Pokalausflug in Sachsens Weinberge …
von Timo Görner
… und auch die Museumsstadt des Schöpfers von Winnetou und Old Shatterhand. Der CFC will sich am Sonntag aber auf kein Abenteuer einlassen und die Pflichtaufgabe auf Kunstrasen seriös erledigen. Dem fahrenden himmelblauen Fan-Volk sei gewünscht, dass man sich an der schönen Umgebung ebenso erfreut wie an einer zufriedenstellenden Leistung der eigenen Mannschaft.
Die letzten Jahre unseres Gegners:
Der Radebeuler BC 08 hat, wie der Name es schon verrät, seine Wurzeln in einem wie es vor 1945 hieß "bürgerlichem Verein". Die "08" im Vereinsnamen bezieht sich auf das Jahr 1908 mit der Gründung. Vor der großen Wende im dann geteilten Deutschland war man ausnahmslos regional in Ostsachsen unterwegs. Der Sprung in die Gauliga Sachsen gelang so nie. Zumindest konnte man sich für 6 Jahre mal in der damals zweitklassigen Bezirksliga Dresden-Bautzen behaupten. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und den antifaschistisch-demokratischen Umwälzungen der sowjetischen Besatzungsmacht und neuen Regenten wurde auch hier der Verein aufgelöst und neu formiert. Wie so ziemlich alle mit wie es hieß, "bürgerlichem Charakter". So entstand die "SG Radebeul-Ost". Die neue Landesliga Sachsen wurde die Spielklasse, klare Nr. 1 nach dem Krieg in dieser Region war natürlich die SG Dresden-Friedrichsstadt als inoffizieller Nachfolger unseres vorigen Pokalgegners. 1947 hieß es dann "ALCID Radebeul". Nun stieg die ortsansässige "Chemische Fabrik v. Heyden" als wie es zu DDR-Zeiten ja genannt wurde, "Trägerbetrieb" ein. 1978 erfolgte die Änderung zum "Arzneimittelwerk Radebeul". Logische Umbenennung hier dann zur "BSG Chemie Radebeul" mit den für diesen Namen üblichen Vereinsfarben Grün-Weiß. Höchste Ebene der BSG sollte die Bezirksliga Dresden sein, damals die 3. Liga des DDR-Fußballs hinter der DDR-Liga und DDR-Oberliga. 1987 der Abstieg aus dieser.
Nach dem Untergang der DDR gab es auch hier die gravierenden Veränderungen zurück zu den alten Gegebenheiten. Es entstand die "BSV Chemie Radebeul" mit immerhin 12 Sportarten unter ihrem Schirm. 1998 dann der derzeitige Status nach der Fusion von Chemie mit Planeta Radebeul. Quasi der Werksverein der "Dresdner Schnellpressenfabrik" mit einer Niederlassung in der Stadt als Teil der "Koenig & Bauer AG". Das bedeutendste Unternehmen Radebeuls wie der gesamten Region als wichtigster Betrieb der AG selber. 2017 bis 2024 konnte der RBC in der sechstklassigen Sachsenliga teilnehmen, musste dann als 13. in der 16er Staffel bei 5 Absteigern den Gang in die Landesklasse Nord antreten. In der ersten Saison dort konnte Platz 2 erobert werden, allerdings 14 Punkte hinter Meister SV Lipsia 93 Eutritzsch. Im Vorjahr dann der Wechsel in die Staffel Ost mit Platz 7 fernab von Ambitionen nach oben und Sorgen nach unten. Bemerkenswert bleibt die Historie der Cheftrainer mit bekannten Namen und einer Legende des DDR-Fußballs. So hatte Karsten Petersohn von 2004–2009 das Sagen, langjähriger Spieler der SG Dynamo Dresden und in Bischofswerda. Hans-Jürgen "Dixie" Dörner trat dann 2006 das Amt an nach seinen Stationen beim DFB, Werder Bremen, FSV Zwickau und in Ägypten. Führte das Team 2009 in die Landesliga. 2010 dann Jan Seifert als neuer Coach bis 2013.
