Rehabilitierung ist angesagt …
von Timo Görner
… für das ernüchternde Derby. Mehr muss man eigentlich nicht schreiben. Mit dem BFC Dynamo kommt ein Gegner, der ebenfalls nicht zufrieden sein dürfte. Der Meister 2022 steckt im Tabellenkeller. Gutes Omen für uns, der CFC war in den 3 Flutlichtspielen dieser Saison erfolgreich mit 2 Siegen und 1 Remis.
Die letzte Saison unseres Gegners:
Nach der Meisterschaft 2022 und Platz 6, 4 ging es runter auf 8. Weit weg vom Titelkampf. Keine "Saison der Katastrophe", aber auch keine, die zufriedenstellte. Bereits nach 6 Spieltagen erwies sich das Engagement von Andreas Heraf als kurz mit 2 Siegen, Remis, Niederlagen. Der Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. Co-Trainer Nils Weiher übernahm für 3 Spiele mit 7 Zählern, dann kam Dennis Kutrieb vom Nachbarn Viktoria. Bei seinem Antritt der BFC auf einem guten 4. Platz, 8 Punkte auf Lok. 4 Siege waren erreicht, 2 auswärts in Greifswald (2:1), Plauen (3:1). Highlight das 4:0 gegen Meuselwitz. Kompensierte die Auftaktniederlage gegen Jena (2:3), das 0:1 bei Chemie.
Unter dem neuen Coach wurde das gute Niveau nicht ganz gehalten. Bis zur Winterpause kamen aus 10 Begegnungen 14 Punkte hinzu. Auf Rang 1 waren es nun 15 Punkte. Das war aber so nicht das erklärte Ziel. Auswärts hätten es mehr Siege sein können, das 2:1 in Eilenburg der Einzige bei 6 Gastspielen. In Jena gelang in der Nachspielzeit der "Lucky Punch" (1:1). Nichts Zählbares bei Altglienicke, ohne Tor wie in Halle und Zwickau. Erfreulich die Heimsiege in den Derbys gegen Hertha BSC II (3:2), Viktoria (3:0). Zur Abstiegszone konnte wenig anbrennen, war nach oben aber auch nichts mehr drin.
Für das Frühjahr 2025 galt der Pokal als Fixpunkt. In der Liga lief es mittelprächtig. Der BFC kam schwer rein mit nur 1 Sieg aus 5 Partien gegen Chemie (2:0). Lange Gesichter nach dem Heimspiel gegen Greifswald (1:4). Dazu wurde das Rückspiel bei uns verloren. Die Weinroten "launische Diva". Erfolgreich bei Zehlendorf (5:3), Hertha BSC II (2:1), 3:0 gegen Altglienicke. Chancenlos in Erfurt (1:4), bei Lok (0:4). Signifikant für die Duelle gegen Spitzenteams. 49 Punkte waren 12 weniger als davor. Zu Hause der BFC 7. Auswärts auf 8. 52:45 Tore die achtbeste Offensive, siebtbeste Defensive. Der Pokal ging zum 12. Mal nach Hohenschönhausen, im Endspiel siegte Dynamo 2:0 gegen Oberligist und "Fast-Aufsteiger" Eintracht Mahlsdorf im Mommsenstadion.
Delegierungen für diese Saison:
Es gab einen großen Umbruch im Kader, 18 gingen und 19 kamen. Das Team stellte sich weitestgehend neu auf.
Keeper Leon Bätge (26/Türkspor) ging in die 6. Liga. Linksverteidiger David Grözinger (26/Lok) blieb in der Staffel. Der Iraker David Kamm Al-Azzawe (33/Fortuna Köln) wechselte in die West-Staffel. Ben Meyer (26/BFC Preußen) mit gleicher Ausbildung wie Grözinger, wechselte zum Aufsteiger. Chris Reher (33) auf Rechts beendete seine Laufbahn nach 224 Spielen für die Berliner. Im Mittelfeld heuerte "8er" Mcmoordy Hüther (26) in Greifswald an. Offensiv-Allrounder Julian Wießmeier (33) zog es nach Österreich, zu Drittligist FC Dornbirn. Auch der Kroate und "6er" Kristijan Makovec (29). Im Sturm trifft Rechtsaußen Tobias Stockinger (25) am Freitag auf den Ex-Verein. Der US-Amerikaner Kevin Lankford (27) kam Mitte August 2024, 9 Torbeteiligungen. Jena freute sich über den variablen Angreifer. Mit Mittelstürmer Bennedikt Wüstenhagen (19) musste man ein vielversprechendes Talent ziehen lassen. 2020 zur BFC-Jugend gekommen und 2024 aus der U19 zur Ersten befördert, kam er gleich auf je 6 Tore und Vorlagen. Wenigstens erhielt man von Borussia Dortmund II 100.000 € Ablöse. Dass die, welche über weite Strecken der Saison zum Stamm gehörten.
