Kommentar

28.04.2020
Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Am Montag kamen die Vertreter der Drittligavereine virtuell zusammen. Diskutiert wurde die zentrale Frage, wie es in der 3. Liga weitergehen soll. Fortsetzung oder Saisonabbruch? Um ein "Meinungsbild" zu erhalten, wurde dazu auch unter den Vereinen abgestimmt.

Als abends die Info über den Ausgang via Ticker kam, bestätigte sich das Bild einer äußerst knappen Entscheidung. 10 Vereine waren für eine Saisonfortsetzung, 8 dagegen und 2 enthielten sich. Bei näherem Hinsehen gab es plötzlich die Überraschung: Der Chemnitzer FC hatte für die Saisonfortsetzung gestimmt und damit als Zünglein an der Waage agiert. Das für sich wäre kein Aufreger, denn in der Sache hat sowohl die Pro- als auch die Contra-Fraktion durchaus triftige Argumente für ihre jeweilige Position.

Pikant wird diese Entscheidung erst dadurch, dass der CFC 10 Tage zuvor, zusammen mit sieben anderen Vereinen, ein Positionspapier veröffentlicht hat, in dem man sich ganz klar für einen Saisonabbruch aussprach. So heißt es u.a., dass die unterzeichnenden Vereine die "Verwurzelung des Fussballs nicht aufs Spiel setzen" wollen, dass angesichts der gesellschaftlichen Einschränkungen der Fussball keine "Sonderrolle für sich beanspruchen darf" und dass "Gesundheit über allem" stehen müsse. Geisterspiele hätten zudem "finanziell erhebliche negative Auswirkungen" für die Vereine.
Sieben der acht Unterzeichner sahen das am Montagabend auch noch so.

Und so darf man sich schon fragen, warum die Verantwortlichen beim CFC am Montag eine 180-Grad-Wendung vollzogen haben. War es das Geld, was in Aussicht gestellt wurde? Hatte das "Gesundheitskonzept des DFB" wirklich so überzeugt? Oder war vielleicht doch ein Anruf aus Düsseldorf der Auslöser?
Darüber kann nur spekuliert werden, denn eine glaubwürdige und argumentativ nachvollziehbare Begründung für seine Entscheidung ließ der CFC zumindest über seine offiziellen Kanäle bislang vermissen.

Fakt ist jedenfalls, dass die Glaubwürdigkeit der CFC-Verantwortlichen durch die plötzliche Kehrtwende extrem gelitten hat. Wie kann man zukünftig noch Aussagen der CFC-Führung ernst nehmen, wenn man gesehen hat, dass sie im aktuellen Fall das (Positions-)papier nicht wert waren, auf dem sie gedruckt waren?
So bleibt der Eindruck von einem himmelblauen Fähnchen im Wind, was sich beliebig dreht. Vor allem wenn der Wind aus Düsseldorf kommt.

Euer Charlie S.