Saison 1988/1989
FCK / DDR-Oberliga



 
BFC Dynamo
BFC Dynamo1:0FC Karl-Marx-Stadt
FC Karl-Marx-Stadt
Finale - FDGB-Pokal - Saison 1988/1989
Samstag, 01. April 1989, 15:00 Uhr
Stadion der Weltjugend, Berlin
Zuschauer: 35.000
Schiedsrichter: Ziller (Königsbrück)
BFC DynamoTorfolgeFC Karl-Marx-Stadt
T Rudwaleit
A B. Schulz
A Reich
A Köller
A Zöphel (83. Ksienzyk)
M Fügner
M Rohde
M Ernst
M Küttner (85. Albrecht)
S Thom
S Doll

Trainer: Jürgen Bogs
1:0 Thom (57.)

T Schmidt
A Illing
A Laudeley
A Barsikow
A Köhler
M Wienhold
M Heidrich (58. Ziffert)
M D. Müller
M Keller (72. Seifert)
S Mehlhorn
S Richter

Trainer: Hans Meyer
Pressestimmen

Fuwo

BFC behält den Pokal!

Über die Logik des Sieges

[..] Welche Logik galt denn vor dem Anstoß? Daß die Dynamos als zehnfacher Champion und Pokalverteidiger der klare Favorit sind gegen eine Bisher-Mittelfeldelf des FCK? Und daß die Weinroten mindestens drei aktuelle Nationalspieler in ihren Reihen haben und der Außenseiter auf seinen, auf Rico Steinmann, wegen Verletzung verzichten muß? Oder galt mehr, daß die Hauptstädter zweifellos momentan nicht mehr die Souveränität und Spielsicherheit vergangener Jahre besitzen, in der Meisterschaft zuletzt gar gebeutelt wurden und die Karl-Marx-Städter unter der Meyerschen Regie mit ihren himmelblauen Dressen schon das Licht kommender EC-Tage sehen, mit spielerisch beachtlichen Leistungen sich selbst neue Maßstäbe setzten? [..]

Logik während des Spieles

Der spätere Sieger wollte mit Bogsschem Nachdenken durch Umbesetzungen Stabilität in der Abwehr garantieren und für mehr Motorik im Mittelfeld sorgen [..]. Er wußte um eine mögliche nervliche Anfälligkeit bei einem Rückstand und verstand es, dem aus dem Wege zu gehen; nicht zuletzt durch Rudwaleits Rettungstat beim tollen Direktschuß von Heidrich (14.). "Notfalls auf die Verlängerung bauen, denn darauf sind wir doch spezialisiert", Thomas Dolls Kommentar verriet die innere Einstellung der Dynamos, Sicherheit und Cleverneß im Ernstfall auszuspielen. Meyers Pläne konnten sicherlich in erster Linie nur dahin gehen, dem BFC auch den Kampf anzubieten, aber seine Elf hätte dabei nicht zuviel des Spielerischen opfern dürfen. Fast nur lang geschlagene Bälle sind zwar für Richter [..] nicht unangebracht, doch auf die Dauer stellt sich der Kontrahent darauf ein. Nicht zuletzt atmeten die Himmelblauen am Ende mehr als die Weinroten, weil die weiten Wege einige Spieler (Wienhold, Müller, Heidrich) überforderten. Die Logik, den beiden gefährlichen BFC-Angreifern Doll und Thom durch Laudeley und Illing fast gleichschnelle und vor allem zweikampfstarke Akteure als Pärchen-Deckungsbetrieb anzubieten, geriet ins Wackeln, weil die "Berliner Zwillinge" sich mit ihrer technischen Sicherheit und dem Fintenrepertoire, durch ihre Aktivität immer wieder zu entziehen vermochten. [..] Aber eben nicht unerwartet, weil über neunzig Minuten jedes Deckungsprinzip seine Löcher offenbart, zumal wenn nach dem Laufduell vor dem alles entscheidenden Treffer Thom zwar in eine günstige, aber niemals hundertprozentige Torschußsituation kam, ihm erst der bis dahin erstklassige J. Schmidt durch das unnötige Verlassen seines Gehäuses den leichtesten Weg für die Torerzielung ebnete. Daß der FCK danach sofort und nicht erst in den wirklich letzten Minuten alles auf eine Karte hätte setzen müssen, dieser Logik folgte er nicht und ersparte dem BFC [..] größere Probleme und Unsicherheiten.

