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  Weshalb es für Samstach gut aussieht...
 06.03.2002   Ritter Runkel
Zum Spiel Chemnitzer FC - Holstein Kiel (1:1)
Liebe Freunde der krümelfreien Brotsuppe,

Holzbein Kiel, also die Fischköppe, kommen auf die Fischerwiese. Und was macht der Fischer auf seiner Wiese mit den Fischen? Ausnehmen, tät ich sagen. Schuppen runter. Filetieren. Und so weiter. Eigentlich ist das auch die Erklärung für das magere 1:1 der Lübecker gegen die Kieler gestern: Fischköppe unter sich - wer wird sich da schon groß weh tun... Also heißt es am Samstag, das Netz auszulegen und fette Beute zu machen. Doch zuvor müssen eventuelle Löcher im Netz geflickt (geknüpft?) werden, und da hat man unsererseits in der Historie schon ab und zu mal geschusselt.

11.03.1956: SC Motor Karl-Marx-Stadt vs SC Empor Rostock 0:0

10.03.1963: SC Motor Karl-Marx-Stadt vs SC Wismut Karl-Marx-Stadt 2:2

13.03.1965: SC Karl-Marx-Stadt vs SC Aufbau Magdeburg 2:1

05.03.1966: FC Karl-Marx-Stadt vs BFC Dynamo 0:0

11.03.1972: FC Karl-Marx-Stadt vs SG Dynamo Dresden 1:5

09.03.1974: FC Karl-Marx-Stadt vs FC Carlheinz Jena 2:2

13.03.1976: FC Karl-Marx-Stadt vs BSG Sachsenring Zwickau 5:2

12.03.1977: FC Karl-Marx-Stadt vs FC Hansa Rostock 3:0

08.03.1980: FC Karl-Marx-Stadt vs FC Carlheinz Jena 0:0

13.03.1982: FC Karl-Marx-Stadt vs FC Carlheinz Jena 2:2

12.03.1983: FC Karl-Marx-Stadt vs FC Hansa Rostock 4:1

10.03.1984: FC Karl-Marx-Stadt vs 1.FC Lokomotive Leipzig 1:1

09.03.1985: FC Karl-Marx-Stadt vs FC Rot-Weiß Erfurt 0:1

09.03.1991: Chemnitzer FC vs FC Rot-Weiß Erfurt 2:0

06.03.1992: Chemnitzer FC vs SV Hannover 1896 0:1

13.03.1992: Chemnitzer FC vs FC Remscheid 2:0

12.03.1994: Chemnitzer FC vs SC Fortuna Köln 1:0

08.03.1997: Chemnitzer FC vs FC Rot-Weiß Erfurt 2:0

06.03.1999: Chemnitzer FC vs FC Erzgebirge A** 2:0

11.03.2001: Chemnitzer FC vs TSV Alemannia Aachen 2:3

Wieso hab ich mir eigentlich diesen Betrachtungszeitraum von plusminus vier Tagen auferlegt? Dadurch fällt glatt das grandiose 1:0 am 04.03.1967 (Meisterschaftsjahr!) gegen den Schacht aus der Wertung. Schade! Aber so stehen erstmal 20 Spiele mit 9 Siegen, 7 Unentschieden und 4 Niederlagen da. Aber es gibt bekanntlich diverse Bereinigungskriterien, aufgrund derer das BFC-Spiel und das Aachen-Spiel aus der Wertung fallen, wobei gerade letzteres eines der besseren Heimspiele der Seuchensaison gewesen ist.

Zunächst muß das 0:0 gegen Empor Rostock untersucht werden. 1955 wurde eine sogenannte Übergangsrunde gespielt, bei der nur eine Halbserie ausgetragen wurde. Die BSG Chemie Karl-Marx-Stadt fand leider nicht die richtige Mischung und belegte am Ende der Runde im Dezember 1955 den letzten Platz mit 6 Punkten aus 13 Spielen ("Meister" war der Schacht). Glücklicherweise gab es in dieser Runde keine Absteiger. Ab 1956 (bis einschließlich 1960) startete die Meisterschaft im Frühjahr und war im Herbst zu Ende. Mithin war das Spiel gegen Empor Rostock der Meisterschaftsauftakt. Dazu muß man wissen, daß die Rostocker als frischgebackender Vizemeister auf die FiWi kamen. Da unsere Mannschaft in Chemie nix gut war, dafür aber wußte, wie man im Sachsenring F8 die Vergaserinnenbeleuchtung repariert, benannte man sich spontan um: aus der BSG Chemie wurde der SC Motor. Ein cleveres Täuschungsmanöver zum Saisonauftakt war Grund für den souveränen Klassenerhalt (9. bei 14 Teams): Empor Rostock wurde nicht gerade überrannt, und das 0:0 war geradezu konsequent. Fortan wähnten sich die Rostocker in Sicherheit, wurden am Ende der Saison Letzter und stiegen ab. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn wir denen 4 Stück eingeschenkt hätten. Dann wären wir überheblich geworden und am Ende anstelle der Rostocker abgestiegen. Aber so... Plan erfüllt. Da auch ein Sieg nicht ohne eine präzise Planung erreicht werden kann, kann man hier durchaus Parallelen ziehen. Also würde ich mal ganz spontan sagen... gewonnen.

