Weiter, immer weiter …
von Timo Görner
… am Sonntag mit Teil 2 des "Kracher-August". Gegen Zwickau konnten die Himmelblauen den Nachweis erbringen, gegen ein Top-Team der Liga zu bestehen. Nun geht es zum Halleschen FC, einem eben solchen. Selten konnte man so zuversichtlich auf ein solch schweres Gastspiel blicken.
Die letzte Saison unseres Gegners:
War für den langjährigen Drittligisten 2024 eher ein "verlorenes Jahr". 2024/2025 noch bis zum letzten Spieltag zumindest rechnerisch in der Lage den Meistertitel zu erringen, in die Relegation mit dem sofortigen möglichen Wiederaufstieg zu gehen, wurde es Platz 4. Weit entfernt von den eigenen Ansprüchen. Die Tabellenspitze zeitweise in weiter Ferne, was den Club Anfang März 2026 dazu veranlasste, dem Lizenzierungsverfahren zur 3. Liga fernzubleiben. Eine Entscheidung, welche im Umfeld nicht überall Verständnis fand. Zu dem Zeitpunkt der HFC im "Niemandsland" versunken, 12 Punkte Rückstand auf Lok. Die damals noch konstant unterwegs waren. Grund für die schlechte Ausgangslage die Schwächephase von Spieltag 7 bis 16 nach den ergebnistechnisch starken 6 Siegen. Die umstrittene Personalie beim Cheftrainer mit dem Wechsel von Mark Zimmermann zu Robert Schröder schien richtig gewesen zu sein. Auf Reisen der Sieg in Erfurt (2:1), das 5:1 gegen Schröders Ex-Club Zehlendorf. Die Defensive überzeugend, nur 3 Gegentore.
Die Flaute begann im "Skandal-Spiel" gegen Erzfeind Chemie Leipzig, erster Tiefpunkt der Saison die klare Niederlage bei uns. Tristesse beim 0:1 gegen Aufsteiger Preußen und gleichen Ergebnis bei Hertha BSC II. In Zwickau wurden die Punkte nach Führung verspielt. Der Negativlauf nur 1-mal unterbrochen, beim mühsamen Heimsieg gegen Meuselwitz (1:0). Lok gewann dann wie im Vorjahr wieder an der Saale (4:2). In Jena der HFC dann mit deutlich positivem Trend, aber Ausgleich kurz vor Ende. Bilanz der 10 Spiele: 1 Sieg – 4 Remis – 5 Niederlagen. Absteiger-Werte, Halle verabschiedete sich vom Aufstiegsrennen. Nach 16 Spieltagen war aus dem Tabellenführer Platz 6 mit 15 Zählern auf Rang 1 geworden. Cheftrainer und Sportdirektor unter Beschuss. Bis zur Winterpause wurde sich stabilisiert, holte die Mannschaft 7 Punkte aus 3 Spielen. Im Grunde zu spät, personell wurde auch nicht noch mal reagiert.
In der Frühjahrsrunde ging nach oben nichts mehr. So sah man keinen Sinn für die Lizenzierung der 3. Liga. Und schon sah es so aus, als wäre das ein grober Schnitzer gewesen. Woran es lag, nicht klar für Außenstehende. Der HFC kam glänzend aus der Spielpause, gewann 7 Spiele. Und war schon auf 8 Zähler am nicht mehr so sicheren FCL heran. Im heimischen Revier wurden neben uns auch Erfurt (1:0), Zwickau (3:0) besiegt. Das Derby in Leutzsch 2:0 gewonnen, auch die "Pflichtaufgabe" bei Zehlendorf (4:1). Mit dem 2:3 in Meuselwitz begann dann ein Auf – und Ab. Zu Hause holten sich Jena (0:2), Altglienicke (2:3) die Punkte. In Babelsberg wurde das Team 4:1 abgewatscht. Erfreulich die Gastspiele in Luckenwalde (4:1), Eilenburg (5:0), bei Lok (0:0). Und als Trost ging der Landespokal wieder zum HFC. Oberligist Halberstadt war im Finale chancenlos (4:0). Heim– wie auswärts Halle das viertbeste Team. 63:36 Tore die fünftbeste Offensive und drittbeste Defensive. Robert Schröder blieb, aber Sportchef Daniel Meyer zog es weg. Zur Spvgg. Greuther Fürth als Geschäftsführer Sport. Seine Ära blieb alles in allem kein Erfolg.
