Saison 2003/2004
CFC / Regionalliga



 
KFC Uerdingen
KFC Uerdingen1:2Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
5. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2003/2004
Samstag, 30. August 2003, 14:00 Uhr
Grotenburgkampfbahn, Krefeld
Zuschauer: 2.369
Schiedsrichter: Weiner (Giesen)
KFC UerdingenTorfolgeChemnitzer FC
T Selke
A Spanier (83. Heun)
A EversGelbe Karte
A Eraslan
A Tauer
M Baltes
M ÖzkayaGelbe Karte
M Luis
M Nouri (62. CebeGelbe Karte)
S Feldhoff
S Reichenberger

Trainer: Wollitz
1:0 Özkaya (43.)
1:1 Prymula (59.)
1:2 Gillert (81.)

Besondere Vorkommnisse:
Rot für Göhlert (60.)

T Hiemann
A Karl
A Ahlf
A TeichmannGelbe Karte
M Wächtler
M Zivic
M GöhlertRote Karte
M Mehlhorn
S Prymula (85. Meyer)
S MeissnerGelbe Karte (90. Baumann)
S BiermannGelbe Karte (67. Gillert)

Trainer: Rohde
Spielbericht

Himmelblauer Betonmischer kehrt mit 3 fetten Punkten aus Uerdingen heim

Von Frank Neubert

Die Grotenburg vor dem Spiel "Das ist doch nicht mein CFC..." - diesen Satz konnte man am Samstag im Bereich des Gästeblockes der Krefelder Grotenburg gegen 15:45 Uhr ziemlich oft hören. Der CFC hatte soeben seiner Vereinsstatistik den ersten Sieg gegen den KFC Uerdingen hinzugefügt. Aber nicht nur dies, nein, die Himmelblauen hatten seit langer, langer Zeit mal wieder einen 0:1-Pausenrückstand blitzsauber in einen 2:1-Auswärtssieg umgewandelt. Und der zweite Treffer wurde dabei sogar in Unterzahl erzielt. Mal ehrlich, wann hat es sowas zum letzten Mal in himmelblauer Farbverpackung eigentlich gegeben!?

Der Zeiger der Uhr begrüßte gerade die 8. Stunde, als sich ein Teil der tapferen PS-Ritter auf die Reise gen Uerdingen begab. Nach staufreier Fahrt und zwischenzeitlichen Telefonaten mit dem Nobelhobel der Ultras, erreichte man ca. 1 Stunde vor dem Anstoß gut gelaunt die Krefelder Grotenburg. Gerade war die erste Flasche Bier geöffnet, wurde man von den gleich im Sixpack anrollenden grünen Männlein auch schon belehrt, daß angetrunkene Personen das Stadion keinesfalls betreten dürften. Noch beim Hinunterschlucken dieses üblen Gedankens fingen die Förster an, ungefragt (!) im Auto herumzuwühlen - was dessen Besitzer nach einer Weile des interessierten Zuschauens als Frage des Dürfens in den Raum stellte. Nach sofortiger Androhung, daß dieses Gespräch auch für die nächsten 4 Stunden auf der Wache weitergeführt werden könne, zog man auf Fanseite schlußendlich Deeskalation und "Schweigen ist Gold" vor und enterte den Rasentempel. Dabei wurde noch beobachtet, wie ein schwankender Chemnitzer einem Ordner sprudelnd erklärte, daß er nur Safffft getrunken hätte. Er durfte rein...

