CFC-Gastspiel beim GFC für den Erhalt der Serie …
von Timo Görner
… denn im "Volksstadion" des Greifswalder FC haben wir bislang immer punkten können. Wenn auch noch nicht mit deren 3. Die Himmelblauen treffen auf einen Gastgeber, der sich für die Hinspiel-Niederlage revanchieren und im Abstiegskampf einen Befreiungsschlag landen will.
Die Saison unseres Gegners bisher:
2023/2024 war der Greifswalder FC nach 16 Spieltagen Tabellenführer mit 31 Punkten. Im Vorjahr dann auf Rang 9 mit 21. In dieser Spielzeit steckt man durchaus überraschend im Tabellenkeller. Allerdings ging die Tendenz zuletzt in die positive Richtung, nicht zufällig nach der Rückkehr des monatelang ausgefallenen Torjägers. Daran änderte auch die deutliche Niederlage zuletzt bei Titelverteidiger Lok nichts wie das folgende unbefriedigende Remis gegen Zehlendorf. Zuvor gab es immerhin 7 Punkte aus 3 Spielen. Dass man dieses Jahr nicht zu den ganz großen Mitfavoriten auf die Tabellenspitze gehören würde, bekannt. Aber das Dasein in den unteren Regionen wurde so auch nicht erwartet. Weder intern noch von den Experten.
Der Auftakt bei uns ging daneben, die knappe Niederlage vor allem aufgrund des Verlaufs der 1. Halbzeit verdient. Die Reaktion überzeugend, Chemie in Greifswald (3:0) ohne Chance. Kein Beginn des sportlichen Aufschwungs. Die Rot-Weißen kamen nicht in die Gänge und standen nach 13 Spieltagen eben nur mit diesem einen Sieg da. Zu Hause schmerzten die Pleiten gegen Halle, noch viel mehr das gleiche Ergebnis gegen Luckenwalde. Sieglos auch das Duell mit Aufsteiger BFC Preußen (1:1) in Runde 11 beim Comeback des vermissten Torjägers, ausgerechnet Ex-Kapitän Niklas Brandt verdarb in der Schlussphase den Sieg. Auch auf Reisen, im Vorjahr durchaus eine Stärke der Mannschaft, kam wenig bei rum. Niederlagen in Zwickau, beim BFC, in Babelsberg und Erfurt.
Hoffnung brachte das 3:3 gegen Jena, da ein 1:3 egalisiert werden konnte. 11. sieglose Spiel in Serie, aber ein Lichtblick. Die Zwischenbilanz aber ernüchternd, 8 Zähler reichten nur für den 16. Mit 4 Zählern auf den 14. als ersten sicheren Nichtabstiegsplatz. Seitdem geht es leicht bergauf mit 7 Punkten aus 4 Spielen. Der ersehnte 2. Sieg in Fürstenwalde bei der VSG, ebenfalls 2:1 gegen Kellerkind Eilenburg. Zuletzt wie erwähnt die Begegnungen bei Lok und gegen Zehlendorf. Mit einem Sieg am Wochenende soll der Befreiungsschlag gelingen. Zu Hause der Saldo ausgeglichen mit 2-4-2, 11:11 Toren. Auf Reisen sieht es schlechter aus als 15. und 7:16 Toren. 18:27 insgesamt stellen die Offensive auf Rang 14 und Defensive 13. Im Landespokal steht der GFC im Viertelfinale nach einem 8:0 im Lokalderby beim FSV Blau-Weiß Greifswald aus der Landesklasse. Stärkster Gegner dann der FC Hansa. Eventuell reicht, wenn erst im Finale, sogar die Teilnahme für den DFB-Pokal-Start, sind die Rostocker ja dran an Platz 4 in der 3. Liga.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Fabrice Montcheu (27) kam zum 23.08.2025 aus Würzburg, beim Ex-Verein von Markus Zschiesche knapp 3 Jahre am Ball. 2024/2025 dort noch meist gesetzt, in den ersten Spielen der neuen Saison außen vor. Kennt die Liga aus den Stationen Babelsberg, TeBe und Fürstenwalde.
Die sportliche Leitung:
Markus Zschiesche (43) hat auch im Rückspiel das Sagen, der Verein hielt trotz der zeitweisen enorm schwierigen sportlichen Situation ohne Diskussionen an ihm fest. Reagiert wurde hier anders, Anfang Oktober kehrte Ex-Coach Roland Kroos (66) zurück und übernahm als zweite Person den Sportlichen Leiter neben Zschiesche. Als Co-Trainer unterstützt nach wie vor Timur Binerbay (42) wie zuvor bei TeBe. Stefan Hafermann (52) und Ex-Keeper Christian Person (44) betreuen die Torhüter.