Delegierungen für diese Saison:
Es gab wieder Bewegung mit 10 Ab– und 8 Neuzugängen.
In der Abwehr zog es Innenverteidiger Jan Löhmannsröben (34) zu uns. Fatlum Elezi (28/SV Rödinghausen) in der Mittelfeld-Zentrale spielt in der West-Staffel. In der Herbstrunde noch feste Größe, im Frühjahr 2026 das nur sporadisch. Der Angriff wurde mit je 4 Wechseln in beide Richtungen fast neu aufgesetzt. Mittelstürmer Malek Fakhro (28/Bocholt) zog es wie Elezi nach Westen, 8 Tore in 33 Spielen. Dass die, welche eine wichtige Rolle spielten. Erwähnenswert noch, dass Serhat Polat (25) auf Linksaußen auch ging. Er kam mit Wunschtrainer Robert Schröder aus Zehlendorf, erwies sich nicht durchgängig als Verstärkung. Der Türke heuerte in der Heimat bei Zweitligist 1461 Trabzon FK an.
Bei den Neuen wurde vor allem für den Angriff agiert. Eine Verpflichtung brachte für das Spiel unter der Woche Zündstoff. Für das Tor kamen Moritz Schulze (25/Kickers Emden), dazu kehrte Keno-Miguel Meyer (19/Bremer SV) zurück. War an die Bremer verliehen. Letzterer nur am Beginn der Saison 2025/2026 mit der erhofften Spielpraxis. Schulze hingegen bei den Ostfriesen nach dem Wechsel zu den Kickers gesetzt.
In der Abwehr stießen die Innenverteidiger Niklas Kastenhofer (27/Babelsberg), Romeo Trinko (U19) zum Team. Kastenhofer war erst 2025 zu 03 gegangen. Mit Verletzungspech, flog als Stammspieler wegen Schienbeinverletzung im Dezember 2025 aus der Mannschaft. Comeback erst am letzten Spieltag. Im Mittelfeld wurde nichts vermeldet.
Der "Königstransfer" findet sich in der Abteilung "Tore machen" mit Mittelstürmer Soufian Benyamina (30/Greifswald). Bilanz beim GFC: 117 Spiele – 68 Tore. Emilio Stobbe (19/Halberstadt) war ebenfalls verliehen, bei Germania gut unterwegs. Auf Linksaußen zog es den Mosambikaner Stanley Ratifo (31) aus Leutzsch in seine Heimatstadt. Empfehlung 17 Treffer, dazu seine 42 Länderspiele. Die Verpflichtung mit Zündstoff. Abdoul Karim Soumah (26/TuS Makkabi Berlin) spielt normal die gleiche Position, kam in den ersten 10 Begegnungen der Oberliga Nordost Nord auf 7 Tore.
Von Ratifo und Benyamina erhofft man sich noch ein wenig mehr Tore, immerhin brachten sie zusammen 28 Treffer auf die Habenseite. Stehen zudem für konstante Leistungen im Vergleich zu den Schwankungen bei Polat, Fakhro.
Die sportliche Leitung:
Robert Schröder (38) ging in seine 2. Spielzeit als Cheftrainer. Er dürfte nun unter großem Druck stehen, denn auch diesmal soll der HFC ganz oben mitspielen. Die Leistungen und Ergebnisse in den ersten Begegnungen waren nicht so verheißungsvoll. Seine Bilanz: 41 Spiele – 23 Siege – 8 Remis – 10 Niederlagen und 84:41 Tore. Sascha Prüfer (39) unterstützt weiter als Co-Trainer. Sven Müller (30) als Torspielertrainer.
Den vakanten Posten des Sportdirektors übernahm Ex-Keeper Marian Unger (42). Als Aktiver vor allem bekannt aus Magdeburg, Zwickau, Jena, Babelsberg, Osnabrück. Absolvierte 55 Spiele in der 3. Liga für Babelsberg 03. In der Regionalliga Nordost ging es für den FSV Zwickau an den Start von 2012 bis 2016. Schaffte damals den Aufstieg mit den "Schwänen".
