Vorbericht

3. Runde - Sachsenpokal - Saison 2016/2017
SSV Markranstädt
SSV Markranstädt
1:8
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC

Pflichtaufgabe im Pokal mit 4. Gastspiel in Markranstädt nach …

von Timo Görner

… 2002, 2007 und 2014. 2002 und 2014 hieß es im Pokal jeweils 5:1 und 2:1 n. V. für den CFC. 2007 trennte man sich 1:1. Damals in einer Liga, der 4. Aktuell trennen beide Mannschaften 2 Spielklassen. Der SSV stemmt sich aktuell gegen den Abstieg in die 6. Liga.

Die vergangene Saison unseres Gegners:

Die Geschichte ab 2009 ist hinlänglich bekannt, 2012 aus der Landesliga in die Oberliga Nordost Süd zurückgekehrt, schielten die Blau-Weißen immer Richtung Regionalliga. Die Plätze 3, 2 und 3 in den Jahren danach sprachen für die Ambitionen. Hier musste man den Vereinen aus Bautzen, Nordhausen und ironischerweise RB Leipzig II jeweils den Vortritt lassen. 2015/2016 dann ein gewisser Einbruch mit Absturz auf Rang 8 und 33 Punkten Rückstand auf den – wiederum mit einer Spur Ironie – souveränen ungeschlagenen Aufsteiger Lok Leipzig. Der Start vielversprechend mit 4 Begegnungen ohne Niederlage und Platz 2. Nur 2 Tore hinter dem VfL Halle 1896. So gut sollte es dann nicht mehr laufen, zur Winterpause war der Zug Richtung Staffelsieg abgefahren, Lok 15 Punkte entfernt. Hauptgrund eine Offensive und Defensive die mit 25 Tore und 23 Gegentreffern im Liga-Maßstab nur Mittelfeld war. Im eigenen Stadion wurden die Spiele gegen Bischofswerda (1:3) und desaströs Sandersdorf (0:4) verloren, dagegen standen die überzeugenden Auftritte gegen Schott Jena (4:1), Erfurt II (5:1). Auch dem lange hartnäckigsten Lok-Verfolger Inter Leipzig (0:0) wurde ein Punkt abgeknöpft. Auf Reisen fehlte die Beständigkeit, gab es ebenfalls Licht und Schatten. Letzteres in Bernburg (1:4) und im "Plache-Stadion" (0:4). Zur Winterpause verbaten sich große Ambitionen. Im Frühjahr 2016 gelang keine entscheidende Trendwende, der SSV launisch. Arbeitete sich zu Beginn der Serie noch mal auf Rang 4, ohne oben noch mal anzuklopfen. 7 sieglose Spiele – 5x in Folge ohne Tor – ließen die Rand-Leipziger wieder ins Niemandsland der Tabelle versinken. Einzig positiv das 0:0 gegen Lok. Erst 3 Spiele vor dem Ende konnte bei der sich später auflösenden U23 des FC Energie (4:3) gefeiert werden. Zum Abschluss kassierte der SSV noch mal eine Pleite beim neuen FC Inter (2:4). Damit verlief die Frühjahrsrunde 2016 bis auf die ersten 3 Begegnungen deprimierend bei nur 1 Sieg in 12 Spielen und 8 Punkten. Zu Hause wie auswärts lag unser Gegner im "Durchschnitt" (9.), die Offensive und Defensive waren jeweils als ganz solide zu bezeichnen. Im Sachsenpokal war im Achtelfinale Schluss gegen den späteren Finalisten und Drittligaaufsteiger Zwickau (0:2).

