Zum Punktspielauftakt 2026 daheim ein Prüfstein auf dem Platz vor vollem Haus zum Jubiläum …
von Timo Görner
… denn mit dem 1. FC Lok Leipzig kommt der Champion und Tabellenführer dieser Liga an die Gellertstraße. Der CFC braucht ein Optimum an Willen und Leistung, um zu bestehen. Hat dies im Vorjahr trotz Dezimierung schon mal eindrucksvoll bewiesen.
Die Saison unseres Gegners bisher:
Es gab doch einige Experten u. a. Interessierte dieser Liga, welche einen Einbruch vor allem im Kopf nach dem unglücklichen Ende der Relegation erwarteten. Die Messestädter konnten dies eindrucksvoll widerlegen und steuern auch diesmal der Meisterschaft entgegen. Sowohl Offensive als auch Defensive sind aktuell Nr. 1, die Leipziger als Heim– wie Auswärtsmannschaft ebenfalls Primus. Einzig ernsthafter Verfolger nach dem vergangenen Wochenende wohl nur noch Jena, 5 Zähler entfernt. Erfurt 9 bei jetzt 1 Spiel mehr und auch Vizemeister Halle sieht Lok nur noch aus der Ferne. Es käme einem kleinen Wunder gleich, sollten die Rot-Weißen Saalestädter noch mal in den Meisterschaftskampf eingreifen. Wenn dann nur indirekt, wie beim 1:0 gegen die Thüringer Landeshauptstädter. Für Lok der Ausgang dieser Begegnung sicherlich hilfreich.
Vor dem Hinspiel war der Start in die neue Saison gelungen und sehr effektiv. Mit 4 Toren in 4 Spielen wurden 11 Punkte erspielt. Das bei lediglich 1 Gegentreffer, zum Auftakt in Zwickau. Die Weichen zum Sieg dann waren schon nach 120 Sekunden gestellt, ging Lok in Führung. Den Ausgleich des CFC kurz nach der Pause beantworten die Blau-Gelben 5 Minuten später mit der erneuten Führung. Überstanden auch die Unterzahl nach Platzverweis ab Minute 80 und gerieten (leider) nicht wirklich in Bedrängnis. In den folgenden 4 Begegnungen zementierten die Leipziger ihre Ansprüche auf die Titelverteidigung, gewannen alles mit 13:2 Toren. Hertha BSC II sah zu Hause beim 2:7 kein Land wie Luckenwalde in Leipzig (4:0). Die Serie endete mit dem 0:1 in Jena, beim schon damals stärksten direkten Mitkonkurrenten.
Bis zur Winterpause folgten noch 2 Niederlagen beim BFC Preußen, gegen Zwickau (0:2). Offensiv ragten die Erfolge gegen den BFC, Greifswald (3:0), beim FCM II (5:1) heraus. Beleg für die mentale Stärke der Auftritt in Fürstenwalde. Altglienicke glich zweimal aus, ging dennoch als Verlierer vom Platz. Lok findet immer eine Antwort. Die Verhältnisse in Leipzig wurden in 7 Tagen 2-mal geklärt. Im Pokal war Grün-Weiß nach torloser 1. Halbzeit chancenlos (3:0), in der Meisterschaft lösten die Blau-Gelben die Aufgabe ebenso (2:0). Damit gingen die letzten 5 Pflichtspiele an den Meister. Einziger Wermutstropfen, die Titelverteidigung im Pokal ist nicht mehr möglich. Diesmal hatte Vorjahresfinalist Aue die Nase vorn im Achtelfinale. Schalke setzte sich zudem in Hauptrunde 1 auch knapp 1:0 n. V. durch. Lok kommt am Sonntag sicherlich als Favorit an die Gellertstraße.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Ersatzkeeper Marcel Bergmann (27/Chemie) wechselte zum Ortsrivalen. Kam nur zu einem Pflichtspieleinsatz in Runde 1 im Landespokal. Zuvor feste Größe bei den Kickers Emden.
