Schütteln nach der ärgerlichen Niederlage in der Messestadt und alle Kräfte …
von Timo Görner
… sammeln für den schwierigen Gang in die Saalestadt nur ein paar km weiter. Der gastgebende HFC hinkt zwar seinem Saisonziel hinterher, ist aber die Mannschaft der Stunde mit 5 Siegen in Folge. Wird nichts abschenken, Fans wie Sponsoren für die kommende Spielzeit mobilisieren.
Die Saison unseres Gegners bisher:
Verlief zeitweise schwierig, mit der Schwächephase ab Hinspiel bis zum späten November 2025. Verbunden mit viel Kritik an der sportlichen Leitung mit Cheftrainer Robert Schröder und Sportchef Daniel Meyer. Beide konnten sich behaupten, weil die Ergebnisse wieder stimmten. Dennoch hängt der Himmel am Hallenser Fußballhimmel nicht voller Geigen. Das einstige Saisonziel Platz 1 ist aktuell klar verfehlt, kaum vorstellbar, dass man den Abstand von 11 Punkten + 14 Toren zum Titelverteidiger wird aufholen können. Auch wurde in den letzten Tagen davon verabschiedet und dies im Verzicht auf die Lizenzierung zur 3. Liga 2026/2027 bestätigt. Neben dem Verweis auf die notwendigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schätzte man die sportlichen Erfolgsaussichten als zu gering an. Lok, Jena, Erfurt warfen ihre Hüte dagegen in den Ring. Der HFC richtet den Blick schon mit auf die kommende Spielzeit.
In den ersten 6 Spielen lief es, alles wurde gewonnen. Die Skeptiker, welche den Tausch des erfahrenen Mark Zimmermann gegen den jungen Robert Schröder aus Zehlendorf argwöhnisch diskutierten, schienen kein Recht zu behalten. Zu Hause wurde sein Ex-Verein 5:1 deklassiert, das Meisterstück aber das 2:1 in Erfurt. Auch wurde das "kleine Derby" gegen die II. des FCM 1:0 siegreich beendet. 18 Punkte die optimale Ausbeute, Platz 1 erobert. Der erste noch kleine Dämpfer das magere 0:0 gegen "Kellerkind" Chemie Leipzig. Der HFC fand kaum Mittel, defensiv orientierten Grün-Weiße auszuhebeln. Dennoch ging man mit breiter Brust ins Duell mit dem CFC.
Das 0:3 wurde als Ausrutscher wahrgenommen, verdiente Niederlage gegen Himmelblaue mit einem ihrer Highlights neben farblosen Begegnungen. 2 Spiele weiter lange Gesichter. Pleiten gegen Preußen (0:1), in Zwickau (1:2) ließen sie auf Rang 5 abrutschen. 6 Zähler auf das Duo aus Jena und Leipzig. Der Negativlauf wurde erstmal beendet, aber gegen Meuselwitz (1:0) tat man sich schwer. Ruhe brachte es nicht. Es ging holprig weiter, schmerzlich die 2:4-Pleite gegen Titelverteidiger Lok. Danach zweimal Rückstand beim 2:2 gegen Babelsberg. Die Bilanz inklusive CFC bis Runde 16: 1 Sieg, 2 Remis, 5 Niederlagen. Abstiegsreif, so reagierten auch die Fans. Als 7. Platz 1 schon 13 Punkte weg. Zu schwere Hypothek für den Rest der Saison. Der HFC hielt aber an Schröter und dem Sportchef fest.
