Vorbericht

5. Spieltag - Regionalliga Nordost - Saison 2022/2023
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
0:3
FC Rot-Weiß Erfurt
FC Rot-Weiß Erfurt

Zweiter Ost-Klassiker in Folge mit einem Wiedersehen …

von Timo Görner

… nach fast 5 Jahren. Im Herbst 2017 gastierte der FC Rot-Weiß Erfurt letztmalig an der Gellertstraße. Danach stiegen beide Vereine ab, der CFC meldete wenige Wochen nach dem Gegner ebenfalls Insolvenz an. Für den es zeitweise sogar eine Etage tiefer ging.

Der Blick zurück:

Das entscheidende Spiel um Staffelsieg und Aufstieg war zweifellos am 06.03.2022 in Plauen, beim ärgsten Konkurrenten im Vogtland. Der VFC nur 4 Punkte entfernt, zudem noch mit 2 Spielen weniger. Der Ausgang war nach Meinung vieler Experten vorentscheidend, zu sicher präsentierte sich der Ex-Drittligist beim 2:1 und hatte damit Spiel 7 in Folge gewonnen. Am Ende waren es 20 Punkte Vorsprung für die Rot-Weißen.

Der Erfolg in Plauen gab Rückenwind, die Thüringer gewannen die anschließenden 13 Begegnungen, teilweise deprimierend für den Gegner. Auf Reisen wurden die Derbys beim einst ambitionierten FSV Wacker Nordhausen (4:0) und in Martinroda (5:0) souverän gemeistert. Im eigenen Stadion bejubelten die Anhänger die Schützenfeste gegen Bischofswerda (8:1), Blau-Weiß Zorbau (6:0) und zum Saisonfinale ein 11:0 gegen den Absteiger Inter Leipzig.

So kam man auf 103 Treffer in 29 Spielen, ein satter Schnitt von 3,5 pro Spiel. Rot-Weiß gewann alle 15 Heimspiele, kassierte lediglich 6 Gegentreffer. Einzig auswärts wurde man kein Primus, lag der lange Zeit ernsthafte Konkurrent aus dem Vogtland um 1 Zähler besser. Hatte allerdings auch 1-mal mehr auf fremdem Platz gespielt.

Ein kleiner Wermutstropfen das Ausscheiden im Halbfinale des Landespokals, zeigte sich Regionalligist Meuselwitz in Erfurt abgeklärt und stabil beim 0:3. Stationen zuvor waren der 1. SC 1911 Heiligenstadt (5:0) aus der Thüringenliga eine Etage tiefer, Landesklassenvertreter SV BW 90 Neustadt/​Orla (2:0) und ebenfalls Landesligist SG TSV Gera-Westvororte. Beim knappen 2:1 mussten sich die Blumenstädter durchaus mühen, kamen erst in Halbzeit 2 zum erlösenden Siegtreffer.

So blieb eher das Geschehen außerhalb der Plätze ein Grund zum Bangen, das immer noch seit 4 Jahren laufende Insolvenzverfahren war eine Achterbahnfahrt zwischen Hoffnung und Ernüchterung.

Das Personalkarussell:

10 kamen, 10 gingen. Damit war doch relativ viel los nach dem Aufstieg.

Stammkeeper Luca Petzold (20/Bayreuth) wagte den Sprung in die 3. Liga, dort noch keine Option. Rechtsverteidiger Angelos Kerasidis (25/Lotte) zog es in die Oberliga. Der Grieche kam erst im Januar aus Jena. Moulaye N'Diaye (28/SV Straelen) ist Franzose im defensiven Mittelfeld, wechselte in die Liga West. Ein großer Verlust der Kosovare Fatlum Elezi (24), folgte Kerasidis. Kam als "10er" auf 12 Tore + 18 Vorlagen. Kevin Nsimba (29/TSV Rain/Lech) war zwar überwiegend nicht gesetzt – dafür die 9 Tore des Kongolesen ordentlich. Jetzt in der Staffel Bayern. Mittelstürmer Tom Woiwod (21) wurde 16-mal gefeiert, zog es vor, in der 5. Liga zu bleiben und schloss sich Hessenligist FSV Fernwald an. Damit gab es in Sachen Torgefährlichkeit dort ein paar bemerkenswerte Abgänge. Der Rest blieb ohne größere Bedeutung.

Für das Tor kam Franco Flückiger (31), zuvor beim insolventen Drittligisten Türkgücü. Bringt Regionalliga-Erfahrung aus Burghausen, von Türkgücü mit. Ben-Luca Moritz (22/Meuselwitz) verteidigt Rechts, Manndecker Samuel Biek (25/SV Horn) spielte 2. Liga Österreich. Als "6er" vor der Abwehr gilt der Italiener Zeke Zambrano (19), zuletzt bei der International Soccer Academy der USA. Ein Internat für Fußball-Talente. Erik Weinhauer (21/Einheit Wernigerode) ist Offensiver, empfahl sich mit 8 Toren beim Oberligisten. Für den Angriff gab es 2 zentrale Spitzen aus Chemnitz mit Simon Noah Roscher (20) und Paul Kämpfer (18), der 6 Treffer in der U19-Bundesliga verbuchte. Der zweite italienische Neuzugang ist die hängende Spitze Nazzareno Ciccarelli (25/TSG Sprockhövel), beim Fünftligisten mit Top-Quote: 17 Toren + 18 Vorlagen. Auf Rechtsaußen stieß der Franzose Calvin Tshilumba aus der Jugendliga Portugals (22/FC Vizela U23) dazu.

