Vorbericht

2. Runde - Sachsenpokal - Saison 2023/2024
SV Merkur Oelsnitz
SV Merkur Oelsnitz
0:8
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC

CFC zur Abwechslung mal Favorit …

von Timo Görner

… zum Auftakt der Sachsenpokal-Saison. Es wartet eine durchaus schwierige Aufgabe gegen einen Gegner, der mit Selbstbewusstsein, Optimismus, Leidenschaft und Kampfkraft die Überraschung schaffen will.

Kleiner Ausflug in die letzten Jahre:

Die Wurzeln des SV Merkur 06 Oelsnitz reichen, wie man unschwer erkennen kann, ins Jahr 1906 zurück. Damals wurde der Verein von Oelsnitzer Handelsschülern gegründet, als Sportclub. Mit den Jahren konnte man sich dann gegen die lokale Konkurrenz von "Sparta" und "Wettin" durchsetzen und sich im regionalen Fußball etablieren. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges und den bekannten Umwälzungen der Gesellschaft endete vorerst die Geschichte des SV Merkur 06 als "bürgerlicher Verein".

1945 der Neubeginn als "SG Oelsnitz/V.", der eine oder andere wird sich noch an die Teppiche aus DDR-Zeiten mit dem Halbmond-Logo erinnern. Aus der Kleinstadt im Vogtland kamen diese Produkte. Das ansässige Werk stieg nun als Trägerbetrieb mit der Sportvereinigung "Fortschritt" ein. Es folgten auch hier mehrere Vereinsnamen. 1949 "BSG Halbmond Oelsnitz" und 1952 "BSG Fortschritt Oelsnitz". Die neue BSG spielte ganz ordentlich in der zu DDR-Zeiten viertklassigen Bezirksklasse mit. 1958 gelang dann der Sprung in die Bezirksliga Karl-Marx-Stadt. Nach dieser Hochzeit ging es allerdings abwärts in den regionaleren Fußball.

1990 wieder ein gesellschaftlicher und sportlicher Einschnitt. Mit dem Ende der BSG im DDR-Fußball vor allem aufgrund des Wegfalls der meisten Trägerbetriebe ging es als "TSV Oelsnitz" weiter. Die Fußballabteilung gliederte sich 2001 als "SV Merkur Oelsnitz" aus. Der nun wiedergeboren. 2011 gelang der bislang größte sportliche Erfolg mit dem Aufstieg in die Landesliga. Ein kurzer Höhenflug, Querelen der Vereinsführung mit dem Hauptsponsor aus Plauen führte nicht nur zu dessen Rückzug. Auch fast alle Stammspieler packten ihre Sachen. Nachdem man bis dato mithalten konnte, war man ab da "Kanonenfutter". Beendete die Saison als Tabellenvorletzter mit 118 Gegentoren und 1:9 gegen den SSV Markranstädt.

Von diesem unverhofften Crash erholten sich Merkur ein paar Jahre nicht so richtig. Bis 2016 ging es zwei Ligen runter in die Kreisoberliga Vogtland, danach erst der Sprung zurück in die Landesklasse West unterhalb der Landesliga. Die hat man nach den letzten beiden erfolgreichen Jahren wieder im Blick. Ein ähnliches Szenario wie 2011 scheint momentan ausgeschlossen. Der Verein ist wirtschaftlich und sportlich mit einer starken Nachwuchsabteilung breiter aufgestellt.

Das letzte Spieljahr unseres Gegners:

Nach Rang 4 in der Saison 2021/2022 ging es hoch auf Rang 2, allerdings 10 Punkte und 40 Tore hinter dem Aufsteiger vom Reichenbacher FC. Den blau-gelben Kickern vom "Stadion am Wasserturm" gelang damit die Rückkehr in die Landesliga, welche dem SVM verwehrt blieb. Merkur war die Nr. 1 eines Rennens um Platz 2, an dem u. a. auch ehemalige CFC-Pokalgegner mit dem SV Tanne Thalheim und ESV Lok Zwickau beteiligt waren. Sowohl zu Hause als auch auswärts waren die Grün-Weißen drittbestes Team.

Die ersten 5 Spiele wurden ungeschlagen absolviert, 3-mal gewonnen. Die meisten Tore fielen beim SV Auerhammer (5:3). An Spieltag 6 ein herber Dämpfer mit 0:4 in Schneeberg gegen Concordia. Einmal wurde noch bis zur Winterpause verloren, in Zwickau-Marienthal gegen Lok (0:3). Dagegen gab es noch 4 Siege, herausragend das 4:1 gegen den Meeraner SV zum Abschluss 2022. Erfolgreich die Dienstreise beim TSV IFA Chemnitz (3:1). Zur Winterpause wurde Platz 3 eingefahren, hinter dem SV Eiche aus Reichenbrand und dem RFC. 9 Punkte waren schon eine Hypothek vor dem Frühjahr 2023. Am Ende konnte man diese nicht mehr abtragen.