In den weiteren Spielen bis heute ging es dann aufwärts. Das Team jahresübergreifend 9 Begegnungen ungeschlagen, holte zuletzt 5 Siege in Folge. Um nochmal oben anzugreifen zu spät. Trendwende das Spiel in Jena, dort der Sieg greifbar nahe. Die Heimstärke zurück, der HFC gewann da alle 4 Spiele bei nur 1 Gegentor. Wie gegen Erfurt (1:0) und den FCM II nach Rückstand (3:1). Auf Reisen wurde die Siegesserie seit dem 30.08.2025 mit dem 2:0 in Leutzsch beendet, bei Zehlendorf Mittwoch (4:1) nachgelegt. Zu Hause Halle drittbestes Team, dafür auf Reisen leicht drunter (5.). Der Saldo mit 5-3-3 positiv. 38:21 Tore sind offensiv Rang 4. Defensiv ist nur Lok besser. Ziel bleibt nun der Landespokal, dort geht es im Viertelfinale am 28.03.2026 zu Verbandsligist SV Eintracht Emseloh.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Einzige Veränderung war der Abgang von Mittelstürmer Cyrill Akono (25/Chemie Leipzig). Er kam im Herbst 2025 nur sporadisch in der jeweiligen Startelf zum Einsatz, das ohne Torerfolg. Kam seit dem Wechsel im Vorjahr auf 41 Einsätze mit 9 Treffern und 5 Vorlagen.
Die sportliche Leitung:
Robert Schröder (37) hat weiter das Sagen für die Regionalliga-Mannschaft, war durch die sportliche Entwicklung nach der Pleite im Hinspiel im Umfeld alles andere als unumstritten. Die Vereinsführung selber hielt an ihm fest. Die Tendenz seit Ende November 2025 wieder deutlich positiver. Als Co-Trainer unterstützt nach wie vor Sascha Prüfer (39). Niko Sternberg (39) coacht die Keeper.
Auf Managementebene sind Sportdirektor Daniel Meyer (46), Ex-Torwart Marian Unger (42) als Leiter der Lizenzspielerabteilung und Robert Marien (45) in Funktion des Kaufmännischen Leiters die wichtigsten Akteure. Marien zuvor bekannt als Vorstandschef des FC Hansa Rostock. Die Wege werden sich aber zum Saisonende wieder trennen.
Das Spieler-Kollektiv:
Klare Nr. 1 im Tor Sven Müller (30), das in allen 21 Punktspielen. Luca Bendel (22) durfte im Landespokal 3-mal ran. Jean-Marie Plath (23) ist noch ohne jegliche Einsätze, im Vorjahr in Eilenburg bei 8 Spielen. Tendenziell bislang der dritte Keeper beim HFC. Vertrag endet mit dieser Saison, ein Wechsel ist wohl zu vermuten.
In der Abwehr spielen die Saalestädter fast immer die Viererkette. Kurzzeitige Umstellungen auf den Dreier– und Fünferverbund brachten keinen Erfolg. Als Innenverteidiger waren bis jetzt Pascal Schmedemann (25), Burim Halili (25/1) die festen Größen. Schmedemann fiel nach den ersten 6 siegreichen Spielen verletzt aus, nicht Wenige im Umfeld sahen seinen Ausfall als einen der Gründe für die Probleme auf dem Rasen danach. Als Ersatz kam Routinier Jan Löhmannsröben (34) in die Abwehrreihe. Nominell eher einer der "6er". Vin Kastull (21), Kilian Zaruba (23) spielen eine meist untergeordnete Rolle. Klarer Fixpunkt auf der linken Seite Kapitän Niklas Landgraf (30), seit nunmehr über 8 Jahren in Halle mit 273 Einsätzen. Alternative auf der Position der junge Felix Langhammer (20). Auf Rechts ist Marius Hauptmann (26) absoluter Leistungsträger, Stand jetzt 5 Torvorlagen. Für unseren Ex-Spieler Robert Berger (30) eine unglückliche Spielzeit, welche bereits beendet ist.
Das vorwiegende System unter Robert Schröter ist das offensivere 4-3-3, selten wurde mit der Doppel-6 agiert. Etatmäßig dafür stehen wie erwähnt Jan Löhmannsröben, dazu Lennard Becker (20) und Elias Lorenz (19). Becker und Lorenz sind aber derzeit wohl (noch) keine Option für die Trainer. Als "8er" gelten Niclas Stierlin (26/6) und Fatlum Elezi (27/2), beide wichtige Spieler im bisherigen Verlauf. Sterlin am Mittwoch in Berlin der überragende “Matchwinner” mit 3 Toren. Rein offensiv ausgerichtet sind Max Kulke (27/2) und Joscha Wosz (23/1), wobei Kulke präsenter ist.
