Gastspiel in Berlin-Lankwitz im "Spiel um Platz 7" …
von Timo Görner
… beim punktgleichen Aufsteiger, der mit dem Abstiegskampf schon seit Wochen nichts mehr zu tun hat. Für den CFC wieder eine heikle Aufgabe wie in Eilenburg, die Gastgeber zeigten sich im Frühjahr 2026 zuletzt sehr stabil.
Die Saison unseres Gegners bisher:
Dem Ziel vorzeitiger Klassenerhalt ist der Club aus Berlin-Lankwitz nach der Herbstrunde 2025 ein großes Stück näher gerückt. Im schlechtesten Fall wäre Platz 15 der erste Abstiegsplatz zurück in die Oberliga. Auf den haben die Preußen-Adler derzeit 11 Punkte und auch noch 8 Tore Abstand bei 1 Spiel weniger. Vom 16. trennt das Team bereits 16 Zähler, ebenfalls 1 Partie weniger. Ein Polster, was einigermaßen gelassen machen kann. Die Berliner erzielen nicht so viel Tore, sind aber auch keine "Schießbude". Signifikant zudem die Ausgeglichenheit bei den Heim – und Auswärtsbilanzen. Im heimischen Revier ist der BFC Preußen gut, aber keine absolute Macht. Auswärts ist der Ertrag bis dato ordentlich.
Die Startphase holprig mit 4 Punkten aus 4 Spielen, den Sieg holte sich die Mannschaft im Ortsderby bei Zehlendorf (2:0). Chancenlos in Luckenwalde (0:3), der "andere BFC" gewann bei den Preußen 2:1. Bis Spieltag 12 konnte sich der Aufsteiger ins Mittelfeld vorarbeiten. Lohn für beachtliche 14 Zähler aus 7 Duellen. Achtungszeichen das 1:0 bei Staffelfavorit Halle, auch bei uns wurde fast gewonnen. Im Duell der Aufsteiger reiste der FCM II 0:1 geschlagen ab. Durchaus respektabel zudem das 1:1 in Greifswald, auch wenn der GFC weit von der Spitze entfernt ist. Beim 2:4 gegen Erfurt wiederum war mit Eigentor und Platzverweis etwas Pech im Spiel.
Bis zur Winterpause der Aufsteiger stabil und mit dem "Sieg-Hattrick". Der starke FSV Zwickau wurde 3:2 besiegt, in Babelsberg nach famoser 2. Halbzeit ein 5:2 gezeitigt. Das "Gesellenstück" aber der Sieg gegen den Meister (2:0), die defensiv solide Vorstellung Grundlage. Lohn Platz 5 nach 15 Spieltagen. Etwas enttäuschend die Pleite in Eilenburg (0:1). Wenn es einen Wermutstropfen gibt, so das Aus im Pokal. Kam Dynamo zum 3:1-Auswärtssieg im Viertelfinale. Kein Ticket für den DFB-Pokal wie zuletzt 2016. Die Frühjahrsrunde begann schleppend, erst mit Spieltag 24. Da aber ließen die Schwarz-Weißen in Erfurt (1:0) aufhorchen, bevor 5 sieglose Spiele folgten. Die Lokalderbys bei Dynamo (1:3) und Hertha BSC II (0:5) wurden verloren wie gegen Halle (1:3).
Die einzig schwierige Phase. Die Preußen kamen zurück, sind vor dem Mittwoch nun 5-mal in Folge ungeschlagen. Wenn auch mit "nur" 9 Zählern durch insgesamt 3 Remis beim FCM II (1:1), in Leipzig-Leutzsch (2:2), am Oster-Wochenende torlos gegen Greifswald. Dafür dürften die Siege gegen Luckenwalde (3:1) und in Meuselwitz (3:2) den vorzeitigen Klassenerhalt gesichert haben. Das Duell gegen uns ist Teil II eines Programms mit 7 Partien im April, 5 zu Hause. Grund die Spielausfälle. Einziger Wermutstropfen der Spielzeit das Aus im Pokal-Viertelfinale (1:3) gegen Namensvetter Dynamo, gingen alle 3 Pflichtspiele gegen Weinrot-Weiß verloren. Kein Einzug in den DFB-Pokal, zuletzt 2016 erreicht.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Bei keinem anderen Verein der Liga gab es so viel Bewegung. 8 haben den BFC seit dem Duell im August 2025 verlassen, 6 kamen neu dazu. Bemerkenswert insofern, das man sportlich ja durchaus zufrieden sein konnte.
