Bücherecke


Die dritte Halbzeit - Hooligans in Berlin-Ost
Die dritte Halbzeit - Hooligans in Berlin-Ost
von Klaus Farin, Harald Hauswald

Einband: Broschur
Inhalt: 132 Seiten, zahlreiche Fotos
Verlag: Tilsner-Verlag, Bad Tölz
Erscheinungsjahr: 2002
ISBN-10: 3-910079-49-0
Preis: 15,00€
Kauftip:
Absolute Empfehlung. auf jeden Fall reinschauenAbsolute Empfehlung. auf jeden Fall reinschauenAbsolute Empfehlung. auf jeden Fall reinschauenAbsolute Empfehlung. auf jeden Fall reinschauen

CFC-Bezug:
Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.Geringer CFC-Bezug.
Rezension von Peter Rohleder (20.01.2003)

"Die dritte Halbzeit"

Im Sommer 2002 erschien in einer Neuausgabe das Dokumentarbuch "Die dritte Halbzeit", das sich mit dem Thema Hooliganismus unmittelbar vor und nach der Wende beschäftigt. Beschränkt es sich inhaltlich zwar nur auf die Berliner Fanszene, so ist es gerade in den heutigen Tagen, wenn man in eine benachbarte Großstadt blickt, von nur allzu großer Aktualität. Die zahlreichen ausdrucksstarken Fotos fallen zuerst ins Auge. Und das Bild auf Seite 17 schrieb Geschichte. Für den 1. FC Union. Denn nie zuvor hatte es später eine solche Entweihung der Südkurve des Dr. Kurt-Fischer-Stadions in Karl-Marx-Stadt gegeben. Das Foto, gleichzeitig auch das Titelbild des Buches, zeigt eine jubelnde Berliner Masse, die, 1988 den Klassenerhalt feiernd, den eigentlichen FCK-Fanblock bevölkert, dann den Gitterzaun überwindet und das Spielfeld stürmt. Mario Maek konnte eben das 3:2 erzielen. Was aber hatten die Unioner im FCK-Block verloren? Wie konnten sie das schaffen? Genau darum geht es hier. Hooligans in Berlin-Ost heißt es im Untertitel, Fußball-Mitreisende also, welche ausschließlich mit Fausthieb und Fußtritt ihre Sportbegeisterung ausleben. "Andere Leute verprügeln ihre Frau zu Hause, und ich prügel mich beim Fußball rum" erzählt Thomas, 26, Student. Auch Bäcker Mario und Lagerist Heiko sprechen über sich, über Hooligans, Punks, Zivis und Bullen. Und über Gewalt als einzig probates Mittel.

Aufgezeichnet hat die Interviews der Szenekenner Klaus Farin, der 1997 auch das Archiv für Jugendkulturen gründete. Zahlreiche, teilweise erschreckende Bilder trug der (Ost-)Berliner Fotograf Harald Hauswald (BVK) bei, von denen einige er auch in Karl-Marx-Stadt schoss. Damals 1988. Gegenüber der Erstausgabe von 1993 aber wurde das Buch um einige Seiten gekürzt. Trotzdem sind 15 Euro für diese Dokumentation äußerst heftig. Denn vor allem die Jugend sollte eigentlich Zielgruppe des Buches sein und sich mit diesem Werk beschäftigen. Dafür ist es heute ist es ruhig auf der Fischerwiese. Berliner kommen nicht mehr, und Gewalt ist vorwiegend woanders ein Thema. Jedenfalls noch bis 2006. Dann wird alles geglättet sein.
<< zurück