Saison 2006/2007
CFC / NOFV-Oberliga



 
FSV Zwickau
FSV Zwickau1:1Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
12. Spieltag - Oberliga Nordost-Süd - Saison 2006/2007
Samstag, 11. November 2006, 14:00 Uhr
Westsachsenstadion, Zwickau
Zuschauer: 2.931
Schiedsrichter: Mattig (Frankfurt/Oder)
FSV ZwickauTorfolgeChemnitzer FC
T Soukup
A Kubik
A Trehkopf
A Werner
A Trochocki
M Strobel
M Troche
M Moses (62. Jazwinski)
S Arzt (83. Schmidt)
S Pfoh (80. Balg)
S Meyer

Trainer: Ferl
0:1 Kellig (7.)
1:1 Arzt (67.)

Besondere Vorkommnisse:
Spielunterbrechung in der 70. Minute aufgrund mehrerer Raketen aus dem FSV-Block.

T Klömich
A Kunert
A Baumann
A Thönelt
A Sieber
M Tomoski
M Becker
M Schumann
M Sambou (66. Adamu)
S Kellig
S Schlosser (77. Devoli)

Trainer: Müller
Spielbericht

Man nehme ein Derby, ein paar Chaoten, einen Schiedsrichter und einen Stadionsprecher...

Von Frank Neubert

Ganz klar - die für Zwickauer Verhältnisse stattliche Zuschauerzahl von knapp 3.000 Leuten, darunter ca. 1.000 Chemnitzer, war zum größten Teil wegen des Fußballs und alten Erinnerungen in das baufällige Oval des Westsachsenstadions gepilgert. Die Spielklasse "Oberliga" hatte dieses alte Duell wieder einmal ermöglicht, allerdings eben 3 Klassen tiefer, als zu den Zeiten eines Jürgen Bähringers und eines Jürgen Croys. Was sich dann aber während der zweiten Halbzeit auf den Rängen abspielte, war eines solchen Derbys schlichtweg unwürdig und hatte mit Fußball leider gar nix mehr zu tun. Zwickauer Chaoten griffen den CFC-Fanblock gezielt mit Leuchtspurraketen an, worauf die Partie in der 70. Minute abgebrochen wurde. So dachte man zumindest...

Was hatte es vor diesem Spiel nicht alles an immensen Geschwätz wegen Sicherheit, Brisanz, und Polizei gegeben. Ganz nebenbei kam heraus, daß der FSV im Sommer am Gästebereich herumgeschraubt und dafür bei der Stadt keinen Bauantrag gestellt hatte. Zwickaus Präsident verfügte daher, daß der ursprüngliche Gästeblock gesperrt und die Gegengerade des Westsachsenstadions für die Gästefans geöffnet werden würde. Er beseitigte damit auch Gedanken, die Partie komplett abzusagen, oder gar das Heimrecht zu tauschen. Mittendrin auch NOFV-Sicherheitsbeauftragter Bernd Stumpf, welcher zu DDR-Zeiten fleißig für den BFC pfiff und nun schon wieder etwas zu sagen hat. Welch unendliche Begabung der Mann hat, sollte man daran erkennen, daß beim "Problemspiel" des CFC in Pößneck Alkoholverbot herrschte, in Zwickau dagegen Bier in rauen Mengen konsumiert werden konnte. Prost!

Fraglich bleibt auch, was die Jungs auf den Sicherheitskonferenzen eigentlich machen, denn wenn der CFC ca. 1.000 mitreisende Fans ankündigt, und dann die Eingangskontrollen derart "flüssig" vonstatten gehen, daß selbst eine Viertelstunde nach Spielbeginn immer noch Chemnitzer Fans vor dem Stadion stehen, ist etwas schiefgelaufen. Ganz finster auch der zügellose Einsatz von Pfefferspray, um die nervösen und Einlaß begehrenden Fans im Zaume zu halten. Deeskalation sieht anders aus. Den CFC-Fans, die den Zutritt zum Stadion geschafft hatten, bot sich ein jämmerlicher Anblick. Das Westsachsenstadion ist schlichtweg eine Ruine. Absolut traurig, wie man ein solch ehemals ruhmreiches Areal aufgrund von Inkompetenz und Streit zwischen Verein und Stadt derart verkommen lassen kann.