Bei den Neuen finden sich bekanntere Namen. Für das Tor wurde Nicolas Ortegel (21/Nürnberg) ausgeliehen, Nr. 1 in der Bayern-Staffel. Dort zuvor U17 und U19. Lion Gantzke (18/Magdeburg) spielte in der U19.
In der Abwehr galt es Abgänge zu ersetzen. Als Innenverteidiger zog es Tobias Gunte (28/Altglienicke) zum BFC, dazu wurde Moritz Polte (18/U19) befördert. Brandon Happi Monthe (22/VfB Hallbergmoos) spielte Landesliga Bayern. Ausbildung beim FC Bayern. Der Portugiese Américo Neves (22/VfL Halle 96) Links kam aus der Oberliga. Landsmann Enrique Pereira da Silva (23) bis Ende 2023/2024 bei Südwestligist TSV Steinbach Haiger. Rechtsverteidiger wie Larry-Nana Oellers (25/Viktoria Berlin).
Im Mittelfeld zentral defensiv junge Akteure mit Levin Mattmüller (21/Luckenwalde), Tim Windsheimer (19/Heidenheim U19), dem Bosnier Dominik Pestic (20/Mainz 05 II). Offensiv ausgerichtet Jan Shcherbakovski (24). 2022 ging es aus Halle zur SGD, 2-mal nach Cottbus verliehen und 2024 fest vom FCE verpflichtet. Der aus Belarus stammende Kicker spielte im Vorjahr keine Rolle. Der Däne Valdemar Sadrifar (24/Phönix Lübeck) wirbelt auf der linken und Willi Reincke (22/SV Drochtersen/Assel) rechten Außenbahn. Reincke beim SC Verl angestellt und verliehen. Zwei aus der Nord-Liga.
Im Sturm gab es 4 nominelle Mittelstürmer zu vermelden. Bemerkenswert "Königstransfer" Leandro Putaro (28/Aachen) aus der 3. Liga, 2023/2024 immerhin 25 Einsätze. Im Vorjahr lange Zeit durch Krankheit außer Gefecht. Stationen zuvor u. a. Bielefeld und Osnabrück, 139 Spiele als Drittliga-Kicker. Leander Fritzsche (25) kam mit Sardrifar. Jamal Rogero (22/Rathenow) empfahl sich beim Oberligisten mit 21 Toren. Der Pole Antek Wrebiakowski (22/Hansa II) war in der gleichen Liga aktiv. Rechtsaußen Can Karatas (24/Hoffenheim II) mit dem Ausbildungsbetrieb wie Monthe.
Interessante Personalien, als Hoffnungsträger gelten Putaro, Shcherbakovski, Gunte. Auch Spieler wie Reincke, Rogero, Ortegel durch ihre Bilanz im Vorjahr.
Die sportliche Leitung:
Dennis Kutrieb (45) hat seit dem 26.09.2024 das Sagen. Das Duell am Freitag ein Jubiläum, das 50. Spiel. Bilanz: 21 Siege – 10 Remis – 18 Niederlagen, 99:72 Tore. Der BFC ist sein 4. Berliner Club nach Altglienicke, TeBe, Viktoria. Als Co-Trainer unterstützt seit dieser Spielzeit Sven Körner (43), zuvor beim FC Viktoria als verantwortlicher Coach wie auch Kutrieb. Daniel Haas (42) trainiert die Torhüter.
Enis Alushi (39) übernahm zu Jahresbeginn als Geschäftsführer Sport, der Kosovare bekannt als Kicker aus Kaiserslautern, Nürnberg, FC St. Pauli, 1. FC Köln. Die meisten Einsätze absolvierte er für den SC Paderborn. Jörn Lenz (54) fungiert seit über 8 Jahren als Teammanager.
