Saison 2010/2011
CFC / Regionalliga



 
Hannover 96 II
Hannover 96 II1:2Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
10. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2010/2011
Samstag, 16. Oktober 2010, 13:30 Uhr
AWD-Arena, Hannover
Zuschauer: 246
Schiedsrichter: Bartsch (Böttigheim)
Hannover 96 IITorfolgeChemnitzer FC
T Zieler
A GießelmannGelbe Karte
A Wendel
A Ernst
A Bopp (53. Aycicek)
M Beil
M Fuchs
M KarowGelbe Karte
M Hofmann
S Rama (59. Büchler)
S EvseevGelbe Karte (74. Dursun)

Trainer: Bergmann
0:1 Garbuschewski (43.)
0:2 Peßolat (70.)
1:2 Fuchs (83.)

T Pentke
A Löwe
A Richter
A Sträßer
A TrehkopfGelbe Karte
M Schlosser (89. Schaschko)
M Wilke
M Peßolat
M Garbuschewski (90. Fröhlich)
S HampfGelbe Karte
S Dobry (90. Förster)

Trainer: Schädlich
Spielbericht

Der Club auf dem Weg zur Wahnsinns-Startbilanz

Von Frank Neubert

"Wahnsinn!" - dieses Wort hörte man nach Spielschluß selbst aus den Mündern der Altvorderen und Weitgefahrenen, die sich nämlich nicht erinnern konnten, jemals einen solchen Saisonstart ihres FCK bzw. CFC miterlebt zu haben! So sehr die grauen Zellen auch bemüht wurden, eine Serie von 1 Remis und 9 Siegen fiel niemanden ein. Irgendjemand meinte, dass so etwas in den 70ern einmal vorgekommen sein soll. Keiner wusste es genau - wie auch, denn in diesen alten Zeiten sind selbst die heutigen Althaken noch als Stifte vom Vater mit auf die Fischerwiese geschleppt worden! Das der Einwurf stimmte, konnte erst daheim am PC überprüft werden. Denn es ist tatsächlich richtig, der Club jagt derzeit seinen Startrekord aus der Saison 1970-71 - damals jubelte man nach 13 Spieltagen über 1 Remis und 12 Siege und thronte mit 25:1 Punkten und 35:5 Toren mit 6 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der DDR-Liga.

Gepfefferte Preise am Imbissstand in der AWD-ArenaDieser ganze statistische Kram war den meisten der knapp 200 mitgereisten CFC-Fans nach dem Schlußpfiff in der Hannoveraner AWD-Arena aber irgendwo herzlich egal, denn der Club hatte in den 90 Minuten einen verdienten 2:1-Auswärtssieg eingefahren und seine komfortable Spitzenposition in der RL weiter untermauert. Viele Augen und Ohren waren während des Spiels auf den Zwischenstand aus Leipzig fixiert, wo die beiden ärgsten Verfolger des CFC aufeinandertrafen. Der Zwischenstand von 1:0 für die kleinen Golfsburger wurde erfreut zur Kenntnis genommen, und dabei lebhaft diskutiert, ob nun ein Remis besser wäre oder das 0:1 so Bestand haben sollte. Vielerorts einigte man sich darauf, daß es aufgrund der finanziellen Atomwaffen der Brauseballer besser wäre, wenn bei RB die Dose weiterhin leer bliebe.

Bevor es die drei himmelblauen Punkte zu bejubeln gab, musste man für stolze 10 Teuro eine 20cm lange Eintrittskarte erwerben und eine penible Eingangskontrolle über sich ergehen lassen. Allerdings sei am Rande erwähnt, dass das Ordnertier beim Durchfummeln aller Öffnungen noch nicht mal einen - aus Versehen am Mann anstatt im Auto verbliebenen - alten FCK-Flaschenöffner in schwerer Guss-Ausführung bemerkte. Was hätte man damit im Stadion alles anstellen können ;-)! Ein mögliches Ziel des Terrors wäre die Imbissbude im Gästeblock gewesen, die tatsächlich für ein 0,5er Bier satte 3,80 Euronen haben wollte. Hallo, jemand da!? Erde an Niedersachsen!! Die WM 2006 mit ihren ganzen Abzockritualen sollte seit vier Jahren Geschichte sein!