Stefan Kalweit (41) arbeitet als Scout und Spiele-Analyst, Ulrich Feske (77) bringt sich seit über 10 Jahren als Mannschaftsleiter ein.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor ist Jakub Jakubov (36) weiter klar Nr. 1. In der Liga in 2 Spielen vertreten durch Philipp Flemming (20) sowie 4-mal im Pokal. Kam in Runde 1 auch nach der Halbzeit für unseren Ex-Keeper rein. Noah-Joel Hoffmann (22), gebürtiger Chemnitzer und bis 2018 in der Jugend des VfB Fortuna, ist noch ohne Einsätze.
In der Abwehr dominiert die Viererkette. Als gelernte Innenverteidiger haben sich Edgar Kaizer (21/2), Routinier Mike Eglseder (33) als die festen Größen erwiesen. Steffen Eder (28) schaffte hier den Status Eckpfeiler bislang (noch) nicht. Beklagen muss man hier den Ausfall von Bastian Strietzel (27), kam erst Mitte November aus der schweren Verletzung (Kreuzbandriss). Hat noch Aufbauarbeit vor sich. Ob er am Wochenende wieder im Kader steht, fraglich. War fast 1 Jahr außer Gefecht. Rechts verteidigt in der Regel Jannis Farr (26). Die linke Seite ein wenig "Baustelle". Jason Tomety-Hemazro (24) spielte sich erst so Anfang Oktober in den Stammkader. Dazu durfte hier auch Fabrice Montcheu (27) ran, eigentlich Rechtsverteidiger. Ein weiterer Akteur hier Tristan Wagner (20). Variabel eingesetzt, auch im Mittelfeld. Ersetzte zuletzt den ausgefallenen Farr. Gegen Zehlendorf hieß die Viererkette denn auch Wagner – Kaizer – Eglseder – Montcheu.
Das Mittelfeld ist durch das 4-3-3 offensiv ausgerichtet. Den Job als "6er" erledigt meist David Vogt (24/3). Ausbildung bei Rot-Weiß Erfurt. Lucas Vierling (27), in den ersten Spielen gesetzt, auch 3-mal Kapitän. Seit Ende September nicht mehr berücksichtigt. Auf der "8er" hat sich Mcmoordy Hüther (26/1) empfehlen können. Oliver Daedlow (25) muss dagegen fast immer auf der Ersatzbank Platz nehmen. Im Vorjahr noch deutlich mehr am Ball. Lukas Lämmel (28) als einer der Leistungsträger der letzten 2 Jahre hat mit Verletzungen zu kämpfen. Vermutlich auch am Samstag nicht im Kader. Diren-Mehmet Günay (22) spielt kaum eine Rolle wie Jean-Luca Beck (21) als "10er". Da können die Trainer aber auf Joe-Joe Richardson (24) zurückgreifen. Der US-Amerikaner kommt auf 3 Vorlagen, hat aber sicher noch Potential für mehr.
Im Angriff hat der GFC zwei für diese Spielklasse enorm starke Akteure an Bord. So auf Linksaußen Osman Atilgan (26), sehr ordentliche 6 Tore auf dem Konto. Klar die Nase vorn gegen Grace Bokake (23). Auf dem rechten Flügel kämpfen Rudolf Ndualu (26) und Theo Harz (22) um den Stammplatz und ihren ersten Torerfolg. Zumindest konnte Harz 2-mal auflegen. Als Mittelstürmer ist und bleibt Soufian Benyamina (35) der Fixpunkt, schmerzlich vermisst in den ersten 10 Punktspielen. Seit der Rückkehr mit der Quote von 4 Toren in 7 Spielen. Das Duell nun ist sein 100. Pflichtspiel für seinen Club. Beeindruckend 61 Tore und 13 Vorlagen, somit 74 Torbeteiligungen. Der Kosovare Fatlind Memaj (26) ist kaum ein adäquater Ersatz.
In der Auflistung findet sich ein maßgeblicher Grund für die sportliche Entwicklung dieses Jahr. Gleichzeitige Ausfälle von Spielern wie Striezel, Benyamina, Lämmel konnten so nicht kompensiert werden. Alles Akteure, die einen großen Anteil am Höhenflug 2023/2024 hatten. 24 Spieler umfasst der Kader. Mit 26,3 Jahren im Schnitt liegt nur Lok drüber. Nur 7 haben einen Vertrag über die Saison hinaus, u. a. Jakubov, Kaizer und Hüther. Dagegen laufen die Arbeitspapiere von immerhin 17 Akteuren zum Saisonende aus. Viel Arbeit für die Kaderplanung, abhängig auch von den finanziellen Perspektiven.
Die Transferbilanz:
13 Neuzugänge gab es bis heute, etwas mehr als eine komplette Stammformation.
Als Stammspieler konnten sich Edgar Kaizer (Cottbus), Mcmoordy Hüther (BFC Dynamo), Joe-Joe Richardson (Hallescher FC), Tristan Wagner (FC Hansa Rostock II), Theo Harz (Würzburg) etablieren. Die positive Überraschung sicher Wagner. Was fehlt, ist aber ein richtiger "Volltreffer", welche die Mannschaft 2023/2024 so nach oben katapultierten.