Delegierungen für diese Saison bislang:

9 Akteure haben den SSV verlassen, 11 kamen dazu.
Im Tor wechselte mit Lukas Wurster (25) der Stammkeeper der letzten 20 Spiele 2015/2016 zum VfB IMO Merseburg in die Verbandsliga Sachsen-Anhalt, Liga 6. Einer von insgesamt 5 Spielern, die mit diesem Ziel gingen. Ebenfalls in Merseburg spielt mittlerweile Abwehrspieler Fabian Schößler (26), der Filius von Detlef "Kurt" Schößler. Bekannt aus seinen Zeiten in Magdeburg, Dresden, Leipzig beim VfB. Verteidiger-Kollege und Kapitän Pascal Ibold (26) zog es zu Regionalliga-Aufsteiger 1. FC Lok Leipzig. Toni Majetschak (21) schloss sich Landesligist FC Eilenburg an. Im Mittelfeld ist die Zeit von Routinier Tom Geißler (32) nach dem Wechsel aus Jena Mitte August 2015 bereits wieder beendet, der erfahrene Akteur mit den Stationen Burghausen, Mainz, Aue, Leipzig, Osnabrück und zuletzt Jena fand ab März 2016 keine Berücksichtigung. Im Angriff gibt es kein Wiedersehen mit Steve "Rolle" Rolleder (33). Der Topstürmer der Oberliga Nordost Süd (13 Toren in 29 Spielen) zog nach Merseburg. Mit Wurster, Schößler, Ibold, Rolleder und Majetschak sind gleich 5 Leistungsträger 2015/2016 nicht mehr dabei. Deren Abgänge zu kompensieren, erschien aufgrund der massiven finanziellen Probleme aber kaum möglich.

So ist es nicht verwunderlich, das bis auf 3 Akteure alle Neuzugänge aus dem eigenen Nachwuchs sowie anderen Vereinen des gleichen Sektors kamen.
Für die Abwehr sind dies Fabian Hohlbein (20/FSV Zwickau II), Johann Reichel (19/A-Jugend Hallescher FC), Dennis Kahdemann (18/A-Jugend). Hohlbein absolvierte für die mittlerweile ja ebenfalls aufgelöste U23 des FSV als deren Kapitän 15 Spiele in der Landesliga, fand dann aber 2016 keine Berücksichtigung mehr. Für das Mittelfeld kamen Eric Berger (19/Hallescher FC II), Martin Böhmer (20) aus den USA von den NCS Wolfpack, fussballerisch groß geworden in der Jugend der SG Dynamo Dresden und über Cottbus dann in die Staaten. Robin Sonnekalb (19) stammt wie Berger aus Halle. Tom Seifert (19) und Tarik Reinhard (18) sind wie Kahdemann "Eigengewächse" aus der U19. Als Stürmer wurde Saif Al Abri (23) vom "Fast-Ortsrivalen" FC Inter Leipzig geholt, Heimat hier die Vereinigten Arabischen Emirate. Beim zweiten "Konstrukt" im Leipziger Fußball nach RB war er vergangene Saison ausschließlich "Joker", aber ohne Torerfolg. Aus der Oberliga Hamburg stieß Hans Christian Miertschink (21) zum SSV, Deutscher mit brasilianischem Pass sowie einer kurzen Zeit beim CFC. Im Januar 2013 ging es zur A-Jugend des CFC, nach nur 1 Jahr wieder weg Richtung Freiburger FC. August 2015 der Wechsel zum BSV Buxtehude, wo er aber keine große Rolle spielte. Knapp ein Jahr danach der erneute Wechsel, nach Markranstädt. Malik Haußig (19) wiederum ist einer der eigenen A-Jugend.
Schaut man sich die Abgänge und die Neuzugänge an, scheint hier durchaus ein Substanzverlust gegeben. Allein Rolleder mit seinen 13 Toren wird hier schwerlich zu kompensieren sein. Ambitionen Richtung Regionalliga verbaten sich damit von vornherein. Der bisherige Saisonverlauf macht allen Beteiligten klar, es zählt nur der Klassenerhalt.

