Torloser Abschied von der alten Fischerwiese

15.01.2014, 21:19 Uhr | 2006 Aufrufe
„Drei - Zwei - Eins - Licht aus“ und damit war die alte Fischerwiese, wie wir sie über Jahre und Jahrzehnte kannten, Geschichte. Nach dem letzten Spiel im Stadion an der Gellertstraße geht der Umbau nun in die Vollen. Am alten Straßenbahndepot nagt bereits der Abrissbagger und in der nächsten Woche erfolgen dann auch die ersten Abrissarbeiten an der Nord- und Südkurve. Auch der letzte Torschütze im alten Stadion ist durch das heutige 0:0 nun in Stein gemeiselt: Es ist Ronny Garbuschewski mit seinem 2:0 in der 72. Minute im Punktspiel gegen den SV 07 Elversberg am 1. Dezember 2013.

Zuvor aber feierten 4.805 Zuschauer noch einmal ihr altes Wohnzimmer beim Freundschaftsspiel gegen den aktuellen Tabellendritten der 2. Liga und viermaligen Deutschen Meister 1. FC Kaiserslautern mit dem ehemaligen CFC-Spieler Chris Löwe in den Reihen. Löwe war aber in Halbzeit eins nur einer von wenigen Spielern des FCK aus der ersten Reihe. So konnten die Himmelblauen auch gleich das Heft des Handels in die Hand nehmen und hatten nach drei Spielminuten die große Chance zu Führung. Doch den Elfmeter als Konsequenz eines Fouls an Benjamin Förster setzte Maik Kegel neben das Tor. In der Folge ging es zwischen den Strafräumen munter und flott hin und her. Chemnitz hatte leicht mehr Spielanteile, konnte aber ebenso wie der Gast kein Kapital aus seinen Tormöglichkeiten Schöpfen.

In der Halbzeitpause ersetzte FCK-Trainer Kosta Runjaic fast die ganze Elf durch nun etwas bekanntere Namen. Trotzdem blieb das Spiel auf Augenhöhe. Und das lag nicht nur am Vorbereitungsrückstand der Lauterer (sie haben ihr erstes Spiel erst zwei Wochen nach Chemnitz‘ Auftakt in Heidenheim) sondern auch an einem gut aufspielenden CFC. Sicher griffen nicht alle Zahnräder makellos ineinander, doch grundsätzlich konnte sich das Dargebotene sehen lassen. Eines haben die Himmelblauen an diesem Abend in jedem Fall ausreichend geübt – die Abseitsfallen. Insbesondere in Halbzeit zwei endeten fast alle Kaiserslauterer Angriffe mit der gehobenen Fahne des Schiedsrichterassistenten. Allerdings war es auch auf der anderen Seite nur wenig anders, Chancen auf den Sieg aber durchaus vorhanden. Zwei Testspielern gab CFC-Trainer Karsten Heine ihre Chance: Jerome Kiesewetter spielt fast über die volle Zeit, bot durchaus gute Ansätze, zeigte aber auch noch Luft zur Verbesserung. Marc Lais (Freiburg II) durfte dann noch in der letzten halben Stunde ran und zeigte ebenso eine gute Leistung.

Reichlich Fußballprominenz säumte die Veranstaltung, so unter anderem ein guter Teil der 67er Meisterelf, Rico Steinmann, Danilo Kunze, Aufstiegstrainer Christoph Franke. Und was wäre so ein Abend ohne Ehrenspielführer und FCK-Legende Jürgen Bähringer?! So schallte es dann nach dem Abpfiff - als er am Mikrofon von Olaf Kadner stand - auch lautstark noch einmal „Bähre, Bähre“ durch sein altes Wohnzimmer, in dem er so manches Tornetz fast zum Reißen brachte und das 4:4 aus dem Jahr 1973 gegen DDR-Meister Dynamo Dresden, als er als Jungspund zwei Tore erzielte und die anderen zwei Treffer vorbereitete, mit als seine emotionalste Erinnerung an das alte Stadion hervorkramte. Dann also Licht aus und noch ein feines Feuerwerk, dass wie Silvester den Abschied von etwas Altem und die Freude auf das Neue symbolisiert. Nun also ran an die Bagger und Betonmischer, damit der Chemnitzer FC bald wieder ein schmuckes Zuhause ohne Bauzaun hat...




Statistik

Chemnitzer FC - 1. FC Kaiserslautern 0:0
Aufstellung CFC: Pentke - Stenzel, Conrad, Bankert, Birk - Garbuschewski (46. Semmer), Hensel (57. Lais), Pusch, Kegel (57. Mauersberger), Kiesewetter (82. Scheffel) - Förster
Aufstellung 1. FCK: Müller (85. Sievers), Alushi (46. Jenssen), Ring (46. Stöger), Gaus (46. Ede), Dick (46. Zimmer), Occéan (46. Idrissou), Fortounis (46. Bunjaku), Löwe (46. Drazan), Heintz (73. Dorow), Orban (46. Schorch), Karl (46. Matmour)
Tore: keine
Schiedsrichter: Unger (Halle)
Zuschauer: 4.805 auf der Fischerwiese, Chemnitz


Anmerkungen zum Drumherum: Vor dem Abschiedsspiel gab es - wegen des erhofften legalen Einsatzes von Pyrotechnik in der Südkurve - einen Zwist zwischen der aktiven Fanszene und dem Verein, der nach der internen Sicherheitsbesprechung zum Spiel (u.a. mit den Behörden der Stadt Chemnitz) das "Zündeln" untersagte. Beide Seiten gaben nacheinander noch einmal längere Erklärungen ab, ein gemeinsamer Nenner wurde nicht gefunden. Die aktive Szene ließ die Südkurve unbeflaggt und verzichtete auf unterstützenden Support. Trotzdem hallte mehrfach ein "F-C-K" über die 80 Jahre alten Ränge und eine letzte La-Ola-Welle lief durch das Rund. Nach dem Ausschalten der Flutlichter stieg hinter der Nordkurve ein professionelles Feuerwerk in den abendlichen Himmel.

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