalds:

Spiel fällt aus!! ++ CFC-Bus hinter Unna von Polizei gestoppt ++ komplett durchsucht ++ viele Spieler zum Verhör auf's Revier! ++ Bullshit ++ CU *zensiert*

Immer blasser werdend sahen sich schon drei Leute auf der in zwei Minuten beginnenden Heimreise. Und auch die Fastfood-Fachverkäuferin sah ungesund aus, hätte sie den soeben bestellten Schmand doch selbst essen müssen. Doch die Entscheidung, sich erstmal gemütlich hinzusetzen, zu stärken und dann noch mal nachzufragen stellte sich als richtig heraus. So ein "forget it" am Ende einer SMS kann man im Schockzustand schon mal überlesen. Es blieb die Erkenntnis, dass die daheim gebliebenen offenbar von furchtbarer Langeweile gequält wurden.

Einen gewissen Sinn für Humor hatte auch der neue Trainer Dietmar Demuth bewiesen. So konnte er unter der Woche den einheimischen Journalisten ins Mikrofon diktieren, dass er seinem Team erst in Krefeld die zu spielende Taktik verraten werde. Und das beim "Wuschi - hat - immer - zu - viele - taktische - Elemente - vorausgesetzt - aber - seit - mir - Barsi - alles - genau - erklärt - hatte - weiß - ich - endlich - was - ich - im - Spiel - zu - tun - habe"-Team? Nunja...

..Tore schiessen... Doch gerade die Taktik sollte entscheidenden Einfluss auf das anstehende Spiel haben. Dieses wurde vor rund 2000 Zuschauern, darunter etwa 120 Menschen ,die aus allen Teilen der Republik angereist waren, um den CFC zu beobachten und gelegentlich auch ein wenig anzufeuern, ausgetragen.
Denn der CFC legte los wie die Feuerwehr. Bereits 30 Sekunden nach dem Anpfiff gab es den ersten Eckball für Himmelblau. In Folge dessen kam Pinto in der 2. Minute zur ersten Torchance, als er im Strafraum an den Ball kam und aus etwa 12 Metern abzog. Nur der Kopf eines auf der Torlinie stehenden Uerdingers rettete vor der frühen Gästeführung. Doch der CFC blieb am Drücker und nagelte die Heimmannschaft mit gutem Pressing in der eigenen Hälfte fest.
In der fünften Minute dann die verdiente Führung. Fillinger wird am linken Strafraumeck angespielt und hat zwischen sich und dem Tor nur noch Torwart Sokolov. Der berührt den Ball zwar noch, angesichts der Tatsache, dass der Ball am Ende doch ins Tor geht war sein Einsatz jedoch zu hoch - nach 4 Minuten Verletzungspause wurde er aus dem Stadion getragen.
Während dessen hatte sich das Wetter vom aus Sachsen mitgebrachten Sonnenschein zu gleichzeitig Schnee, Regen und Orkanböen verändert. Dank einer großen Geste durch den Gastgeber wurde es jedoch auch den Gästefans ermöglicht, einen geschützten Bereich unter der Gegentribüne einzunehmen.
Im Spiel hatte nun die neu formierte Abwehr beim CFC die Chance sich zu beweisen, denn Krefeld machte Anstalten sich aus der Umklammerung des Gegners zu befreien. Ahlf und Gillert spielten zentral in der Abwehr, auf links Kanitz und rechts Stark rückten bei Bedarf auf eine Linie zurück oder versuchten nach vorne Akzente zu setzen. Davor agierte Opa und Kapitän Mehlhorn und versuchte, Angriffe zuerst abzufangen. Gegen diese Taktik fand Uerdingen jedoch nie ein Mittel, lediglich einige harmlose und seltene Weitschüsse, hatte der Souveränität und Ruhe ausstrahlende Klömisch abzuwehren. Hin und wieder blitzte zwar eine Art gepflegtes Kurzpassspiel der Gastgeber auf, doch rund um den Strafraum verzettelte man sich, indem man lieber noch mal abspielte, anstatt selbst zum Abschluss zu kommen und dabei mit mangelnder Laufbereitschaft der Mannschaftskameraden und lustlosen Zuspielen die eigenen Fans zur Verzweiflung brachte.
Der CFC war nun nicht mehr drückend überlegen. Aufgrund der Harmlosigkeit des Gegners ergaben sich jedoch auch eigene Angriffe und ein leichtes Übergewicht der Spielanteile. Dabei versuchte man, möglichst schnell mit Schüssen zum Abschluss zu kommen, was jedoch den eingewechselten Ersatztorwart der Uerdinger nicht in besonders große Not brachte. So plätscherte das Spiel dahin. Der CFC war vor allem bei Standardsituationen gefährlich, Ecken von rechts schlug Neuzugang Devoli, in seiner ersten Partie von Beginn, mit zuletzt in Chemnitz ungekannter Präzision in den Strafraum. Einer dieser Eckbälle hätte nach gut einer halben Stunde fast zum 2:0 geführt. Ausgeführt auf den kurzen Pfosten, dort verlängert Ahlf mit dem Kopf zum völlig freistehenden Okeke, der jedoch den Ball nur einen halben Meter neben dem Tor platzieren kann. Es war der letzte Höhepunkt der insgesamt mäßigen ersten Halbzeit.

