Hans Meyer: "Erstmal musste ich den Bähringer entsorgen!"

15.03.2013, 14:24 Uhr | 1791 Aufrufe
Nicht nur für die erste Elf des CFC stand am Dienstagabend ein Nachholer auf dem Programm. Auch beim CFC-Stammtisch stand ein Nachholetermin an - und zwar mit Trainerlegende Hans Meyer! Der Europapokal-Coach des FC Karl-Marx-Stadt hatte zum 200. Stammtisch im November absagen müssen und hatte versprochen, 2013 nach Chemnitz zu kommen. Beinahe wäre auch dieser Termin geplatzt, denn Meyer stand wegen des Winterwetters auf der Autobahn gen Sachsen im Stau. Aber der Trainerfuchs wusste sich zu helfen - in Hof gings zum Bahnhof und mit dem Zug weiter nach Chemnitz, so dass der illustre Gast 18.01 Uhr nur noch vom Hauptbahnhof zum Stammtisch abgeholt werden musste.

CFC-Stammtisch mit Hans Meyer Ebenfalls anwesend war sein damaliger "Co", Christoph Franke, und der himmelblaue Torschütze zum 1:0 im Stadio Comunale - Lutz Wienhold. Meyer sollte dieser Abend allein durch seine Wortspiele und Sprüche fast allein gehören. Gleich zu Beginn wurde mit der wohl bekanntesten Legende zu Meyer aufgeräumt - dass er als Rentner Rosen züchten wolle. Dies hätte er als 48-jähriger einem DDR-Reporter flapsig geantwortet, weil er sich über diese Frage wunderte und ärgerte. Seitdem hängt ihm dieser Ruf als Hobbyzüchter an. Vor drei Jahren hätte er einem Reporter geantwortet, er würde jetzt Goldmünzen sammeln, in Wahrheit würde er keine einzige besitzen. Meyer meinte verschmitzt, dass man nicht alles aus seinem Mund immer gleich glauben sollte - und warf damit auch eine feine Schlinge um den weiteren Gesprächsabend.

Gleich das nächste Thema sorgte dann schon für offene Münder. Als Hans Meyer 1988 als Nachfolger von Heinz Werner zum FC Karl-Marx-Stadt kam, hätte er erst einmal "diesen Bähringer entsorgen müssen". Der alternde Haudegen hatte einen Kultstatus erreicht, wo er seine Trainingspläne selbst erstellte. Meyer wollte aber junge, frische, hungrige Leute, mit denen er die Oberliga aufmischen konnte. Daher wäre, bei allen Respekt vor seiner Lebensleistung, für Bähringer kein Platz mehr gewesen. So zumindest Meyer. Wer in diesen Zeiten schon zum FCK gegangen ist und ein bisschen Einblick hatte, hätte an dieser Stelle einwerfen können, dass "Bähre" bereits im Sommer 1987 überredet worden war, noch ein Jährchen ranzuhängen. Die Signale für den Publikumsheld mit 'Schüssen wie Kanonenschlägen' (Buch "100 Jahre Chemnitzer Fussball") standen also sowieso auf Rot.

Lustige Begebenheiten bekamen die über hundert Zuhörer auch zu den EC-Spielen des FCK zu hören. So nahm Meyer das Ausscheiden gegen Juventus Turin auf seine Kappe, weil er in Italien den falschen Verein beobachtet hätte. Nachdem das Hammerlos für den FCK gezogen war, ist er damals mit seinem Vierzylinder-Wartburg ins italienische Udinese gefahren, um die Starelf aus Turin bei ihrem dortigen Gastspiel zu beobachten. Sehr genau hätte er auf die Kicker in den schwarz-weiß gestreiften Trikots geschaut, bis ihm - sehr viel später - auffiel, dass der Gastgeber Udinese in diesen Shirts steckte und Turin in knalligen Gelb auf dem Rasen agierte. Großes Staunen im Erdenglück. Allerdings erinnerte sich auch mancher Zuhörer an Meyers erste Worte des Abends - Stichwort Rosenzüchter...

CFC-Stammtisch mit Hans MeyerMeyer erzählte lebendig aus seiner langen Laufbahn als jüngster Trainer der DDR-Oberliga; wie er sensationell im EC mit Carl-Zeiss 4:0 gegen den AS Rom (Hinspiel 0:3) gewann; wie er Dirk Barsikow über die Zustimmung seiner Frau nach Karl-Marx-Stadt lockte; von seiner Vermittlung durch Freiburg-Coach Volker Finke nach Enschede ohne ein Wort Holländisch zu können ("brauchste nicht, die können als alte Schmuggler dort alle Deutsch"); und von seiner jetzigen Wahlheimat Nürnberg mit dem von ihm ebenfalls trainierten 1. FCN. Die Einladung zum Stammtisch hätte ihn sehr gefreut und er wäre gern nach Chemnitz gekommen, weil er hier mit seiner jungen und ehrgeizigen Elf sehr schöne Erfolge gefeiert hätte. Die Häuser in der Stadt hätten ihm zwar nicht so zugesagt, schmunzelte Meyer, aber die Herzlichkeit und Wärme der Menschen hätte er ausgesprochen geschätzt.

Den damaligen Rauswurf beim Club im Jahr 1993 konnte er nicht ganz verstehen, nach seiner Meinung war der CFC in der 2. Bundesliga gut aufgestellt. Bei anderen Verabschiedungen - wie zum Beispiel nach über zehn Jahren in Jena - hätte er sich manchmal schon gefragt, wie lange "die noch mit mir aushalten wollen." Auch zum Chemnitzer Idol Rico Steinmann plauderte das aktuelle Präsidiumsmitglied von Borussia Mönchengladbach aus dem Nähkästchen. Der hoch gehandelte DDR-Nationalspieler war das letzte große Talent, was es in den neuen Bundesländern noch zu holen gab, und entsprechend hoch wurden die gebotenen Summen. Am Ende wechselte Steinmann 1991 für die höchste Summe, die für ein DDR-Talent an Ablöse gezahlt wurde, in die 1. Bundesliga. Allerdings zum 1. FC Köln, und nicht, wie ihm Meyer persönlich geraten hatte, zum ebenfalls interessierten SV Werder Bremen. Ob Steinmanns Talent in Köln eher vergeudet wurde, ließ der diplomatische Meyer offen. Ein wenig zugeknöpft zeigte sich der geborene Sudete auch bei der Frage nach der letzten Saison der DDR-Oberliga, als der FCK als Meisterfavorit und zukünftiger Bundesligist gehandelt wurde. Nach dem Vizemeister-Titel 1989-90 wäre es laut Meyer nach den vielen Schulterklopfern schwer gewesen, eine ähnlich furiose Saison zu bewerkstelligen.

Die letzte Frage des Abends zielte ebenfalls auf einen von Hans Meyer geäußerten Spruch ab. Der 70-jährige hatte einmal verkündet, wenn er alt und reich wäre, käme er nach Chemnitz zurück, um Präsident zu werden. Meyer lachte, lobte den derzeitigen Chef Dr. Hänel, erinnerte an seine Worte zur Ernsthaftigkeit seiner Aussagen und schob dann schmunzelnd nach, dass er damals, als er das gesagt hätte, noch gar nicht gewusst hätte, dass man als Präsident -so- viel Geld mitbringen muss.

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