Linksverteidiger Stephan Brehmer (33/Wilhelmshaven) wechselte in die Oberliga Niedersachsen, kam auf immerhin 4 Torvorlagen. Linksaußen Shean Mensah (26/Tasmania Berlin) wechselte ebenfalls eine Liga tiefer. Dass die wichtigen Abgänge. Der Rest spielte keine oder keine wichtige Rolle wie Phil Butendeich (25) auf Mensahs Position, der nach Luckenwalde zurückkehrte oder Jamil Dem (32), der auf nur 2 Minuten an Spieltag 2 kam und danach nicht mehr im Kader stand. Der Defensiv-Allrounder ist noch ohne neuen Verein.
Bei den Neuen wurde fast alles für den offensiven Sektor verpflichtet. Einziger Defensiver Rechtsverteidiger Justus Götze (21/Mainz 05 II), beim Südwest-Regionalligist nur selten eingesetzt. Fritz Schröder (20/Luckenwalde) und Kanto Fitiavana Voahariniaina (28/Zehlendorf) – aus Madagaskar, sind Rechtsaußen. Der Bosnier Luca Butkovic (21/Siroki Brijeg) aus der dortigen ersten Liga sowie Daoud Iraqi (26/Tasmania Berlin) wirbeln auf dem linken Flügel. Iraqi vielleicht noch bekannt aus Babelsberger Zeiten. Philipp Kühn (23/Vermont Catamounts) gilt als Mittelstürmer und kam aus den USA.
Alles Akteure, die bei den Ex-Vereinen nicht gerade zu den Stammkräften gehörten. Iraqi z. B. wurde beim Ex-Regionalligisten nur sehr sporadisch eingesetzt.
Die sportliche Leitung:
Daniel Volbert (53) hat auch im Rückspiel das Sagen für die Regionalliga-Mannschaft. Er kann eine gute Bilanz mit 7 Siegen – 5 Remis – 5 Niederlagen und einen Punkteschnitt von 1,53 vorweisen. Ex-Profi Thorben Marx (44) unterstützt weiter als Co-Trainer. Benjamin Borth (32) wirkt in der Funktion des Geschäftsführers, zuvor bei TeBe Berlin. Die ihn nur sehr ungern ziehen ließen, wie man hört finanziell bis an die Schmerzgrenze gingen. Als der starke Mann und Macher im sportlichen Bereich gilt der Leiter mit Pierre Seiffert.
Das Spieler-Kollektiv:
In den ersten 6 Spielen war Steffen Westphal (26) Nr. 1, im Hinspiel verletzt raus. Fiel die restliche Herbstrunde wegen der schweren Gesichtsverletzung aus. Für ihn kam Karl Albers (23), selber gegen den FCM II kurz vor Halbzeit ausgewechselt. Ersetzt da und im folgenden Spiel durch Timo Habel (23), kehrte aber gleich zurück. Ist weiter der Stammkeeper. Westphal an sich aber wieder fit. Habel verließ den BFC in der Winterpause.
In der Abwehr gibt es die Viererkette. Als Innenverteidiger sind Adrian Kireski (25/1), Lenny Stein (30/4) Eckpfeiler. Charmaine Häusl (30) - 6-facher Nationalspieler der Seychellen spielt erst seit der Frühjahrsrunde eine wichtige Rolle. Leo Sommerfeld (21), Reda Ouakil (19) müssen sich gedulden. Auf der linken Seite konnte sich Ben Meyer (27/2) wie erwartet empfehlen. Der einzig "gelernte auf der Position". Rechts hingegen gibt es ein "Überangebot", mit Winter-Neuzugang Justus Götze (22) sind es gleich 4. Feste Größe blieb aber Alexander Dikarev (21) klar vor Oliver Maric (23), Jerome Kortebusch (19). In der Abwehr hat sich zur Herbstrunde relativ wenig verändert.