In der Pause gab es dann Gelegenheit, den Unterschied zwischen einer Uerdinger Grillwurst und einer heimischen Thüringer Roster auszutesten. Es lässt sich feststellen, dass die Grillwurst bei höherem Preis (2,20 Euro) geschmacklich ein wenig abfällt. Die Heimfans gaben in offenherzigen Gesprächen an, noch an die Wende im Spiel zu glauben. Es gibt sie also doch noch, die hoffnungslosen Optimisten dieser trostlosen Stadt in NRW.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte Uerdingen dann seine beste Phase. Ähnlich wie der Club in der ersten Halbzeit, erarbeitete man sich sofort einen Eckball. Das sich an seine Ausführung anschließende Gewühl im Strafraum brachte zum Glück keinen Erfolg. Ebenso die einzige große Chance der Uerdinger in Minute 55, als Ahlf bei einem Schuss auf der Linie retten musste.
... und feiern. Danach konnte sich der CFC wieder befreien und die Gefahr war zunächst gebannt. Man versuchte nun vor allem über Konter zum Erfolg zu kommen. In Ansätzen sah das auch einigermaßen gut aus, wurde jedoch in Richtung Tor einfach zu ungenau und schlampig. Besonders Meyer zeigte sich agil und anspielbereit, er schoss aus allen Lagen, vertendelte jedoch auch häufig in Dribblings den Ball. Einer dieser Angriffe führte dann zur Vorentscheidung. Der Konter wurde zunächst durch ein Foul an Fillinger unterbrochen. Sein gut getretener Freistoß findet jedoch den erneut völlig frei zum Kopfball kommenden Okeke, der diesmal kein Problem hat den Ball im Tor unterzubringen. Ungewohnte Gefühle bei den mitgereisten Fans und die Erkenntnis, dass sich die Anreise gelohnt hatte, waren die Folge.
Wer nun dachte, Uerdingen fängt endlich an zu kämpfen und auf ein Tor zu drängen, sah sich getäuscht. Das Team fiel in seine Harmlosigkeit der ersten Halbzeit zurück, während der CFC sich auf's Kontern beschränkte. Lediglich einmal hatte man noch eine gefährliche Situation zu überstehen, als Klömisch einen Schuss aus linker Position abwehren kann, den Ball dabei an den heranstürmenden Krefelder Angreifer lenkt und dieser souverän zum Abstoß klärt. An Tagen, wo nichts läuft, bekommt man aus so einer Situation ein Gegentor...
Der desolaten Leistung der Heimmannschaft setzte diese in der 88. Minute noch die Krone auf. Ein einfacher Ballverlust lässt den eingewechselten Lenk an den Ball kommen, dieser kann noch ein paar Meter in Richtung Tor gehen und schiebt den Ball locker am Torwart vorbei ins Tor. Seine Freude teilte ein Teil der Spieler mit den Fans: Wann hat es das zuletzt beim CFC gegeben, dass nach einem Torerfolg zu den Fans am und auf dem Zaun zum Abklatschen gekommen wird...
Kurz danach war Schluss und die Fans feierten die Spieler ohne das mitgebrachte Obst auf's Spielfeld zu werfen. Selber essen macht schließlich beide Seiten glücklich. Es bleibt die Erkenntnis, dass der CFC mit solch abgeklärten und souveränen Leistungen aller (!) Spieler jede Mannschaft in der Liga schlagen kann. Hoffen wir, dass es dabei bleibt und man es zukünftig wieder dank sportlichem Erfolg auf die Titelseite der Presse schafft.

Wertung: 2,5 (niedriges Niveau, aber der CFC immer Herr der Lage)

Beste Himmelblaue: Ahlf, Gillert, Fillinger

Pressestimmen

Freie Presse
CFC lässt sich von Steffen Karls Verhaftung nicht beirren [..] Demuth: "Wir sind hierher gekommen, um Fußball zu spielen." Das tat seine neue Mannschaft beim 3:0 (1:0)-Erfolg beim KFC Uerdingen dann vom Anstoß weg. [..] "Entscheidend aber war, dass wir in der zweiten Halbzeit die Dinger rein machen, die wir sonst versemmeln. Jeder hat an den Sieg geglaubt." (Fillinger, d. Red.)

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