Es ist noch gar nicht so lange her, da begeisterte der CFC als er im Jubiläumsspiel den Klassenprimus 1. FC Lok mit 3:0 von der Fiwi schoß. Eine knappe Woche später durfte sich Babelsberg eine 5:1-Packung abholen. Jetzt haben wir Mitte März und auf den kurzen Höhenflug folgten drei Niederlagen in Folge, mit etwas Pech gegen Chemie, deutlich gegen Halle und desaströs am Samstag zu Hause gegen die Rot-Weißen aus der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Ein Stück weit Sinnbild für das Auf und Ab bei den Himmelblauen in dieser Spielzeit.

6342 Zuschauer waren bei idealem Frühlingswetter auf die Fiwi gepilgert, darunter auch ein sehr gut gefüllter Gästeblock. Bei den Himmelblauen fehlten die Verletzen Walther, Grimaldi und Bozic, dafür durfte der gegen Chemie vom Platz gestellte Baumgart wieder ran.
Was die Zuschauer in den ersten 45 Minuten zu sehen bekamen war ein Spektakel vom Feinsten, aus himmelblauer Sicht leider ein rabenschwarzes. Keine zwei Minuten waren gespielt, da segelte ein Freistoß der Rot-Weißen in den Strafraum, wo Hajrulla den Ball direkt nahm und den zu weit vorn postierten Adamczyk überraschte. Wie schon in Halle die frühe Führung für den Gegner, mal wieder durch einen Standard. Nur sieben Minuten später gab es einen Freistoß auf der anderen Seite durch Alberico. Müller bugsierte den Ball über die Linie, doch in den Jubel des himmelblauen Anhangs kam der Pfiff. Abseits! Kein Tor!
Statt des Ausgleich folgte die nächste kalte Dusche. Wieder Freistoß für RWE, der im Strafraum verlängert wurde und Falcao auf die Füße fällt. 2:0 nach nur einer Viertelstunde! Und es ging weiter mit den Standards, diesmal auf Seiten des CFC von halblinks. Wieder Alberico, erneut Tobi Müller - diesmal mit dem Kopf! Der Ball war drin, doch die Fahne erneut oben. Kein Tor (23.)! Nach einer halben Stunde verpaßte Ugondu das 3:0 für RWE nach einer Ecke. Nur neun Minuten später lag der Ball wieder im Netz des CFC. Ugondu hatte nach einem schnellen Angriff der Rot-Weißen, wo Bochmann über die Kugel schlug, mit einem satten Schuß ins lange Eck abgeschlossen - doch erneut wurde das Tor wegen Abseits abgepfiffen. Weiter ging die wilde Fahrt, diesmal mit einer schicken Aktion von Marx, dessen Drehschuß aber nur am Pfosten landete (39.). Der direkte Gegenzug endete mit Ball im Kasten von Adamczyk, den der nicht zu haltende Ugondu dorthin bugsiert hatte - doch der RWE-Angreifer stand erneut im Abseits.

Was war das für ein verrücktes Spiel! Was auf Seiten der Rot-Weißen in Halbzeit 1 noch zwei Pointen bereithalten sollte. (Mal wieder) Freistoß für RWE, wieder eine schlampige Verteidigung durch den CFC - am langen Pfosten stand der eingewechselte Claxton frei - 3:0! Und als wäre das alles noch nicht genug, war es Ugondu, der nach zwei Abseitstoren nun regulär für die Rot-Weißen netzte und eine Flanke in den Strafraum zum vierten Tor für Erfurt verwandelte. Dann war erstmal Pause und Zeit das eben Gesehene zu verarbeiten. Acht Treffer, davon zählten vier. Statt 0:4 hätte es auch 2:6 stehen können. Wahnsinn!
In der Pause wurde recherchiert, wann es zuletzt einen solchen Pausenstand im heimischen Stadion gegeben hätte. Die erfahrenen Chronisten wußten es gleich. Am 6. Oktober 2013 hatte der CFC von Preußen Münster eine schon zur Pause feststehende 0:4-Packung kassiert, die damals zum Rücktritt der Trainerlegende Gerd Schädlich führte.
Was macht man bei einem 0:4 zur Pause? Man versucht es mit einem Wechsel und so durften Stockinger und Bochmann in der Kabine bleiben, dafür kamen Damer und Felix Müller. Keine Minute war nach der Pause gespielt, da lag der Ball im Netz von Erfurt. Alberico hatte getroffen oder auch nicht, denn er stand - ihr werdet es euch denken können - im Abseits.
Erfurt schaltete jetzt in den Verwaltungsmodus, so daß die klar entschiedene Partie vor sich hinlief. Beim CFC war nach der ersten Hälfte der Stecker gezogen, auch die Einwechslungen von Biven und der beiden Nachwuchskicker Hempel und Philipp brachten keine neuen Impulse. Nur Marx trat noch zweimal in Erscheinung, als er nach einer Erfurter Flanke per Kopf beinahe den eigenen Keeper düpierte und kurz vor Schluss auf der richtigen Seite, RWE Keeper Otto prüfte. So blieb es am Ende bei der deftigen 0:4-Packung für den CFC.
Fazit: Was will man nach so einer deftigen Pleite groß schreiben? Erfurt war dem CFC in allen Belangen überlegen. Und doch hatte der Club auch seine Momente. Jetzt heißt es schnellstmöglich die Lehren aus der Partie ziehen, sonst setzt es kommende Woche gegen Jena die nächste Pleite.