Die aktuelle Saison bislang:
Es läuft noch nicht so optimal. In den zwei wichtigsten Testspielen der Vorbereitung gab es Niederlagen gegen den polnischen Champions League Qualifikanten Gornik Zabrze (1:2) und Zweitligaaufsteiger Cottbus. Wobei Letzteres aus unrühmlichen Gründen beim Stand von 0:2 abgebrochen wurde. Der Ligastart in Greifswald durchwachsen, am Ende konnte zumindest der Punkt beim 2:2 und der Rückkehr von Sofian Benyamina an die alte Wirkungsstätte gerettet werden. Anderes Bild beim Klassiker gegen Mitfavorit FC Rot-Weiß Erfurt. Die "Führung aus dem Nichts" gegen meist spielbestimmende Thüringer wurde in der Nachspielzeit noch egalisiert. Letztendlich wäre ein Sieg glücklich gewesen. Der Mittwoch sah dann das brisante Duell in Leutzsch mit Siegtor in der Nachspielzeit durch einen Sonntagsschuss des bislang herausragenden Niclas Sterlin nach "typischem 0:0-Spiel". Glücklich war man am Ende nur über das Ergebnis. Es ist noch viel Luft nach oben.
Im DFB-Pokal geht es am 24.08.2026 gegen Erstligaaufsteiger Schalke 04, wieder ein Team aus der höchsten Liga des Landes nach dem FC Augsburg im Vorjahr und zuvor FC St. Pauli. Beide Male schlug sich der HFC mehr als achtbar und hatte die Gäste jeweils am Rand einer Niederlage.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor hat Luca Bendel (22) erstmal die Nase vorn, Sven Müller dürfte noch eine Weile ausfallen. Dahinter kommen Keno-Miguel Meyer (20) und Moritz Schulze (25). Am Sonntag sind keine Veränderungen zu erwarten.
In der Abwehr versuchte es der HFC in den bisherigen 3 Spielen mit der Dreierkette. Damit also die defensivere Variante. Hier haben bislang Niklas Landgraf (30), Burim Halili (28) und Felix Langhammer (20/1) das Vertrauen der Trainer. Landgraf im mittlerweile 10. Jahr bei den Rot-Weißen, eine absolute Konstante im Verein. 2010 ging es für den gebürtigen Chemnitzer vom CFC zu Dynamo Dresden. 2017 dann nach Halle. Vin Kastull (21), Robert Berger (30) und Pascal Schmedemann (26) kamen über Kurzeinsätze noch nicht hinaus. Rückkehrer Niklas Kastenhofer (27) konnte noch nicht eingreifen.
Im Mittelfeld stehen für die "Doppel-6" wie die zentrale "8er" Position Lennard Becker (20) und Niclas Stierlin (26/3) bereit. Letzterer bislang wohl die "Lebensversicherung" der Gastgeber. Enorm wichtige Treffer gegen Erfurt, in Greifswald und zum glücklichen Ende am Mittwoch. Leitete im Vorjahr beim 1:3 in der Saalestadt unserer Niederlage bereits nach 120 Sekunden ein, zuvor 3-mal bei Hertha 03 Zehlendorf erfolgreich. Elias Lorenz (20) ist noch ohne Spielpraxis. Marius Hauptmann (26) und Max Kulke (25) gelten als offensiv ausgerichtet, dürften auch gegen uns wieder in der Anfangself stehen.
Prunkstück der Mannschaft der Angriff. Wie der CFC hat man gleich zwei sehr gute Mittelstürmer. Nationalspieler Stanley Ratifo (31) konnte noch nicht als Torschütze glänzen. Soufian Benyamina (36) ebenfalls, musste zudem beim Mittwochspiel passen. Hier liegen wir mit schon 5 Toren durch Jonas Marx und Ron Berlinski deutlich vorn. Auf den beiden Flügeln verkörpern Fabrice Daniel Hartmann (26), Julien Damelang (22), der Portugiese Bocar Baro (28) ebenfalls mindestens gutes Regionalliga-Niveau, wobei Hartmann beide Seiten bedienen kann. Baro mit 10 Toren 2025/2026 und "Sahne-Tag" beim 5:0 in Eilenburg als vierfacher Torschütze. Noch warten die Hallenser auf das erste Stürmertor.
25,99 Jahre im Schnitt hat das Aufgebot des HFC auf dem Buckel, damit einer der erfahrenen Kader der Liga. Der CFC liegt noch leicht drüber (26,46). Mit Langhammer, Bendel, Becker, Damelang mischen aber auch jüngere Spieler gut mit. Das Team hat das Potential, oben mitzuspielen und sich auch spielerisch besser zu präsentieren als zuletzt.