Die aktuelle Saison unseres Gegners bislang:
Bei 4 möglichen Absteigern steckt der BFC derzeit im Kampf dagegen. Ausgehend von 3 sind es 2 Zähler auf den 16. Trotz des enormen Umbruchs hatten sich die Verantwortlichen mehr erhofft. Größtes Manko die Auswärtsbilanz, kann die Ausbeute auf eigenem Platz das nur teilweise auffangen. Das Auftaktprogramm anspruchsvoll mit Dienstreise zum HFC (0:1) und Erfurt (2:3) zu Hause. Zwei knappe Niederlagen, tragisch die Pleite gegen die Thüringer. In der Schlussphase das 0:2 ausgeglichen, in der Nachspielzeit den K.O. bekommen.
Weiter ging es zunächst mit guter Bilanz in den Berliner Duellen, wurde beim "anderen BFC" 2:1 gewonnen. Nicht der Beginn der Trendwende, die Weinroten danach 4-mal sieglos. Tiefpunkt das 0:4 gegen Babelsberg, dabei 4 Gegentreffer in 16 Minuten vor der Pause. Die Defensive schon zuvor beim FCM II (3:4) anfällig. Wieder ein Zwei-Tore Rückstand egalisiert, dann erneut in der Nachspielzeit den Punkt abgegeben. Nach 7 Spieltagen standen 5 Punkte, der BFC 16.
In folgenden 8 Begegnungen ein leichter Aufwärtstrend, primär zu Hause wurde gepunktet. Erfreulich 3 Siege in Folge gegen Greifswald (2:0), Zwickau (1:0), Eilenburg (2:1). Das Ende die Pleite gegen Jena, mit Hektik (2:3). Auswärts kommt wenig. Positiv das 0:0 bei Altglienicke. Enttäuschend die Pleiten bei Chemie (0:2), Zehlendorf (1:2). Ein 0:3 bei Lok nicht ganz überraschend. Gegen Luckenwalde sollte es am vergangenen Wochenende Zählbares geben, daraus wurde nichts. Auf Reisen sind 3 schlechter, zu Hause 6. 18:27 Tore sind verbucht, offensiv der 12. und defensiv Rang 13.
Im Pokal Dynamo am 20.12.2025 im Viertelfinale beim BFC Preußen nach 2:1 bei Finalist Mahlsdorf. Noch im Rennen u. a. Altglienicke, Zehlendorf. Es soll wieder in den DFB-Pokal gehen, wo sich der BFC beim 1:3 gegen Erstligaabsteiger Bochum in Runde 1 sehr ordentlich präsentierte.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor hat sich wie erwartet Nicolas Ortegel (21) etabliert, in der Liga nach "Rot-Sperre" 2-mal vertreten durch Paul Hainke (20). Der die Spiele im Pokal bestritt. Dazu kommen Kevin Sommer (36), er schon immer beim BFC, und Lion Gantzke (18). Beide ohne Einsatz.
In der Abwehr wird meist Viererkette gespielt, seltener der Dreierverbund. Als Innenverteidiger haben sich Tobias Gunte (28/1), Moritz Polte (18/1) durchgesetzt. Polte zuvor bis 2024 in der U17 des Köpenicker Erzrivalen. Rechts vertrauen die Trainer auf Larry-Nana Oellers (25) vor Enrique Pereira da Silva (23). Links sieht keinen Eckpfeiler. Der einzige nominelle Verteidiger Américo Neves (22) spielt nach Ausfall (Oberschenkelverletzung) keine Rolle. Gegen Jena wurde Willi Reincke (22) aufgeboten. Das Spiel bei Lok zuvor gingen die Berliner mit Dreierkette an: Oellers – Gunte – Polte. Mal schauen wie man dann am Freitag aufläuft.
Im Mittelfeld als "6er" kann Levin Mattmüller (21) die meisten Einsätze verbuchen. John Liebelt (23), Dominik Pestic (21) kommen meist von der Bank. Tim Windsheimer (19) kämpfte sich Ende August zum Stammkader. Willi Reincke (22/4), ausgebildet für die rechte Seite, erwies sich als "guter Griff". 10 Torbeteiligungen, dazu vielseitig verwendbar. Auch hier die linke Seite eher verwaist, Valdemar Sadrifar (24) hat 1 Min. Praxis. In der zentralen offensiven Position hat der BFC Jan Shcherbakovski (24/2) und Joey Breitfeld (29/1). Er 2023/2024 überragende 11 Vorlagen, danach deutlich weniger. Ivan Knezevic (32) trifft wenn dann derzeit nur im Pokal.