In den 16 Spielen 2023 wurden 28 Punkte geholt, zum Abschluss immerhin Aufsteiger Reichenbacher FC mit 4:1 besiegt. Damit auch der Vize-Platz gesichert. Man ballerte sich zu Kantersiegen gegen die SG Neukirchen/Erzgebirge oder 8:2 beim VfB Pausa. Ärgerlich neben der 1:7-Klatsche bei Aufsteiger VfB Auerbach II das vorentscheidende 1:3 in Reichenbach am Nachholspiel der 15. Runde. Ein Sieg dort und das Titelrennen wäre noch mal eng geworden. Im Sachsenpokal wurde die 2. Runde mit 4:2 gegen Ligarivale VfB Annaberg 09 erreicht. Dann – auch hier wieder ein Ex-Gegner des CFC mit dem FV Eintracht Niesky (2:3) – die Reise vorzeitig beendet.

Das Personalkarussell:

Vor der Saison wurden 3 Spieler verabschiedet, darunter die aus höherklassigen Stationen bekannten Marco Schuch und Ricardo Persighel. 3 kamen wiederum neu hinzu, davon zwei von Vogtlandligist FC Werda mit Torjäger Manuel Strobel und "10er" Jacob Strobel.

Die sportliche Leitung:

Cheftrainer der 1. Mannschaft ist Kenny Häußler (41), er übernahm im November 2022 und löste den überraschend zurückgetretenen Thomas Sesselmann ab. War somit eine interne Lösung für den vakanten Posten. Manuel Wunderlich (38) unterstützt als Co-Trainer, seit Beginn 2019/2020. Als Spieler bereits für den SV Merkur aktiv. Häußlers letzte Station zuvor war der SC Syrau, kam 2017 zum Club und übernahm die II. Mannschaft, welche er letztes Jahr zum Aufstieg aus der Kreisliga B – Staffel II in die Vogtlandklasse führte. Damit aus Liga 10 in die 9. Ironie der Geschichte, das Auftaktspiel dieser Saison führte ihn ausgerechnet nach Syrau.

Das Kollektiv:

Für den Fanpage-Leser gibt es eigentlich keine bekannten Namen bzw. Gesichter, bis auf einen.

Im Tor stand Toni Lohse (21) in allen 3 Punktspielen in der Anfangself. Sein Vertreter ist Daniel Thoß (30), seit 10 Jahren im Verein und zuvor 1 Jahr beim fränkischen 1. FC Trogen aktiv.

In der Abwehr gelten Vincent Bobach (28), Oliver Ketzel (31), Carlos Ebenhöch (21) als die wichtigen Akteure.

Im Mittelfeld sind dies Jacob Strobel, er sollte die Laufwege von Manuel Strobel im Angriff noch gut kennen. Dazu Andreas Knoll (30), mit Erfahrung aus der Oberliga bei der Spvgg. Bayern Hof. Manolo Pieschel (20) und Max Löscher (20) sind ebenfalls zu nennen.

Im Sturm ist Manuel Strobel der Hoffnungsträger, der seine Erfolge aus der Werdaer Zeit bislang auch bestätigen konnte. Er kommt auf bereits 3 Tore aus den ersten 3 Punktspielen. Zweite Fachkraft im Sturm ist ein "Oldie" mit Robert Hofmann (39). Torschützenkönig der Landesklasse im Vorjahr mit beeindruckenden 25 Toren in 29 Einsätzen, Top-Quote.

Der erwähnte einzig bekannte Spieler dürfte ungute Erinnerungen wachrufen an den Reformationstag 2017. Danny Wild (32) erzielte da in der 69. Minute das Auerbacher 2:1 zum Aus im Achtelfinale. 2019 ging es für ihn dann zu den Kickers Selb hinter die ehemalige innerdeutsche Grenze. Über Bayernligist Spvgg. Bayern Hof dann Januar 2022 zurück ins Vogtland und wie andere VfB-Kicker in der Vergangenheit, siehe Steve Gorschinek, zum SV Merkur 06 Oelsnitz. Gutes Omen allerdings, es ist kein Reformationstag. Der CFC flog ja da 2006 und 2017 jeweils im Vogtland aus dem Sachsenpokal.

Das Krankenlager / Strafbank / Parteistrafen:

-

Die aktuelle Saison:

3 Begegnungen sind absolviert, nach dem guten Start mit den beiden Siegen beim Aufsteiger SC Syrau im Vogtlandderby (3:2) sowie einem fulminanten 7:2 gegen den FC Concordia Schneeberg kassierten die Obervogtländer am vergangenen Wochenende eine knappe 2:3-Pleite beim ESV Lok Zwickau. Einem unserer früheren Pokalgegner. Der mit diesem Erfolg Platz 1 eroberte und den SVM auf Rang 2 verwies. Ein echtes Spitzenspiel somit. Die Gäste konnten dabei den 0:2-Pausenrückstand in der 2. Hälfte innerhalb von 6 Minuten ausgleichen. Kassierten in der 89. Minute das entscheidende dritte Tor.