Im offensiven Sektor gelangen mit Roscher, Ciccarelli, Weinhauer ganz vielversprechende Verpflichtungen. Mit denen man hofft, die genannten Akteure zu ersetzen, die gegangen sind.

Die Sportliche Leitung:

Fabian Gerber (42) hat seit 02.08.2021 das Sagen für die 1. Mannschaft. Als Spieler kam er auf 93 Spiele in der 1. Bundesliga für Mainz 05 und den SC Freiburg, erzielte 8 Tore. Dazu kommen 111 Spiele in der zweiten Etage für Hannover, St. Pauli und bis zum Ende der Laufbahn 2012 beim FC Ingolstadt 04 mit 18 Treffern. 2016 der Start als Trainer beim BSV SW Rheden, letzte Station vor Erfurt als Co-Trainer die II. des 1. FC Nürnberg. Unterstützt wird er von seinen Assistenten Thomas Kost (53) und Fabian Franz (31). Patrick Ecke (32) trainiert die Torhüter.

Dazu kommt als Geschäftsführer Sport sein Vater Franz Gerber (68), gleichzeitig auch einer der Investoren. Bekannt vor allem als Ex-Spieler des FC Bayern München und später Coach u. a. bei Hannover 96, FC St. Pauli und Jahn Regensburg. Seine Erfahrung, die Kontakte und Sachverstand gelten allgemein als sehr geschätzt.

Das aktuelle Planjahr:

Begann zunächst mehr als zufriedenstellend mit 7 Punkten aus 3 Spielen und 10:2 Toren. Nachdem die letzten Testspiele gegen Drittligist HFC und die Regionalligisten TSV Steinbach Haiger und Barockstadt Fulda-Lehnerz sieglos verliefen. In Luckenwalde war es Simon Roscher, der in der Nachspielzeit den Punkt sicherte. Der Heimauftakt furios gegen Lichtenberg (5:0). In Meuselwitz wurde Revanche genommen (4:1) für die Niederlage im Pokal-Halbfinale. So wurde das Gastspiel des BAK in Runde 4 schon zum Spitzenspiel, was knapp verloren ging. Wesentlich ärgerlicher das vergangene Wochenende. In Gera war Schluss mit den Hoffnungen vom DFB-Pokal 2023/2024, wieder kein Treffer. Die beiden nun anstehenden Begegnungen echte Reizpunkte für die Fans, nach der Chemnitz-Reise steht das erste der brisanten Derbys um Punkte gegen Jena an, nach über 4 ½ Jahren.

Das Kollektiv:

In dieser Saison spielte der Aufsteiger nach einem offensiven 4-3-3 zum Auftakt bislang im 4-4-2 mit der Doppel Sechs. Das dürfte auch am Samstag das System abbilden.

Im Tor ist Franco Flückiger (31) wie allgemein erwartet die Nr. 1. Beim Pokal-Aus in Gera durfte Lukas Schellenberg (22) ran. Damit die nominelle Nr. 2 dahinter. Er durchlief nach dem Weggang 2015 bis 2018 die Jugendmannschaften in Kaiserslautern.

In der Viererkette waren als Innenverteidiger Aaron Manu (22) und der Kameruner Salomon Patrick Amougou Nkoa (23/1) die gesetzten Akteure in den ersten 4 Punktspielen. Eine Option für den Samstag ist der bis zum Pokalspiel verletzte Kasache Andrey Startsev (28), der Kapitän. Der Fixpunkt auf der rechten Seite ist einer der Neuen mit Ben-Luca Moritz (22) vor Marcel Bär (23). Links hat sich der Franzose Abou Ballo (24) etabliert.

Im defensiven Mittelfeld wurde auf den gelernten Manndecker Samuel Biek (22/1) gebaut, mit bereits 2 Torbeteiligungen. Dazu kommt Enrico Startsev (19). Die denkbaren Alternativen sind "Eigengewächs" Til Schwarz (22) und der Italiener Zeke Zambrano (19). Eine starke Spielzeit absolviert Nazzareno Ciccarelli (22/1), Zambranos Landsmann kommt auf gute 2 Vorlagen. Klar vor Erik Weinhauer (21). Der bis jetzt erfolgreichste Stürmer ist Rechtsaußen Kay Seidemann (22), 2 Tore und 2 Vorlagen. Knapp vor Artur Mergel (25/2) auf Links, der 1-mal auflegen konnte. In der Mitte gibt es einen spannenden Kampf um den Stammplatz. Romario Hajrulla (25), Albaner aus Griechenland mit Erfahrung aus Meuselwitz und bei Lok Leipzig war 3-mal gesetzt, zuletzt gegen den BAK draußen. War 1-mal Vorbereiter. Simon Noah Roscher (20) in Luckenwalde erfolgreicher "Joker", am Samstag wohl erstmal auf der Bank wie Paul Kämpfer (19).