Gut 1000 CFC-Fans folgten ihrem Club nach ZwickauZu Spielbeginn wurden von den UC'99 weisse und blaue Fähnchen verteilt, welche beim Intro den gesamten Gästeblock zieren sollten. Das klappte auch ganz gut und in der Mitte der Gegengeraden wurde ein riesiger, stilisierter FCK-Wimpel über die Köpfe der Mitgereisten gespannt. Feine Sache! Die Jungs auf dem Rasen schienen davon ziemlich inspiriert und legten sich wie die Feuerwehr ins Zeug. Schon nach 7 Minuten durfte Kellig zum Nachschuß ansetzen und den Ball durch die konfuse FSV-Abwehr zum 1:0 für die Guten über die Linie schieben. Schlosser hatte zwar etwas später die große Chance (18.), auf 2:0 zu erhöhen, aber der Club zog sich mehr und mehr zurück und ließ die Zwickauer anrennen. Großchancen gab es auf beiden Seiten bis zur Halbzeit nicht, auch wenn beide Abwehrreihen nicht immer sattelfest wirkten.

Nach der Pause der Gastgeber mit mehr Elan. Die Zwickauer hatten den Sinn eines Derbys, den Gegner nicht nur mit Kombination und Spielwitz, sondern vor allem durch Leidenschaft und Kampf zu beeindrucken, etwas besser verstanden, als die himmelblauen Jungs. Prompt ergaben sich Chancen für Troche und Strobel, welche Klömich zum Glück bereinigen konnte. Kurze Zeit später meldete sich zum ersten Mal der Zwickauer Stadionsprecher zu Wort, der es während der gesamten ersten Halbzeit nicht für nötig gehalten hatte, seine Stimme gegen die dämlichen UhUh-Rufe gegen Sambou, welche deutlich hörbar aus dem Heimblock neben dem Turm kamen, zu erheben. Grund des Ertönens seiner Stimme waren vielmehr die im Chemnitzer Gästeblock gezündeten Knaller (welche unter den Traversen explodierten), als auch der weiße Rauch der aus der Mitte des Gästeblocks aufstieg.

Die "entsprechende" Antwort der Zwickauer ließ nicht lange auf sich warten - Knaller flogen jetzt gezielt auf die Ersatzspieler des CFC, welche dort nur knapp ihr menschliches Ziel verfehlten, als auch aus dem UhUh-Block in Richtung des dort amtierenden Linienrichters. Schiedsrichter Mattig unterbrach daraufhin die Partie (52. Minute) und ließ über den Stadionsprecher verkünden, daß er beim nächsten geworfenen Knaller, egal aus welchem Block, die Partie abbrechen würde. Das Geschehen auf dem Rasen schupperte weiter vor sich hin. Mit jeder Spielminute gewann der FSV einen Grashalm mehr gegen den CFC. Und so war es auch keinesfalls unverdient, als der Ex-Chemnitzer Arzt in der 67. Minute nach einem Gewühl im CFC-Strafraum das Leder zum 1:1 über Klömich hinweg ins Tornetz wuchtete.

Was dann aber 2 Minuten später folgte, spottete jeder Beschreibung. Aus dem Zwickauer Fanblock, wo die einheimischen Ultras ihr Domizil haben, stieg plötzlich eine Leuchtspurrakete in den Himmel, die zwischen dem Zwickauer Block und dem CFC-Block im Niemandsland aufschlug. Unmittelbar darauf stiegen noch 2 Raketen in die Luft, die gut gezielt im CFC-Fanblock einschlugen. Prompt pfiff der Schieri die Partie aufgrund seiner vorherigen Ankündigung ab und aus dem CFC-Block hallte es: "Auswärtssieg, Auswärtssieg" !! Tumult kam auf. Aus dem Chemnitzer Block versuchten einige Heißsporne, den abgrenzenden Zaun zu überwinden, um sich bei den Anhängern der Muldestädter für die Raketen zu "bedanken". Polizei marschierte auf und sorgte in beiden Fanblöcken - auf ihre Art - für Ruhe und Ordnung.

