Das neue Zuhause: Die Chaosliga

12.06.2001, 11:28 Uhr | 853 Aufrufe
Die letzten Schlachten in der Regionalliga Nord, der Zweiten Liga und der Oberligen sind geschlagen, die Relegationen haben ihre Sieger gefunden. Die dritthöchste Spielklasse in Deutschlands Fußball hat also ihr neues Gesicht für die Saison 2001/2002 sicher. Doch sicher ist noch gar nichts. Den vor allem die Sportwelt kann die Zusammensetzung der RL Nord noch einmal stark durcheinander bringen.

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Die Karte der
Regionalliga Nord
In der kommenden Saison spielen nur noch 18 Teams in der Regionalliga Nord. Das heißt von den 19 im Jahre 2000 angetretenen Mannschaften verbleiben 12. Das wären unser Erzrivale FC Erzgebirge Aue, der VfB Lübeck, der KFC Uerdingen, der SC Verl, die SG Wattenscheid und der SV Wilhelmshaven. Dazu kommen noch 5 Vereine deren finanzielle Situation ungeklärt und damit die Lizenz gefährdet ist. Da wären der FC Sachsen Leipzig, Eintracht Braunschweig, und Rot-Weiß Essen. Die Drei hängen am Tropf der Sportwelt. Doch die will nun nicht mehr zahlen. Fortuna Köln hat ein laufendes Insolvenzverfahren, der Dresdner SC versucht noch Geld für die Deckung des kommenden Etats auf zu treiben. Und auch um Preussen Münster gibt es Gerüchte über Liquiditätsprobleme.
Sicher dagegen sind die Neuzugänge aus der 2. Bundesliga. Der CFC und der VfL Osnabrück sind beide keine neuen Gesichter, waren sie doch erst vor zwei, bzw. einem Jahr aufgestiegen.

Unsicherheiten gibt es auch bei den Aufsteigern aus der Oberliga. Zwar nicht bei den Bayer Leverkusen Amateuren und dem SC Paderborn-Neuhaus, jedoch bei den anderen Beiden, dem 1. FC Magdeburg und dem SC Göttingen 05.
Diese beiden Vereine waren auch die Einzigsten, die ein Relegationsrunde einlegen mussten. Der FCM hatte sich in der Oberliga Nordost-Süd souverän durchgesetzt und traf in zwei Spielen auf den Sieger der Nord-Staffel, dem Berliner FC Dynamo. Das Hinspiel endete 0:0 und in Magdeburg siegte der heimische FCM mit 5:2. Doch der Aufstieg ist damit keineswegs ein Faktum. Den wie bei anderen Vereinen, hängt auch hier das Schicksal von der Sportwelt ab. Hintergrund ist eine finanzielle Miesere der Kinowelt, Mutter des Sportrechtevermarkters Sportwelt, auf Grund erheblicher Kurseinbrüche an der Börse. Der notwendige Sparkurs sieht nun vor, dass nur noch Vereine der 1. und 2. Bundesliga unterstützt werden. Die vom DFB geforderten Bürgschaften in Höhe von 3,5 bis 5,9 Mio. DM werden so nun nicht mehr von der Sportwelt übernommen und müssen durch andere Sponsoren abgedeckt werden. Dies ist gerade für Vereine aus dem NOFV-Gebiet ein großes Problem. Doch auch Klubs wie Essen, Ulm oder Düsseldorf kann dies in den Ruin treiben.
Kann man aber der Sportwelt die ganze Schuld zuweisen? Denn Fakt ist auch eins: Die Vereine haben sich auf den Darlehen (!) der Kinowelt-Tochter ausgeruht. Die Gelder wurden teilweise in unsinnige oder unwirtschaftliche Projekte, sowie in völlig übertriebene Spielergehälter investiert; bei der Suche nach anderen Geldgebern ging man nicht mit letztem Einsatz vor. Doch zurück zur Relegation. Sollte nun Magdeburg keine Lizenz bekommen wäre der BFC Dynamo aufstiegsberechtigt. Aber auch diesem Verein plagen finanzielle Probleme, da dem Hauptsponsor, das "Neuer Markt"-Unternehmen LIPRO, das Geld ausgeht. So konnten erst vor dem Relegationsrückspiel die Gehälter ab Februar gezahlt werden. Am Montag nun hat der BFC bekannt gegeben, dass keine Lizenz für die Regionalliga beantragt wird. Ein weiteres Relegationsspiel zwischen den Zweitplazierten der beiden NOFV-Staffeln, dem VfB Leipzig (ebenfalls ein Sportwelt-Verein!) und den Amateuren von Hertha BSC Berlin, müsste für den Fall der Lizenzverweigerung für den 1.FC Magdeburg angesetzt werden. Das dürfte zu Problemen führen, befinden sich beide Vereine doch sicherlich schon im wohlverdienten Urlaub.
Einen ähnlichen Fall gibt es im anderen Relegationsspiel. Da trafen Holstein Kiel und der SC Göttingen aufeinander. Zu Hause gewannen die Ostseestädter mit 2:0, aber sie gaben das gute Ausgangsergebnis noch aus der Hand. Kiel verlor in Göttingen mit 0:3. Doch der SC Göttingen befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Möglicherweise war also die Aufholjagt sinnlos.
Es herrscht also ziemlich großes Durcheinander in der Regionalliga. So können sich z.B. auch die sportlich Abgestiegenen Werder Bremen Amateure, der Lüneburger SK und die Borussia Dortmund Amateure Hoffnung auf den Klassenerhalt machen. Bis Dienstag (12. Juni 2001, 24.00 Uhr) müssen die Vereine ihre Unterlagen beim DFB einreichen. Schon am Mittwoch dürfte es etwas mehr Klarheit geben. Allerdings rechnet der DFB schon für den Fall der Nichterteilung einiger Lizenzen mit einer Flut an Klageschriften, haben die Vereine doch eine Einspruchsfrist bis zum 18. Juni. Vorsorglich wurde DFB-Justiziar Goetz Eilers schon mal mit der Klärung dieser Eventualfälle beauftragt.
Es kann also nur ein Ziel für den Chemnitzer FC geben: So schnell wie möglich diese Liga wieder in Richtung 2. Bundesliga verlassen!

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