Einziger Neuer seit dem letzten Duell ist Innenverteidiger Filip Kusic (29). Er erhielt nach Ende der Vorsaison keinen neuen Vertrag in Cottbus. Dort immerhin 31 Einsätze. Bringt zudem die Erfahrung aus den vorherigen Stationen mit. Spielte insgesamt 91-mal in der 3. Liga für Türkgücü München, den FSV Zwickau und Cottbus. Kam zudem auf 20 Spiele in der 2. Bundesliga für unseren letztjährigen Viertelfinalgegner im Sachsenpokal. Wenn gut in Form, ist der Serbe sicher eine Verstärkung.
Die sportliche Leitung:
Jochen Seitz (49) hat weiter das Sagen für die Regionalliga-Mannschaft. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, die Chefetage ist verständlicherweise sehr bemüht, diesen rechtzeitig zu verlängern. Denkbar, dass dies erst kurz nach der Spielzeit entschieden wird. Gleiche Laufzeit des Kontrakts für Co-Trainer Robin Hintz (31), in gleicher Funktion Nico Wegmann (30).
Kult-Keeper Tomislav Piplica (58) coacht seit über 2 ½ Jahren die Torhüter. Toni Wachsmuth (39) fungiert als Geschäftsführer Sport, Ex-Präsident Thomas Löwe (58) unterstützt als Berater des Managements. Silvio Schoenke (41) ist der Mannschaftsleiter.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor ist Andreas Naumann (33) auch im zweiten Jahr bei Lok klare Nr. 1. Stand in allen Punktspielen im Kasten, nur 1-mal im Landespokal nicht eingesetzt. Nach dem Abgang von Marcel Bergmann gilt Niclas Müller (24) als der neue etatmäßige erste Ersatz. Hugo Eichler (18) kommt wenn in der U19 zum Einsatz.
In der Abwehr spielt auch Lok Viererkette. Bei den Innenverteidigern ist Lukas Wilton (30/2) der Eckpfeiler. Einer der erfahrensten Akteure dieser Liga mit Stationen Babelsberg, Zwickau, FSV Frankfurt/M., Zwickau, Aachen und 316 Spiele in den Regionalligen West, Nord, Nordost. Gesetzt meist auch Laurin von Piechowski (31). Jan Stein (23) kämpft noch darum. Einer der Spieler aus Aschaffenburg, Ex-Verein von Holger Seitz. Pepe Böhm (19) ist "Perspektivspieler". Mit Filip Kusic hat man hier eine starke weitere Option. Links verteidigt in der Regel David Grözinger (26), bereitete 4 Treffer vor. Schlechte Karten für Arne Rühlemann (21). Rechts hat Fixpunkt Tobias Dombrowa (26) weiter das Vertrauen der Trainer. Klar vorn gegen Linus Zimmer (23).
Im Mittelfeld sah das Team in den letzten Wochen vor der Winterpause die "Doppel-6". Zum Gerüst zählt eindeutig Farid Abderrahmane (29/3), auch der Vize-Kapitän. Seit über 5 Jahren beim 1. FC Lok, 164 Einsätze mit 24 Toren + 11 Vorlagen. Für einen Defensiven beachtlich. Flog im Hinspiel vom Platz, danach für 3 Spiele gesperrt. Rilind Kabashi (22) spielt bislang kaum eine Rolle. Schon eher natürlich Alexander Siebeck (32/1), ein Schlüsselspieler. Christoph Maier (26) ist keine echte Alternative. Für die offensive Ausrichtung steht der Kroate Dorian Cevis (24/4): 7 Torbeteiligungen. Das große Talent Eren Öztürk (21) hat es noch nicht dauerhaft in den Stammkader geschafft, ist aber nicht unwichtig.