Das letzte Spieljahr unseres Gegners:
Wie schon angesprochen wechselte der RBC aus der Nord-Staffel in seine eigentliche Heimat lt. wie es heißen kann "Kompassmodell" in die Ost-Abteilung. So änderten sich die Ziele zu den Auswärtsfahrten, die 2024/2025 vornehmlich in die Leipziger Region u. a. nach Markkleeberg, Liebertwolkwitz, mehrmals Leipzig selber, Zwenkau, Wurzen gingen. Nach dem Vizemeister zuvor reichte es diesmal zu wie erwähnt Platz 7. Der Aufstieg in die 6. Liga blieb dem FSV Neusalza-Spremberg vorbehalten. Der RBC kam dabei etwas schwer in die Saison. In den ersten 4 Spielen kassierte die Mannschaft nach dem 4:1 beim FV Blau-Weiß Zschachwitz 3 Niederlagen mit 4:9 Toren. Dabei 2-mal im eigenen Haus, so mit 0:3 gegen den Hoyerswerdaer FC. Die Schwarz-Grünen damit erstmal im Tabellenkeller. Bis zur Winterpause konnte sich die Mannschaft aber stabilisieren, holte aus weiteren 11 Begegnungen ordentliche 17 Zähler. Vor allem als Heimmannschaft war man erfolgreich, konnte von den 6 Partien auf eigenem Platz 4 siegreich beenden und verlor lediglich gegen den FV Eintracht Niesky (2:3). Es ging fast immer sehr knapp zu, von den 4 vollen Erfolgen fielen 3 mit nur 1 Tor Unterschied zugunsten des RBC aus. Einzig gegen Absteiger NFV Gelb-Weiß Görlitz wurde es mit 2:0 "einigermaßen deutlich". Auswärts hingegen kam weniger heraus. Beim SV Wesenitztal gelang ein 2:1. 3-mal gab es nichts zu holen mit dem 0:4 beim späteren Aufsteiger FSV Neusalza-Spremberg.
Für die Frühjahrsrunde waren die Ambitionen auf einen Spitzenplatz begrenzt. Dafür konnte doch relativ entspannt auf die Abstiegszone geschaut werden. 3 sollten normal runtergehen, auf den ersten solchen waren es 7 Punkte. Damit sollten 12-14 aus den restlichen Begegnungen 2026 reichen. Schon nach dem 20. Spieltag war klar, dass nur noch bei einem enormen Einbruch was anbrennen konnte. Der RBC kam sehr gut rein und lieferte bis gegen Ende der Saison eine starke Frühjahrsrunde. Holte aus den ersten 3 Gastspielen 7 Zähler mit Siegen beim Hoyerswerdaer FC (2:1) und der SG Dresden Striesen (4:2). Zu Hause erfreute der Dreier gegen den FV Blau-Weiß Zschachwitz (2:1). 30 Punkte waren 10 Runden vor dem Ende mehr als in Ordnung für den Klassenerhalt, zumal die Abstiegskandidaten weiter unten nicht gerade fleißig punkteten. 4 Spiele vor Ultimo hatte sich das Team sogar auf 4 vorgearbeitet. Von Runde 22 bis 26 wurde 5-mal in Folge gewonnen. Mit dem Post SV Dresden ein weiterer ehemaliger Pokalgegner 5:0 vom Platz geschickt, der SV Wesenitztal 4:1. Danach war die Luft wohl etwas raus, konnte nur noch 1 Punkt geholt werden. Kein Drama, es reichte für den 7. Platz. Auswärts stellte der RBC die drittbeste Mannschaft, zu Hause waren hingegen 12 besser. 52:48 Tore insgesamt stellten die elftbeste Offensive und drittbeste Defensive. Im Landespokal war Endstation in Runde 2 beim SV Merkur 06 Oelsnitz aus der Landesklasse West mit einem 3:4 n. V. Auch mal Gegner des CFC im Landespokal.
Die sportliche Leitung:
Als Trainer hat der Argentinier Ezequiel Rosendo (41) seit 2024 das Sagen. Zuvor Spieler des Vereins und als Aktiver mit interessanter Historie. 2005 ging es aus seiner Heimat nach Tschechien zum heutigen FK Banik Most, damals SIAD Most. Nach mehreren Stationen in unserem Nachbarland 2015 der Wechsel zum FSV Budissa Bautzen. Dann über Halberstadt und noch mal Bautzen 2018 das Engagement beim BC. Für Bautzen wurden es 66 Spiele in der Regionalliga Nordost bei je 6 Toren und Vorlagen. Für die Radebeuler absolvierte er dann noch 107 Begegnungen. Rosendo besitzt zudem den spanischen Pass.