Die erste Überraschung gab es bereits bei den Aufstellungen. Trainer Wuschi Rohde, der bisher immer sein Stammteam auflaufen ließ, stellte den in einer Blitzaktion erst am Vortage zum CFC zurückgekehrten Krystian Prymula von Beginn an auf. Einige Leutz im Gästeblock glaubten übrigens bis zum Schlußpfiff daran, daß im Trikot mit der Nummer 9 Sebastian Arzt stecken würde. Die zweite Überraschung war der eigentliche Spielbeginn, der einen offensiven und aggresiven CFC erlebte. Schon in der dritten Minute gab es die erste Chance: Biermann spielt auf den lauf- und einsatzfreudigen Prymula, dessen Schuß aus halbrechter Position jedoch über die Latte geht. Auch in den Folgeminuten blieben die Himmelblauen am Drücker und ließen dem Gastgeber keine Gelegenheit, sein Spiel zu entfalten. Nach einer Viertelstunde befreiten sich die Krefelder etwas von dem Druck der Gäste und erreichten nach und nach gleiche Spielanteile. Besonders Spielmacher Nouri wußte auf Uerdinger Seite nun die Knoten im Mittelfeld zu knüpfen. Die nächste Chance sollte jedoch erneut der CFC haben, als Wächtler in der 30. Minute nach einer Ecke von Zivic aus dem Hinterhalt abzieht - allerdings mit zu wenig Zielwasser im Schuh. Beim CFC fiel auf, daß oft versucht wurde, Prymula in Szene zu setzen - entweder per direktem Zuspiel oder per Steilvorlage, um seine enorme Schnelligkeit auszunutzen. Der Kick bewegte sich mit viel Mittelfeldgewürge langsam auf die Halbzeit zu und im CFC-Block ärgerte man sich zum Teil schon über die unbelohnte, beherzte Anfangsviertelstunde. 2 Minuten vor dem Pausenpfiff wird der CFC im Vorwärtsgang ausgebremst, als ein Zuspiel auf Meissner per Kopf abgefangen wird - Nouri spielt sofort auf Özkaya, der auf rechts durchstartet, Teichmann überläuft, und genau vor der Gästekurve zum völlig überraschenden 1:0 für den KFC einschiesst. Na toll, mal wieder ein völlig unnötiger und für den Gegner psychologisch wertvoller Treffer gegen den Club. Die betroffenen Mienen im Gästeblock trafen auf die angesäuerten Gesichter im selbigen Bereich...

Beide Teams kamen unverändert aus der Pause, allerdings änderte sich jetzt das Bild des Spieles. Trainer Wollitz, der zusammen mit CFC-Coach Rohde schon das Hertha-Trikot getragen hatte, schien sein Team gründlicher motiviert zu haben, denn fortan berannte der KFC Uerdingen den Kasten der Chemnitzer und es schien nur eine Frage der Zeit, wann das zweite Gegentor fallen würde. Natürlich stand die Abwehr um Karl, Teichmann und Ahlf wieder ihren Mann, natürlich kämpfte und rannte das ganze Team - aber die in loser Folge in den Chemnitzer Strafraum segelnden Flanken ließen Schlimmes befürchten. Reichenberger köpft nach einer Ecke zum Glück über die Latte und etwas später klärt Ahlf auf der Linie für den schon geschlagenen Hiemann. Mitten in dieser Druckphase der erste gescheite Konter: Zivic schickt Mehlhorn auf der linken Außenbahn nach vorn, dieser flankt nach innen, wo sich Prymula gegen 2 orientierungslose Abwehrspieler durchsetzt und den Ball per Flachschuß sofort auf das Tor knallt. RUMMS! Und da stand es 1:1! Ausgerechnet Prymula! Große Freude im Gästeblock und auf der Chemnitzer Trainerbank!
Nur 2 Minuten später: Nouri führt den Ball durch das Mittelfeld und wird von Göhlert in einer ungestümen Attacke vom Ball getrennt. Schieri Weiner zögert keine Sekunde und verpasst dem Chemnitzer sofort die rote Karte. Wütende Proteste im Gästeblock, da bereits vorher einige Uerdinger durch Flugeinlagen geglänzt hatten. Das dem nicht so war, zeigte die medizinische Behandlung und Auswechslung des KFC-Spielers. Später gab "Göhli" am Zaun zu, den Uerdinger tatsächlich berührt zu haben.