Logik des Erfolges

Sie ergab sich aus dem Übergewicht in der individuellen Klasse einzelner Spieler. Im fehlerlosen Rudwaleit, im Rackerer Rohde mit Entscheidungsvorlage nach Direktspiel mit Thom, in der Beweglichkeit von Doll, im Engagement von Thom. Daß eben bei relativer Ausgeglichenheit auf den meisten Positionen eine Aktion und letztlich ein Spieler ein ganzes Finale entscheiden können, Thom unterstrich es erneut bei seiner überlegten Verwandlung mit jener Ruhe vor dem Tor, die den FCK-Akteuren abging, je näher sie dem Gehäuse kamen, weil ihre Möglichkeiten zu oft herausgekämpft, zu wenig erspielt waren. Zudem lagen die Chancenvorteile ohnehin bei den Berlinern, insbesondere zwischen der 15. und 35. Minute. [..]

Logik der Gewißheit

Bis zum Endspiel konnten beide Mannschaften zwei EC-Eisen schmieden. Für die Berliner mit der Schon-Startberechtigung im EC II und damit der Gewissheit internationaler Repräsentanz auch in der nächsten Saison kann der Erfolg zusätzlich noch heilende Wirkung tätigen, was die Auftritte in der Meisterschaft betrifft [..]. Der FCK hat die erste Chance von den Füßen und Köpfen gleiten lassen, aber immerhin sind durch die Vortagsniederlage des FCL in Dresden über Nacht die Plazierungschancen gestiegen. Vielleicht führt diese Gewißheit im Championatsringen zu zuvor gezeigter spielerischer Stärke zurück. Das wäre doch wohl nur logisch, wenn er seine heimlichen internationalen Träume erfüllt sehen will. [..]

(Jürgen Nöldner)

Fuwo

Die spielentscheidende Szene

1:0 Thom (57.)

Kapitän Rohde schickt Thom mit einem Steilpaß fast von der Mittellinie halblinks auf die Reise. Der dringt in den Strafraum ein, schiebt aus gut 15 Metern den Ball flach am herauskommenden Schmidt vorbei in die lange Ecke. "In der Szene war ich ganz ruhig, obwohl es sonst ein ziemlich großes Spiel der Nerven war. Ich sah den Torhüter rauskommen und wollte ganz sicher gehen, habe den Ball nicht einmal sehr scharf an ihm vorbeigeschoben", schilderte der Schütze. Und aus der Sicht von Jens Schmidt sah das so aus: "Nachdem wir schlecht abgesichert hatten und Thom allein auf das Tor zukam, wollte ich retten, was noch zu retten war. Ich lief ihm entgegen, um an den Ball zu kommen, den er sich vorgelegt hatte. Ein Stückchen hat gefehlt."



Trainerstimmen

Hans Meyer (Fuwo)
"Am Ende war es ein verdienter Sieg des BFC Dynamo. Das Spiel war lange Zeit von der Taktik gekennzeichnet. Der BFC wollte nach seiner jüngsten Heimniederlage in keinen Konter laufen, und wir waren ja durch die 1:5-Punktspielniederlage gegen ihn hinreichend gewarnt. Am entscheidenden Tor haben wir leider maßgeblich mitgeholfen. Insgesamt hat sich gezeigt, daß bei uns mehrere Spieler, die zuletzt immer eine Bank waren, heute nicht Herr ihrer Nerven wurden. Das beziehe ich insbesondere auf Illing, Heidrich und Schmidt. [..] Das Bemühen war zwar bei allen zu spüren, aber wir fanden keine klare Linie. Es wurde mehr mit der Brechstange versucht, als eine feine Klinge geschlagen. Der nun erfolgreiche Pokalverteidiger setzte zwar auch keine spielerischen Glanzlichter, aber in der entscheidenden Szene spielte er eben seine Cleverneß aus. Er war an diesem Tag durchaus zu packen. Dazu hätten wir jedoch stärker auftrumpfen müssen."

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