Auch Mittelstürmer und Kapitän Rufat Dadashov (34/2) ist zu den je 14 Toren der letzten 2 Jahre im Rückstand. Letzter Einsatz am 28.09.2025, danach Ausfall (Knieverletzung). Sollte gegen Luckenwalde wieder spielen. In 9 der 10 Begegnungen torlos. Besser läuft es für Leandro Putaro (28/4). Jamal Rogero (22) wäre eine Option, aber verletzt. Leander Fritzsche (25) ist "Mitläufer", Antek Wrebiakowski (20) hat den Sprung aus der Oberliga bislang nicht geschafft.
Auch nach den Abgängen hat der BFC eine Mannschaft am Start, die mehr erreichen sollte. Mit Dadashov, Putaro, Shcherbakovski, Breitfeld ist die Offensive gut besetzt. Erfreulich, dass sich mit Polte, Windsheimer zwei Talente durchsetzen konnten. 27 stehen im Kader. 24,3 Jahre im Schnitt liegen unter dem Unsrigen mit 25.
Krankenlager / Strafbank:
Manndecker Amiro Amadou (23) fehlt verletzungsbedingt seit Mitte August. Rechtsaußen Can Karatas zog sich Mitte September einen Kreuzbandriss zu, kommt wenn Ende März 2026 zurück. Mittelstürmer Jamal Rogero laboriert an einer Schambeinreizung. Jan Shcherbakovski sah gegen Jena "Gelb-Rot", müsste demzufolge durch die Absage gegen Luckenwalde gesperrt sein.
Prognose:
Der sichere Klassenerhalt sollte machbar sein. Dazu muss man sich aber auswärts steigern, die Qualität im Kader ist da. Tipp: Platz 10 bis 12.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Bereits 70-mal traf man sich, der BFC liegt klar vorn durch die Machtverhältnisse in der untergegangenen DDR. 19 Siege konnten wir verbuchen, 38 die Berliner bei 73:125 Toren. In unserer Stadt haben wir knapp die Nase vorn, gewannen 16-mal und trauerten nach 14 Partien. Das 2:1 am 08.03.2025 beendete eine Sieglosserie, hießen die Ergebnisse zuvor 0:0 – 0:4 – 1:3 – 0:0.
Das Umfeld / Wirtschaft/ Stimmung:
Euphorie gibt es derzeit natürlich keine. In den sozialen Netzwerken eine Mischung aus Geduld, Mahnen zum Zusammenhalt, bedingungsloser Unterstützung, größerer Unzufriedenheit. Seit der Meisterschaft 2022 hatte man mit dem Rennen um den Staffelsieg oder direkten Aufstieg nur in 2023/2024 zeitweise etwas zu tun. Platz 4 war damals vielversprechend. Platz 8 danach ein Dämpfer und nun steckt man unten drin. Auch wird der Cheftrainer in Frage gestellt. Das aber zumindest offiziell nicht von der Leitung. Ein Sieg gegen Luckenwalde hätte sicher für bessere Laune gesorgt. Der Schiedsrichter gab sein Einverständnis zur Austragung. Alles war angerichtet inkl. Catering. Auch der Gast mit Anhängern vor Ort. Dann sperrte die Senatsverwaltung den Platz. An der Grenze zur Realsatire, aber im Grunde kein Einzelfall im zuweilen drolligen Verhalten der dort Verantwortlichen. So trifft man sich nun am 02.12.2025, falls es das Wetter zulässt und auch die Verwaltung keine Bauchschmerzen bekommt.
Aktuell begeistern sich im Schnitt 2.184 für die Spiele im Sportforum, platziert den BFC auf 9. Ein kleiner Rückgang zu 2.365 aus dem Vorjahr und 2.690 in 2023/2024. Den besten Besuch gab es gegen Zwickau (2.812), knapp vor Jena (2.783). Die wenigsten interessierten sich für Eilenburg (1.699). Für den Freitag dürften wir im Gästeblock mit weniger als den 250 aus dem Frühjahr rechnen. In der Führungsetage wird Kontinuität gelebt. Vereinschef ist Norbert Uhlig, einer aus dem Kreis von 4 maßgeblich Verantwortlichen. Dazu zählen der Vorsitzende des Wirtschaftsrats Peter Meyer, Vize und Sponsor Jens Redlich als Inhaber mehrerer Fitness-Studios sowie der Geschäftsführer Sport Enis Alushi. Neben dem sportlichen Erfolg liegt bei diesen das Augenmerk auch auf die Sanierung, Modernisierung und Ausbau des Stadions. Hier sieht man einen Nachteil im Wettbewerb gegen die Arenen in Erfurt, Jena, Chemnitz, Halle. Schon allein von derzeit nur 5.000 Plätzen.