Im Angriff gab es zuletzt in Fürstenwalde die Doppelspitze, ist Lok bestens aufgestellt. In der Mitte stehen mit Stefan Maderer (29/9) und Kapitän Djamal Ziane (33/3) zwei Spitzenspieler der Liga zur Verfügung. Für Luc Elsner (22) sieht es auch im zweiten Jahr mau aus. Auf dem rechten Flügel ist die Auswahl auch solide mit Pasqual Verkamp (28), Malik McLemore (29), Jonas Arcalean (28/5). Letzterer "Marktführer" mit sehr guten 8 Vorlagen. Verkamp spielt eine eher durchwachsene Saison, Malik McLemore muss sich nach Kreuzbandriss wieder ran kämpfen. Schmerzlich vermisst, da Offensiv-Allrounder. Der zweite "Knipser" neben Maderer klar Linksaußen Ayodele Adetula (28/12), der Nigerianer auf Platz 2 in der Liga-Torschützenliste hinter Jonas Nietfeld. Der Südkoreaner Min-gi Kang (24/1) gilt als ganz solider Ergänzungsspieler auf der Position.
26 Spieler umfasst das Aufgebot, 26,6 Jahre im Schnitt an der Spitze gemeinsam mit Greifswald.
Mehrere wichtige Akteure sind Ü30 wie Naumann, Wilton, Dziane, von Piechowski oder kurz davor. Einige der Eckpfeiler haben Vertrag über diese Saison hinaus. Abderrahmane, Adetula, Wilton, Siebeck, Grödzinger, Dombrowa, Kusic. Dagegen enden die Kontrakte u. a. von Maderer, Naumann, Ziane, Verkamp, von Piechowski. Und auch vom Cheftrainer. Ob ein Stefan Maderer bei einem möglicherweise erneut verpassten Aufstieg zu halten sein wird, fraglich.
Die Transferbilanz:
9 Neuzugänge gab es im Sommer, 11 insgesamt.
Von den 9 konnten sich Grözinger (BFC Dynamo), Arcalean (Astoria Walldorf), Adetula (Rödinghausen) als absolute Stammspieler etablieren und zählen zu den absoluten Verstärkungen. Adetula darf als "Volltreffer" gesehen werden. Jan Stein (Aschaffenburg) ist nah dran, sich durchzusetzen. Ebenso Öztürk (Altglienicke).
Dem Rest gelang dies so nicht. Wobei es mit Böhm (19/RB Leipzig U19), Rühlemann (20/Luckenwalde), Kabashi (22/Kaiserslautern II) auch 3 noch junge Akteure gab.
Fazit: quantitativ "ganz gut", qualitativ sicher sehr gut mit den 3 genannten Kickern. Sie haben die Substanz des Kaders noch mal deutlich aufgewertet.
Gewinner der Saison bislang:
Ayodele Adetula war vor dem Wechsel zu Lok beim Ex-Verein in Rödinghausen nur selten in der Startelf. Bei den Blau-Gelben absolute feste Größe, kämpft statt gegen den Abstieg in der West-Staffel um den Aufstieg in Nordost.
Krankenlager / Strafbank:
Jan Stein (Meniskusriss) wird am Sonntag definitiv fehlen, das bis Ende April. Auch Rilind Kabashi (Knieverletzung) dürfte pausieren müssen. Dorian Cevis muss durch die Spielabsagen gegen Meuselwitz und Zehlendorf seine "Rot-Sperre" aus dem Zwickau-Spiel abbrummen. Malik McLemore befindet sich nach dem Kreuzbandriss im Aufbautraining, steht wohl nicht im Kader.
Einen weiteren besonders schmerzhaften Ausfall musste unser Gegner Dienstag vermelden. Jonas Arcalean fällt aufgrund Bänderabriss im rechten Sprunggelenk für einige Wochen aus. Damit fehlen am Sonntag im Offensiv-Sektor Cevis, McLemore, Arcalean. Der Unterschied noch zu vor 3 Jahren, der Kader kann diese fehlenden Akteure relativ locker kompensieren. Quantitativ wie qualitativ.