Wer sich trotzdem ein derart königliches Getränk leisten konnte, musste den Plastebecher mit dem kühlen Nass in der 6. Minute gut festhalten, denn da gab es den ersten Aufreger. Der ansonsten solide agierende Richter spielte den Ball in die Füße von H96-Angreifer Fuchs, der sofort in den Strafraum ging, abzog, und seinen Meister in Pentke fand. Nach diesem Schreck kam der Club besser in die Partie und erspielte sich sowohl Feld- als auch Chancenvorteile. Dreh- und Angelpunkt des himmelblauen Spiels war erstaunlicherweise Dobry, der an Stelle von Fröhlich den Vorzug bekam und dabei eine durchaus engagierte und kampfstarke Partie ablieferte. Chancen zur verdienten Führung boten sich Dobry (12.). Hampf (26.) und Garbuschewski (35.), doch der Ball wollte noch nicht im Tor der Niedersachsen einschlagen. Diese Widerborstigkeit beendete Garbuschewski zwei Minuten vor der Halbzeit, als er einen abgewehrten Ball urplötzlich volley nahm und der Schuß aus gut 25 Metern zum 1:0 im Dreiangel einschlug - erneut ein Treffer der Marke Traumtor, so wie beim 5:0 in Leipzig!

Der schicke Endstand an der Anzeigetafel des riesigen StadionsNach gut verschwätzten 15 Minuten - bei 200 Gästefans muss man viele Hände schütteln - begann die 2. Halbzeit und die Einheimischen hatten nun einen Tick mehr vom Spiel. Pentke musste gegen die quirligen Hannoveraner gleich zweifach auf der Hut sein, bevor der Club wieder Oberwasser bekam. Genau in dieser wichtigen Phase fiel auch das 2:0 für die Guten. Richter versuchte sich aus dem Hinterhalt, Keeper Zieler hielt den Ball nicht fest, und Peßolat staubte zum 2:0 ab! Im Gästeblock ging die Post ab, und der lobenswerte Dauersupport unter Führung der UC 99 vom uralten "Kam ein kleiner Teddybär" bis zum neuen geilen "1966 - F-C-K" fand durch das Resultat die entsprechende Belohnung! Knapp und aufregend wurde es, als plötzlich der Ex-Magdeburger Fuchs zum 1:2 verkürzte und somit Pentkes zu-Null-Serie nach 878 Minuten zerstörte. Zugegebenermaßen war der Anschlußtreffer ein ebensolches Leckerli wie der Führungstreffer von Garbuschewski - aus gut 25 Metern in den Winkel.

In den restlichen Spielminuten war Schnappatmung angesagt, denn H96 bekam mit dem Anschlußtreffer die zweite Luft und blieb weiter gefährlich. In einer wüsten Situation hatte der Club das Glück des tüchtigen Spitzenreiters, als ein Spieler der Niedersachsen im Strafraum frei zum Schuß kam, der Ball aber nicht den Weg ins Netz fand, sondern am Rücken eines zweiten Hanoveraners abprallte. Puh! Trainerfuchs Schädlich wechselte in den letzten 5 Minuten dreimal aus und brachte letztlich mit seinem Team den wichtigen Sieg unter Dach und Fach! Nach dem Abpfiff stürmte Pentke und die halbe Elf durch den Unterrang hinauf zu den CFC-Fans im Oberrang und feierte den verdienten Sieg mit lautstarken "Spitzenreiter, Spitzenreiter"-Sprechchören. Wer nach dem Sieg noch Zeit und Lust hatte, sich unweit des Marktplatzes ins örtliche Brauhaus zu Speis und Trank zu begeben, der durfte feststellen, dass die Bierpreise in Hannover überall gleich verdorben sind: Für 0,4 Liter Helles musste man ernüchternde 3,40 Euro berappen.

Fazit: Und wieder ist der nächste Dreier eingefahren worden! Einfach nur sensationell, was hier derzeit abgeht! Und, es war kein "dreckiger Sieg", sondern aufgrund der höheren Spielanteile und der besseren Chancen durchaus verdient! Gut auch, dass sich Hampf und Dobry anstelle von Fröhlich und Förster schnörkellos ins himmelblaue Spiel einfügten. Damit stehen Gerd Schädlich weitere Optionen offen. Bereits am Freitag kommt mit Holstein Kiel der Absteiger aus der dritten Liga nach Chemnitz. Trotz des derzeit nur 13. Tabellenplatzes ein nicht zu unterschätzender Gradmesser für den Club! Apropos Gradmesser - am Freitag muß RBL zeitgleich zum CFC-Spiel beim zänkischen Bergvolk im rauhen Vogtland antreten. Dann wird man endgültig wissen, welchen Wert das hart umkämpfte 1:1 vom ersten Spieltag hat...