Das Kollektiv:
Für den Fanpage-Leser wie alle Verantwortlichen auf unserer Seite ein Kader mit unbekannten Namen. 3 kommen dabei aus Venezuela. 1 davon dürfte auch am Sonntag gegen uns das Tor hüten mit Jeremy Quintero (26). Kam 2022 nach Deutschland, schloss sich dem SSV Turbine Dresden in der Dresdner Altstadt an. Danach ging es zum Dresdner SC und Januar 2025 RBC. Dahinter ist Philipp Schreiber (23) die Nr. 2, ein "Eigengewächs".
In der Abwehr gelten Kapitän Theo Haase (23/1), der zweite Venezolaner Yorman Medina (25), Leon Trier (21/4), der Libyer Amjad Amhimmid (23/2), Fernando Lenk (36) und Kurt Stritzke (20) als wichtig. Stritzke kam vor Saisonstart von der II. des VfB Fortuna Chemnitz. Medina war wie Quintero zuvor beim SSV Turbine. Haase spielte bis 2024 bei Stadtrivale und Ex-Oberligist SC Borea. Lenk mit einer ganz interessanten Vergangenheit, von 2011 bis 2013 beim damaligen Viertligisten 1. FC Magdeburg und kam dort auf 38 Einsätze. Zuvor in Cottbus beim FC Energie II, man wird sich erinnern, dass der damalige Sportchef des arg kriselnden FCM von dort kam und mehrere Spieler mitbrachte. Für ihn ging es dann auch wieder zurück und über Bischofswerda zum RBC.
Im Mittelfeld sind Steve Deinhart (21/3), Malte Lauterbach (22), mit Benno Töppel (39) ein weiterer "Oldie" sowie Kevin Kuziel (22/2) und der 3. aus Venezuela Juan Patiño (20) zu nennen. Also auch hier mehrere noch recht junge Aktive. Töppel mit Erfahrung in der Oberliga bei den Stationen Bischofswerda und Bautzen, 19 Tore in 115 Spielen. Auf ihn werden die Trainer aber am Sonntag verzichten müssen. Ex-Verein von Juan Patiño, man ahnt es fast – SSV Turbine. Kevin Kuziel einer der Akteure, die aus dem eigenen Nachwuchs stammen. Zwischendurch anderweitig am Ball in der Stadt für Rotation und Südwest.
Im Angriff dürften am Sonntag Hannes Höher (23/1) und Lasse Schapp (19/2) gute Einsatzchancen haben. Schapp erzielte beim Sieg gegen den SV Merkur Oelsnitz in Runde 2 den Ausgleich, Kuziel sorgte dann in Minute 99 für das umjubelte 2:1. Weiterhin stehen hier als etatmäßige Angreifer der Deutsch-Italiener Daniele Russo (23) und mit Franz Kunze (35) der dritte "alte Hase" bereit. Er wurde 2009 aus der U19 in den Kader der Ersten Mannschaft berufen.
Eine Mischung also aus jungen Akteuren mit den Routiniers Kunze, Töppel, Lenk. Das Team für uns eine komplett unbekannte Größe, eine Mannschaft, die sich wird beweisen wollen.
Das Krankenlager / Strafbank / Parteistrafen:
Benno Töppel sah gegen Oelsnitz "Rot" nach 85 Minuten, ist dadurch am Sonntag gesperrt.
Die aktuelle Saison:
Es läuft vortrefflich für den Siebten des Vorjahres. Alle 7 Pflichtspiele wurden gewonnen einschließlich des Pokalduells mit dem SV Merkur Oelsnitz aus der Staffel West, unserem Ex-Pokalgegner. Mit der maximalen Ausbeute von 18 Punkten aus 6 Begegnungen in der Liga sind es aktuell 5 Zähler auf den Tabellenzweiten VfL Pirna-Copitz 07, Absteiger aus der Landesliga. Vor allem die Defensive funktioniert mit erst 3 Gegentreffern in diesen Partien bei 22:3 Toren. Am vergangenen Wochenende gab es ein klares 3:0 beim Vorletzten VfB Weißwasser 09. Auswärts stand bislang immer die Null nach dem 4:0 bei der SG Weixdorf und 1:0 bei Vorjahrs Vizemeister FV Eintracht Niesky. Highlight bislang aber sicher das 6:0 gegen den Post SV Dresden an Spieltag 3.
