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  Weshalb es für Samstach gut aussieht...
 15.03.2002   Ritter Runkel
Zum Spiel Eintracht Braunschweig - Chemnitzer FC (2:0)
Liebe Freunde der Münchener Biergartenkultur,

Diesmal bin ich aber reichlich spät dran. Das lag natürlich wie alles andere auch am Wetter. Hier in Nordwestösterreich scheint der Lorenz seit Tagen ohne Unterlaß, was mich zu diversen spontanten Biergartenbesuchen inspirierte. Nach dem 6. Eimer Augustiner Hell ist mir ein Englein mit himmelblauem Gefieder erschienen, nach der 8. Maß saß die 67er Meisterelf mit an meinem Tisch, und nach dem 11. Schoppen wurde ich von Jürgen Bähringer höchstpersönlich bedient. Ihr könnt Euch vorstellen, daß ich angesichts solcher Genüsse keinerlei Lust auf Kolumne hatte. In der darauffolgenden Nacht träumte ich vom 1:0-Sieg der Himmelblauen im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern, wobei sich CFC-Stürmer Marco van Basten gekonnt gegen Bayern-Abwehrchef Harald Mothes durchsetzte und natürlich ein Traumtor erzielte. Dann war das Spiel... also der Traum aus, und ich bekam Besuch vom kleinen Clubsurfer-Männlein mit dem Hammer, und das hat mich weich- und wachgeklopft. ~gähn~

13.03.1955: SC Turbine Erfurt vs BSG Chemie Karl-Marx-Stadt 5:0

18.03.1956: ASK Rückwärts Berlin vs SC Motor Karl-Marx-Stadt 4:0

17.03.1957: ASK Rückwärts Berlin vs SC Motor Karl-Marx-Stadt 1:0

17.03.1963: SC Turbine Erfurt vs SC Motor Karl-Marx-Stadt 0:2

20.03.1965: SC Dynamo Berlin vs SC Karl-Marx-Stadt 3:1

12.03.1966: FC Hansa Rostock vs FC Karl-Marx-Stadt 2:2

16.03.1968: BSG Lokomotive Stendal vs FC Karl-Marx-Stadt 1:1

19.03.1969: FC Vorwärts Berlin vs FC Karl-Marx-Stadt 5:1

14.03.1970: BSG Stahl Riesa vs FC Karl-Marx-Stadt 3:0

18.03.1972: BFC Dynamo vs FC Karl-Marx-Stadt 2:0

16.03.1974: BSG Chemie Leipzig vs FC Karl-Marx-Stadt 2:2

19.03.1977: 1.FC Lokomotive Leipzig vs FC Karl-Marx-Stadt 4:1

18.03.1978: BSG Chemie Böhlen vs FC Karl-Marx-Stadt 2:2

15.03.1980: BSG Sachsenring Zwickau vs FC Karl-Marx-Stadt 2:0

20.03.1982: FC Hansa Rostock vs FC Karl-Marx-Stadt 3:1

19.03.1983: 1.FC Union Berlin vs FC Karl-Marx-Stadt 0:0

17.03.1984: BSG Wismut Aue vs FC Karl-Marx-Stadt 2:0

16.03.1985: BSG Stahl Brandenburg vs FC Karl-Marx-Stadt 2:0

14.03.1987: FC Rückwärts Frankfurt vs FC Karl-Marx-Stadt 1:1

12.03.1988: BSG Stahl Riesa vs FC Karl-Marx-Stadt 1:2

17.03.1990: FC Carlheinz Jena vs FC Karl-Marx-Stadt 1:1

16.03.1991: FC Energie Cottbus vs Chemnitzer FC 0:2

20.03.1993: FC Carlheinz Jena vs Chemnitzer FC 0:0

19.03.1994: Hertha BSC Berlin vs Chemnitzer FC 1:2

15.03.1997: Eisenhüttenstädter FC Stahl vs Chemnitzer FC 1:1

18.03.2001: FC St. Pauli 1910 vs Chemnitzer FC 3:0

26 Spiele. Kein anderes Team mußte so oft auswärts ran. Und jetzt schon wieder. Das ist unsportlich! Meine Anwälte formulieren gerade eine Petition an die UNO. Den Schuldigen für diese Ungerechtigkeit suchen wir noch. Leonid Breschnew? Da deutet einiges drauf hin. Erich Mielke? Worum hat der sich eigentlich nicht gekümmert? Oder doch Wilfried Mohren...? Wann wird man je verstehn?