Der Trainer:

Holger Krauss (40) sollte durchaus noch ein Begriff sein, angesichts der Stationen als Spieler beim FC Sachsen Leipzig, FSV Zwickau, Hallescher FC und 1. FC Lok Leipzig bis 2009 bevor es bis Sommer 2010 für ein Jahr zur TuS Leutzsch ging. Ende März 2013 der Start als Trainer für die A-Jugend des SSV und Chef der Nachwuchsabteilung. Vergangene Saison dann der Beginn als Coach der Oberliga-Mannschaft. Er löste Heiko Weber ab, der bekanntermaßen Dietmar Demuth in Meuselwitz mit allerdings wenig Erfolg ablöse.

Die aktuelle Saison:

Die eher düsteren Prognosen angesichts der Abgänge und wenig erfahrenen Neuzugänge fast ausschließlich aus dem Nachwuchs haben sich bislang bestätigt, der SSV steckt tief im Tabellenkeller. Alle 3 Punktspiele gingen verloren, die ersten beiden Begegnungen noch relativ knapp bei Aufsteiger BSG Chemie Leipzig (0:2) und gegen den zweiten Neuling SV Merseburg 99 (1:2), dem Lokalrivalen von "Rolles" neuem Verein VfB IMO. Am vergangenen Wochenende gab es dann eine 1:6-Klatsche beim selber schwach gestarteten Ex-Regionalligisten VFC Plauen. Nach gutem Beginn und einer frühen 1:0-Führung brach das Team bis zur Halbzeit ein. Verbuchte einen 1:3-Rückstand. Halbzeitübergreifend wurden innerhalb von 22 Minuten 4 Gegentreffer kassiert. Massive Fehler in Abwehr und Mittelfeld befeuerten das Debakel. Erfolgreich blieben die Blau-Weißen bislang nur im Pokal nach einem 7:4 bei Landesliga-Absteiger Döbelner SC 02/90 aus der Landesklasse Nord. Allerdings nach einem 0:2-Rückstand, der vor dem Pausentee zum 3:2 gedreht wurde. Und auch danach hatte man Mühe in einem turbulenten Spiel mit 2:4, 4:4 und später 4:7. Die kommenden Aufgaben werden nicht leichter, nach dem CFC gastiert Regionalliga-Absteiger und Topfavorit VfB Germania Halberstadt im "Stadion am Bad", damit der aktuelle Fünfte. Saisonübergreifend wurde von den letzten 15 Punktspielen nur 1 gewonnen, am 21.05.2016 in Cottbus beim 4:3. Der letzte Heimsieg datiert vom 06.03.2016 mit dem 6:0 gegen Schlusslicht und "Schießbude der Liga" FC Eisenach.

Die Mannschaft:

Beim 1:6 in Plauen stand Christian Wings (18) im Tor, davor auch im Landespokal in Döbeln Marc Hübner (25). In der Abwehr gelten Dennis Kahdemann (18), Johann Reichel (18), Raik Hildebrandt (30) und Eric Berger (19) als die festen Größen. In Plauen fiel Kahdemann kurzfristig aus, für ihn kam Sebastian Seifert (30). Routinier Jens Werner (33) mit den Stationen Halle, VfB/Lok Leipzig und Zwickau war in den Punktspielen bis jetzt Ergänzungsspieler. Das Gerüst im Mittelfeld bilden Martin Böhmer (20), Eric Daubitz (20), Marc Dünkel (20) und Kapitän Marcel Nüchtern (26). Dünkel erzielte auch die beiden Treffer in den Punktspielen gegen Merseburg und in Plauen, traf auch 3-mal im Landespokal in Döbeln. Dahinter kommen aktuell John Winkler (19), Robin Sonnekalb (19) und Tarik Reinhard (18). Winkler ist Ex-U15-Nationalspieler des DFB. Der Angriff besteht aktuell im Grunde aus Saif Al Abri (23) und Christian Miertschink (21), die jeweils noch ohne Torerfolg sind. Arno Dwars (22) ist am Sonntag gesperrt, Malik Haußig (19) und Jens Frenzel (32) sind ohne Einsätze.

