CFC am "Gründonnerstag" zu Gast bei Gegner im sportlichen Existenzkampf …
von Timo Görner
… gegen den Abstieg. Bei dem es aktuell auch rumort. Grund ist ein Wechsel auf der Kommandobrücke, betreffs eines ehemaligen Himmelblauen. Der CFC tat sich gegen Eilenburg zuletzt eher schwer, muss sich auf ein schwieriges Duell gefasst machen.
Die Saison unseres Gegners bisher:
Bewegt sich wie erwartet im Abstiegskampf. In den vergangenen 2 Jahren beendete der FCE die Saison als 16. und damit knapp über "dem Strich". Bei 3 Absteigern im Vorjahr hätte 1 Tor zum Klassenerhalt gefehlt. Die Lage ist auch diesmal schwierig, es wird vermutlich bis zum Ende ein harter Kampf bleiben. Die aktuelle Spielzeit war neben den üblichen Abgängen von Leistungsträgern wie Jonas Marx und Lennart Möbius auch durch den Weggang des Cheftrainers Sascha Prüfer nach Halle eine enorme Herausforderung. 11 Ab– und 9 Neuzugänge waren zudem ein mittlerer Umbruch im Kader. Der FCE muss gegen uns unbedingt 3 Punkte einfahren. Stand jetzt sind 3 Absteiger möglich. Und da fehlen auf den rettenden 15. Platz 7 Punkte und 10 Tore bei 1 mehr absolviertem Spiel. Größtes Manko die Auswärtsbilanz, wo noch kein Sieg erreicht wurde.
Am besten lief es zum Auftakt, dem 2:2 beim BFC Preußen folgte das überraschende 3:0 gegen Zwickau. Der letzte volle Erfolg für länger. In 15 folgenden Partien blieben nur 4 Punkte, ärgerlich und vollkommen unnötig aus unserer Sicht im Hinspiel. Darunter aber auch das Achtungszeichen gegen die ambitionierten Erfurter (1:1). Erfreulicher als das gleiche Ergebnis gegen Zehlendorf. Von Runde 7 bis 9 kassierte die Mannschaft 3 Niederlagen in Folge ohne Treffer. Keine Chance in Magdeburg (0:4), ernüchternd die Heimpleiten gegen Chemie (0:1), Babelsberg (0:2). Beides Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib. 2 Begegnungen von 8, in denen kein Tor erzielt wurde.
Vor der Winterpause ein Lichtblick. Die Sieglosserie wurde gegen die Preußen (1:0) beendet und in letzter Sekunde beim heimstarken FSV Zwickau das 2:2 markiert. Damit zumindest der Anschluss auf Platz 16 geschafft. Personell gab es wenig Änderungen. Der große Befreiungsschlag aus der Abstiegszone blieb bei 2 Siegen und 5 Niederlagen – 3 mit nur 1 Tor Unterschied, aus. Bei Lok war man wie erwartet chancenlos, ging 0:3 vom Platz. Half den Leipzigern aber mit 2:1 gegen wackelnde Jenaer. Stark der Auftritt beim 5:1 gegen Meuselwitz, ironischerweise letztes Spiel für Trainer Kevin Rodewald. Sein Nachfolger startete mit dem torlosen Remis in Zehlendorf, was keinem der Beiden so richtig nützte. Am Mittwoch vor dem Pokalwochenende konnte die Führung bei der VSG Altglienicke nicht behauptet werden (1:3), noch nicht das Ende. Aber ein Rückschlag.
Im eigenen Revier kann der FCE momentan 4 hinter sich lassen, gewann 4 der 13 Spiele und blieb in 7 Partien ohne Zählbares. 13:14 Tore sind offensiv zu wenig, defensiv aber ordentlich. Die Krux liegt halt auswärts, kein Sieg seit nun über 1 Jahr. Damals ein 3:0 bei Absteiger Viktoria Berlin am 04.03.2025. Dazu sind die 33 Gegentore zu viel. Im Pokal das Aus in Hauptrunde 3 mit einem 0:2 bei Oberligist VFC Plauen. Signifikant für die Auswärtsschwäche.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Es gab 2 Abgänge im Angriff und 1 Neuzugang in der Abwehr, dazu der Wechsel beim Cheftrainer.