Aus den Ergebnissen schimmert ja einiges an Rot hervor. Aber es gibt wieder einige Streichresultate, und zwar genau 7 Stück (für die, die sich später zugeschaltet haben: Spiele gegen Rückwärts Frankfurt, den BFC und aus der Seuchensaison fliegen raus). 19 Spiele mit ganzen 4 Jubelarien, 8 Unentschieden und 7 Niederlagen. Das macht auf den ersten Blick nicht sehr viel Hoffnung.

Aber schon bei der Analyse der ersten Niederlage erlebt man eine Überraschung. In Erfurt wurde absichtlich verloren, denn das verhalf den Turbinisten (?) zum DDR-Meistertitel. Und zwar mit einem Punkt Vorsprung vor dem Schacht!!! Da hammer's ja wieder. Für die Himmelblauen ging's eh nur noch um die Goldene Ananas, denn mit den Abstiegsrängen hatte man kein bißchen Kontakt, und nach oben ging auch nicht mehr viel. Warum also dem Schacht nicht eins auswischen? Ob wir in Erfurt bei richtiger Einstellung gewonnen hätten, weiß ich nicht, aber zur statistischen Verwertung taugt das Match mit Sicherheit nicht, also nehmen wir's raus. (Übrigens bin ich im richtigen Leben mit dem Neffen des damaligen Erfurter Meistertrainers Hans Carl eng befreundet. Ich werde ihn mal bitten herauszufinden, ob wir in dem besagten Spiel einen Torwart aufgestellt haben.)

Bei der Niederlage in Riesa nahmen die Stahlwerker Revanche für den himmelblauen Hinspielsieg (ebenfalls 3:0). Dachten alle. Aber in Riesa schonte der FCK sämtliche Kraftreserven für das Spiel eine Woche später: da wurde dann der BFC auf der Fischerwiese mit einem auch in dieser Höhe jederzeit verdienten 1:0-Erfolg zurück in die Prenzelberger Cantianstraße geschickt. Nun würde ich nicht sagen, daß wir absichtlich verloren hätten, aber es wurde zumindest mit halber Kraft (höchstens!) gespielt, also wollen wir das mal nicht (überbe)werten.

Die Geschehnisse des Jahres 1977 kennen die Stammleser mittlerweile. Der Club mußte auf Weisung von oben alle Auswärtsspiele der Rückrunde verlieren. So auch in Prostheißa. Das kann man nicht werten.

So schnell hat man eine ausgeglichene Bilanz.

1980 wurde in Zwickau verloren. In der Saison 1979/80 konzentrierte sich der Club ganz auf seine Heimspiele. Auswärtsspiele konnte man trainingsmethodisch nicht abhandeln. Der Grund dafür war Zeitmangel, denn drei wichtige Stützen - Joachim "Maradona" Müller, Frank "Kopfballungeheuer" Uhlig und Jürgen "Eisenfuß" Bähringer - mußten Russisch lernen, denn sie waren auserkoren, im Sommer des gleichen Jahres in Moskau die olympische Silbermedaille zu erbeuten. Entsprechend mau mußte die FCK-Auswärtsbilanz aussehen: In der Hinrunde war man nur im Schacht motiviert (2:2) - alle anderen Spiele wurden verloren. Auch in der Rückrunde wurden die Auswärtsspiele komplett verloren, und erst am letzten Spieltag punktete man: 0:0 bei den Leipziger Chemikern. Die waren schon abgestiegen, der FCK konnte aufgrund seiner guten Heimbilanz nicht mehr absteigen - also blieben alle in der Kabine, tranken Brüderschaft, und die Schieris kickten ein bißchen (ohne das Tor zu treffen, also 0:0). Ja, so war das damals. Wäre diese blöde Olympiade nicht gewesen, hätte der Club in Zwickau einen Punkt holen können. Oder gar gewinnen. Tscha, das ist alles Spekulation. Aber wer würde mir nach diesen Ausführungen nicht zustimmen, daß dieses Spiel zur statistischen Auswertung denkbar ungeeignet ist.