Im Mittelfeld findet sich die "Doppel 6". Wichtig Niklas Brandt (32/2) mit seiner Erfahrung aus den Stationen BFC Dynamo, Greifswald, Lok Leipzig. Ebenso erfahren und mit guter Qualität für diese Liga Philip Fontein (32/3), an 6 Toren beteiligt. Nominell "8er", aber meist Nebenmann von Brandt. Ole Hoch (23/2) gilt als "Ergänzungsspieler". Stammt aus der Jugend vom FC Schalke 04 und FCM. Einziger etatmäßiger Akteur auf der Außenbahn Chadi Ramadan (22) (eigentlich) auf Links. Derzeit gut unterwegs mit 2 Toren in 4 Spielen. Da Rechts aufgeboten. Bis auf 1 Jahr mal in Tschechien beim MFK Karvina bislang ausnahmslos in Berlin aktiv. Stationen zuvor der Berliner SC, BAK und TeBe.
Mit den Neuen im herrscht ein großer Konkurrenzkampf. Wohl im Hinblick auf 2026/2027. Bester Stürmer in der Mitte Nikolas Frank (21/6). 4 Tore erzielt im Frühjahr, kam 2023 aus der U19. Konkurrent Philipp Kühn (23/1). Kapitän Patrick Breitkreuz (34/4) ist primär "hängenden Spitze", machte das Tor Hinspiel. Zuletzt erfolgreich am 31.10.2025. Auf den beiden Flügeln viel Personal. Links der Kroate Luca Butkovic (21/1), Palästinenser Daoud Iraqi (26) sowie Landsmann + "Eigengewächs" Jasin Abou-Chaker (18). Iraqi und er spielen bislang keine Rolle. Rechtsaußen sind Oluwaseunnla Eni-Owo Adekunle (24/2), Kanto Fitiavana Voahariniaina (28), Fritz Schröder (20/1) zu Hause. Schröder mit 3 Vorlagen. Adekunle aber vorn mit 6 Torbeteiligungen.
25 stehen im Aufgebot, 25 Jahre im Schnitt. Das Liga-Mittelwert. Besetzt mit den erfahrenen Akteuren Brandt, Fortein, Häusl, Breitkreutz, Meyer. Dazu vielversprechende jüngere Akteure: Frank, Ramadan, Dikarev. Das gute Abschneiden überrascht nicht. Nur 7 Verträge laufen zum Ende aus. U. a. Breitkreutz, Stein, Frank. 17 haben Kontrakt bis 2027. Einen größeren Umbruch dürfte es so nicht geben.
Die Transferbilanz:
24 (!) Neuzugänge gab es bis heute, 18 zum Start bzw. vor der Winterpause, dazu die 6 später.
Von den 18 konnten sich Karl Albers (SV Rödinghausen), Ben Meyer (BFC Dynamo), Adrian Kireski (1. FC Lok Leipzig), Niklas Brandt (Greifswald), Philip Fontein (SF Lotte), Alexander Dikarev (FC Viktoria Berlin), Chadi Ramadan (TeBe Berlin) überwiegend als Stammspieler empfehlen. Bei Meyer, Brandt, Fortein, Kireski konnte man durchaus davon ausgehen. Positive Überraschungen waren sicherlich Ramadan, Butkovic. Karl Albers profitierte sicher auch mit vom Verletzungsausfall von Steffen Westphal in Chemnitz.
Es gab hier auch Spieler, von denen man sich mehr erhofft hatte und die wieder weg sind. Der Franzose Gobé Gouano (Litex Lowetsch/Bulgarien) musste in die II. Phil Butendeich (Luckenwalde) kehrte zum FSV zurück. Shean Mensah (Altglienicke) zog es in die Oberliga zu Tasmania. Charmaine Häusl (Babelsberg) hatte lange wenig Einsätze, im neuen Jahr gut dabei.