Dazu nahm man in Runde 2 des Sachsenpokals erfolgreich Revanche für das Ausscheiden in der Vorsaison, damals 3:4 n. V. in Oelsnitz. Diesmal hieß es 2:1 n. V. aus Sicht des RBC. 2024/2025 war bereits in Runde 1 Endstation beim 1:4 gegen den FSV Budissa Bautzen wie auch im Herbst 2023 mit dem knappen 1:2 beim Gastspiel des Bischofswerdaer FV 08. Das Erreichen des Achtelfinales nun wäre natürlich ein Riesenerfolg und wohl Sensation im laufenden Wettbewerb. Keiner erwartet das Weiterkommen, wenn jemand unter Druck steht, dann wir.
Die Bilanz gegen den Radebeuler BC:
Im Gegensatz zu den Spielen gegen den vorherigen Pokalgegner ist es diesmal eine Premiere.
Das Umfeld / Stimmung / Wirtschaft:
Die Verantwortlichen waren von Anfang an bemüht, diesen Höhepunkt der letzten Jahre im eigenen Haus austragen zu dürfen. Am Ende konnte man den Verband überzeugen und die Voraussetzungen schaffen. Gespielt wird also im "Weinbergstadion" an der Carl-Pfeiffer-Straße, nicht weit entfernt vom Schloss Wackerbarth. Der reisende himmelblaue Fan darf sich auf eine schöne Umgebung freuen. Das Weinbergstadion der "sbf GmbH" Radebeul mit dem Kunstrasenplatz wurde 1931 erbaut und ist Spielstätte für 26 Mannschaften des Radebeuler Ballspiel Club 1908. Unter der "sbf GmbH" verbirgt sich nichts anders als die kommunale "Stadtbäder und Freizeitanlagen Radebeul GmbH". Durch diese werden noch das ortsansässige Bilzbad, das Sport- und Freizeitzentrum "Kroko-Fit" sowie weitere Anlagen in der Stadt betrieben. Offizielle Kapazität der RBC-Arena ist 1.000, für den Sonntag konnte man eine Erweiterung auf 1.400 mit je 700 Tickets für Heim – und auswärtige Fußballfreunde aushandeln. Zum letzten Heimspiel gegen den SV Wesenitztal fanden sich 70 zahlende Besucher ein. Zum Pokalduell in Runde 2 waren es 7 mehr. Keine Überraschung, dass gegen uns natürlich deutlich mehr den Weg auch auf Seiten der Gastgeber finden werden. Der Normalzahler berappt dabei 12 €, mit dem Nachweis der Ermäßigung sind es 9 €.
Dem Verein selber steht Arno Wiersbinski als Präsident vor, maßgeblich für die Sponsoren verantwortlich und der Hauptkontakt zur Kommune wie auch sbf GmbH. Rico Körnig hat ein Auge auf die Finanzen und wirkt als Vizepräsident. Uwe Kunzak verantwortet vor allem den Nachwuchs. Simon Hruschka ist der Mann für das "Drumherum" im Spielbetrieb. Sprich vornehmlich das Catering und die Spieltags Organisation. Er dürfte für den Sonntag viel zu tun haben und da der wichtigste Mann sein. Der Aufsichtsrat ist mit 3 Protagonisten besetzt, sieht Uwe Steglich als Chef. Die Vorfreude auf das "Spiel des Jahres" ist enorm. 16 Teams umfasst die Nachwuchsabteilung, die U19 spielt in der Sachsenklasse Ost unterhalb der Landesliga Sachsen und ist somit fünftklassig. Dazu kommen neben der Ersten und Zweiten Mannschaft noch die 4 "Alte Herren" mit Ü35 – Ü40 – Ü50 und Ü60. Hauptsponsor unseres Gegners am Wochenende ist die örtliche Filiale eines großen Discounters mit Schriftzug eines westdeutschen Vereins im Ruhrpott. Die Nachwuchsabteilung wird von den Stadtwerken unterstützt. Dazu kommen Top-Partner, Exklusiv-Partner wie der Bierproduzent der auch bei uns im Stadion ausschenkt und die Sparkasse. Unterhalb dieser Ebene engagieren sich eine Reihe kleinerer und mittlerer Unternehmen im "Elbland-Pool".