Zum 1:3 in Rostock fällt mir zunächst nichts ein. Auch das Hinspiel auf der Fischerwiese ging 2:4 für die Fischköppe aus. Und eigentlich ist DAS auch der Beweis dafür, daß irgendwas nicht mit rechten Dingen zuging. Als Fischerwiesen-Dauergast der 80er Jahre weiß ich zu berichten, daß Hansa ein gern gesehener Gast war. Hier die entsprechende Bilanz: 1980/81 2:0; 1981/82 2:4; 1982/83 4:1; 1983/84 2:1; 1984/85 5:1; 1985/86 1:0; 1986/87 Hansa nicht in der Oberliga; 1987/88 1:1; 1988/89 1:0; 1989/90 1:0. Statistisch gesehen ist das 2:4 ein Ausreißer. Kein typischer Vertreter also. Einerseits. Andererseits mag dieses 2:4 den Recken um Frank Eitemüller & Co. so sehr zugesetzt haben, daß sie sich beim Rückspiel noch nicht erholt hatten. Ursache und Wirkung sozusagen. Nun war ja das Hinspiel gegen Braunschweig alles andere als ein Trauma. Parallelen kann ich hier also keine erkennen und schlage eine Nichtbewertung vor.

Eine weitere Niederlage gab's im Schacht, und die ist durch nichts schönzureden. Wenn wir dort nicht verloren, sondern gewonnen hätten, wären wir am Ende punktgleich mit Platz 5 gewesen. Und da die dynamischen Dresdner als Meisterschaftszweiter die dynamischen Berliner im Pokalfinale 2:1 schlugen, bedeutete Platz 5 damals UEFA-Cup!!! Hätte, wenn und wäre... ich ärgere mich heute noch.

Bliebe noch die Abfuhr in Brandenburg. Ich habe gerade mal nachgesehen: außer uns, Riesa und den beiden Absteigern (Suhl, Chemie L) ist niemand ohne Punkte aus Brandenburg wiedergekommen. Schande! Aber auch dafür gab es eine glasklare Ursache: Der FCK führte in Zusammenarbeit mit der DHfK in Leipzig einen sportwissenschaftlichen Versuch durch. Die Fragestellung lautete: wie schafft man eine maximale Niederlagenserie ohne abzusteigen? Wenn der FCK nicht beim 5:1-Sieg in Suhl gestolpert wäre, hätte man einen Rekord für die Ewigkeit gehabt. Man male sich das aus: das himmelblaue Team auf Seite 1 der "New York Times", des "Figaro" und "The Observer"... wäre bloß dieses blöde 5:1 nicht gewesen... Hier die Serie ab dem 17. Spieltag der Saison 1984/85: 0:1 gegen Erfurt, 0:2 in Brandenburg, 0:2 gegen Lok, 2:4 in Rostock, 1:2 in Dresden, 2:5 gegen den BFC, 5:1 in Suhl (Mist!), 0:1 gegen Frankfurt, 2:4 in Jena. Das Spiel in Brandenburg war also Teil einer gewagten Strategie, die leider nicht ganz aufging, aber von solcherart Experimenten sind wir im Moment weit entfernt, weshalb auch dieses Resultat in der Streichliste einen Platz findet. Und jetzt fehlt Euch natürlich noch die Antwort auf die Frage, die Euch schlaflose Nächte bereitet hätte: ja, der FCK hätte auch in Suhl verlieren können ohne abzusteigen.

Von den 7 Niederlagen hätten wir also 6 eliminiert. Die im Schacht muß leider bleiben. Als Mahnung für alle zukünftigen Generationen. Schlußendlich stehen 4 Siege, 8 Unentschieden und eine Niederlage zu Buche. Um die Unentschieden habe ich mich heute mal weniger gekümmert, denn realistisch gesehen wäre ein Unentschieden in Braunschweig kein schlechtes Ergebnis. Wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen!

Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit für einen himmelblauen Sieg bei 31%, für ein Remis bei 61% und für eine Pleite bei mageren 8%. Oder anders gesagt: der CFC wird mit 92%iger Sicherheit nicht verlieren. Ein Restrisiko bleibt, aber das ist kleiner als die Unfallgefahr beim Autofahren. Es gibt also keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Zumal die separate Auswärtsbilanz als Chemnitzer FC mit 2 Siegen und 2 Unentschieden ausgesprochen positiv ist. Wobei noch dazukommt, daß die beiden Siege ausgerechnet gegen Truppen eingefahren wurden, die heute 1. Bundesliga spielen und ziemlich heimstark sind.

Auf geht's. Zeigt den Eintracht-Fans, daß ein Name Programm sein kann: bringt die Braunschweiger mit vielen himmelblauen Toren zum Schweigen.

Und nächste Woche rasselt's dann auf der Fischerwiese, denn es kommt

Ritter Runkel.
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