Mittelstürmer Arlind Shoshi (28/VfLHalle 1896) schaffte auch in Eilenburg nicht den Durchbruch in Liga 4, ging der Kosovare eine Etage tiefer. Linksaußen Niklas Borck (22) ist noch ohne neuen Verein.
In die Gegenrichtung wechselte Linksverteidiger Lukas Griebsch (22/Chemie Leipzig). Bei den Leutzschern meist von der Bank ins Spiel gekommen. Blieb dort nach dem Wechsel aus Greifswald nur ½ Jahr.
Die sportliche Leitung:
Im Hinspiel hatte noch Kevin Rodewald (34) das Sagen. Wenige Tage nach dem verkündeten Abschied zum Saisonende trennte sich der Club von ihm. Nicht so ungewöhnlich in solchen Fällen, vor allem wenn es noch um was geht. Hier gab es aber wohl ernsthafte Unstimmigkeiten zwischen Clubführung und Trainer. Die Entscheidung in einer Phase, als es sportlich passabel lief. Der Nachfolger ist ein alter Bekannter, Karsten Oswald (50) übernahm zum 19.03.2026. Kennt die Liga aus der Zeit als Coach des VFC Plauen bis zur Beurlaubung im März 2025. Mit Rodewald musste auch der Co-Trainer gehen.
Als dieser unterstützt seit dem Antritt von Karsten Oswald mittlerweile Fabian Berger (37), zuvor Coach der II. René Koslowski (54) betreut die Torhüter. Marko Hofmann (42) ist für die Videoanalysen und Gegnerbeobachtung verantwortlich. Die Entlassung von Kevin Rodewald selbst sorgte in den letzten Tagen für einige Unruhe auf der Leitungsebene.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor wurde wie erwartet Jakob Pieles (31) Stammkraft. Im Vorjahr in Plauen ja bereits Leistungsträger. Niclas Ben Edelmann (22) bestritt beide Spiele im Sachsenpokal, wurde 3-mal in der Liga aufgeboten. Einen dritten Torwart gibt es hier nicht.
In der Abwehr gibt es wie fast überall die Viererkette. Bei den Innenverteidigern gelten Vincent Zaruba (22) und Vize-Kapitän Tom Fischer (24) als Eckpfeiler. Adrian Jarosch (24) war bis zur Winterpause fast durchgängig feste Größe, dann Reservist. Kehrte in Fürstenwalde gegen Altglienicke erstmals wieder in die Stammelf zurück. Fischer kam mit Pieles aus Plauen, kommt auf 3 Vorlagen. Als Linker Verteidiger konnte sich Winter-Neuzugang Lukas Griebsch (22/1) sofort etalieren. Explizit für diese Position fehlte zuvor jemand im Kader. Auf Rechts gibt es den "Fast-Dauerbrenner" Patrick Aguilar (24/1). Das Tor erzielt im ersten Spiel bei den Preußen. In 26 von 27 Begegnungen auf dem Platz. Franco Schädlich (21) hat da einen schweren Stand, Januar 2025 aus dem Lößnitztal gewechselt in dieser Saison mit weniger Berufungen in den Stammkader.
