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CFC-NEWS VOM 29.07.2019, 19:50 Uhr

Erklärung des Notvorstandes zum 9.3. und zur aktuellen Situation

Der vom Amtsgericht Chemnitz eingesetzte Notvorstand des Chemnitzer FC e.V. hat sich heute mit einer ausführlichen Erklärung zu den Vorgängen am 9. März und der aktuellen Situation im Verein zu Wort gemeldet. Dabei gibt es vor allen Dingen zum Ablauf und zur Bewilligung der Trauerbekundung neue, überraschende Erkenntnisse, die die Entlassungen der CFC-Mitarbeiter Peggy Schellenberger, Olaf Kadner, Thomas Uhlig und Maximilian Glös in einem anderen Lichte erscheinen lassen. Auch das bekannte Interview des Insolvenzverwalters Klaus Siemon mit der Freien Presse, wo er an die Zeremonie bei der Bestattung Bin Ladens erinnerte, erscheint nun in einem anderen Kontext.

Stellungnahme des amtierenden Vorstandes des Chemnitzer FC e.V. i. I. zu den Vorgängen im Zusammenhang mit der Trauerbekundung im Stadion an der Gellertstraße am 09.März 2019 und der aktuellen Situation des Vereins.

Dem Vorstand des CFC e.V.i.I. wurde Einsicht in die strafrechtliche Ermittlungsakte gewährt. Danach ist es uns ein Anliegen, zu den Geschehnissen und Abläufen im Zusammenhang mit der Trauerbekundung am 9. März d.J. im Stadion an der Gellertstraße und zur Zukunft des Vereins Stellung zu nehmen.

1. Der Insolvenzverwalter wurde in die Entscheidung über die mögliche Durchführung und den Inhalt der Trauerbekundung bereits am Morgen des Spieltages eingebunden.
2. Der Veranstaltungsleiter hat weder allein noch eigenmächtig gehandelt; er hat den Insolvenzverwalter ebenso wie die Sicherheitsbehörden einbezogen.
3. Der dem Verein entstandene Schaden wird durch die Instrumentalisierung der Ereignisse vom 09.03.2019 weiter vergrößert.
4. Auch die Mitglieder und Fans sind Kapital für die Zukunft des CFC.
5. Dialog und sachliche Begründetheit sind nötig.

zu 1. Der Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC e.V.i.I. wurde entgegen seiner bisherigen Darstellungen in die Entscheidung über die Durchführung und den Inhalt der Trauerbekundung bereits am Morgen des Spieltages eingebunden. In der E-Mail vom 09. März 2019, 23:45 Uhr an den MDR behauptet der Insolvenzverwalter, erst nachträglich „aus dem Bericht des MDR von den Ereignissen im Stadion erfahren“ zu haben. In einem Interview mit dem MDR wenige Tage später, am 13. März 2019, erklärt der Insolvenzverwalter, „die Ereignisse so richtig erst 1, 2 Tage später wahrgenommen“ zu haben. Tatsächlich war er von dem Veranstaltungsleiter der für den Spieltag zuständigen Chemnitzer FC Fußball GmbH, Herrn Uhlig, bereits vor dem Spiel, nämlich am Morgen des 09. März 2019, per Mail und Telefonat unterrichtet worden. Ihm wurde der zur Verlesung vorgesehene Trauertext vorab übersandt, welchen er selbst redaktionell bearbeitet und zurückgeschickt hat.

zu 2. Der Veranstaltungsleiter hat demnach nicht allein und eigenmächtig gehandelt; er bezog – außer den Insolvenzverwalter (siehe Punkt 1) auch die Sicherheitsbehörden mit ein. Wie bereits bekannt, erstellte der Veranstaltungsleiter zudem eine Chat-Gruppe, in der mit dem Sicherheitsbeauftragten, der Fanbeauftragten, den Mitarbeitern der Presseabteilung, dem Marketingverantwortlichen sowie dem Stadionsprecher ein Austausch über diese Thematik stattfand. Dem Chat-Verlauf ist weiter zu entnehmen, dass die Entscheidung über die Durchführung und den Inhalt der Trauerzeremonie nicht von den in dieser Gruppe hinzugezogenen Personen getroffen wurde. So informierte der Veranstaltungsleiter z.B. am Morgen des 09.März 2019 darüber, dass es noch keine Entscheidung gebe. Zudem teilte er den weiteren Chatmitgliedern mit, dass der zu verlesende Text auch mit den behördlichen Instanzen abgestimmt sei.