Krankenlager / Strafbank:

Stürmer Arno Dwars (22) ist nach einer Gelb-Roten Karte in Döbeln im Pokal gesperrt.

Das Umfeld:

Der SSV Markranstädt geht schweren Zeiten entgegen, die Ambitionen der letzten Jahre sind Vergangenheit. Vor der Saison stand sogar ein freiwilliger Rückzug aus der Oberliga im Raum, erst nach zugesicherter Unterstützung von Sponsoren und der Stadt ging man die neue Saison 2016/2017 in der 5. Liga an. Im Juni 2015 stand der SSV vor dem finanziellem Aus, hatte die Stadt um die vorzeitige Auszahlung der Abschläge der Betriebskosten für das dritte und vierte Quartal gebeten. 115.000 € stellte die Stadt dem Verein für 2015 bereit, dieser wollte 170.000 € haben. Die Kommune wiederum forderte gleichzeitig noch Gelder für 2013 und auch 2014 zurück, welche der Verein nach deren Ansicht zweckentfremdet verwendet hatte. Belege hatten wohl gefehlt, dazu wurden Sachen wie Sportschuhe als Betriebskosten für das "Stadion am Bad" angegeben. Dazu missfiel den Stadtoberen, dass der SSV die Arena für die Spiele der II. von RBL verpachtete und entsprechende Einnahmen generierte, während dessen man den Club mit Geld für die Betriebskosten bediente. Am Ende einigten sich die Beteiligten irgendwie, der SSV konnte weitermachen. Steht nunmehr aber im sportlichen Überlebenskampf der Oberliga, nachdem noch 2015 die Regionalliga das Ziel war. Der Zuspruch im kleinen "Stadion am Bad" lag vergangene Saison bei 263, ein leichter Rückgang gegenüber 317 im Jahr zuvor. Das bislang einzige Heimspiel auf Pflichtspielebene gegen den Aufsteiger SV Merseburg 99 wollten 180 zahlende Fußballfreunde sehen. Krösus in dieser Staffel ist erwartungsgemäß Neuling BSG Chemie Leipzig mit fast 1.800 im Schnitt. "Kassenschlager" letzte Saison war natürlich das Gastspiel des 1. FC Lok Leipzig mit 2.111 Besuchern. Darunter ca. 1.700 Lok-Freunde. Gegen die beiden Platzhirsche im Leipziger Fußball bleibt man wohl auf lange Sicht mehr oder weniger chancenlos. Der Blick geht eher Richtung FC Inter, dem ambitionierten Oberligisten und Vorjahresvizemeister, der aktuell ohne eigene Anlage und mit meist weniger als 100 Zuschauern mittelfristig die 4. Liga anpeilt. Die Vergangenheit lehrt, im Leipziger Fußball scheint so ziemlich alles möglich.
3. Runde - Sachsenpokal - Saison 2016/2017
Sonntag, 04. September 2016, 15:00 Uhr
Stadion am Bad, Markranstädt
Zuschauer: 439
Schiedsrichter: Stefan Herder


Tore

Die Bilanz

 ZahlSUNTore
Alle Spiele651015:5
Heimspiele11002:1
Auswärtsspiele541013:4
Ligaspiele21103:2
Pokal-/Relegationsspiele440012:3

Der Ergebnisrückblick

1997/1998Sachsenpokal1. RundeSSV Markranstädt - Chemnitzer FC0:2 (0:1)
2002/2003SachsenpokalAchtelfinaleSSV Markranstädt - Chemnitzer FC1:5 (0:1)
2007/2008Oberliga Nordost-Süd3. SpieltagChemnitzer FC - SSV Markranstädt2:1 (0:0)
2007/2008Oberliga Nordost-Süd18. SpieltagSSV Markranstädt - Chemnitzer FC1:1 (0:1)
2010/2011SachsenpokalHalbfinaleSSV Markranstädt - Chemnitzer FC1:3 (1:1)
2013/2014SachsenpokalViertelfinaleSSV Markranstädt - Chemnitzer FC1:2 n.V.