Krankenlager / Strafbank:
Stammkeeper Sven Müller (30) fehlt seit Juli wegen einer Halswirbelsäulenverletzung wie bereits schon mal von 2024 bis 2025 für knapp 6 Monate. Einsatz am Sonntag also eher sehr unwahrscheinlich. Mit Keno-Miguel Meyer (20) musste zuletzt ein weiterer Keeper wegen einer Fingerverletzung pausieren. Damit standen am vergangenen Mittwoch in Leutzsch nur Luca Bendel (22) und Moritz Schulze (25) auf der Position bereit.
Prognose:
Es wird schwierig, am Ende auf Platz 1 zu landen. Es kann letztendlich nur gelingen, wenn Neuzugänge wie Benyamina und Ratifo voll einschlagen. Die aber auch entsprechende Unterstützung der Reihe dahinter benötigen. Am Ende wird es wohl eher Platz 3-5.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Das 74. Spiel steht an, ein echter "Klassiker in Mitteldeutschland". Wir haben die Nase vorn mit 24 gegen 21 Siegen der Hallenser. Relativ oft ging es Remis aus, 28-mal. Insgesamt 92:84 Tore wurden verbucht. In Halle ist die Statistik aus unserer Sicht ausbaufähig, das 1:3 im Vorjahr am 07.03.2026 war die 16. Niederlage. Allerdings sahen die Himmelblauen in den letzten Jahren durchaus gut bei ihren Gastspielen dort aus. Die Pleite im März war erst die 2. in den letzten 7 Duellen dort. Dagegen standen beachtliche 4 Siege der bislang 10, denkwürdig beim 1:0 durch Seo kurz vor Ende.
Das Umfeld / Wirtschaft/ Stimmung:
Letztere könnte sicher etwas besser sein. Daran hat auch der Sieg am Mittwoch wenig geändert. Als Ergebnis der Saison 2025/2026 blieb der im Grunde Tiefpunkt mit Platz 4 in der Viertklassigkeit nach den zeitweise durchaus guten Jahren in der 3. Liga und dem 2. Platz 2024/2025. Der Druck, diesmal die Rückkehr in die Drittklassigkeit zu schaffen, ist nicht geringer als bei Titelverteidiger Lok, in Jena oder Erfurt. Es dürfte eine richtungsweisende Spielzeit werden, weitere Jahre in der 4. Liga zu verbringen, kann man schwer vermitteln. Im vergangenen Jahr bevölkerten im Schnitt 7.267 die Ränge des "Leuna Chemie-Stadion". Zweitbester Zuspruch der Regionalliga Nordost, hinter Erfurt (7.645). Ein nur leichter Rückgang zu 7.543 aus dem "Vizemeister-Jahr". Zahlen eines guten Drittligisten. "Kassenschlager" die Gastspiele der Leipziger. Gegen Lok kamen 11.300, Chemie toppte das mit 12.166. Den CFC wollten wenige Stunden nach dem Lizenzverzicht auf Liga 3 7.300 sehen. Am Sonntag sollte man mit einem ähnlichen Wert rechnen.
Wirtschaftlich muss der HFC weiter hart arbeiten, um die Bedingungen für das Anpeilen der Spitze zu etablieren. Nach wie vor heißt der Kurs "Konsolidierung", Kernpunkt der Abbau des negativen Eigenkapitals. Das belief sich zum 30.06.2025 auf 508.000 € von zuvor 534.717 €. Erreicht durch ein positives Jahresergebnis. Begründet auch durch einen strikten Sparkurs. Enorm wichtig der erneute Einzug in den DFB-Pokal mit zudem enorm attraktiven Gegner in Runde 1, wenn Schalke in Halle aufläuft. Ein ausverkauftes Stadion sollte garantiert sein. Hilfreich bleibt auch die solide Basis der Sponsoren. Führend hier die Stadtwerke, die regionale Sparkasse, der Namenssponsor der Spielstätte und die überregional bekannte traditionsreiche Firma für allerlei süße Naschereien. Chef des Vorstands und somit Präsident ist René Walther. Auch hier klar abgegrenzte Aufgabenbereiche für Vize Oliver Kühr (Nachwuchs / Frauen) - Christian Brauer (Finanzen) - Andreas Muth (Fanshop) - Oliver Sock (Geschäftsstelle und Mitgliederwesen) als zweiter Stellvertreter Walthers.