Fabian Gerber hat eine sehr junge Mannschaft mit 22,3 Jahren im Schnitt, nur 3 Teams liegen drunter. Mehrere "Jungspunde" sind etabliert wie Manu, Moritz, E. Startsev, Seidemann, Biek. Eine vielversprechende Truppe, die Potential hat und sich gut weiterentwickeln dürfte.

Strafbank / Krankenlager / Parteistrafen:

Es sind aktuell keine Ausfälle bekannt.

Die Bilanz gegen den FC Rot-Weiß Erfurt:

Es ist das 74. Duell, fraglos einer der Klassiker im Nordosten. Die Bilanz ist fast ausgeglichen, mit 27 gegen 25 Siege. Aufgeschlüsselt auf das Heimrecht sieht es deutlich anders aus, hier liegen beide jeweils klar vorne. 20 Partien gingen auf unser Konto, nur 4 für die Thüringer. Zuletzt am 04. Mai 2013 in der 3. Liga mit 1:2. Danach reiste Erfurt 6-mal sieglos ab, es endete 4:0 – 2:1 – 1:1 – 1:1 - 1:0 - 2:0, 59:28 das Torverhältnis. In der Blumenstadt das umgekehrte Bild, gab es 21 Niederlagen gegen nur 7 Siege. Der CFC ist seit 9 Duellen gegen RWE ungeschlagen, könnte am Samstag zweistellig werden.

Prognose:

Mit dem Abstieg sollte die Mannschaft kaum etwas zu tun haben. Der Kader ist ganz gut aufgestellt, dazu kommt die zahlreiche Unterstützung von den Rängen auch aufgrund der neuen Perspektiven beim vermutlich erfolgreichen Ende des Insolvenzverfahrens. Es könnte einstellig werden.

Das Umfeld:

Das Damoklesschwert eines gescheiterten Insolvenzverfahrens schwebt noch über dem Traditionsverein, die letzten 4 Jahre waren für Anhänger und Beteiligte ein Wechselbad. Der Insolvenzverwalter zeitweise im Kleinkrieg, teils vor Gerichten gegen Investoren der GmbH und Ex-Sponsoren. Mai diesen Jahres ein herber Rückschlag, als Gläubiger den von Volker Reinhardt angestrebten Vergleich von 844.000 € ablehnten. Mit eben diesem Geld wollte Reinhardt den Insolvenzplan beim Amtsgericht einreichen und das Verfahren zum 30.06.2022 abschließen. Anfang Juli wurde dann ein neuer Investor gefunden. Vor wenigen Tagen machten Gerüchte über eine Abwicklung des Vereins die Runde, dementiert von den beiden führenden Personen im Club mit Lars Fuchs (Sprecher Vorstand) und Franz Gerber (Geschäftsführer Fußball GmbH).

Die treuesten Fans jedenfalls haben dem Club in den letzten Jahren zur Seite gestanden. In der abgelaufenen Oberliga-Saison kamen die Thüringer auf einen sehr soliden Schnitt von 2.289, der Zweite in dieser Liste mit dem VFC Plauen deutlich dahinter (596). Den besten Besuch über die Wettbewerbe gab es am 15.05.2022 gegen Einheit Wernigerode mit 4.193, mehr als mancher Drittligist. Das Pokal-Halbfinale gegen Meuselwitz lockte 3.597 zum Gang ins "Steigerwald-Stadion". Zum Abschied aus der 5. Liga fanden sich 3.482 gegen Inter Leipzig ein. Diese Saison sind die Erfurter Nr. 1 der Liga, vermeldeten einen Schnitt von 3.881 aus den Duellen gegen Lichtenberg und den BAK. Der CFC auf Rang 4 liegt etwas drunter (3.511). Am Samstag sollte man mit einem soliden dreistelligen Anhang auf der Nordseite rechnen.

Haupt – und Trikotsponsor der Rot-Weißen ist bundesweit agierende Firma mit Serviceleistungen in den Bereichen Security, Personal und Cleaning. Beschäftigt 14.000 Mitarbeiter an über 40 Standorten deutschlandweit. Dahinter kommen 7 "Premium-Partner", u. a. die Erfurter Stadtwerke und die Sparkasse. Exklusiv – und Business Partner führen die Riege der Geldgeber fort, der Ex-Drittligist ist wirtschaftlich auf einem ordentlichen Weg zu Stabilität und einer besseren Zukunft nach vielen Jahren des schwierigen Überlebenskampfes.
5. Spieltag - Regionalliga Nordost - Saison 2022/2023
Samstag, 10. September 2022, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 4.535
Schiedsrichter: Vierock (Berlin)


Tore

Die Tabellenverläufe

Tabellenhistorie

Der Vergleich