Neuer Trainer, (vermutlich) anderes System. Unter Rodewald wurde im 4-2-3-1 gespielt. Karsten Oswald wechselte in Fürstenwalde auf 4-1-4-1. Nur ein "6er", vermutlich für mehr Richtung Offensive. Denn Remis helfen kaum. Kapitän Tom Weiß (24/2) ist dafür vorgesehen, spielt aber auch Manndecker. Dazu kommt der erfahrene Michael Schlicht (32), 186 Spiele in dieser Staffel für Eilenburg, Budissa Bautzen, Lok Leipzig, Auerbach, Zwickau. Für die "Schwäne" auch 17-mal in der 3. Liga. Moritz Kretzer (28/2) besetzt den "8er". Joel Ampadu (23) spielt keine Rolle. Die beiden Außenbahnspieler sind Rechts Kurt Pestel (20/1), Links Marcus Niemitz (25/5). Niemitz mit 9 Torbeteiligungen und "Schienenspieler". In den ersten Partien Linksverteidiger. Die zentrale Offensive führt eindeutig Jeronimo Mattmüller (23/5) an vor Aaron Henkel (19/2) und Noah Baumann (24). Henkel und Baumann wie Schädlich aus der gleichen Richtung.
Dem Angriff fehlt ein Torjäger. Erfolgreichster Torschütze ist Timo Mauer (28) auf Rechtsaußen mit 2 Toren in 20 Spielen, kann aber als Vorbereiter 5-mal punkten. Im Hinspiel zum 0:1. Corvin Kosak (21/2) in der Sturmmitte ist an 4 Treffern beteiligt. William Kallenbach (20/2) und Nick Poser (20) besetzen normal den linken Flügel. Zum Vergleich die letzte Saison: Jonas Marx traf 11-mal, Lennart Möbius auf der Mauer-Position auch noch 5-mal. Damit gingen 16 Tore. Klar ersichtlich, dass die beiden Abgänge nicht so richtig aufgefangen werden konnten.
Mit den Neuzugängen im Winter steht der FCE nun bei 22 Akteuren, kleinster Kader der Liga. Ein deutlicher Einschnitt zu 27 aus 2024/2025. Damals 23,4 Jahre im Schnitt, jetzt 24,4. Von den 22 ist nur Nick Poser ohne Spielpraxis. Die 26 Tore verteilen sich auf 11 Kicker. Beim CFC sind es 42 auf 10.
Die Transferbilanz:
10 Neue wurden geholt, 9 vor der Winterpause. Von diesen konnten sich Jakob Pieles, Tom Fischer (Plauen), Corvin Kosak (Greifswald), Jeronimo Mattmüller (Lichtenberg 47) und Timo Mauer (Chemie Leipzig) fast durchgängig bzw. über weite Strecken der Spielzeit als Stammspieler empfehlen. Bester Zugang sicherlich Mattmüller. Timo Mauer ist ebenfalls durchaus als "Verstärkung" anzusehen. Auch Pieles konnte meist überzeugen. Lukas Griebsch vom gleichen Verein wie Timo Mauer wurde wie schon erwähnt sofort Stammkader.
Fazit insgesamt: ganz gut, aber im Angriff gab es keinen adäquaten Ersatz für Jonas Marx und auch Lennart Möbius.
Gewinner der Saison bislang:
Jeronimo Mattmüller kam aus der Oberliga mit der Empfehlung von 12 Toren und 10 Vorlagen, schaffte den Status "wichtig" auch beim FCE. Jakob Pieles und Tom Fischer blieben in der Regionalliga nach dem Abstieg des VFC, möglicherweise aber nur für 1 Saison.
Krankenlager / Strafbank:
Es sind keine Ausfälle bekannt.
Prognose:
Es wird enorm schwer, den 16. Platz zu schaffen, aber nicht unmöglich. Aus den restlichen 7 Spielen müssen vermutlich noch 15-16 Punkte her. Das Restprogramm ist nicht "sehr knackig", aber auch nicht einfach. Tipp: es wird diesmal knapp nicht reichen. Eventuell steigt das "Endspiel" in Runde 33 bei der BSG Chemie. Eventuell kommt aber der Aufstieg des Staffelsiegers in die 3. Liga und gleichzeitiger Abstieg des 1. FC Magdeburg aus der 2. Bundesliga zu Hilfe.