"Marktführer" im Sturm Mittelstürmer Malek Fakhro (28/7). Der Libanese Nationalspieler für das Land im Nahen Osten, 7-mal eingesetzt: 4 Tore. Zuletzt am 25.11.2025 beim FIFA Arab Cup. Dahinter der Portugiese Bocar Baro (27/4), meist von der Bank. Einer von 2 aus Zehlendorf. Lucas Ehrlich (21) die Nr. 3. Auf dem linken Flügel wirbeln der Türke Serhat Polat (25/2), Pierre Weber (22). Polat siehe Baro, 2025/2026 bis dato eine etwas durchwachsene Saison. Für Rechtsaußen sind nominell Fabrice Hartmann (24/2), Julien Damelang (22/4) im Kader. Hartmann für viele ein "Unterschiedsspieler", aber durch Verletzungen und 2 Spiele Sperre nach dem Duell gegen Chemie ausgebremst. Nicht der große Faktor. Luka Vujanic (22) darf man als hängende Spitze ansehen.
Eben dieser Sektor macht auch die Probleme deutlich. Es fehlt der echte "Knipser", Fakhros Quote ist mit 7 Toren in 21 Einsätzen ist nicht so ganz berauschend. Hartmann, Polat hatten mit Verletzungen zu kämpfen. Vujanic fiel komplett aus. Währenddessen ist der (umstrittene) Abgang Jonas Nietfeld Nr. 1 in der Staffel mit 15 "Buden" und 20 Torbeteiligungen, übrigens nur noch knapp vor Dejan Bozic (19).
Im Kader selber hat sich zur Herbstrunde kaum was verändert, jetzt sind es 26 statt 27. 25,1 Jahre im Schnitt fast identisch zum Unsrigen (25,2).
Die Transferbilanz:
10 Neue gab es bis heute. Von denen konnten sich Pascal Schmedemann (Greifswald), Fatlum Elezi (Lotte), Malek Fakhro (Duisburg) als Stammspieler etablieren und dürfen als "Verstärkungen" gesehen werden. Julien Damelang (Viktoria Berlin) war auch ein ganz "guter Griff", wenn auch überwiegend Ersatz.
Bocar Baro (Zehlendorf) gelang (noch) nicht der erhoffte Durchbruch, hier waren die Erwartungen nach zuvor 11 Treffern in nur 13 Spielen für Hertha 03 sicher höher. Auch wenn er nicht als "Flop" zu bewerten ist, immerhin 4 Tore. Die anderen spielen keine Rolle, wobei es fast ausschließlich noch recht junge Kicker sind. Wo es nicht zu erwarten war, dass sich jemand davon sofort etabliert.
Fazit deshalb: ganz ordentlich, aber eben auch nicht herausragend.
Gewinner der Saison bislang:
Schwierig auszumachen, vielleicht noch Malek Fakhro. Bei den "Zebras" im Vorjahr überwiegend Ersatzkader trotz ordentlicher Trefferanzahl. Beim HFC feste Größe.
Krankenlager / Strafbank:
Unser Gastgeber geht mit personellen Sorgen ins Spiel. Robert Berger fällt wie erwähnt definitiv aus, das seit bereits Anfang Oktober 2025 wegen Knieproblemen und dann einer notwendigen OP. Kehrt frühestens im Sommer wieder zurück. Felix Langhammer fehlt wegen einer Kahnbein-OP. Elias Lorenz pausiert noch knapp 2 Wochen wegen Kreuzbandriss. Serhat Polat zog sich Mitte Januar 2026 einen Bänderriss im Sprunggelenk zu, gegen uns vermutlich ebenfalls nicht im Kader. Luka Vujanic hat es auch übel erwischt: Wadenbeinbruch, Verrenkungsbruch des Sprunggelenks. Seit nunmehr über 1 Jahr außer Gefecht.
Prognose:
Am Ende könnte es noch zu Platz 3 reichen.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Mit nunmehr 72 Duellen ist diese Partie sicher einer der "Ost-Klassiker". Mittlerweile nur noch in der Viertklassigkeit. Wir liegen vorn mit 24 Siegen gegen 20 für die Hallenser, nach dem Hinspiel sind es 91:81 Tore. In der Saalestadt müssen wir eine negative Bilanz vermelden, verließen wir nach 10 Spielen den Platz als Sieger und schauten nach deren 15 bedröppelt drein.