Das Jahr 1963 sah uns als Aufsteiger gegen scheinbar übermächtige Gegner kämpfen. Und so hat auch dieses 0:0 gegen den SC Wismut Karl-Marx-Stadt (kurz: Schacht) eine Vorgeschichte. In der Saison 1961/62 (wir spielten gerade total ungerechtfertigt in der 2. Liga) wurden 39 Spieltage ausgetragen! Das war die Korrekturmaßnahme, um wieder aus den Kalenderjahrsaisons zum heutigen Herbst/Frühjahr-Rhythmus zurückzukehren. Am Ende dieser Mammutsaison wurden den Schachtis 2 Pluspunkte abgezogen. Grund: Sie konnten nicht lesen. Analphabeten in der höchsten Spielklasse. Als Aufsteiger bewiesen die himmelblauen Kicker eine vorbildliche Auffassung von Solidarität und Selbstlosigkeit und brachten den Aboriginees aus dem Erzgebirge das Lesen bei. Leider ging dabei die Konzentration aufs Sportliche leicht flöten, was sich in mangelhaften Ergebnissen niederschlug. Am Ende reichte es dann mit Ach und Krach zum 12. Platz, wobei man nur einen hauchdünnen Punkt Vorsprung vor dem Absteiger Dynamo Dresden hatte. Aber die Lernpatenschaft mit der Wismut-Truppe trug Früchte: bei der Heimkehr ins Lößnitztal konnten die Violetten plötzlich ihr Ortsschild entziffern und traten ab der nächsten Saison unter der Bezeichnung "BSG Wismut Aue" an. Damit war die Weste Karl-Marx-Stadts wieder reingewaschen. Leider ist diese Geschichte nur wenig bekannt, aber sie ist wahr. Zur Belohnung sollten wir aus diesem Unentschieden einen Sieg herleiten.

Im März 1971 wurden auf der Fischerwiese Schellen ausgeteilt. Ein 1:5 ist schon bitter. Der Aufsteiger aus Kalle Malle empfängt den Meister aus Dresden. Das mußte schiefgehen. Wir wollen ja eine aussagekräftige Voraussage für kommenden Samstag, und da ist es weiß Gott nicht so, daß der Aufsteiger Chemnitz gegen den Meister Kiel spielt. Warum also auf Krampf Parallelen suchen, wo es keine gibt? Eben.

Und spätestens jetzt muß man die Frage stellen, ob Ergebnisse, die gegen übermächtige Gegner erzielt wurden, überhaupt relevant sind, denn die Vorzeichen für das Kiel-Spiel (toller Reim!) sind doch völlig anders. Die Unentschieden gegen Carlheinz Jena (1974, 1980, 1982) und Lok (1984) und die Niederlage gegen Erfurt (1985) sind insofern nicht besonders aussagekräftig, weil die genannten Mannschaften am Ende samt und sonders vor uns plaziert waren (lt. neuer Rechtschreibung übrigens "platziert" - das aber nur am Rande). Kiel wird aber am Ende dieser Saison mit 99%er Sicherheit nicht vor uns stehen. Nun bin ich immer schnell im Streichen und Umbiegen von Ergebnissen, sobald was Anrüchiges dran ist, aber heute scheint die Sonne, und mein Windows ist auch noch nicht abgestürzt. Also lassen wir's mal so stehen. Ihr kennt ja jetzt den Kontext.

Bleibt eigentlich eine Erklärung der 92er Niederlage gegen Hannover, denn die waren in der Abschulztabelle hinter uns. Am besten läßt sich dieser Ausrutscher erklären, wenn man einmal die gewerteten Ergebnisse unter die Lupe nimmt, die die Mannschaft als "Chemnitzer FC" erzielte. Alles gewonnen, und zwar zu Null. Die Ausnahme Hannover bestätigt sozusagen die Regel :-) ... oder auch: Eins ist keins - soll heißen: statistisch nicht verwertbar.

Und das ist auch die Quintessenz meiner Ausführungen: wenn wir das Hannover-Spiel mal außen vor lassen, haben wir Anfang März gegen vermeintlich leichte Gegner immer gut bis sehr gut ausgesehen, während wir uns gegen übermächtige Brocken zumeist achtbar geschlagen haben. Die bereinigte Gesamtstatistik lautet: 11 Siege, 4 Remis, 1 Pleite - also nicht übel, aber fleckig; die bereinigte Bilanz als "Chemnitzer FC" ist dagegen top: 5 Spiele, 5 Siege, kein Gegentor. Deshalb tippe ich für Samstag auf einen Sieg mit 2 Toren Differenz. Ein 2:0. Im MDR-Tipspiel habe ich den Bronzerang im Clubsurfer-Team in Reichweite - also zweimal netzzappeln auf der richtigen Seite bitte.

17 mal werden wir noch wach - heißa, dann ist Derby-Tach.

Ritter Runkel.
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