Jubel nach dem Sieg Nun wieder schwerste Bedenken bei den mitgereisten Fans, wie der Club die restlichen 30 Minuten bei diesem Druck und mit einem Mann weniger überstehen wollte. Die Wechselspielchen auf beiden Seiten begannen, bei den Himmelblauen kommt Gillert für Biermann ins Spiel. Uerdingen drückt, der CFC rührt Beton an. Leider zeigte sich auch hier wieder, daß wie schon in Bremen bei eigenem Ballbesitz viel zu unkonzentriert nach vorn gespielt wurde und das Leder nahezu postwendend der eigenen Abwehr erneut um die Ohren flog. Cebe säbelt zum Glück nach einer Flanke per Direktannahme über das Tor. Dann die 81.Minute - Karl drischt das Leder mit einem wuchtigen Schlag aus der Abwehr, dieses flüchtet weit in die Uerdinger Hälfte, wo der Gegenspieler von Gillert den Kopfball unterläuft und der Youngster mit dem Leder davonzieht. Prymula läuft rechts mit, Gillert schlägt noch einen Haken um 2 Abwehrspieler und zieht einfach trocken ab - und die Kugel schlägt zum 1:2 hinter dem unglücklichen Selke ein. JAUU!! Riesentrubel im Gästeblock, himmelblaue Freudenknäule toben über die alten und bröckligen Traversen. Unfassbar! Der Club geht in Unterzahl in Uerdingen in Führung - man kam sich vor, wie in einem patriotischen Märchenfilm. Der KFC antwortet mit letzten wütenden Angriffen, sogar Torwart Selke geht jetzt mit nach vorn. Baumann wird eingewechselt. "Abpfeiffen" schallt es durch das Rund. Nachspielzeit läuft. Wieder einmal verharrt Hiemann auf seiner Linie und am rechten Toreck steigt Cebe frei zum Kopfball nach oben - der Ausgleich - Nein - Hiemanns Schatten hat den Ball mit einer Glanzparade irgendwie noch zu fassen bekommen und genau auf der Linie festgenagelt! Dann endlich, endlich pfeift der Schieri ab!
Die CFC-Kicker kommen geschlossen an den Zaun, um sich bei den mitgereisten Fans zu bedanken und kurz La-Ola zu feiern. Viele von Ihnen tragen ein stolz-spitzbübisches Lachen auf den Lippen, daß sie dieses eigentlich schon verlorene Spiel noch derart sensationell gedreht haben. Steffen Karl mit breitem Lachen auf die Frage, wie man so ein Ding denn noch gewinnen kann: "Das weiß ich auch nicht so richtig..."

Fazit: Der CFC hat in Uerdingen einen glücklichen Auswärtssieg erzielt. Die Abwehr stand zwar erneut sehr sicher, aber daß die zwei einzigen klug vorgetragenen Konter gleich zu 2 Toren führen, passiert nun wirklich nicht alle Tage - und beim CFC schon gar nicht. Für die Moral und den Zusammenhalt der Truppe sollte dieser Sieg natürlich eine Menge positiver Energie abwerfen. Schon erstaunlich, was hier "Wuschi" Rohde in wenigen Wochen bewirkt hat. Daher auch ein großer Dank für die bisher erzielten 11 Punkte an seine Adresse. Passend dazu natürlich das gute Händchen des CFC-Coaches, Prymula von Beginn an zu bringen und dessen Riecher beim 1:1-Ausgleichstreffer. Der CFC kann der Spitzenpartie gegen Braunschweig nunmehr gelassen entgegenblicken. Mit 11 Punkten liegt man auf jeden Fall im Soll. Allen Phantasten, die jetzt schon auf den Abstand zu Braunschweig stieren, anstatt nach unten zu schauen, sei dringend angeraten - trotz aller Freude - die himmelblaue Brille schleunigst abzusetzen.


Wertung: 2,5

Beste Himmelblaue: Prymula, Meissner, Teichmann

Pressestimmen

Freie Presse Chemnitz
Himmelblaue Glückseligkeit [..] Kaum einer der 2.369 Zuschauer im Krefelder Grotenburg-Stadion hätte zur Pause noch einen Pfifferling auf den Chemnitzer FC gegeben. Außer den rund 70 mitgereisten Himmelblauen vielleicht. [..] "Ruhig Jungs, wir machen unser Tor", hatte CFC-Trainer Frank Rohde seinen Spielern mit auf den Weg gegeben. Am Ende waren es nicht nur eins, sondern der CFC gewann sogar mit 2:1 und bleibt weiter ungeschlagen.

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