Etwas mehr hatte man sich wohl von Grace Bokake (Altglienicke), Fabrice Montcheu (Würzburg), Steffen Eder (BFC Dynamo) versprochen, die als "Mitläufer" zu sehen sind. Lucas Vierling (Luckenwalde) begann wie erwähnt als Fixpunkt, dann nicht mehr berücksichtigt. Die weiteren Akteure kamen auf weniger Einsätze, wobei Philipp Flemming (Tasmania Berlin) im Tor wohl von vornherein als "Aufbauspieler" in Bezug auf den möglichen Abschied der Nr. 1 in 2027 gilt.
Fazit gesamt: durchschnittlich.
Gewinner der Saison bislang:
Tristan Wagner kam als junger Spieler aus der Oberliga, konnte schon 2023/2024 Regionalliga-Luft schnuppern. Da aber erst in der Frühjahrsrunde. Diesmal ist er vom Start weg eine feste Größe.
Krankenlager / Strafbank:
Bastian Strietzel (27) siehe die Rubrik zur Mannschaft oben. Jannis Farr (27) fehlte gegen Zehlendorf krankheitsbedingt, am Wochenende aber wohl wieder im Kader. Ansonsten hat sich die personelle Lage im Vergleich zu den ersten Wochen deutlich entspannt.
Prognose:
Zumindest der vorzeitige Klassenerhalt sollte zu schaffen sein, sofern es nicht wieder längere Ausfälle von Leistungsträgern wie Benyamina gibt. Tipp: Platz 10 – 12.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Es ist erst das 8. Duell, kein Klassiker in dieser Liga. Wir liegen nach dem Hinspielsieg mittlerweile knapp vorn mit dem 2. Sieg gegen den Erfolg der Greifswalder im Sommer 2023 beim 2:1 an der Gellertstraße. Dabei geizten beide mit Toren, wurden lediglich 7:5 verbucht. Bemerkenswert, an der Ostseeküste sind wir noch ungeschlagen. Hieß es 0:0 – 0:0 – 1:1. Den einzigen Treffer für Himmelblau dort erzielte Artur Mergel im Vorjahr.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
Für Außenstehende ist der Greifswalder FC in dieser Saison schwer einzuschätzen. Was die wirtschaftliche Seite ist, die sportlichen Ambitionen und allgemein die Perspektive und weitere Entwicklung. Zumindest zeichnet sich ab, dass der Bau eines neuen drittligatauglichen Stadions wohl kein Thema mehr ist. Zumindest mittelfristig. Offiziell wurde der notwendige Kauf des Grundstücks auf dem Gelände des ehemaligen Betonwerks am Südbahnhof durch den bekannten Investor zu den Akten gelegt. Zu hohe Kosten, dazu Vorgaben für den Naturschutz und die Sanierung von Altlasten wurden benannt. Die Pläne sahen einen großen Sportkomplex mit Stadion, Internat für die Sportförderung von Jugendlichen, eine Sporthalle und ein Hotel vor. Hauptnutzer der Arena sollte der Greifswalder FC sein. Eine alternative Lösung bzw. andere Pläne sind nicht zu vernehmen. Nach der erfolgreichen Saison 2023/2024, als bis zum letzten Spieltag um den direkten Aufstieg in die 3. Liga mitgemischt wurde, sollen die Zuwendungen von Seiten des Investors aufgrund Umstrukturierungen in dessen Firmennetzwerk etwas geringer ausgefallen sein.
Die Ränge im "Volksstadion" am Karl-Liebknecht-Ring im mittleren Osten der Stadt haben sich in dieser Spielzeit etwas gelichtet. Im Jahr der Vizemeisterschaft kamen im Schnitt recht ordentliche 2.187 Zuschauer. Damals wurde der sportliche Aufschwung veritabel honoriert nach zuvor 1.352. Im Vorjahr dann ging es dann fast auf den Wert davor zurück zu 1.423. Mittlerweile sind die Norddeutschen bei 1.153 angekommen. Am vergangenen Wochenende wurde mit den 573 gegen Zehlendorf der bisherige Minusbesuch vermeldet, dazu der zweitschlechteste Zuspruch seit dem Aufstieg in die Regionalliga 2022. Den größten Andrang an den Stadiontoren registrierten die Verantwortlichen gleich zum Heimauftakt gegen Chemie Leipzig (2.187). Vor Halle mit schon etwas Abstand - 1.504. In den folgenden Monaten machen noch der CFC, Erfurt, der BFC, Zwickau und zum letzten Heimspiel Meister Lok ihre Aufwartung in Greifswald. Speziell gegen die Leipziger könnte es noch mal richtig voll werden, falls es für diese dann um den Staffelsieg geht. Trotz der Entfernung. Am Samstag werden es wohl knapp unter 1.000 sein. Chef des Vorstands ist weiter Heiko Jaap, Rechtsanwalt einer in Rostock und Greifswald ansässigen Kanzlei. Dem Aufsichtsrat steht Klaus Schilling vor.