Beide Mannschaften verließen das Spielfeld durch den Spielertunnel. Der Zwickauer Stadionsprecher vermeldete den Spielabbruch in der 70. Spielminute beim Stand von 1:1, "bedankte" sich bei den Zwickauer "Chaoten" und wünschte allen Besuchern einen guten Nachhauseweg. Auf der Anzeigetafel wurde die Vorschau für das nächste FSV-Heimspiel eingeblendet. Ein Teil der Fans trollte sich nun langsam Richtung Ausgang, ein anderer Teil verblieb noch im Block und diskutierte über die nunmehr anstehende Entscheidung des NOFV, dem CFC aufgrund des von Zwickauer Seite verursachten Spielabbruchs, hoffentlich drei Punkte am grünen Tisch zuzusprechen.

Plötzlich, oder besser, nach einer Viertelstunde, tauchten völlig überraschend die Zwickauer Spieler wieder auf dem Platz auf. Erstaunen auf den Rängen, und fragende Gesichter - ohne Ende - im Gästeblock. Das Spielende bzw. der Abbruch war vom Sprecher klar und deutlich verkündet worden. Was sollte das Ganze !? Und dann tauchten auch noch die himmelblauen Spieler wieder auf! Entsetzen und Empörung im CFC-Block! Rufe wie "Tretet nicht an!", "Bleibt in der Kabine!" machten die Runde. Völlig unverständlich für die Masse der Fans pfeift Schiedsrichter Mattig die Partie erneut an. Es bleibt beim 1:1, obwohl sich sowohl für den CFC (Devoli, 89.), als auch für den FSV jeweils noch eine Einschußmöglichkeit ergab.

Nach dem (endgültigen) Schlußpfiff herrschte Ratlosigkeit allerorten. Hatte der CFC evtl. unter Protest weitergespielt !? Ist der Zwickauer Präsident aufgrund der Ausschreitungen seiner Fans zurückgetreten !? Das zweite Gerücht sollte sich später als wahr erweisen, das erste nicht. Wie sich erst 24h später, am Sonntag, von CFC-Coach Joachim Müller erfahren ließ, hatte der Stadionsprecher schlicht und ergreifend nicht die Wahrheit verkündet. Das Spiel wurde in der 70. Minute nicht abgebrochen, sondern "nur" unterbrochen. Auch Müller glaubte nach dem Pfiff in der 70. Minute an einen Abbruch, jedoch teilte Schieri Mattig beim Gang in die Kabine beiden Teams mit, daß er die Partie nicht ab-, sondern unterbrochen habe. CFC-Coach Müller verweigerte sogar wegen Sicherheitsbedenken den erneuten Gang auf das Spielfeld, wurde aber dann vom Mattig darüber belehrt, daß ein Nichtantritt des CFC entsprechende Folgen haben würde. Und so blieb es nach 90 gespielten Minuten beim regulären Endstand von 1:1, auch wenn dies von vielen himmelblauen Heimfahrern auf der A72 und der A4 wohl völlig anders beurteilt und gemutmaßt wurde.

Fazit: Das Endergebnis von 1:1 mag aufgrund der sportlichen Leistungen beider Teams korrekt sein. Wesentlich sinnvoller wäre es allerdings gewesen, angesichts der in der 52. Minute angedrohten Konsequenzen das Derby in der 70. Minute endgültig abzubrechen. Ob der CFC am grünen Tisch die Punkte tatsächlich bekommen hätte, sei dahingestellt. So bleibt jedenfalls der fade Beigeschmack, daß derartige Vorfälle durch ein "kleines Päuschen" überbrückt werden und danach weitergespielt werden kann. Dies kann nicht das richtige Signal sein. Wünschenswert wäre auch, daß ein Stadionsprecher nur die Dinge verkündet, die tatsächlich der Wahrheit entsprechen (Spielabbruch). Aber egal, der Club muß nach vorn schauen - und sich bereits jetzt auf das anstehende Heimspiel gegen Bautzen zu konzentrieren. Ein Dreier wäre nicht nur gut für das Punktekonto, sondern ganz sicher auch Balsam auf die Ereignisse von Zwickau.

Wertung: 3,5

Beste Himmelblaue: Klömich, Thönelt, Sieber

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