Bilanz gegen unseren Gegner:
14 Duelle liegen vor, wir liegen deutlich vorn mit 8 Siegen gegen 3 Niederlagen bei 24:12 Toren. In Eilenburg konnten wir 4-mal jubeln und schlichen nach 3 Partien bedröppelt vom Platz mit jeweils 1:2 – 0:1 und 2:3 am 12.05.2024. Damals mit Leon Damer, Roman Eppendorfer, Felix Müller in der Anfangself. Zuletzt trennten wir uns dort 2:2, den letzten Sieg nahmen wir vor mittlerweile fast 4 Jahren mit – 2:1.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
Der FC Eilenburg arbeitet eher unaufgeregt, große Luftschlösser werden nicht gebaut. Der Erhalt der Regionalliga für die Kleinstadt an der Mulde mit rund 17.000 Einwohnern ist enorm wichtig, aber nicht um jeden Preis. Sparsames Wirtschaften ist angesagt, das immer mal Leistungsträger und hier vor allem ambitionierte jüngere Akteuren den Club zu entsprechenden Vereinen verlassen, ist quasi "eingepreist". Die Konkurrenz der nahen Messestadt an Sponsoren und Zuschauern ist bekannt, nicht nur was den großen Platzhirsch in der 1. Bundesliga anbetrifft. Auch die beiden Konkurrenten der eigenen Liga werfen ihre Schatten bis ins Eilenburger Gebiet. Aktuell begeistern sich im Schnitt 645 Besucher für die Heimspiele im "Ilburg-Stadion" am nördlichen Stadtrand. Offizielle Kapazität wie in Leutzsch 4.999. Macht entsprechende Auflagen ab 5.000 vermeidbar. Fast ausschließlich Stehplätze für 4.556 Fußballfreunde, 443 dürfen sitzend zuschauen und 253 sind bei Regen u. a. Niederschlag geschützt. Die "Kassenschlager" waren natürlich die Gastspiele von Lok (1.959) und Chemie (1.542). Jena mobilisierte auch noch ordentliche 1.084. Bei Gästen mit deutlich weniger Anhang zuweilen Tristesse wie gegen Meuselwitz bei 212. Eins von 7 Partien mit weniger als 300.
Trotz der Lage wie angesprochen im Schatten der Messestadt kann der Club auf einen seit Jahren verlässlichen Kreis an Unterstützern bauen. 7 Unternehmen bilden den Kreis der "Hauptsponsoren". Allen voran der Partner auf dem Trikot mit einer Geflügel- und Tiefkühlfeinkost Produktions GmbH aus Mockrehna. Dazu kommen auch hier eine Sparkasse und die örtlichen Stadtwerke. Bei den "Premium-Sponsoren" darunter engagiert sich u. a. auch das wohl bekannteste Unternehmen der Stadt. Kontinuität auch in der Vereinsführung. Den Vorstand leitet Uwe Stark, Betriebswirt – Regionalmanager der FSP Unternehmensgruppe. Auch Vize Kerstin Kleber hat Erfahrung in der Wirtschaft als Dipl. Wirtschaftsingenieurin einer Fördertechnik GmbH. Eigentlich ist Unruhe im und um den Club so eher ungewohnt. Allerdings schlug die Entlassung von Cheftrainer Kevin Rodewald ausgerechnet nach den sportlichen Lichtblicken zuletzt hohe Wellen. Stephan Hofmann, Sportlicher Leiter und langjähriger verdienstvoller Spieler war gegen die Entscheidung. Würde aber quasi überstimmt und nahm seinen Hut. Querelen zur Unzeit, in der kritischsten und wichtigsten Phase der Saison. Sollte der CFC am Donnerstag 3 Punkte mitnehmen, würde es die Kritik an der Handlungsweise in der Chefetage wohl verschärfen.