Im Sachsenpokal ist es das erste Spiel für die Grün-Weißen, soll aber nicht das letzte sein. Stärkster Gegner in der Vorbereitung war Oberligist VFC Plauen, der vor 220 Zuschauern zu einem 4:0 kam.

Die Bilanz gegen den SV Merkur Oelsnitz:

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Das Umfeld / Stimmung / Wirtschaft:

Heimstätte des SVM ist das "Elstertalstadion" im Nordwesten der Stadt am Rande des Neubaugebiets der Oelsnitzer Wohnungsgenossenschaft und des Gewerbegebiets Untermarxgrüner Straße. Teil eines Sportkomplexes mit der "Vogtlandsporthalle" und einem ganz guten Kunstrasenplatz. Offiziell maximal 5.000 Zuschauer erhalten Einlass zu den Heimspielen. Auf der "Plastikwiese" wird man am Sonntag definitiv nicht spielen. Dieser ist zu den Spielen ausschließlich dem Nachwuchs und der II. vorbehalten. 1948 begann der Bau der Sportstätte, 1952 wurde die Arena für 7.000 Fußballfreunde freigegeben. Gegen den Willen der Einheimischen kam es nur Namensgebung "Philipp-Müller-Kampfbahn". Ohne Bezug zur Region und Stadt, denn Müller war in Westdeutschland, genauer Essen zu Hause und kam bei Protesten gegen die Wiederbewaffnung der BRD ums Leben. Zumindest wurde beim Spiel zur Einweihung mit 6.000 der bis heute unerreichte Zuschauerrekord aufgestellt. 1993 die Umbenennung zum "Elstertalstadion". Eben jenes Elstertal im Vogtland sei himmelblauen Wanderfreunden und auch Radlern wegen seiner sehr schönen Ecken und Wege sowie der Elstertalbrücke ans Herz gelegt.

Wirtschaftlich kann sich der Landesklassen-Verein nach den unrühmlichen Erfahrungen in den Jahren zwischen 2010 bis 2015 auf eine wesentlich breitere Struktur verlassen. Die Stadt Oelsnitz hatte sich ab Anfang der "Nuller Jahre" zu einem durchaus beachtlichen Wirtschaftsstandort gemausert mit einem der größten Arbeitgeber der Region. Vor allem mit dem Industriegebiet "Am Johannisberg" und den dortigen 5 Teilgebieten und mittlerweile 43 klein– und mittelständigen Firmen wurde die Kleinstadt zum bedeutenden Faktor der hiesigen Wirtschaft. Aus diesen konnten einige als Sponsoren gewonnen werden, u. a. die SGT Oelsnitz mit ihren knapp 300 Mitarbeitern. Dazu kommt die hiesige Sparkasse, Plauens Brauerei und die Stadtwerke.

Diese Sponsoren engagieren sich natürlich auch im Nachwuchsbereich, wo die Grün-Weißen seit einigen Jahren einer der bedeutendsten Standorte hinter den "Big-Playern" vom VfB Auerbach und VFC Plauen sind. Aktuell sind im Nachwuchsbereich 10 Mannschaften von der G-Jugend bis zur C-Jugend im Spielbetrieb. Teils mit II. Mannschaften, eigenständig oder als Spielgemeinschaften mit den Vereinen des TSV Taltitz und der SG Traktor Lauterbach. Egal in welcher Liga, zumindest die jeweils ersten Mannschaften spielen dort oben mit. Maximilian Merkel ist seit Jahren der Jugendleiter, als sportlicher Leiter fungiert Marco Schwab. Das Los Chemnitzer FC jedenfalls wurde mit viel Freude aufgenommen, einen der Regionalligisten hatte man sich gewünscht. Im letzten Heimspiel gegen den FC Concordia Schneeberg kamen 80 zahlende Fußballfreunde. Für den Sonntag sollte man dagegen mit rund 300 bis 400 einheimischen Interessenten rechnen.
2. Runde - Sachsenpokal - Saison 2023/2024
Sonntag, 10. September 2023, 15:00 Uhr
Elstertalstadion, Oelsnitz/Vogtl.
Zuschauer: 820
Schiedsrichter: Seidl (Langenbernsdorf)


Tore

Die Bilanz

 ZahlSUNTore
Alle Spiele00000:0
Heimspiele00000:0
Auswärtsspiele00000:0
Ligaspiele00000:0
Pokal-/Relegationsspiele00000:0