Wertung: 2,0

Beste Himmelblaue: Garbuschewski, Pentke, Dobry

Pressestimmen

MDR-Online

Chemnitz bezwingt auch 96

Der Chemnitzer FC zieht an der Spitze der Tabelle weiter unbeirrt seine Kreise. Bei Hannover 96 II fuhren die Schützlinge von Trainer Gerd Schädlich mit 2:1 bereits den neunten Sieg in Folge ein. [..] Das erste Achtungszeichen setzte Peßolat für den CFC, dessen Flachschuss von der Strafraumgrenze Torwart Zieler parierte (7.). Kurz darauf traf Dobry mit einem Kopfball nur das Außennetz. [..] Nun übernahm Chemnitz die Regie. Hampf, Dobry und mehrmals Garbuschewski vergaben Möglichkeiten. Doch kurz vor der Pause wurde der 24-Jährige belohnt: Aus 25 Metern traf er sehenswert ins linke obere Eck (43.). [..] Im zweiten Abschnitt fehlte anfangs das Tempo. Strafraumszenen waren Mangelware, der Ball wurde im Mittelfeld bewegt. Nach etwa einer Stunde wurde Hannover wieder aktiver. [..] Doch die kämpferischen 96er erhielten durch das zweite Chemnitzer Tor einen weiteren Dämpfer. Richters Schuss ließ Zieler prallen und Peßolat staubte ab (70.). Auch danach ließen die Platzherren die Flügel nicht hängen. Immerhin gelang Fuchs noch der Anschlusstreffer. Seine "Fackel" aus 25 Metern senkte sich hinter CFC-Torwart Pentke ins Tor (83.). Chemnitz erschrak nicht, sondern brachte das Spiel kontrolliert zu Ende. [..]

Freie Presse

Himmelblauen gelingt der neunte Streich

Langsam nimmt diese Erfolgsserie ungeahnte Ausmaße an. Der 2:1 (1:0)-Erfolg des Chemnitzer FC bei Hannover 96 II war bereits der neunte Sieg in der Fußball-Regionalliga hintereinander. Nur beim 1:1 zum Auftakt in Plauen gab es ein Remis. [..] Beide Mannschaften gingen offensiv in die Partie. Das erste Achtungszeichen setzte Matthias Peßolat für den CFC, dessen Flachschuss von der Strafraumgrenze Torwart Zieler parierte (7.). Im Verlauf der ersten Halbzeit übernahmen die Chemnitzer, bei denen Benjamin Förster und Christian Fröhlich geschont wurden, mehr und mehr die Regie und wurde kurz vor der Pause für seine Offensivbemühungen auch belohnt. Ronny Garbuschewski (43.) traf aus 25 Metern mit einem sehenswerten Schuss ins linke obere Eck. Nach dem Seitenwechsel kamen die Himmelblauen etwas von ihrer Linie ab. "Uns fehlte die Ruhe und Souveränität in den Aktionen", bemängelte Gerd Schädlich. Ihrem Torhüter Philipp Pentke war es zu verdanken, dass Hannover nicht zum Ausgleich kam. Bei einem Schuss aus Nahdistanz des eingewechselten Büchler parierte er glänzend. Die Weichen auf Sieg stellte dann Matthias Peßolat (70.), der im Nachschuss erfolgreich war. [..] Die Niedersachsen kamen noch zum Anschlusstreffer durch den Ex-Magdeburger Lars Fuchs (83.). Dieser Schuss aus 25 Metern war ebenso sehenswert wie der von Garbuschewski. Der Ball senkte sich hinter Pentke unhaltbar ins Tor. Damit musste der CFC-Torhüter nach 789 Minuten das erste Mal wieder hinter sich greifen. [..]


Trainerstimmen

Andreas Bergmann (MDR-Online):
"Dass unsere junge Truppe dieses Jahr Lehrgeld zahlen würde, war uns bewusst. Aber in den letzten Wochen häuft sich das. Die Mannschaft gibt viel, aber belohnt sich nicht. Mit der Leistung bin ich zufrieden, mit dem Ergebnis nicht ganz. Vielleicht wäre ein Unentschieden verdient gewesen, aber Chemnitz ist eine Spitzenmannschaft mit einigen individuellen Qualitäten."

Gerd Schädlich (MDR-Online)
"Es war eine schwierige Anfangsphase. Die ersten 15 Minuten sind wir nicht gut ins Spiel gekommen. Dann wurden wir besser und es folgten die entsprechenden Torchancen. Mit einem Sonntagsschuss von Garbuschewski kamen wir zum Führungstor. In der zweiten Halbzeit war es verteiltes Spiel, wo wir auch einige brenzlige Situationen zu überstehen hatten. Das zweite Tor fiel zu einem günstigen Zeitpunkt."

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