Vorstand und Aufsichtsrat des eingetragenen Vereins wurden zu keinem Zeitpunkt in diesen Entscheidungsprozess einbezogen.

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen ergeben sich keine Umstände, die eine konkrete Bedrohungslage zum damaligen Zeitpunkt annehmen lassen.

zu 3. Angesichts dieser Tatsachen sind der Umgang des Insolvenzverwalters sowie der handelnden Personen der CFC Fußball GmbH mit den Folgen der Trauerbekundung sowie insbesondere die öffentlichkeitswirksam gezogenen „personellen Konsequenzen“ nicht akzeptabel. Die am 12. März 2019 öffentlich verbreitete Aufforderung an den Vorstandsvorsitzenden, der im gesamten maßgeblichen Zeitraum in Asien war, seine Erkenntnisse zu den Vorgängen in der Kurve am 09. März 2019 mitzuteilen, stellt angesichts der eigenen Kenntnis und der erteilten Genehmigung der Trauerbekundung eine nicht zu rechtfertigende Instrumentalisierung des Geschehens dar.

Sicher ist kritisch anzumerken, dass von den gekündigten/freigestellten Mitarbeiter/-innen das Ausmaß der Problematik nicht erkannt wurde. Das macht sie jedoch weder zu „Rechtsextremen“ oder „Rassisten“ noch zu den für diese öffentliche Trauerbekundung Haupt- oder Alleinverantwortlichen. Als amtierender Vorstand bedauern wir die öffentliche Demontage von und Schuldzuweisung an über viele Jahre für den Verein tätigen Personen. Wir entschuldigen uns ausdrücklich bei Peggy Schellenberger, Maximilian Glös und Olaf Kadner. In diese Entschuldigung beziehen wir auch das vormalige Vorstandsmitglied Thomas Uhlig ein. Natürlich trug er als Veranstaltungsleiter Verantwortung; jedoch ist es keinesfalls gerechtfertigt ihm die alleinige Schuld für die Trauerbekundung und deren Folgen zuzuschreiben.

Thomas Uhlig hatte im Januar 2018 zu einem Zeitpunkt Verantwortung für den Verein übernommen, als sich dieser in einer sowohl wirtschaftlich als auch sportlich äußerst prekären Lage befand. Nach Rücktritten und Absagen bzgl. einer weiteren Vorstandstätigkeit war zu diesem Zeitpunkt ein beschlussfähiger Vorstand nicht mehr existent. Thomas Uhlig hat maßgeblich dazu beigetragen, die desolate finanzielle Situation aufzuarbeiten, die zwingend zur Beantragung der Insolvenz am 10. April 2018 führte. Der Respekt und die Achtung vor denjenigen, die sich für unseren Verein mit viel Engagement und Herzblut jahrelang engagiert haben, verbieten keine sachliche Kritik, sie gebieten jedoch, diese nicht als Projektionsfläche zu missbrauchen und mit ungerechtfertigten Vorwürfen zu diskreditieren.

Die Trauerbekundung vom 09.03.2019 hat dem Chemnitzer Fußball und darüber hinaus auch der Stadt Chemnitz nachhaltig geschadet. Sie hätte so nie stattfinden und genehmigt werden dürfen. Hierbei wird keinesfalls die jedem Menschen zustehenden Pietät in Abrede gestellt. Wir können die Entwicklung des uns nicht persönlich bekannten Verstorbenen nicht einschätzen. Allein die Gefahr des Eindruckes, der Verein mache sich mit nationalsozialistischem oder rassistischem Gedankengut gemein, hätte jedoch zur Verhinderung der Veranstaltung führen müssen.

Umso wichtiger wäre es gewesen, im Nachgang mit allen Beteiligten, denen das Wohl des Vereins ein Anliegen ist, das Gespräch zu suchen, sachlich und selbstkritisch eine Auswertung vorzunehmen, um dann gemeinsam erforderliche und mögliche Maßnahmen zu erörtern und auf den Weg zu bringen. Wenn man es mit den öffentlich propagierten Werten Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ernst meint, und wenn man sich im Rahmen der einem Fußballverein gegebenen begrenzten Möglichkeiten gegen rechtsextreme Strukturen engagieren will, erfordert dies ein Miteinander aller demokratischen Kräfte. Die Instrumentalisierung des Geschehens, um von eigener Verantwortlichkeit abzulenken und gegen unliebsame oder für entbehrlich erachtete Personen vorzugehen, konterkariert jedoch die Werte, die man zuvor für sich in Anspruch genommen hat. Diese Instrumentalisierung schadet zugleich nachhaltig der Bereitschaft zum Engagement für unseren Verein und damit einer positiven Entwicklung.