Prognose:
Schwer vorstellbar, dass es am Ende nicht wieder Platz 1 wird. Vor allem die enorme Stärke im Kopf, neben der sportlichen Qualität, die man immer wieder unter Beweis stellt, dürfte es für die noch verbliebenen Konkurrenten schwer machen, die Leipziger noch abzufangen. Tipp: Platz 1.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Mit bereits 82 Duellen gibt es am Sonntag zum Jubiläumsspiel einen Klassiker des Ostens, besser geht es wohl kaum. Und was es noch interessanter macht, bei den Siegen sehen wir einen Gleichstand mit je 32 und auch noch knappen 138:139 Toren. Die 1:2-Niederlage im Herbst 2025 war dabei die erste nach 4 Duellen ohne eine solche. In Chemnitz hieß es 1:0 und 1:1. In der Messestadt 1:1 und 2:0.
Auf unseren Plätzen konnten wir immerhin 19 Spiele siegreich gestalten, 10-mal konnten die Leipziger feiern, 81:62 Tore wurden verbucht.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
Der verpasste Aufstieg 2025 war eine Enttäuschung, hat Lok aber keinen wirtschaftlichen Einbruch verpasst. Wenn es einen positiven Effekt gab, dann, dass es der Initiative für eine faire Aufstiegsregelung zur 3. Liga eben durch diesen Ausgang gehörigen Auftrieb gab. Die Mannschaft brach auch nicht auseinander, konnte durch eine (wieder) gute Personalpolitik bei den Neuen in der Qualität auf dem Niveau gehalten werden. Bei den Finanzen zeigt sich der Club insgesamt stabil. Für das Geschäftsjahr 2024/2025 konnte für den e. V. wie die GmbH ein Gewinn vermeldet werden. Der Verein durfte dabei ein starkes Plus von 671.000 € verkünden. Den 2 Mio. € an Ertrag standen 1,3 Mio. € an Ausgaben gegenüber. Die GmbH konnte einen 60.000 € Überschuss einfahren. Dennoch muss weiter intensiv an der finanziellen Seite vor allem für die Infrastruktur an und um das Stadion mit ihren Kosten gearbeitet werden. Der Erfolg des e. V. kam auch durch Mitgliederspenden von 876.000 € zustande. Eine Crowdfunding-Aktion spülte 105.000 € für die Infrastruktur des "Bruno-Plache-Stadion" in die Kasse. Dazu kam die Mitgliederumlage. Die GmbH selber ist mittlerweile komplett in den eigenen Händen, der e.V. alleiniger Gesellschafter. Die Familie von Mäzen Franz-Josef Wernze gab ihre Anteile zurück.
Auf den Rängen stimmt die Bilanz, mit 5.901 Zuschauern im Schnitt ist Lok auf Platz 4 der Zuschauertabelle hinter Erfurt, Jena und Halle. Ein Anstieg zu den 5.565 aus dem Vorjahr und 4.173 aus 2023/2024. "Kassenschlager" natürlich das Ortsderby gegen die BSG Chemie Leipzig, als sich zweitligareife 11.121 einfanden. Zwickau und der BFC Dynamo dann schon mit Abstand dahinter, 6.221 und 6.122. Der CFC zum Hinspiel mobilisierte 5.665. Im Frühjahr kommen dann mit Erfurt, Jena und Halle noch mal drei "Kracher" nach Leipzig. Dann sollte der Gesamtschnitt die 6.000 am Ende noch knacken. "Ausverkauft" gab es dann auch noch im DFB-Pokal gegen den FC Schalke 04 (11.900). Die bekannten Vorfälle da und im Sachsen-Derby gegen den FSV verhagelten den Verantwortlichen die Laune, Reaktion die Sperrung der Gegengerade für Tageskarten für das erste Spiel nach der Winterpause. Rückschläge bei den Bemühungen für ein positives Image. Am Sonntag wird sich eine solide Delegation in der Nordseite einfinden, rund 1.500 werden erwartet.