Bei den 6 Winter-Transfers läuft es für Luca Butkovic (NK Siroki Brijeg/Bosnien) bislang am besten, fast immer gesetzt. Für Philipp Kühn (Vermont Catamounts/USA) begann es gut, zuletzt aber nicht im Kader. Dahinter noch Fritz Schröder (Luckenwalde) mit mehreren Spielen in der Startelf.
Gesamtfazit: eher mittelprächtig, aber auch ohne größere negativen Effekte.
Gewinner der Saison bislang:
Alexander Dikarev schaffte mit dem Wechsel den Klassenerhalt, bei den Preußen zudem Stammkader. Chadi Ramadan als Zugang aus der 5. Liga kann auch recht zufrieden sein.
Krankenlager / Strafbank:
Patrick Breitkreuz und Adrian Kireski mussten zuletzt verletzungsbedingt passen, Einsatz gegen uns noch unsicher.
Prognose:
Es könnte für einen einstelligen Platz reichen.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Sieht nur das 1:1 aus dem Hinspiel.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
In Berlin gibt es neben den beiden großen "Platzhirschen" Union und Hertha BSC wie man weiß seit Jahren die Bewerbung als "starke Nr. 3". Eine Konkurrenz zu beiden Clubs, die fast ständig ausverkaufte Stadien im fünfstelligen Zuschauerbereich aufweisen können wird man nie sein können. In der Vergangenheit wurde sich an dem Wettbewerb von mehreren Vereinen beteiligt. Der Berliner AK 07, TeBe, Viktoria, Altglienicke, Dynamo warfen ihren Hut in den Ring. Einen echten Gewinner gab es bis heute nicht. Der BAK und Viktoria kämpfen mittlerweile in der der Oberliga Nordost Nord um das sportliche und finanzielle Überleben. Bei diesen Folge einer zu starken Abhängigkeit von einzelnen Akteuren. Als das Geld nicht mehr sprudelte, ging es nach unten. Die VSG probiert es seit nunmehr über 7 Jahren auch erfolglos, hat zudem immer noch keine eigene regionalligataugliche Spielstätte und die Hauptstadt für diese Spielzeit verlassen. TeBe ist in einer Konsolidierung, der BFC Dynamo auch wieder weiter weg von diesem Anspruch. Wobei die Ambition in der Art dort zumindest nach außen nicht die Priorität hatte. Zu groß dort das Bewusstsein auf die eigene Identität.
Beim BFC Preußen wird mittelfristig die 3. Liga angepeilt, zumindest dürfte für die kommende Saison mehr anvisiert werden als der vorzeitige Klassenerhalt. Die Voraussetzungen scheinen hier nicht so schlecht. Man hat ein eigenes Stadion, unabhängig von Gnade und Beweglichkeit der Ämter in Berlin wie bei Zehlendorf oder Altglienicke. Eine stärkere Abhängigkeit von Mäzenen und Investoren wie bei der VSG oder früher Viktoria sieht man hier auch nicht so. Auch soll die Spielstätte weiter unter der eigenen Oberhoheit bleiben. Auf dem Gelände des heutigen "Preußen-Stadion" soll nach dem Abriss eine neue Arena entstehen, drittligatauglich für 5.000 Zuschauer. Eben das ist aber nur ein Teil eines ambitionierten Projekts als "kompletter Sportcampus" mit Sporthotel, Sporthallen, Beachvolleyball-Anlage u. a. Dafür muss viel Geld bewegt werden, die Rede ist von ca. 70 Mio. €. Noch steht aber die Finanzierung so nicht, müssen Partner und Investoren gefunden werden. Beim Zuspruch an sich diese Saison sind die Preußen-Adler in den Niederungen der Liga bei einem Schnitt von 664. Knapp hinter Hertha BSC II und vor Hertha 03 Zehlendorf. Den besten Besuch gab es gegen Chemie mit 1.200 und zum BFC-Duell bei 1.096. Dahinter Lok (968) und Halle, Erfurt jeweils etwas mehr als 800. Tristesse hingegen gegen Altglienicke (145). Am Mittwoch dürften es wohl nicht mehr als 500 werden.