Allerdings blieben wir dort zuletzt in 6 Begegnungen seit 2014 auch 5-mal ungeschlagen. Einzig am "Schwarzen 03. August 2019" beim 1:3 in der 3. Liga verlor Himmelblau beim HFC. Die Reihe der Resultate: 3:0 – 2:1 – 1:1 – 3:0 – 1:3 und 1:0. Unvergessen sicher das Ende im Vorjahr beim Erfolg durch das Tor von Seo.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
Der HFC im Jahr 2026 ist zwar kein schwieriger Sanierungsfall, muss aber Herausforderungen in wirtschaftlicher Hinsicht meistern und die baldige Rückkehr in die einnahmestärkere 3. Liga anpeilen. Eben mit Altlasten aus der Klasse haben die Rot-Weißen zu kämpfen, als der schwierige Spagat zwischen finanzieller Stabilität und der notwendigen Wettbewerbsfähigkeit auf dem grünen Rasen enorm schwierig war. 2023/2024 wurde mit einem Fehlbetrag von 58.000 € abgeschlossen, 1 Jahr zuvor lag man allerdings noch deutlich höher mit 550.000 €. Ein Grund auch die Rückzahlung erhaltener Corona-Hilfen und Verbandsstrafen für Vorkommnisse auf den Rängen, fast ausschließlich Pyrotechnik. Mit dem Abstieg in die Regionalliga wurde es nicht einfacher. Für 2024/2025 lag der Etat bei für diese Liga sehr ordentlichen 9,1 Mio. €. Rund 4 Mio. €. für die Profiabteilung. Für diese Spielzeit dürfte sich das im gleichen Bereich bewegen. Dagegen setzt man auf geplante Umsatzsteigerungen, mehr Sponsoren und entsprechende Budgetplanung. Ein Erfolg mit Sicherheit die Verlängerung mit dem Hauptsponsor, einem überregional bekannten Produzenten süßer Kost aus der Stadt bis 2029. Aufhorchen ließ dieser Tage die Trennung von Finanzvorstand Robert Marien zum Ende der Spielzeit. Gründe lt. Vereinsoberen unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung. Vornehmliches Projekt noch bis dahin die – aufgemerkt, Neuordnung der Cateringrechte im Stadion für mehr Einnahmen.
Wichtig auch hier der Zuspruch auf den Rängen. In dieser Spielzeit sind es im Schnitt 7.092 im "Leuna-Chemie-Stadion". Drittbester Wert der Staffel hinter Erfurt und Jena. Etwas rückläufig zum Vorjahr bei 7.543 als Nr. 1. Im bislang letzten Jahr in der 3. Liga 2023/2024 besuchten 7.836 pro Spiel die Begegnungen des HFC. Tendenziell damit ein Rückgang, aber auf ganz solidem Niveau für einen Verein der 4. Liga. "Kassenschlager" die Gastspiele der Leipziger Gäste mit Chemie (12.166) und Lok (11.300). Tiefpunkt der Auftritt des FC Eilenburg bei 4.832. Im Frühjahr 2026 kommen mit dem CFC, Zwickau und Jena noch mal 3 Clubs an die Saale, welche die Ränge eigentlich noch mal gut befüllen sollten. Auf der anderen Seite ist die Saison was Platz 1 anbetrifft, "gefühlt gelaufen". Für das Duell gegen uns darf wohl nicht mit einem fünfstelligen Zuspruch gerechnet werden, allenfalls könnten es maximal um die 8.000 sein. Am Dienstag jedenfalls waren gut 5.000 Tickets verkauft. Trotz der positiven sportlichen Entwicklung der letzten Wochen bleibt eine latente Unzufriedenheit nach dem erneuten (diesmal wesentlich klarerem) Verpassen des Saisonziels in der Liga. Spannend auch, wie sich personell aufgestellt wird. 14 haben Vertrag über diese Spielzeit hinaus, darunter die Eckpfeiler Schmedemann, Sterlin, Landgraf, Elezi. Dagegen laufen aber auch die Verträge von u. a. Kulke, Fakhro, Hartmann, Hauptmann, Löhmannsröben, Halili aus.