zu 4. Die Mitglieder des derzeit amtierenden Vorstands vertreten klar eine antirassistische, antifaschistisch, demokratische Grundeinstellung und stehen für die Werte, die das Grundgesetz vermittelt. Sie verteidigen damit auch das Grundrecht der Meinungsfreiheit innerhalb des rechtsstaatlich gegebenen Rahmens. Bereits in der Vergangenheit haben der Aufsichtsrat und der Vorstandsvorsitzende diese Auffassungen zum Ausdruck gebracht und zum Beispiel eindeutig zu den Ereignissen im August 2018 in Chemnitz Stellung bezogen.

Der amtierende Vorstand fordert den Insolvenzverwalter und die CFC Fußball GmbH auf, zu ihrer Verantwortung zu stehen und diese auch im Sinne des Vereins sowie seiner Mitglieder und Fans wahrzunehmen. Hierzu gehört insbesondere, die öffentlichkeitswirksam propagierten Werte selbst vorzuleben. Dazu gehört auch, die weit überwiegende Zahl der Fans und Mitglieder des Vereins nicht als Gegner oder Belastung wahrzunehmen, sondern als Kapital und Kraft für eine positive Entwicklung. Dies wird nach unserer Auffassung nur möglich sein, wenn endlich eine auf Konsens gerichtete Kommunikation zwischen allen Beteiligten stattfindet und eine Abkehr von den permanenten Versuchen erfolgt, die eigenen Überzeugungen und Vorgaben im Wege der Konfrontation und Ausgrenzung durchzusetzen.

Den Investoren in die Chemnitzer FC Fußball GmbH gebührt für ihr Engagement ebenso Dank und Anerkennung wie allen Sponsoren des Vereins in der Vergangenheit. Ein Verein kann und sollte nie einzelnen Personen „gehören“. Unser traditionsreicher Verein hat immer auch von dem ehrenamtlichen Engagement der Fans und Mitglieder gelebt, das vor allem im Bereich des Nachwuchses unerlässlich ist. Sofern tatsächlich der Wille besteht, unseren Verein zu erhalten, erfordert dies eine Einbeziehung der Mitglieder in dem satzungsgemäß vorgegebenen und möglichen Rahmen, die Schaffung und Respektierung gewählter und bestellter Vereinsgremien sowie die Förderung und nicht Beschädigung des ehrenamtlichen Engagements für den Verein.

zu 5. Die gemeinsamen Ziele der „Sanierung“ und „Professionalisierung“ dürfen nicht zur inhaltsleeren Rechtfertigung jeglicher Maßnahmen werden. Erforderlich ist bei allen Schritten eine sachliche Begründetheit. Die durch das Gesetz sowie die Satzung vorgegebene Struktur des Vereins mit einem Vorstand sowie einem Aufsichtsrat und Ehrenrat ist bei einer Vielzahl von Vereinen in Deutschland erfolgreich und arbeitsfähig. Es waren somit nicht diese Strukturen, die den Verein in die Insolvenz führten, sondern die jeweils handelnden Personen und die nicht in dem erforderlichen und möglichen Maß ausgeübte Aufsicht. Wenn uns diese jüngere Vergangenheit etwas lehrt, dann die Einsicht, den Verein nicht ohne Kontrolle den Entscheidungen einzelner Personen zu überlassen, sondern die Gremien weiter zu entwickeln und die den Mitgliedern und vor allem den Kontrollgremien gegebenen Rechte und Pflichten verantwortungsbewusster wahrzunehmen.

Die - im möglichen Rahmen einbezogenen - Mitglieder und Fans werden nach unserer Überzeugung nachvollziehbare Konzepte auch unterstützen und damit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit einer finanziellen Sanierung und Befriedung des Vereins leisten. Der derzeit amtierende Vorstand ist auf dieser Grundlage weiterhin jederzeit bereit, sich in einen Dialog auf Augenhöhe einzubringen und ruft alle Beteiligten hierzu nochmals eindringlich auf.

Chemnitz, den 29.07.2019
Amtierender Vorstand des Chemnitzer FC e.V. i.I.
Annette Neuerburg
Andreas Georgi
Frank Sorge




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29.07.2019, 19:50  Erklärung des Notvorstandes zum 9.3. und zur aktuellen Situation